Willkommen auf Musik unterm Radar, dem jungen Onlinemusikmagazin aus Berlin!

Die Charts hängen dir zu den Ohren raus? Kein Problem! Hier findest du jede Menge hörenswerte, (noch) unbekannte Bands. Mindestens einmal pro Woche gibt es neue Geheimtipps aus allen Genres, geschrieben aus Leidenschaft für gute Musik. Vorstellungen von Musiker*innen findest du in den Band-Portraits. Konzertreviews (durch Corona momentan pausiert) gibt’s in der Kategorie Live-Reports, Rezensionen von neuen Alben bei den Musik-News. In den Behind-The-Scenes-Reportagen blicken wir hinter die Kulisse von spannenden Themen aus der Musikszene und in den Interviews kommen vom Filmmusikkomponisten bis zur Festival-Organisatorin spannende Leute zu Wort.

Oder du lässt dich überraschen: Die neusten Texte findest du chronologisch weiter unten. Viel Spaß beim Stöbern!

Kleopetrol: Soul-Power mit Statement

Wie sähe eine Welt aus, in der jeder Mensch so sein darf, wie er möchte – in der wir Schubladen öffnen, unsere Vorurteile herausnehmen und in die nächste Mülltonne werfen? Die Band Kleopetrol aus Braunschweig stellt sich das in etwa so vor: verschiedenste Identitäten, Geschichten und Geschlechter kommen in einem Mix aus Soul und Funk zusammen, ein Austausch auf Augenhöhe entsteht – und mit ihm die politische Botschaft von „Einheit, Selbstbestimmung und Soul Power“, wie sie es selbst in Worte fassen. Über sieben Kunstschaffende, die Musik der 60er und 70er Jahre mit Gegenwart und immenser Überzeugungskraft füllen.

Frauen, die ihre Faust in die Höhe strecken: So beginnt das Video zur aktuellen Single „High Alert 2020“ der 2018 gegründeten, multikulturellen Gruppe Kleopetrol. Auf den ersten Schlag setzt die dreiköpfige Bläserbesetzung mit Trompete und Saxophonen ein, dazu gibt’s starken Rhythmus und energiegeladenen Background-Gesang. So entsteht Groove und Soul-Funk mit einer Prise R&B und tanzbaren Melodien. Spannend wird der Track auch durch die eingeflochtene Audiospur von Rede-Fragmenten der US-amerikanischen Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez auf dem Women’s March 2019 – übersetzt etwa: „Wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Schwarzen* Frauen zu reden, wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Trans-Frauen, Migrantinnen zu reden, dann müssen wir diese Menschen fragen: Warum ist euch das unangenehm?“. Eine bessere Feature-Besetzung als US-Rapperin Cleva Thoughts hätte dabei nicht gewählt werden können. Ihre Lines verstärken die Botschaft von Empowerment, Authentizität und Solidarität: Im Musikvideo können Frauen nicht nur beim Skaten aus ihren Geschlechterrollen ausbrechen, Superheldinnen sein und ohne Scham in kurzen Röcken tanzen, sondern eben auch wütend rappen und dabei ernst genommen werden.

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Faratuben: moderner Afrobeat

Faratuben aus Mali haben Spaß am Experimentieren. Ihr selbstgestecktes Ziel: Afrikanischen Groove mit moderner Clubmusik zu verbinden.

Die eine Hälfte der Bandmitglieder um Sänger Sory Dao kommt aus Mali, die andere Hälfte aus Dänemark. Ihre Musik machen Faratuben von Bamako, der Hauptstadt Malis, aus. Die zum Teil preisgekrönten Musiker haben neben ihrem Fokus auf der Musikkultur des Landes Hintergründe in verschiedensten Genres wie Reggae, Gospel oder Jazz.
Faratuben bringen so mit ihrer packenden rhyhmischen Art eine Reihe von musikalischen Elementen unter einen Hut und lassen die reiche Musiktradition Malis auf Synthesizer und Effekte treffen. Neben dem spannenden Genremix wird vor allem der weiche Sound des Balafons, einem westafrikanischen Xylophon, zum Merkmal der Band.

Fazit: Faratuben schlagen eine musikalische Brücke über Kontinente hinweg. Der Klang ist bestechend, fesselt und wirkt gleichzeitig sympathisch erfrischend.

