Levka: Rising Star am Pop-Himmel

Zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Text schreibe, hat Levka knapp 20.000 monatliche Hörer*innen auf Spotify, 1.600 Follower auf Instagram und nur eine veröffentlichte Single – ach ja, und einen Plattenvertrag bei Sony. Der Neunzehnjährige behauptet selbst von seiner Musik, dass man sie nicht klar irgendwo einordnen könne; wohl irgendwo zwischen Indie und Pop. Aber Indiepop-Künstler gibt es in rauen Mengen, warum also prophezeit man ausgerechnet Levka so eine erfolgreiche Zukunft?

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Cava: Punkrock zum Quadrat

Man spürt wie die Späne von den Drumssticks fliegen und der Druck über den Gitarrenamp den Körper vibrieren lässt. Der unverfälschte Sound von Cava schiebt einen ungehemmt vom Hocker und man landet auf einem bierverklebten Boden – geflasht vom Punk-Wahnsinn. Unglaublich, dass so ein schönes und warmes Soundgewitter „nur“ von einem Dou erzeugt wird.

Die Energie, die von Peppi und Mela aus Berlin ausgeht, springt direkt in den Herzrhythmus über. Eine ordentliche Punk-Wucht, die klassische Charakterzüge aus den 70ern und 80ern mit neuen, frischen Elementen vereint, bringt ordentlich Dampf in die Röhre. So lassen Cava das musikalische Grundprinzip der Sex Pistols mit einem modernen Post-Punk-Sound zusammenkommen. Eine warme, fuzzy Gitarre trifft auf Energiebündel voller Drums und bilden eine eingespielte Einheit, die hypnotisierend durch die Ohren geht. So geht Punk!

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Wie der Kamin auf Netflix

Die Zeiten, in denen eine Karriere im Musikbusiness auf den kleinen Bühnen der eigenen Stadt begann, sind definitiv vorbei. Die Idee, sich erst eine kleine lokale Fanbase zu erspielen, von dort aus weiter entfernte Bühnen, vielleicht Festivals, um neues Publikum zu erschließen – vergiss es. Mach es einfach digital, dann liegt dir direkt die ganze Welt zu Füßen. Für diese These ist David Nevory geradezu ein Paradebeispiel.

Der smarte junge Mann kann kubanisch-amerikanische Wurzeln vorweisen, das ist viel cooler als aus Herne kommen. Er musiziert aus Köln in die Welt hinaus, und das mit der Unterstützung von Saint in the City, einem Independent Label mit internationalen Portfolio. David spielt jene Art soften Singer-Songwriter-Sound, wie er gern aus Kanada kommt, erweitert dieses Setting jedoch um einige interessante Facetten, Synthies, das macht Pop Flair und löscht das Lagerfeuer, es brennen wirklich schon zu viele Lagerfeuer rund um den Globus. Simon & Garfunkel gibt er als Einfluss an, Bruce Springsteen, letzteren höre ich nicht, eher einen weniger wütenden Sam Fender oder einen Ryan Adams ohne Dachschaden. Aber ich bin ja schon mehr als begeistert, wenn sich ein Kölner mit Karriereambitionen nicht aus Verzweiflung im Karneval verdingt. 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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This Time For Real: f*ck heartbreak

Ich und Du, Du und Ich – und der Herzschmerz zwischen uns. Das Chaos rund um erfolglose Liebe ist Thema bei This Time For Real, einem Hamburger Newcomer-Quartett bestehend aus Fee, Gerrit, Philipp und Arne.

Mehr als Rhythmusgruppe und Vocals brauchen This Time For Real eigentlich nicht, um die Soundkulisse ihrer Songs auszufüllen. Ihr Stil reiht sich dabei in der Pop-Punk-Landschaft ein, doch ihre Texte schlagen tiefer, als wir es von manch anderen Bands gewohnt sind; sobald Fee mit ihrer starken Stimme anfängt zu singen, geht es nicht mehr um die stereotypen Liebesballaden des Pop, sondern um eine spürbar zerbröckelnde Beziehung zweier Menschen.

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Robert, you’re a love disaster

Erinnerst du dich an Robert Francis? 2007 erschien das erste Album des damals neunzehnjährigen Amerikaners und Multiinstrumentalisten, über den geschrieben wurde, dass er in einer Künstlerfamilie in Kalifornien aufwuchs und John Frusciante ihm das Gitarrespielen beibrachte. Umso überraschender, dass Robert nicht so schaurige Musik macht wie Frusciante oder seine schreckliche Band, sondern wunderschön schwülstigen Singer-Songwriter-Pop, Country, Americana und Rock. 

In seiner emotionalen Intensität und der Stimmgewalt fühlt sich dies ähnlich an wie die Kompositionen des unvergessenen Jeff Buckley. Dazu dann noch diese dezente Melancholie und der verstrubbelte Out-Of-Bed-Look, trotzdem smart, diesem Charme erliege ich bis heute wehrlos. 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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Stabat Kater: dunkle Welt in warm

Stabat Kater reißen musikalisch eine Scheinwelt auf, lassen aus der vermeintlich sorgenfreien Stadt München das Düstere heraus und den verborgenen Schattenseiten freien Lauf. Der Mix aus Post-Punk, Shoegaze und Dark-Wave entwickelt sich bei der Band zu einer authentischen Symbiose.

