Messina: Pop-Experimente

Messina haben große Pläne für 2021: Eine Kunstvernissage, ein interaktives Browsergame und ein Debutalbum sollen her. Für letzteres haben sich die vier Bandmitglieder aus Winterthur in der Schweiz auch schon ein knappes Jahr in einem Tonstudio eingemietet und an Songs gebastelt.

Sponsored Post soll besagtes Album heißen und im Laufe des Jahres erscheinen. Als Vorboten haben Raphael Weidmann (Gitarre, Gesang), Jonathan Labusch (Gitarre, Keyboard), Gian Rosen (Schlagzeug) und Nicola Philipp (Keyboard) an Neujahr mit „Capri Song“ eine erste Single losgeschickt.
Messina sind Fans von Klangspielereien. Mit Beats, Elektronik und Instrumentalsounds probieren die vier sich aus und nehmen ihre Höhrerschaft mit zu atmosphärischen Weiten. Die Band verarbeitet tranceartige Klänge genauso wie prägnante musikalische Ideen und auch der Gesang ist je nach Grundstimmung mal ruhig und mal rhythmisch.

Fazit: Messina sind kreativ unterwegs und ihre experimentierfreudige Art geht gut ins Ohr.

10 Lieblingsbands aus 2020

Für viele Bands und MusikerInnen war das Jahr 2020 eine große Herausforderung. Aber: Trotz Lockdown, abgesagter Konzerte und Existenzängsten haben uns viele kreative Köpfe spannende neue Musik beschert. Zehn von unseren Lieblingen aus dem vergangenen Jahr wollen wir hier noch einmal hervorheben. Auch dieses Mal sind wieder sowohl Profis als auch vielversprechende Newcomer dabei. Und wie letztes Jahr war es auch jetzt wieder viel zu schwer, sich nach der Auswahl von zehn tollen Bands auch noch für eine Rangliste zu entscheiden, weshalb ihr die Bands hier jetzt ganz einfach in alphabetischer Reihenfolge findet. Wer mehr wissen will, kommt mit Klick auf den Namen zum jeweiligen Band-Portrait.

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Busty and the Bass

Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei den Kanadiern Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik.


Die P

Schon als Schülerin forderte Die P ihre MitschülerInnen zu Rapbattles heraus. Heute liefert sie starken Deutschrap und man traut ihr absolut zu, die männlich dominierte Rap-Szene umzukrempeln.


Emerson Prime

Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen bei Emerson Prime aus Hannover aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation.

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Covves: Indie-Pop in tanzbar

Die drei Indie-Musiker von Covves haben einen vollen Sound und erste Singles im Gepäck.

Eigentlich kennen sich Richard Mahlke und Marco Rose schon aus ihrer Zeit als Duo Cassettes. Seit sie sich die beiden Münchner mit Philipp Breese vor einem Jahr einen Schlagzeuger als dritten Mann mit ins Boot geholt haben, geht die Musik der Band in eine neue Runde.
Covves legen mit ihrem garagig-lauten Stil und lässigem Gesang musikalische Coolness an den Tag. Die treibenden Off-Beat-Rhythmen gehen zusammen mit markanten Gitarrenriffs und Basslines leicht ins Ohr und sorgen für gute Laune und Indie-Charakter.

Fazit: Covves sind massig in ihrem Sound und wissen durchaus auch Tanzstimmung zu verbreiten.

Karo Lynn: Akustik-Pop mit Tiefe

Ihre Stimme zieht einen unmittelbar in ihren Bann: Karo Lynn schwebt irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Sound und Indie-Pop.

Die Musikerin Karo Lynn ist in Leipzig zuhause, staubte 2019 den ersten Platz eines Talentwettbewerbs ab und hat Anfang 2020 mit Outgrow ihr zweites Album veröffentlicht.
Unverkennbar ist wohl Karo Lynns angenehm dunkle Stimmfärbung. Der Gesang besticht mit der Ausstrahlung von Gelassenheit und sanftem Nachdruck. Die Singer-Songwriterin lässt sich außerdem von einer fähigen Band begleiten, mit der sich bisweilen schöne mehrstimmige Passagen ergeben. Ganz aktuell experimentiert Karo Lynn allerdings auch wieder mit gegenteiligen Effekten und hat eine frühere Single neu als Akustikversion aufgenommen.

Fazit: Dank ihrer ergreifenden, rauen Stimme löst die Leipziger Musikerin eine besondere Faszination aus.

Dhresen: Spannende Instrumentals

Dhresen lösen eine eigene Faszination aus. Ganz ohne Gesang baut das Trio Spannung auf und malt musikalische Bilder.

