Willkommen auf Musik unterm Radar, dem jungen Onlinemusikmagazin aus Berlin!

Die Charts hängen dir zu den Ohren raus? Kein Problem! Hier findest du jede Menge hörenswerte, (noch) unbekannte Bands. Mindestens einmal pro Woche gibt es neue Geheimtipps aus allen Genres, geschrieben aus Leidenschaft für gute Musik. Vorstellungen von Musiker*innen findest du in den Band-Portraits. Konzertreviews (durch Corona momentan pausiert) gibt’s in der Kategorie Live-Reports, Rezensionen von neuen Alben bei den Musik-News. In den Behind-The-Scenes-Reportagen blicken wir hinter die Kulisse von spannenden Themen aus der Musikszene und in den Interviews kommen vom Filmmusikkomponisten bis zur Festival-Organisatorin spannende Leute zu Wort.

Oder du lässt dich überraschen: Die neusten Texte findest du chronologisch weiter unten. Viel Spaß beim Stöbern!

Aaron Frazer: Multitalent aus Brooklyn

Aaron Frazer zeigt wie’s geht: Sein Solodebut Introducing… ist rhythmisch, soulig und absolut fesselnd.

In Baltimore aufgewachsen, lebt Aaron Frazer inzwischen in Brooklyn. Bisher ist er vor allem als Schlagzeuger und Co-Sänger bei Durand Jones & the Indications in Erscheinung getreten. Sein erstes Soloalbum hat Frazer am 8. Januar veröffentlicht und sagen wir es so: Es wurde Zeit!
Aaron Frazer gelingt ein einzigartiger Spagat aus tollen Rhythmen, wie man sie von einem Drummer erwarten würde, markanten Bassläufen, Bläsersätzen und seiner besonderen, hohen Stimmlage. Ständig spürt man so einen spannungsbehafteten Gegensatz zwischen Höhen und Tiefen, gleichzeitig sind die Songs sehr gefühlvoll austariert.

Fazit: Aaron Frazer hat mit Introducing… ein bemerkenswertes Soloalbum hingelegt. Kein Wunder, dass so ein Musiker berühmte Fans anzieht: Immerhin kein geringerer als Dan Auerbach von den Black Keys hat das Album produziert.

Eese: Synthie-Pop-Mix

Eese aus Köln haben sich nicht weniger vorgenommen, als die Szene des synthetischen Pop hierzulande etwas aufzumischen.

Ihre erste EP haben Eese 2017 noch als Trio veröffentlicht. Nachdem sie 2019 Zuwachs bekommen haben, ist für dieses Jahr eine neue EP erstmals in Viererkonstellation geplant.
Jede Menge Gitarre und Synthesizer kommen bei Eese zum Einsatz – und auch in Sachen Beats und Bässe probieren die vier sich aus. Gemeinsam mit dem Gesang bekommt das Ganze eine schwebende Grundstimmung. Die Lyrics der Band drehen sich nach eigener Aussage etwa um das Thema Social Media und etwas düstere Gefühlswelten wie Einsamkeit und Entfremdung. Gleichermaßen nehmen sich Eese aber auch die Zeit, ihre Ideen in einzelnen Songs auch mal mit rein instrumentalen Phasen weiterzuspinnen.

Fazit: Eese machen nachdenklichen Synthie-Pop. Von Vorbildern wie Tame Impala oder Xul Solar gucken sie sich durchaus etwas ab, experimentieren aber auch mit eigenen Sound-Vorstellungen.

An die MusikerInnen und Bands unter euch: Wir suchen eure besten Tour-Momente! Schreibt uns eine Mail an redaktion@musik-unterm-radar.com und erzählt uns in jeweils maximal 80 Wörtern eure schönsten, witzigsten oder skurrilsten Geschichten, die ihr auf Tour erlebt habt. Die coolsten Anekdoten veröffentlichen wir mit Link zu euch!

Messina: Pop-Experimente

Messina haben große Pläne für 2021: Eine Kunstvernissage, ein interaktives Browsergame und ein Debutalbum sollen her. Für letzteres haben sich die vier Bandmitglieder aus Winterthur in der Schweiz auch schon ein knappes Jahr in einem Tonstudio eingemietet und an Songs gebastelt.

Sponsored Post soll besagtes Album heißen und im Laufe des Jahres erscheinen. Als Vorboten haben Raphael Weidmann (Gitarre, Gesang), Jonathan Labusch (Gitarre, Keyboard), Gian Rosen (Schlagzeug) und Nicola Philipp (Keyboard) an Neujahr mit „Capri Song“ eine erste Single losgeschickt.
Messina sind Fans von Klangspielereien. Mit Beats, Elektronik und Instrumentalsounds probieren die vier sich aus und nehmen ihre Höhrerschaft mit zu atmosphärischen Weiten. Die Band verarbeitet tranceartige Klänge genauso wie prägnante musikalische Ideen und auch der Gesang ist je nach Grundstimmung mal ruhig und mal rhythmisch.

