Lemony Rug: head-in-the-clouds-Indie

Ob Singer/Songwriter-typisch gezupfte Gitarrenpatterns oder temporeicher, rockiger Sound: Lemony Rug aus Hamburg besticht mit einer vielseitigen Debut-EP.

Mit seiner ersten Single „I Won’t Turn Around“ legte Léon Rudolf 2019 den Grundstein für sein musikalisches Soloprojekt Lemony Rug. Gerade hat der Musiker seine Debut-EP There’s Good To Come herausgebracht.
Lemony Rugs verträumt-sympathischer Sound kommt mit wenig aus: Fokus auf der Gitarre, der Schlagzeugbeat hält sich meist zurück, über allem liegt ein beharrlicher Optimismus. Beiläufig lässt der Musiker hin und wieder eine sanfte Zweistimmigkeit einfließen oder wagt den ein oder anderen rockigeren Ausflug.

Fazit: Trotz einer gewissen melancholischen Ader klingt doch vor allem die Zuversicht durch, wenn uns Lemony Rug untermalt von Cello und Ukulele auf dem Schluss-Track seiner EP verspricht: There’s good to come!

The Esprits: Beatband zum Aufdrehen

Die Braunschweiger Truppe The Esprits legt abwechslungsreichen Rocksound auf den Tisch – und sprengt in ihren Musikvideos auch mal Katzenstatuen in die Luft.

Nach ausgedehnter Live-Erfahrung, zwei Alben und Toursupport für Revolverheld legen The Esprits gerade nach dem obligatorischen Corona-Dornröschenschlaf mit ersten Auftritten in Norddeutschland vor. Neben dem Muckemachen setzen sich die Bandmitglieder außerdem gemeinsam für die Umwelt ein: Ihr Merch ist fair und bio, sie unterstützen eine Initiative zum Walderhalt im Braunschweiger Umland und wollen überhaupt zu einer klimaneutralen Band werden.
The Esprits liefern facettenreiche Beatmusik. Mal kriegen wir sphärische Gitarre, träumerische Kopfstimme und Melancholie zu hören, dann werden wir wieder eingeholt von hartem Klang und treibenden Drums. Ergänzt von soften Backingvocals hadern die Jungs ihren Texten auch mal auf sympathische Weise mit Fehlern: „Mom, I fucked up – I accidentaly broke a good girl’s heart.“

Fazit: Ihre Wurzeln als Liveband hört man bei The Esprits dank rockigem Übermut und ordentlich Zug nach vorn auch auf den Aufnahmen heraus.

Fewjar: grooviger Hauptstadt-Indie

An ihre Songs lassen die Mitglieder der Berliner Band Fewjar erst einmal niemanden ran. Stattdessen packt die Band von Songwriting bis Aufnehmen und Mischen alles selbst an. Und weil die drei ihr Handwerk nun mal verstehen, geht das Konzept wunderbar auf.

2013 bastelten Fewjar ihr Album noch vom WG-Zimmer aus, inzwischen entstehen die Songs im eigenen Studio in Berlin-Weißensee. Nach einer Reihe von Alben, EPs und Touren haben die Bandmitglieder Jakob Joiko, Felix Denzer und Andre Moghimi inzwischen ein neues Album und – wenn alles gut geht – für September/Oktober auch eine Deutschlandtour in Aussicht gestellt.
Die Band spielt mit Erwartungen; klassische Pop-Melodien sucht man vergeblich, dafür fühlt man sich gleich von der unverschämten Coolness der Musik angesteckt. Die Songs der drei leben von Vorwärtsdrang, eigenwilligen Ideen und der bodenständigen Art mit der die Band sich durch ihre Songs groovt.

Fazit: Grundsätzlich strahlen Fewjars Songs eine gewisse Ausgeglichenheit aus: Eingewebt werden verschiedene Einflüsse, etwas Nostalgie, dazu gibt’s markante Instrumentalmotive und clever eingesetzte Pausen – und schon brennt sich einem der klassische Fewjar-Sound ins Gehirn.

