Mal Élevé im Interview: „Wir müssen jetzt an alle denken“

Als Jugendlicher war Mal Élevé (zu deutsch: „schlecht erzogen“) Punk, später dann Sänger von Irie Révoltés. Jetzt musste der Musiker improvisieren, denn das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 stellt die Musikszene derzeit gehörig auf den Kopf. Nachdem die Releaseparty für sein erstes Solo-Album Résistance Mondiale nicht stattfinden konnte, sollte das Konzert von einem Kameramann gefilmt und live übertragen werden. Allerdings: Der Kameramann musste plötzlich selbst in Quarantäne – er hatte Kontakt zu einer infizierten Person gehabt. Auf eigene Faust streamte Mal Élevé das Konzert schließlich mit dem Handy. Im Interview sprach er über sein Konzert ohne Publikum, Hamsterkäufe und den Wunsch nach einer weltweiten Protestbewegung.

Musik unterm Radar: Im Moment gibt es überall nur ein großes Thema. Wie geht es euch Musikern mit den Einschränkungen durch das Virus?

Mal Élevé: Uns geht es natürlich allen ziemlich scheiße. So wie vielen Leuten gerade. Aber wir waren einfach mit die ersten, die betroffen waren – es fing ja mit dem Verbot von Großveranstaltungen an, das sind natürlich vor allem Konzerte. Meine Releaseparty musste abgesagt und die ganze Tour, die jetzt anstand, verschoben werden. Für uns, die Musik machen, ist es auf jeden Fall für das Live-Geschäft ziemlich beschissen.

Dein Releasekonzert hast du dann im Internet gestreamt. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass einem gerade Leute zugucken, die man aber nicht sieht?

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Verlosung: 3x CD von Lina Button

Das ist mal eine Stimme! Die Schweizer Musikerin Lina Button trifft einen Nerv. Am 3. April erscheint ihr neues Album Who’ll Be Here?
Schon vor der Veröffentlichung verlosen wir drei CDs der Sängerin.

Und so geht’s:

Für die Teilnahme einfach eine E-Mail mit der Betreffzeile Verlosung Lina Button 2020 an die Redaktion schicken. Schon landet dein Name im Lostopf! Ganz wichtig: In der E-Mail bitte unbedingt gleich Namen und Anschrift mitschicken! (Die Daten werden ausschließlich für die Verlosung verwendet und nach der Ermittlung der Gewinner gelöscht.)

Teilnahmeschluss ist der 2. April, 12 Uhr. Die Gewinner werden nach Ablauf der Frist benachrichtigt und erhalten ihr CD-Exemplar per Post.


Ein ausführliches Portrait zu Lina Button findest du hier.


Miss Pirate: Bedroom-Pop zum Relaxen

Miss Pirate aus Karlsruhe ist noch ganz frisch in der Musikszene. Mitte März hat sie ihre erste Single veröffentlicht.

Die Künstlerin Miss Pirate schreibt und produziert ihre Musik in Eigenregie. Auch wenn die Musikerin auf der Bühne steht, reicht ihr eine Gitarre und ihre Stimme. In ihren Texten traut sich Miss Pirate auch an die schwierigen Themen, singt zum Beispiel über psychische Erkrankungen.
Auf der Basis von elektronischen Beats baut sich die Musik vorsichtig auf. Ihre Melodien ergänzt Miss Pirate streckenweise mit zarter Mehrstimmigkeit. Leicht melancholisch, aber doch entfernt von echter Traurigkeit bekommt ihre Musik einen eigenen Charakter.

Fazit: Ohne gewollt nachdrücklich zu singen, erzeugt Miss Pirate eine besondere Atmosphäre. Ihre Melodien sind angenehm und leicht zu hören, obwohl sie sich in ihren Texten durchaus nicht nur mit leichter Kost auseinandersetzt.

Ghetto Royal: Hau-drauf-Rock

Ghetto Royal sind laut, massig im Klang und nicht gerade Kuschelrock.

Die Passauer Band um Frontmann Michael Ammon stand schon mit den Sportfreunden Stiller, Max Herre und Revolverheld auf der Bühne. Gerade veröffentlichen Ammon, Tobias Bumberger (Gitarre), Christina Gawlas (Bass) und Florian Höng (Drums) munter Single auf Single bis im Herbst die Veröffentlichung ihres ersten Albums auf der Agenda steht. Bis dahin soll auch noch mal getourt werden.
Zur Musik: Ghetto Royal dreschen geradezu nach vorne. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit wenigen Verschnaufpausen wird mit treibendem Schlagzeug und jeder Menge Overdrive durch die Songs geheizt. Oben drauf gibt’s deutsche Texte und rockige Coolness.

Fazit: Leise hören kann man Ghetto Royal nicht. Deshalb: Laut aufdrehen und mit Karacho volle Kraft voraus.

Lina Button: moderner Synth-Pop

Am Pop-Himmel schimmert etwas: Lina Button aus der Schweiz ist auf dem Weg, die Musikszene zu verzaubern. Und das auf lässig-verspielte Weise und trotzdem mit Tiefgang.