Armin Wondra (Schlagzeug), Sebastian Cuy (Synthesizer) und Felix Richard (Klavier) kennen sich schon seit ihrer Jugend. Erste musikalische Projekte folgten, bis sie schließlich 2018 ihr Trio Dhresen gründeten. Nach zwei Jahren gibt es nun ganz frisch das erste Album Schleiffen der drei zu hören.
Verträumt-sphärisch nehmen Dhresen einen mit auf eine Reise durch die Harmoniewelten. Die rein instrumentale Musik hat mit ihrem oft ruhigen, untermalenden Stil und dann wieder fast epischen Passagen eine Art Filmmusik-Charakter. Besonders eindrücklich ist dabei Drummer Armin Wondra, dessen Schlagzeug bei Dhresen ganz klar eine treibende Kraft ist, während seine Bandkollegen Melodiemotive und Atmosphäre zusteuern.

Fazit: Die Musik von Dhresen ist stimmungsvoll, manchmal tranceartig und repetitiv und auch mal modern-experimentell.

Levin Liam: Pop-Träumer aus Hamburg

Der norddeutsche Musiker Levin Liam zeigt in facettenreichem Gesang und zurückhaltender Begleitung wie Pop auch funktionieren kann.

Seit seiner Kindheit macht Levin Liam Musik, inzwischen ist er 21 Jahre alt und Schauspielstudent in Hamburg. Als Schauspieler dürfte sein Gesicht dem ein oder anderen auch schon einmal aufgefallen sein – etwa in seiner Rolle als Sohn des Hamburger Tatort-Ermittlers Falke. Dagegen steht seine Karriere als Musiker noch recht am Anfang: Erste Singles hat Levin Liam erst dieses Jahr veröffentlicht und selbst produziert.
Beim Hören fällt schnell auf: Der junge Künstler hat eine gleichzeitig zarte und bemerkenswert reife Stimme. Zum Teil errinnert seine recht rhythmische Art zu singen sogar etwas an Hip-Hop. Abgesehen davon ist Levin Liam aber vor allem in der poppigen Richtung unterwegs. Seine ersten Songs hält er was die Instrumentation angeht recht minimalistisch, indem er ein paar vorsichtige Klavierklänge schlicht durch Beats und verschiedene Effekte ergänzt.

Fazit: Mit einer verträumten Art entwirft Levin Liam schöne Melodien und einen gefühlvollen musikalischen Rahmen.

Jono McCleery: sanfte Akustik aus London

Der britische Sänger Jono McCleery war seine ersten vier Lebensjahre taub. Vielleicht erklärt das den filigranen und sanften Stil seiner Musik, einem Mix aus akustischen Gitarrentönen und verspielten Rhythmen. McCleerys warme Stimme, die etwas an Coldplay erinnert, vereint all das und verleitet dazu, ihm stundenlang zu lauschen. 

Nach seinen Alben Darkest Light (2008), Pagodes (2015), Seed of a Dandelion (2018) veröffentlichte der Londoner im November das Album Here I Am and There You Are. Der Titel ist eine Referenz zu einem Song des Jazzgitarristen Terry Callier. 
Im Song “Call me” beschreibt der Künstler in seiner gewohnt zarten Art die Sehnsucht einer Fernbeziehung. “I thought I was in flight, out where the planets are, moving between day and night, here I am there you are.” McCleery beweist auf seinem Album nicht nur ein feinsinniges Gefühl für Harmonien, sondern auch für Poesie, viele der Lyrics lesen sich wie ein Gedicht. In “Promise of Spring” etwa singt er: “So is there anything; you can find to stop me; from loving you. Soon I will have made my mind; and the dream that hangs between us; draws me to you.” 

Fazit: Here I Am and There You Are ist wie eine warme Decke, eine Flucht aus dem kalten und von Isolation geprägten Winter. Wer Künstler wie Ben Howard und Fink mag, sollte sich Jono McCleery unbedingt anhören. 

  • Meilensteine:
    • 2008 Darkest Light
    • 2015 Pagodes
    • 2018 Seed of a Dandelion
    • 2020 Here I Am and There You Are
  • Links:

Autorin:

Carla Blecke

Übrigens: Neben Musik unterm Radar schreibt Carla Blecke auch auf Goldwaage, dem ehrlichen Blog zur Frage, wie man das Jurastudium überlebt. Für alle Studierenden, Studieninteressierten und sonstigen Jura-Fans.