Estate im Interview: „Bei uns ist alles DIY.“

Kennengelernt haben sich Jim Kramer (Gitarre, Trompete, Bass) und Jasper Riessen (Drums, Saxophon) in der Band ihrer Musikschule in Tübingen. 2019 holten sie Janislav Brickwell aus Jaspers Parallelklasse als Sänger und Keyboarder mit ins Boot und gründeten ihre Indie-Pop-Band Estate. Zu dem Zeitpunkt waren die drei Bandmitglieder gerade 14, 15 und 17 Jahre alt. Mit ihrem ersten Song „Cigarette“ sahnten sie direkt mehr als 80.000 Streams ab und landeten in Spotifys Release-Radar. Inzwischen steuern alle drei dem Ende ihrer Schulzeit entgegen: Jim hat wenige Tage nach diesem Interview seine letzte Abiprüfung geschrieben, die anderen beiden sind in der elften Klasse. Nebenbei haben die drei kürzlich ihre neue Single „Wide Awake“ veröffentlicht.

Jim, Janislav und Jasper von Estate
© privat

Seit zwei Jahren spielt ihr neben der Schule gemeinsam in einer Band. Seit letztem Jahr kam auch noch Corona dazu. Wie funktioniert das überhaupt zeitlich?

Jasper: Vielleicht hatten wir gerade durch Corona so viel Zeit. Unseren ersten Song „Cigarette“ haben wir zum Beispiel in der Coronazeit aufgenommen. Im Lockdown haben wir erst die Zeit gefunden, das anzupacken. Eigentlich hat es uns also in die Karten gespielt – am Anfang jedenfalls. Jetzt geht’s uns langsam bisschen auf die Nerven, weil wir natürlich auch live spielen wollen.

„Cigarette“ ist ja gleich ziemlich erfolgreich geworden. Worum geht es in dem Song?

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FORWARD: funky Disco-Pop

Rein ins Leben, Neues wagen, mit Erwartungen kämpfen und Zweifel überstehen – mit ihrem Genre-Mix und einer detailverliebten Art liefern FORWARD aus Hannover einen Soundtrack für ihre Generation.

Gemeinsam Songs geschrieben haben Sänger Tim Knemeyer und Gitarrist Arne Dykierek schon, da gingen sie noch zur Grundschule. Später, mit dem Abi in der Tasche, ließen sie sich dann folgerichtig von ihren Interrail-Erlebnissen inspirieren. Mit der Zeit haben sich den beiden außerdem immer mehr Gleichgesinnte angeschlossen. Inzwischen ist FORWARD also achtköpfig und auch eine erste EP steht in den Startlöchern. Die beiden Singles „Overdrive“ und „Quarterlife Crisis“ gibt es vorab schon zu hören.
Die Band in Schubladen zu stecken, ist gar nicht einfach. FORWARD machen lieber ihr eigenes Ding. Flinke Bassläufe und ein Schlagzeug, nach dem man die Uhr stellen kann, sorgen für Drive. Dazu kommen funkig abgerissene Gitarrenchords und als Sahnehäubchen die kleine Bläsersection mit ihren fein abgestimmten Einwürfen. Trotz der vollen Besetzung erschlägt einen der Sound so nicht – jedes Instrument hat seinen Platz und der Gesamtklang ist sorgfältig austariert.

Fazit: FORWARD versprühen literweise Sommerfeeling. Ganz wie es der Bandname verspricht, zieht es die Truppe mit Präzision, einer Prise Melancholie und etwas Draufgängertum nach vorn.

Übrigens: Ausgewählte Musik-unterm-Radar-Geheimtipps gibt’s ab jetzt auf einen Klick in unserer Spotify-Playlist!

Löwen am Nordpol: Berliner Indie-Rocker

Vier Jahre nach ihrem Debut melden sich Löwen am Nordpol mit einem neuen Album zurück.

