Ben Georgi: Im „copyshop“ auf Solopfaden

„Wenn alle das gleiche sagen, heißt das nicht, dass das alles stimmt“ singt Ben Georgi in seiner ersten Solo-Single „copyshop“ und philosophiert charmant verpackt über Wünsche und Vorstellungen in einer Zeit, in der man permanenter Ablenkung durch Social Media ausgesetzt ist. Dabei öffnet sich der Sänger nebenbei auch eine für ihn komplett neue musikalische Tür. 

Denn unerfahren in der Musikbranche ist Ben Georgi keinesfalls. Als Frontsänger der deutschen Indie-Pop Band Tigermilch hat er bereits seit 2020 (und bis heute) Releases und Erfolge feiern dürfen. Wenn man die perfekte musikalische Untermalung für einen lauen Sommerabend am Balkon mit einem Gläschen Wein oder einem gemütlichen Abend zu Hause bei Kerzenlicht sucht, wird man in Tigermilchs Diskographie definitiv fündig. Viele verschiedene Einflüsse prägen die Musik. Besonders viel Soul und Jazz wurde in den Song „Versprechen“ gepackt, bei dem der Sänger geradezu über die Wörter gleitet. Besonders gefällt mir der Song „Das bin ich“, der durch das eingängige Klavier an den Sound von alten Chansons erinnert, während stimmlich in typischer Indie-Manier gesungen und textlich über das eigene Leben reflektiert wird.

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Jovan: Selbstironie und Gesellschaftskritik – alles in einem

Linie 3, die Goethestraße, kleine Bars wie der Sumpf – das ist die Welt, in der Jovan zu Hause ist. Der Darmstädter Rapper, der sich gerade eine treue Fangemeinde aufbaut, überzeugt mit lässigen Old-School-Beats und Flows, die fernab von 08/15-Reimschemata sind. Gemeinsam mit seiner Crew, den Southside Beleş Boys, bringt er frischen Wind in die lokale Rap-Szene – humorvoll, ironisch und trotzdem tiefgründig.

Jovan wächst im Stadtteil Darmstadt-Bessungen auf, besucht das Gymnasium. Während andere in dem Alter noch Hausaufgaben abschreiben, schreibt er mit zwölf seine ersten Texte. Seine Schulzeit taucht in seinen Songs eher selten auf, aber wenn, dann wird’s kultig: Auf „B.A.N.K.“ droppt er die Line „Deutschrap läuft jetzt crazy so wie Woyzeck“. Da hat die Abiturlektüre wohl Spuren hinterlassen.

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Live-Report: zeck in Berlin

Die Weihnachtszeit hat schon begonnen, doch im Neuköllner Club Hole44 wird heute Abend trotzdem Surfmusik gespielt. Draußen steht dran: „Ich geh auf Tour, kommst du mit?“ Der Club ist fast vollständig gefüllt mit Gen-Z-Freundesgruppen, während die Singer-Songwriterin Laura Nahr als Vorband auftritt.

Der Main Act des Abends kündigt sich danach mit einem Video-Monolog an: „The last time we spoke, I’ve been into some really dark places…”

Zeck schreibt über sich selbst in seiner Spotify-Bio: „no plan, no genre…“, doch wird gern als Singer-Songwriter für Indie-Pop mit Feel-Good-Vibes bezeichnet. Und das, obwohl er in seinen Songs auch ernstere Themen aufgreift. Sein Markenzeichen ist Authentizität und er regt auch andere Männer dazu an offener mit ihrer mentalen Gesundheit umzugehen. Die Message heute Abend ist also Hoffnung und das zeigt sich auch auf dem neuen Albumcover: Seine Nase ist blutig, aber er lächelt.

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FRAUPAUL: Provokant mit Herz und Verstand

Eine herrliche, erfrischende Punkrock-Brise zieht da aus Hamburg durch die Gehörgänge. Sie hat das Zeug, die deutschsprachige Szene etwas aufwirbeln und für einen interessanten und wohligen Sturm zu sorgen. FRAUPAUL provozieren gerne, hauen drauf und nehmen unseren Alltag auseinander – und das mit so viel Sympathie, dass es eine Freude ist!

Das Frauentrio bestehend aus Lisa (Gitarre und Gesang), Mary (Bass) und Linda (Schlagzeug) liefert einen mitreißenden, kraftvollen Punkrock-Sound, der auch Spuren von Indie- oder Ska-Sounds enthalten kann. So bringt FRAUPAUL eine musikalische Vielfalt zusammen – dabei bleibt der Punkrock immer im Vordergrund! Die Lieder sind geprägt von einer kraftvollen Gitarre und unverkennbaren, mitreißenden Gesangsmelodien, eingebettet in eine bissige Rhythmus-Fraktion aus Bass und Drums. Man spürt sofort, dass die Musik für die Band ein Ventil ist und diese Energie in eine mitreißende Dynamik kreiert.

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Kalte Liebe in Frankfurt: Irgendwo zwischen Schall und Schweiß den Dopaminrausch leben

Die Musik von Kalte Liebe ist ein einziger Dopaminrausch, der schrille Gesang, der Kopf bis Fuß durchdringt, der Bass, der das Herz schneller schlagen lässt, Strobolichter, Schall und Schweiß im ganzen Raum, der Boden, der unter den Füßen vom Stampfen vibriert. Das Zoom in Frankfurt ist eine bekannte Location für Clubnächte und Konzertabende. Das Produzentenduo Kalte Liebe hat die Experience von einem Konzert innerhalb weniger Minuten, durch seine ganz eigene Energie in wilde Clubstimmung verwandelt.