Apollo Apes: Pop-Rock aus Franken

Der Name Apollo Apes klingt etwas nach Affen auf Weltraummission – der Sound der Band ist zwar nicht ganz so spacig wie man jetzt vermuten könnte, allerdings sind die vier Rock- und Funk-Fans aus der Gegend um Coburg durchaus experimentierfreudig.

Ihr erstes Album haben Apollo Apes vor zwei Jahren veröffentlicht. Nach einiger Zeit der Funkstille wagen sich die vier jetzt in neue Gefilde: Poppiger soll es klingen und vom Aufnahmeprozess bis zum Musikvideo in Eigenregie entstehen. Zwei neue Singles hat die Band so jetzt schon auf Lager.
Funkig, rockig aber auch etwas psychedelisch-sphärisch sind Apollo Apes unterwegs. Ob mit lässigen Tiefen, Kopfstimme oder dezenten Backings probiert die Band auch gesanglich herum und überhaupt experimentieren die vier augenscheinlich gern mit musikalischen Überraschungen. Apollo Apes stellen vollem Instrumentensound plötzlich minimalistische Passagen gegenüber und neben charakteristischen, funkigen Basslines und Gitarrenakkorden kommen auch mal Drumcomputer oder Synthies zum Einsatz.

Fazit: Apollo Apes probieren sich aus und sehen Genrekategorien als Inspirationsquelle statt als Einschränkung.

Kleopetrol: Soul-Power mit Statement

Wie sähe eine Welt aus, in der jeder Mensch so sein darf, wie er möchte – in der wir Schubladen öffnen, unsere Vorurteile herausnehmen und in die nächste Mülltonne werfen? Die Band Kleopetrol aus Braunschweig stellt sich das in etwa so vor: verschiedenste Identitäten, Geschichten und Geschlechter kommen in einem Mix aus Soul und Funk zusammen, ein Austausch auf Augenhöhe entsteht – und mit ihm die politische Botschaft von „Einheit, Selbstbestimmung und Soul Power“, wie sie es selbst in Worte fassen. Über sieben Kunstschaffende, die Musik der 60er und 70er Jahre mit Gegenwart und immenser Überzeugungskraft füllen.

Frauen, die ihre Faust in die Höhe strecken: So beginnt das Video zur aktuellen Single „High Alert 2020“ der 2018 gegründeten, multikulturellen Gruppe Kleopetrol. Auf den ersten Schlag setzt die dreiköpfige Bläserbesetzung mit Trompete und Saxophonen ein, dazu gibt’s starken Rhythmus und energiegeladenen Background-Gesang. So entsteht Groove und Soul-Funk mit einer Prise R&B und tanzbaren Melodien. Spannend wird der Track auch durch die eingeflochtene Audiospur von Rede-Fragmenten der US-amerikanischen Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez auf dem Women’s March 2019 – übersetzt etwa: „Wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Schwarzen* Frauen zu reden, wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Trans-Frauen, Migrantinnen zu reden, dann müssen wir diese Menschen fragen: Warum ist euch das unangenehm?“. Eine bessere Feature-Besetzung als US-Rapperin Cleva Thoughts hätte dabei nicht gewählt werden können. Ihre Lines verstärken die Botschaft von Empowerment, Authentizität und Solidarität: Im Musikvideo können Frauen nicht nur beim Skaten aus ihren Geschlechterrollen ausbrechen, Superheldinnen sein und ohne Scham in kurzen Röcken tanzen, sondern eben auch wütend rappen und dabei ernst genommen werden.

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Faratuben: moderner Afrobeat

Faratuben aus Mali haben Spaß am Experimentieren. Ihr selbstgestecktes Ziel: Afrikanischen Groove mit moderner Clubmusik zu verbinden.

Die eine Hälfte der Bandmitglieder um Sänger Sory Dao kommt aus Mali, die andere Hälfte aus Dänemark. Ihre Musik machen Faratuben von Bamako, der Hauptstadt Malis, aus. Die zum Teil preisgekrönten Musiker haben neben ihrem Fokus auf der Musikkultur des Landes Hintergründe in verschiedensten Genres wie Reggae, Gospel oder Jazz.
Faratuben bringen so mit ihrer packenden rhyhmischen Art eine Reihe von musikalischen Elementen unter einen Hut und lassen die reiche Musiktradition Malis auf Synthesizer und Effekte treffen. Neben dem spannenden Genremix wird vor allem der weiche Sound des Balafons, einem westafrikanischen Xylophon, zum Merkmal der Band.

Fazit: Faratuben schlagen eine musikalische Brücke über Kontinente hinweg. Der Klang ist bestechend, fesselt und wirkt gleichzeitig sympathisch erfrischend.