Die Atmosphäre, die von der Band um Boris Saccone und Korbinian Guggenmos kreiert wird, ist geprägt durch verträumte Synthesizer, einen vorantreibenden Bass und klargelegte Beats. Dazu minimal verzerrte Gitarrenklänge, die einen in die Stabat-Kater-Hypnose ziehen. Songs wie „Über allem deine Arme“ oder „Alles berührt alles“ sind nur zwei Beispiele, die in diesem Zusammenspiel mit Dynamik ein Soundbett in den Köpfen der Hörer*innen bereitet. Die Texte sind malerisch und düster, was einen kleinen Blick in die innere Gedankenwelt von Stabat Kater zulässt. Der Gesang ist fast verträumt und wärmt die ganze Dunkelheit wieder auf.

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Der freundliche Rapper aus der Nachbarschaft

Was macht sie für dich aus, die Stadt in der du lebst? Sind es die Häuser, die Straßen, die Parks, vielleicht ein Fluss, die Gastro, Kinos, Theater? Zu all dem sag ich ja, für mich auch, aber der wirklich entscheidende Faktor sind die Menschen, mit denen ich mir all dies teile. Ich und sie, wir leben in einer mittelgroßen, eher konservativen Stadt mit einer langen Geschichte und wenig spannenden Perspektiven, zumindest was die Subkultur angeht. Abgesehen davon läuft hier vieles in meinem Sinne, aber darum soll es sich hier und heute nicht drehen, weil langweilig. Der Sommer ist da, stotternd, zögerlich, das ist es nun, das Sommermärchen 2024, ja ja. Es gibt ein paar nette Open-Airs hier, aber besser als Nile Rodgers, der mit seiner Band Chic alles spielt, was er für sich und andere Künstler geschrieben und produziert hat, also eine Art High-Class-Coverband, wird es nicht. Um so wichtiger deshalb, dass wir selbst was gebacken kriegen. Sei die Party, die du verdienst. Und da kommen wir wieder zu den Menschen, die diese Stadt mitgestalten, sie lebenswert machen, und einer davon ist Rapper Henning.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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Veigh Malow: bunter Style, bunter Sound

Mit ihrem vielfältigen Indie-Pop bringt die Hamburgerin Veigh Malow gemeinsam mit ihrer starken Band viel Coolness mit, schreibt mal über perfekte Tage und mal über die täglichen Struggles als Künstlerin.

Von Genre-Grenzen lässt sich Veigh Malow nicht aufhalten; neben dem klassischen Indie-Pop dominieren in ihren Songs wahlweise sommerliche Rock-Elemente, frische Beats oder auch feines Akustik-Fingerpicking – das gibt den Zuhörer*innen ein schön abwechslungsreiches Hörerlebnis auf die Ohren. Vor allem Veigh Malows Stimme ist über die Songs hinweg unverkennbar und verleiht den Tracks den ganz eigenen, bunten Klang. Bunt sind auch ihr Style und Design, in Musikvideos und Outfits überwiegt immer wieder eine farbliche Ästhetik, die ähnlich ikonisch ist wie der Sound.

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Meine Yacht rockt

Ich habe meine Plattensammlung verkauft. Sie war nicht groß, wuchs kaum noch und gehört habe ich selbst solche Musik, die ich auf staubigem weil selten eingefasstem Vinyl besaß, eher auf Spotify oder YouTube. Als ich die Platten für die Abholung in Kartons packte, überkam mich trotzdem etwas Abschiedsschmerz. “Tunnel of Love” von Bruce Springsteen, ich fuhr 1987 mit dem Fahrrad in die benachbarte Stadt, um sie zu kaufen. “Lovesexy” von Prince schenkte mir mein Bruder 1988 zum Geburtstag. 

Überrascht war ich, welche Anzahl an Yacht-Rock-Platten ich in den letzten Jahren gekauft und nicht gehört hatte. Yacht-Rock ist Musik der Siebziger und frühen Achtziger, lief in etwa parallel zu Disco, und wurde zu jener Zeit West Coast Rock oder AOR (Adult Oriented Rock) genannt. Den Namen Yacht-Rock prägte erst eine Mockumentary aus dem Jahr 2005. Kalifornien, verspiegelte Sonnenbrillen, Bikinis, das Hemd geknotet, Sommer, Sonne, Strand und Drogen – elitäre Fuzzies, Yuppies, die es sich auf ihrer Yacht gut gehen lassen und dazu jene leichte Musik hören, wurde der abwertende Begriff ex Post die Geburt eines Genres.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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Jäger der verlorenen nervösen Energie

In den Nullerjahren verschlug es mich aus dem Ruhrgebiet nach Köln und ich wurde irgendwie zufällig Schlagzeuger einer Indie-Band. Das war insofern schön, als dass ich den Sound und die Jungs in meiner Band Decorder mochte, wir klangen irgendwie nach Blumfeld und Tocotronic, das machte man seinerzeit so. Es war aber andererseits nervig, weil ich eigentlich Bassist bin. Das Magazin Intro gab uns Rückenwind, ein kleines Kölner Label veröffentlichte unser Album, wir tourten, gingen für weitere Aufnahmen in ein feines Studio in Düsseldorf, konnten uns nicht einigen und trennten uns. 

Das kam mir jetzt wieder in den Sinn, weil Weggefährten aus jener Zeit ihre bis dato unveröffentlichten Aufnahmen im Keller oder so gefunden haben und ich mich fragte, ob das sein muss?


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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