Busty and the Bass: bunte Klangfarben aus Kanada

Busty and the Bass fühlen sich im Jazz, Funk und Soul zuhause. Mit einem Gefühl für Stimmung bringen sie ihre Genres sanft auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach ihrem Start als Campus-Party-Band aus Montreal haben sich die acht Mitglieder von Busty and the Bass auf größere Bühnen und Festivals getraut. Auch mehrere Studio-Aufnahmen sind seitdem entstanden – das aktuelle Album Eddie ist im Sommer herausgekommen.
Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik. Das Sahnehäubchen ist die gefühlvolle Bläsersection, die die Songs mit ihren Fills unterstreicht.

Fazit: Busty and the Bass haben ein gutes Händchen was ihren Stil angeht. Schnell wippt der Fuß im Takt und die Musiker schwingen musikalisch wunderbar auf einer Wellenlänge.

The Zangwills: britische Rockhoffnung

Indie-Rock im ganz klassischen Sinne bringen The Zangwills mit. Zugegeben: Bei musikalischen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Cure oder The Strokes führt an diesem Stil wohl auch kein Weg vorbei…

Passend dazu warten The Zangwills mit typischer Rockformation auf. Jake Vickers (Vocals, Gitarre, Keyboard), Sam Davies (Gitarre) und Bassist Ed Dowling kennen sich schon aus der Schulzeit, Schlagzeuger Adam Spence ergänzt die Band seit 2017. In den vergangenen drei Jahren sind in dieser Konstellation auch mehrere Singles und zwei EPs entstanden.
Laut, massig und aufgedreht klingen The Zangwills in ihren Songs. Charakteristisch ist vor allem die Stimme von Sänger Jake Vickers. Insgesamt donnert die Band recht gnadenlos nach vorn, dennoch sind die Songs nicht allzu überladen. Zuhause in Großbritannien legen die vier auch in Sachen Fanbase zu, spielen auch mal ausverkaufte Konzerte und wurden nicht zuletzt von dem ein oder anderen BBC-Journalisten ins Auge gefasst.

Fazit: Was ihren Sound angeht sind die Zangwills mehr als zuverlässig. Auch als junge Band haben die vier schließlich schon eine ganz klare musikalische Vorstellung im Kopf.

Seasoul: softer Hauptstadt-Pop

Klassischer Singer/Songwriter-Charakter und Ausflüge in Richtung Pop – die Sängerin Seasoul probiert sich in verschiedenen musikalischen Ecken aus. Bestes Beispiel dafür ist die kommende EP.

In Berlin landet die Baden-Württembergerin Vanessa Sonnenfroh alias Seasoul ursprünglich für ihr Studium im Bereich der Musikproduktion. Ein erstes Album und weitere einzelne Veröffentlichungen folgen bald. Die nächste EP Moth soll Ende Dezember auf den Markt kommen.
Besonders auf früheren Aufnahmen hält Musikerin Seasoul die Begleitung oft noch recht minimalistisch, nur einzelne Klaviertöne oder Gitarrenakkorde stützen den Gesang. In der neuen EP wird der Klang etwas experimenteller. Von Produzent DRMMKR unterstützt, finden neue Ideen und Genres Einzug in Seasouls Musik. Wechselweise ist ihre Stimme dabei sanft-fragil oder kräftig und ausdrucksstark. Etwas mysteriöse Stimmung oder eine hin und wieder eingestreute vorsichtige Zweistimmigkeit verleihen den Songs Tiefe.

Fazit: Ob klare Kopftimme oder ein Sound, der mutig in die Vollen geht: Seasouls Stimme zündet mit Vielseitigkeit.

Sperling: spannende DIY-Band

Eine markante Stimme, viel Atmosphäre und ein eigenwilliger Sound: Wer Sperling das erste Mal hört, kriegt die Band möglicherweise so schnell nicht aus dem Kopf.

Die fünf Jungs von Sperling verstehen sich als Do-It-Yourself-Projekt. Nach ersten kleineren Veröffentlichungen in den letzten Jahren plant die Band nun für Anfang nächsten Jahres ein Album.
Ob melodisch oder mit rhythmischem Sprechgesang: Die raue Stimme des Sängers klingt, wie vom Leben gezeichnet und fügt sich wunderbar ein in die recht düstere Stimmung der Songs. Getragen wird der Stil der Band auch von einem warmen Cello-Sound – ein passender Gegenpol zur sonst typischen Rock-Besetzung. Auch textlich lassen sich die Songs eher in den dunkleren Spären verorten: Es geht um Depression, Ängste, Einsamkeit. Dennoch hört man gern zu und bleibt fasziniert vom musikalischen Stil der Band zurück.

