Songs von Adele, Beyoncé und Kanye West passen nicht zu Country-Musik? Falsch gedacht! The Pigs covern die weltbekannten Lieder, als wären sie von Anfang an für den Bluegrass geschrieben worden. Stilecht mit dem „Yee-haw“ des Wilden Westen und countrytypischer Instrumentation geht so manches Cowboyherz auf.
Und trotzdem: man muss kein Fan von diesem Genre sein, um die Pigs toll zu finden. Die sympathische Art der country-verliebten Australier, die lockeren Sprüche auf den Livekonzerten, die witzigen Texte aus eigener Feder (Hey Christina), das Outfit (bestehend aus schlichten blauen Tanktops, Cowboyhut und nackten Füßen), die Übertragung bekannter Popmotive auf Banjo und Westerngitarre, der vielseitige Umgang mit einer vielleicht verkannten Musikrichtung… all das sind Gründe, warum die Jungs gehört werden sollten.
Fazit: Die Pigs haben eine bute Farbenpalette voller guter Laune im Gepäck, die keinen Zuhörer ohne Kleckse nach Hause gehen lassen wird.
Meisterwerk: „Single Ladies“ – Beyoncé
Getextet: „Hope you loose your car at IKEA | hope you never find a comfortable bra | Hope you get bad feedback on ebay today“ (Hey Christina)
Indie Rock trifft auf Folk, traditionelle Klänge aus dem Balkan auf chanson-ähnliche Passagen, unterstützt wird alles von Blechbläsern und Sänger Zach Condons einzigartigen Melodiefolgen. Kurz gesagt: Die Musik von Beirut ist schwer zu beschreiben.
Ähnlich schwer einzuordnen wie das Genre sind die Texte aus Condons Feder. Poetisch und gut ausgedrückt wie sie sind, lassen sie doch nicht selten nur schwer erahnen, welche Aussage sie uns mit auf den Weg geben sollen. Zu dieser entstehenden Verwirrung tragen außerdem die oftmals ausgesprochen skurrilen Musikvideos bei. So sieht man im Hintergrund von No No No einen Herrn auf einer Leiter die Wand hinter der Band streichen, der Pianist bewegt die Finger statt auf einem Klavier auf einem Küchenrost und ein älterer Mann zieht dem davon völlig unbeeindruckten Condon von hinten eine Flasche aus Zuckerglas über den Kopf. Zum Schluss erscheinen verschiedene Hände im Bild, die den in der Luft schwebenden Musikinstrumenten applaudieren. Nichtsdestotrotz zieht es das Publikum augenblicklich in diese abstrakte Welt mit hinein, denn gut gemacht sind die Videos allemal.
Die Titel der einzelnen Songs lassen auf weitgereiste Menschen schließen: Von Prenzlauerberg, Rhineland und Postcards from Italy auf dem ersten Album The Gulag Orkestar geht es nach Nantes, East Harlem, Brazil und Gibraltar bis ins August Holland und La Banlieue (die französische, meist von Armut geprägte Vorstadt), um nur einige Beispiele zu nennen. Und der Schein trügt nicht: Gründer Zach Condon, sechzehnjähriger high school dropout, also Schulabgänger ohne Abschluss, verließ das heimatliche New Mexico, um auf Europareise zu gehen (Stationen unter anderem: Paris, Amsterdam und natürlich Osteuropa). Die klangliche Vielfalt, die sich dem jungen Musiker während dieser Zeit aufgetan hat, muss er unaufhaltsam in sich aufgesogen haben. Nur deshalb kann die Zuhörerschaft seiner Alben sich ganz der musikalischen Diversität und Vielschichtigkeit hingeben, die Condon und seine Band in ihren Werken vereinen.
Fazit: Beiruts musikalischer Stil eignet sich zwar besonders am Anfang nicht unbedingt zum Mitsingen, gehört aber mit ihrer Mischung aus Melancholie und Guter-Laune-Musik plus der zum Teil einzigartigen Instrumentation und des herausragenden Talents Zach Condons bestimmt in jedes gut sortierte CD-Regal.