Fazit: Messina sind kreativ unterwegs und ihre experimentierfreudige Art geht gut ins Ohr.

10 Lieblingsbands aus 2020

Für viele Bands und MusikerInnen war das Jahr 2020 eine große Herausforderung. Aber: Trotz Lockdown, abgesagter Konzerte und Existenzängsten haben uns viele kreative Köpfe spannende neue Musik beschert. Zehn von unseren Lieblingen aus dem vergangenen Jahr wollen wir hier noch einmal hervorheben. Auch dieses Mal sind wieder sowohl Profis als auch vielversprechende Newcomer dabei. Und wie letztes Jahr war es auch jetzt wieder viel zu schwer, sich nach der Auswahl von zehn tollen Bands auch noch für eine Rangliste zu entscheiden, weshalb ihr die Bands hier jetzt ganz einfach in alphabetischer Reihenfolge findet. Wer mehr wissen will, kommt mit Klick auf den Namen zum jeweiligen Band-Portrait.

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Busty and the Bass

Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei den Kanadiern Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik.


Die P

Schon als Schülerin forderte Die P ihre MitschülerInnen zu Rapbattles heraus. Heute liefert sie starken Deutschrap und man traut ihr absolut zu, die männlich dominierte Rap-Szene umzukrempeln.


Emerson Prime

Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen bei Emerson Prime aus Hannover aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation.

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Covves: Indie-Pop in tanzbar

Die drei Indie-Musiker von Covves haben einen vollen Sound und erste Singles im Gepäck.

Eigentlich kennen sich Richard Mahlke und Marco Rose schon aus ihrer Zeit als Duo Cassettes. Seit sie sich die beiden Münchner mit Philipp Breese vor einem Jahr einen Schlagzeuger als dritten Mann mit ins Boot geholt haben, geht die Musik der Band in eine neue Runde.
Covves legen mit ihrem garagig-lauten Stil und lässigem Gesang musikalische Coolness an den Tag. Die treibenden Off-Beat-Rhythmen gehen zusammen mit markanten Gitarrenriffs und Basslines leicht ins Ohr und sorgen für gute Laune und Indie-Charakter.

Fazit: Covves sind massig in ihrem Sound und wissen durchaus auch Tanzstimmung zu verbreiten.

Karo Lynn: Akustik-Pop mit Tiefe

Ihre Stimme zieht einen unmittelbar in ihren Bann: Karo Lynn schwebt irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Sound und Indie-Pop.

Die Musikerin Karo Lynn ist in Leipzig zuhause, staubte 2019 den ersten Platz eines Talentwettbewerbs ab und hat Anfang 2020 mit Outgrow ihr zweites Album veröffentlicht.
Unverkennbar ist wohl Karo Lynns angenehm dunkle Stimmfärbung. Der Gesang besticht mit der Ausstrahlung von Gelassenheit und sanftem Nachdruck. Die Singer-Songwriterin lässt sich außerdem von einer fähigen Band begleiten, mit der sich bisweilen schöne mehrstimmige Passagen ergeben. Ganz aktuell experimentiert Karo Lynn allerdings auch wieder mit gegenteiligen Effekten und hat eine frühere Single neu als Akustikversion aufgenommen.

Fazit: Dank ihrer ergreifenden, rauen Stimme löst die Leipziger Musikerin eine besondere Faszination aus.

Dhresen: Spannende Instrumentals

Dhresen lösen eine eigene Faszination aus. Ganz ohne Gesang baut das Trio Spannung auf und malt musikalische Bilder.

Armin Wondra (Schlagzeug), Sebastian Cuy (Synthesizer) und Felix Richard (Klavier) kennen sich schon seit ihrer Jugend. Erste musikalische Projekte folgten, bis sie schließlich 2018 ihr Trio Dhresen gründeten. Nach zwei Jahren gibt es nun ganz frisch das erste Album Schleiffen der drei zu hören.
Verträumt-sphärisch nehmen Dhresen einen mit auf eine Reise durch die Harmoniewelten. Die rein instrumentale Musik hat mit ihrem oft ruhigen, untermalenden Stil und dann wieder fast epischen Passagen eine Art Filmmusik-Charakter. Besonders eindrücklich ist dabei Drummer Armin Wondra, dessen Schlagzeug bei Dhresen ganz klar eine treibende Kraft ist, während seine Bandkollegen Melodiemotive und Atmosphäre zusteuern.

Fazit: Die Musik von Dhresen ist stimmungsvoll, manchmal tranceartig und repetitiv und auch mal modern-experimentell.