Fazit: Sperling passen sicherlich eher in die nahende dunkle Jahreshälfte als in die Sommermonate. Die Musik ist mal aufgewühlt, mal sanft und meist liegt über allem ein spannendes Knistern in der Luft.

Maura & Fred Red: musikalischer Herbsteinbruch

Seit einem Jahr haben sie sich zurückgehalten, nun wollen sie wieder starten: Das Duo aus Maura und Fred Red meldet sich mit einer neuen Single und einem besonderen Gast zurück.

Nachdem das gemeinsame Projekt zwischenzeitlich auf Eis lag, da Sängerin Maura mit ihrer Band in Israel auf Tour war und Fred Red mal eben einen Produzenten-Wettbewerb gewinnen musste, lassen die beiden nun wieder von sich hören. Auf die erste neue Single „Lovelottery“ soll wohl in absehbarer Zeit auch ein Album folgen. Mit von der Partie ist außerdem der junge Multiinstrumentalist und Jazzförderpreisträger Malik Diao.
Mauras und Fred Reds Ideen zeigen sich in einem stimmungsvollen Gesamtpaket. Mauras voluminöse, tiefgängige Stimme leitet gefühlvoll durch die jazzige Musik. In „Lovelottery“ steuert Malik Diao neben Klavier und Kontrabass auch etwas Querflöte bei, was dem Song noch einmal eine besondere, sphärische Ebene verleiht.

Fazit: Die Kompositionen von Maura und Fred Red haben eine spannend schwebende Tiefe. Statt allzu verkomplizierter Jazz-Gedanken kommt die Musik trotz Melancholie mit einer gewissen Leichtigkeit um die Ecke.

Red Ivy im Interview: „Ein absoluter Vorteil von Dörfern ist der Zusammenhalt.“

Seit der Schulzeit machen die fünf Mitglieder von Red Ivy aus der Nähe von Dortmund gemeinsam alternativen Pop-Rock mit dynamischen Schlagzeugrhythmen, pulsierenden Gitarrenklängen und kräftigem Gesang. Sowohl in ihrer Heimat als auch überregional hat sich die Band bereits durch Konzerte wie dem hessischen Open Flair Festival eine Fanbase erspielt. Wegen der aktuellen Pandemiesituation mussten die fünf sich nun das erste Mal bei den Proben umstellen, Pläne für neue Songs und Musikvideos gibt es aber trotzdem. Die Lead-Sängerin der Band, Hannah Wetter, hat uns im Interview erzählt, wie es ist, auf Dorffesten zu spielen, was die Coronakrise für die Band verändert hat und wie sich die Musik mit Arbeit und Studium unter einen Hut bringen lässt.

vier Männer und eine Frau farbig angestrahlt
© Red Ivy

Musik unterm Radar: Red Ivy gibt es nun schon fünf Jahre. Wie habt ihr euch eigentlich als Band gefunden?

Hannah Wetter: Wir waren damals alle auf der gleichen Schule in der Kleinstadt Werne und dann kam irgendwann der Tag, an dem ein Lehrer uns zusammengetrommelt hat und gesagt hat: „So, ihr gründet jetzt eine Band.“ Ich als Jüngste habe das Singen übernommen und seitdem haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren.

Mir als „Dorfkind“ brennt da natürlich direkt eine Frage unter den Fingernägeln: Wie habt ihr die Musikszene auf dem Land empfunden? Hattet ihr da auch den klischeehaften Auftritt in der Scheune oder auf Dorffesten?

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Kamee Kazee: brandneues Rock-Projekt

Kamee Kazee sind noch ganz frisch im Geschäft: Erst vor kurzem wurde die Band gegründet, die erste Single „Anima Sola“ ist gerade mal wenige Tage alt.

Mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit im Video zu „Anima Sola“ warten Kamee Kazee aus Leipzig mit einer interessanten Idee auf und geben so schon einmal einen Eindruck vor, wo es künstlerisch noch hingehen könnte. Schließlich sollen in den kommenden vier Monaten noch vier weitere Singles plus jeweils ein zugehöriges Musikvideos folgen.
Schon die Gitarrenmotive in „Anima Sola“ gehen schnell ins Ohr. Der Gesang hat eine gewisse Schärfe und prägt den Charakter der Musik. Mit einer etwas düster-mysteriösen Stimmung machen Kamee Kazee so insgesamt spannenden Alternative-Rock.

Fazit: Bei Kamee Kazee bietet sich die Möglichkeit, den Werdegang einer vielversprechenden Band ganz von Anfang an zu verfolgen.