Drei Alben hat Lina Button schon veröffentlicht und auf das vierte muss man auch nicht mehr lange warten: Anfang April erscheint Who’ll Be There? und bis dahin kann man sie in der Schweiz noch auf einer Handvoll Konzerten live sehen. Zweimal war die Musikerin schon für den Swiss Music Award nominiert, der Radiosender SRF 3 ernannte sie zum „Best Talent“.
Lina Button macht Gute-Laune-Pop. Aber nicht die oberflächliche Variante, die man gleich im Kopf hat. Button schleift Töne soulig an, sie kann durchdringende oder akustisch-sanftere Töne anschlagen, singt aber immer mit einem kräftigen Selbstbewusstsein, das sie durchaus zu Recht hat. Ihre Texte schreibt sie selbst und sie treffen sicher den Nerv ihrer Generation: Nachtwanderungen durch die Großstadt, Sehnsucht nach Freiheit, problematische Beziehungen.

Fazit: Ob akustisch oder elektronisch – Lina Button überzeugt auf ganzer Linie mit einer tollen Stimme.

Wodu: jazziger Indie mit Großstadt-Flair

Bei der Musik von Wodu wird man schnell hellhörig. Eine tolle Band mit einer tollen Sängerin an der Spitze jazzt und groovt sich durch Berlin und den Rest der Republik.

Hinter dem Namen Wodu verbergen sich Sängerin Natalie, Bassist Gabriel, Gitarrist Rizzi, Hendrik an den Drums und Hannah am Cello. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 haben die fünf einiges an Banderfahrung gesammelt: Zwei EPs sind entstanden, live waren sie neben Konzerten in ihrer Homebase Berlin auf verschiedenen deutschen Festivals zu sehen und auch europaweit waren sie schon auf Tour. Am 5. März veröffentlichen sie ihr erstes Album Wo sind wir denn? und feiern die Release gleich noch mit einem abendlichen Konzert in der Berliner Junction Bar.
Die Mitglieder von Wodu sind jeder für sich bemerkenswerte junge Musikerinnen und Musiker. Stimmlich überzeugt Sängerin Natalie mit viel Volumen und Power, die Gitarre stellt eine funkige Basis bereit, der Schlagzeuger fängt Atmosphäre ein und sorgt gemeinsam mit dem Bassisten für stabilen Drive. Besonders das Cello ist eine tolle Ergänzung der Jazz-Besetzung und bietet mit schönem Streich-Hintergrund einen entspannenden Gegenpol zu den kräftigen Sounds der Bandkollegen. Zwischendurch lässt sich die Combo außerdem von Bläsern Akzente setzen und in instrumentalen Phasen ohne Gesang kommen alle Instrumente zum Zug.

Fazit: Wo sind wir denn? ist eine absolute Empfehlung. Softer Jazz, funkige Akkorde, etwas junger Indie-Spirit – alles aber sehr eingängig, abwechslungsreich und alles andere als jazz-typisch verkopft.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Wodu
    • 2020 Debut-Album Wo sind wir denn? (VÖ 5.3.)
  • Umleitung:

Wir möchten wissen, ob euch Musik unterm Radar gefällt und was noch besser werden soll. Deshalb bitten wir um euer Feedback. (Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Luke Sital-Singh: musikalische Melancholie aus L.A.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung seines letzten Albums bringt Luke Sital-Singh eine neue EP auf den Markt. Für New Haze (erscheint am 03. April) arbeitete er mit vielen anderen Künstlern zusammen, die Single “Almost home” erschien schon im Voraus. 

Sowohl auf internationalen, als auch auf deutschen Bühnen ist Luke Sital-Singh schon lange kein Unbekannter mehr. Bereits 2015 war er in der NDR-Show Inas Nacht zu sehen. Ab Mitte April geht der Wahl-Amerikaner auf Tour durch Europa und kommt für sechs Termine auch nach Deutschland und in die Schweiz. 2018 hielt er einen bewegenden TED Talk, bei dem er auch zwei seiner Stücke performte. “I love a depressing song”, sagt er in der Rede und erklärt seine Vorliebe für traurige Lieder.
Um eine solche Stimmung zu erzeugen, braucht der geborene Brite kaum mehr als ein paar Instrumente und seine Stimme – Synthesizer und Elektro-Elemente sucht man bei ihm vergebens. Sital-Singhs Musik überzeugt durch ihren natürlich-authentischen Klang. Melancholie ist auch in seiner neuen Single “Almost home” zu hören. Sie entstand kurz nach seinem Umzug von Bristol nach Los Angeles. Für das Stück arbeitete er mit dem Gitarristen Stevie Aeillo zusammen, der bereits an Projekten von Mumford and Sons, Lana del Rey und Thirty Seconds to Mars mitwirkte. In dem Song widmet sich der Musiker der Frage, was es bedeutet, zu Hause zu sein. “We’ll barely make it but we’re almost home. To a familiar place where all the street signs glow”, singt er mit seiner sanften und dennoch rauen Stimme und hinterlässt bei den Zuhörenden eine Gänsehaut. Die weiteren Stücke auf “New Haze” sind ebenfalls in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden: “This EP is all about collaboration.”