Levin Liam: Pop-Träumer aus Hamburg

Der norddeutsche Musiker Levin Liam zeigt in facettenreichem Gesang und zurückhaltender Begleitung wie Pop auch funktionieren kann.

Seit seiner Kindheit macht Levin Liam Musik, inzwischen ist er 21 Jahre alt und Schauspielstudent in Hamburg. Als Schauspieler dürfte sein Gesicht dem ein oder anderen auch schon einmal aufgefallen sein – etwa in seiner Rolle als Sohn des Hamburger Tatort-Ermittlers Falke. Dagegen steht seine Karriere als Musiker noch recht am Anfang: Erste Singles hat Levin Liam erst dieses Jahr veröffentlicht und selbst produziert.
Beim Hören fällt schnell auf: Der junge Künstler hat eine gleichzeitig zarte und bemerkenswert reife Stimme. Zum Teil errinnert seine recht rhythmische Art zu singen sogar etwas an Hip-Hop. Abgesehen davon ist Levin Liam aber vor allem in der poppigen Richtung unterwegs. Seine ersten Songs hält er was die Instrumentation angeht recht minimalistisch, indem er ein paar vorsichtige Klavierklänge schlicht durch Beats und verschiedene Effekte ergänzt.

Fazit: Mit einer verträumten Art entwirft Levin Liam schöne Melodien und einen gefühlvollen musikalischen Rahmen.

Jono McCleery: sanfte Akustik aus London

Der britische Sänger Jono McCleery war seine ersten vier Lebensjahre taub. Vielleicht erklärt das den filigranen und sanften Stil seiner Musik, einem Mix aus akustischen Gitarrentönen und verspielten Rhythmen. McCleerys warme Stimme, die etwas an Coldplay erinnert, vereint all das und verleitet dazu, ihm stundenlang zu lauschen. 

Nach seinen Alben Darkest Light (2008), Pagodes (2015), Seed of a Dandelion (2018) veröffentlichte der Londoner im November das Album Here I Am and There You Are. Der Titel ist eine Referenz zu einem Song des Jazzgitarristen Terry Callier. 
Im Song “Call me” beschreibt der Künstler in seiner gewohnt zarten Art die Sehnsucht einer Fernbeziehung. “I thought I was in flight, out where the planets are, moving between day and night, here I am there you are.” McCleery beweist auf seinem Album nicht nur ein feinsinniges Gefühl für Harmonien, sondern auch für Poesie, viele der Lyrics lesen sich wie ein Gedicht. In “Promise of Spring” etwa singt er: “So is there anything; you can find to stop me; from loving you. Soon I will have made my mind; and the dream that hangs between us; draws me to you.” 

Fazit: Here I Am and There You Are ist wie eine warme Decke, eine Flucht aus dem kalten und von Isolation geprägten Winter. Wer Künstler wie Ben Howard und Fink mag, sollte sich Jono McCleery unbedingt anhören. 

  • Meilensteine:
    • 2008 Darkest Light
    • 2015 Pagodes
    • 2018 Seed of a Dandelion
    • 2020 Here I Am and There You Are
  • Links:

Autorin:

Carla Blecke für Musik unterm Radar

Übrigens: Neben Musik unterm Radar schreibt Carla Blecke auch auf Goldwaage, dem ehrlichen Blog zur Frage, wie man das Jurastudium überlebt. Für alle Studierenden, Studieninteressierten und sonstigen Jura-Fans.

Apollo Apes: Pop-Rock aus Franken

Der Name Apollo Apes klingt etwas nach Affen auf Weltraummission – der Sound der Band ist zwar nicht ganz so spacig wie man jetzt vermuten könnte, allerdings sind die vier Rock- und Funk-Fans aus der Gegend um Coburg durchaus experimentierfreudig.

Ihr erstes Album haben Apollo Apes vor zwei Jahren veröffentlicht. Nach einiger Zeit der Funkstille wagen sich die vier jetzt in neue Gefilde: Poppiger soll es klingen und vom Aufnahmeprozess bis zum Musikvideo in Eigenregie entstehen. Zwei neue Singles hat die Band so jetzt schon auf Lager.
Funkig, rockig aber auch etwas psychedelisch-sphärisch sind Apollo Apes unterwegs. Ob mit lässigen Tiefen, Kopfstimme oder dezenten Backings probiert die Band auch gesanglich herum und überhaupt experimentieren die vier augenscheinlich gern mit musikalischen Überraschungen. Apollo Apes stellen vollem Instrumentensound plötzlich minimalistische Passagen gegenüber und neben charakteristischen, funkigen Basslines und Gitarrenakkorden kommen auch mal Drumcomputer oder Synthies zum Einsatz.

Fazit: Apollo Apes probieren sich aus und sehen Genrekategorien als Inspirationsquelle statt als Einschränkung.