Wo bist du zu Hause?
Ist es dort, wo deine Wurzeln tief in den Boden des Landstrichs reichen, wo du dich als Kind in den Büschen versteckt hast? Am Meer, wo das Rauschen der Wellen und der endlose Horizont dich in den Bann schlagen? Vielleicht an Plätzen, wo man dich wiedererkennt, wo deine Lieben sind und dich lächelnde Augen begrüßen, sobald du den Raum betrittst und die Tasche von der Schulter gleiten lässt? Wo du weißt, in welche Richtung das Toilettenpapier rollt?

Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.
2005 konnte ich diese Fragen nach dem Zuhause nicht zuverlässig beantworten. An einem Punkt der Stagnation angekommen, wusste ich einzig, dass Köln – die Stadt, in der ich zu jener Zeit lebte und arbeitete – es nicht war und niemals werden würde. Ich war gefangen zwischen meiner provinziellen Herkunft, die ich hinter mir lassen wollte, und einer neuen Identität, aber als was und vor allem wo?
An einem unaufgeregten Scheißtag im Juni ’05 fragte mich mein Kumpel Dominik, ob wir Maria Taylor im Blue Shell live ansehen. Auf mein Schulterzucken erläuterte er, dass sie aus dem Saddle-Creek-Umfeld stammt, was ich vermutlich mit einem verächtlichen Raunen beantwortete.
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