Fazit: Bewegend, melancholisch, eingängig – das sind die Songs von Luke Sital-Singh. Ein aufstrebender Künstler, den man im Blick behalten sollte.

Autorin:

Carla Blecke für Musik unterm Radar

Gerade läuft die Umfrageserie „Wie wünscht ihr euch Musik unterm Radar?“ Wir versuchen euch eine möglichst große inhaltliche und musikalische Bandbreite zu bieten und möchten deshalb gern wissen, was euch am meisten anspricht. Um eure Interessen besser einschätzen zu können und um herauszufinden, was bei uns vielleicht noch unterrepräsentiert ist, würden wir von euch gern wissen, welche Genres ihr am liebsten hört. Ihr könnt maximal sieben Antworten geben. Vielen Dank für euer Feedback!
(Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Fullax: Indie-Pop auf eigene Faust

Fullax – so nennt man in Nordhessen einen Faulpelz. Auch wenn eine gewisse Gemütlichkeit herauszuhören ist, sind die zwei Musiker aus Kassel im Gegensatz zu ihrem Namen aber ziemlich aktiv.

„Do It Yourself“ ist das Motto von Julian Giese an Gitarre, Synthesizer und Gesang und seinem Bandkollegen und Drummer Jonas Hoppe. Im eigenen Studio wird aufgenommen, auch produziert und gemischt werden ihre Songs in Eigenregie. 2017 gab es eine erste EP, neulich haben die zwei mit einem einzelnen Song mal wieder von sich hören lassen.
Fullax machen ihre Musik auf sympathische Weise frei nach Schnauze. Da treffen deutsche Texte auf rhythmische Pop-Melodien, lässiger Indie-Vibe und gerade in den Videos auch Retro-Anklänge auf einen modernen Stil. Funkig abgerissene Gitarren-Chords machen den Weg frei für verträumte Synthies und ein bisschen episches Lebensgefühl darf auch mal sein.

Fazit: Mit Fullax kommt frischer Wind ins Haus: mit gutem Gespür für Sounds und Drive machen die beiden Indie-Pop im Elektro-Gewand.

Mit diesem Beitrag startet die Umfrageserie „Wie wünscht ihr euch Musik unterm Radar?“ Wir versuchen euch eine möglichst große inhaltliche und musikalische Bandbreite zu bieten und möchten deshalb gern wissen, was euch am meisten anspricht. Um eure Interessen besser einschätzen zu können und um herauszufinden, was bei uns vielleicht noch unterrepräsentiert ist, würden wir von euch gern wissen, welche Genres ihr am liebsten hört. Ihr könnt maximal sieben Antworten geben. Vielen Dank für euer Feedback!
(Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Nathaniel Rateliff: rhythmischer R&B-Folk

Nathaniel Rateliff ist Vollblut-Musiker aus Denver, Colorado. Ob allein oder mit Band im Rücken, als Vorband von Mumford & Sons oder bei ausverkauften eigenen Konzerten: Er weiß sein Publikum von sich zu überzeugen.

Nach ersten Band-Erfahrungen zu Hause in den Vereinigten Staaten brachte Nathaniel Rateliff 2010 sein erstes Soloalbum auf den Markt. Seit einigen Jahren lässt sich der Folker zwar auch von der Band The Night Sweats unterstützen, sein aktuelles Album ist allerdings wieder ein Soloprojekt geworden: And It’s Still Alright erscheint am 14. Februar.
Nathaniel Rateliff fasziniert vor allem mit seiner vollen, mit etwas wettergegerbtem Kratzen versetzten Stimme. Seine Night Sweats ergänzen ihn mit starker Rhythm Section, Saxophon und Trompete. In den Songs finden sich Country-Einflüsse mit wahlweise stampfender Bass Drum oder Rhythmus-Klatschen und mit Power aufgeladene Backingvocals. Gerade in Rateliffs Solotiteln liegt der Fokus aber auch auf ruhig-meditativem Gitarrenfolk.

Fazit: Zwar gilt der Musiker als eher introvertiert, für die inzwschen weltweit vielen Fans scheint Nathaniel Rateliff dann aber doch gern über seinen Schatten zu springen – und das kommt an: Wer für sein einziges Deutschlandkonzert Ende April in Berlin noch ein Ticket ergattern möchte, sollte sich ranhalten.

  • Meilensteine:
    • 2010 Solodebut In Memory of Loss
    • 2014 Nathaniel Rateliff & the Night Sweats
    • 2020 And It’s Still Alright (VÖ 14. Februar)
  • Umleitung:

Ein großer Dank für diesen Musiktipp geht an die Bloggerin Lopadistory. Du hast auch einen musikalischen Geheimtipp, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte? Zuschriften erreichen die Redaktion über das Kontaktformular.