Etwas anderes, als zu tanzen, war nicht drin, die Performance von Andi und Eugen hat die Crowd mitspringen lassen. Ihre Tracks bestehen aus einer Mischung aus Techno, EBM und Dark Wave und verzerrten Vocals. Sie kombinieren analoge, rohe Elemente mit ihrem basslastigen Stil, ganz nach dem Motto: Der Bass muss ordentlich knallen. Verschiedene Genreeinflüsse passen sie ihrem Stil an und interpretieren sie neu. Zu ihrer Musik gehört das Gefühl des Erlebens dazu, die Tracks sind eine Mischung aus dieser besonderen energetischen Aura im Club und dem Gefühl, intime Gedanken nachempfinden zu können, auch negativen oder schmerzhaften Gefühlen Raum zu geben.

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Simon Slomma: Krafttier Weinbergschnecke

„Und ihr denkt: Scheiße, hier kommt noch so einer!’“ – so eröffnet Simon Slomma seine neue Single „Oppenheimer“, und weist damit sofort jeden Vorwurf zurück, der ihn zu einem normalen Mainstream-Rapper degradieren würde; denn das ist Simon Slomma sicher nicht.

Im Gegenteil: Simon Slommas Stil ist vielfältig. Akustikinstrumente dominieren seine Sounds, besonders die emotionalen Klavier- und Gitarrenklänge bleiben lange im Ohr. Bass und Drums bestimmen die Stimmung und treiben die Lyrics förmlich an. Simons Sound hat eine unverkennbare Tiefe in sich, die uns durch seine Alben zu verfolgen scheint. Markenzeichen fast aller Songs sind auch die Einspieler direkt zu Beginn, die Thema und Stimmung für den kommenden Track setzen und die Hörer*innen auch mal auf die Schwere mancher Lyrics vorbereiten. Denn genau dieses Niveau seiner Texte ist es, was Simon Slomma zu so viel mehr als Mainstream macht.

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Dominik Hartz: Ab in die (C)Hartz

Mit wilden Frisuren und Songs, die sich anfühlen wie ein Tagebuch voller Emotionen, bewegt sich Dominik Hartz irgendwo zwischen verliebt, fast ein bisschen sauer und der Frage: Was wäre er eigentlich ohne Songs?

Der Sänger, Songwriter und Schauspieler verbindet Indie, Pop und Rap zu einem Stil, der Kopf und Herz gleichermaßen anspricht. Sein Debütalbum Dominik Hartz ist im Oktober erschienen und erzählt auch von seinem Weg von der Schulzeit in einem kleinen Dorf in Holstein bis in die pulsierende Großstadt. Der Titeltrack „dominik hartz“ ist eine halbironische Selbstvorstellung („Ich zahl‘ in Raten und leb‘ vom Kredit, aber heute bin ich da, damit ihr euch bewegt“), die aber zeigt, dass Musik zu machen hier Teil der Identität ist („Ich will nur singen, hab‘ da lange drauf gewartet, egal ob’s undercover oder in den Charts ist”).

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Darlin: romance is alive

Darlin lässt sich nicht so einfach in eine Genre-Schublade stecken. Ihre Songs wechseln immer wieder zwischen Indie-Pop, Rock, Jazz und chilligen LoFi-Beats oder sind auch manchmal alles in einem. Besonders Darlins Leadgesang und ihr selbst eingesungener Background-Chor ziehen sich als ein Markenzeichen durch ihre Songs und erinnern neben ihrem Pop-Charakter an den ursprünglichen Sound von Rock und Jazz.

Dieser Stil lässt ihre Lieder nicht etwa veraltet wirken. Trotzdem bring Darlin mit diesem Sound ein Stückweit die Entspannung und Romantik von vergangenen Ikonen zurück. Immerhin galt Romantik in der Öffentlichkeit lange genug als out; der Satz „romance is dead“ hat immer wieder die Musik und Literatur der letzten Jahrzehnte geprägt. Dass es auch anders geht, zeigt Darlin mit ihren Songs, die sich wie ein romantischer Korridor durch die Musikszene ziehen.

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Mundane: Rockröhre auf 250 Grad, bitte!

Göteborg ist ein absoluter Garant für musikalischen Einfallsreichtum und Genialität. Und die Indie-Rocker von Mundane beweisen es uns allen mit ihrem grandiosen Debütalbum Ultra Sound. Göteborg kann zu Recht noch ein bisschen stolzer auf seine Rockszene sein.

Wer weiß, welche musikalischen Schätze über den Hafen von Göteborg zu den vier Musikern gelangten und in ihnen den Wunsch weckten, daraus einen ganz eigenen, neuen Sound zu kreieren. Die weltoffene Atmosphäre der Hafenstadt findet ihren Weg in die Musik von Mundane und sorgt für beeindruckende Vielfalt: Indie, Hardcore, Punk, 90er-Grunge und Blues treffen aufeinander und verschmelzen. Das Debütalbum ist ein echtes Feuerwerk an Facetten und vereint wunderbare Elemente der verschiedenen Rockgenres. Rau und roh, aber genauso präzise und klar.

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