Hinter den Löwen am Nordpol stehen die drei Musiker Andreas Kolczynski (Gesang und Gitarre), Daniel Voigt (Bass) und Christoph Wegener (Schlagzeug). Die Berliner Truppe hat sich zwar schon 2012 gegründet, bis 2017 hat es dann aber trotzdem noch gedauert, bis mit Vom Stochern in der Asche ein Debutalbum draußen war. Das zweite Album kommt gerade ganz frisch aus der Presse.
Und damit scheint das Trio auch recht zufrieden zu sein, wie sie verlauten lassen: „Da dieses Album so klingt, wie die Band gern klingen möchte, heißt es Löwen am Nordpol.“ Das heißt: ein ungeschönter, rauer Sound, treibende Drums, deutsche Texte, viel E-Gitarre. Die Songs ziehen nach vorne, gleichzeitig klingt immer wieder auch etwas Wehmut durch.

Fazit: Man hört den Löwen an, dass sie schon lange ein eingespieltes Team sind. Die Band macht ihr eigenes Ding und bleibt musikalisch authentisch.

Good Morning Yesterday: Indie-Mischung aus Mainz

Das Fünfergespann Good Morning Yesterday aus Mainz steht knietief in Indie-Grooves und Klangatmosphäre.

Nach mehrjähriger Bandgeschichte und zwei frischen Neuzugängen sehen sich Good Morning Yesterday zurzeit in einer zweiten musikalischen Findungsphase. Vom klassischen Folk- und Singer/Songwriter-Stil geht es zu neuen Ufern: Mehr Elektronik und Mehrstimmigkeit haben sie sich für die Zukunft vorgenommen. Vorerst gibt’s von den fünfen aber erst einmal die neue Single „The Surf“, im Juni kommt der Folge-Track.
Musikalisch gibt’s bei Good Morning Yesterday feine Gitarrenbackings, Klavierharmonien und eine Reibeisenstimme für graue Regentage. Die Melancholie in den Songs steht den Musikern durchaus gut, schließlich lässt schon der Bandname einen gewissen nostalgischen Ansatz erahnen.

Fazit: Ganz entspannt und ohne große Aufregung grooven sich Good Morning Yesterday durch ihre Musik.

Varley: Berlin-based Indiepop

VarleyFrontfrau Claire-Ann wurde in Dublin geboren, nennt inzwischen aber wie ihre deutschen Musikerkollegen Joschka Bender und Matthias Heising Berlin ihre Homebase. Ihre erste EP hat das Trio 2019 herausgebracht, das Debut-Album – ein Produkt des ersten Lockdowns – wollen sie im Laufe des Jahres veröffentlichen.
Als Vorboten aus dem geplanten Album gibt es jetzt unter anderem schon mal die Single „Bubble Up“ zu hören. Besonders cool: Neben der ruhigen Melodie und der klaren Gesangsstimme bauen Varley hier zwischen durch immer mal unerwartete, synkopische Rhythmen ein. Dazu kommt, dass sich die drei Bandmitglieder auch gerne mal an verschiedenen Instrumente ausprobieren. Klanglich hält sich die Band also trotz der kleinen Besetzung viele Türen offen.

Fazit: Varley scheint zu den Bands zu gehören, die aufkeimende Langeweile oder jegliche Art von Negativität direkt kreativ verarbeiten – sei es Album-Arbeit statt Lockdown-Koller, Songideen dank schlechter Erfahrung im Job oder Multiinstrumentalismus statt Standard-Besetzung.

Anna Leone: Gitarren-Folk mit Charakter

Die tolle, gefühlvolle Stimme kann Anna Leone wohl ihr Markenzeichen nennen – in Ergänzung mit dem meist minimalistisch gehaltenen Instrumentalunterbau sorgt sie für einen Sound mit Tiefgang.

2018 erschien die erste EP der Schwedin. Seit März ist mit Still I Wait die zweite EP von Anna Leone zu haben und auch ein Album ist schon in der Mache. Bis Herbst ist hier aber wohl mindestens noch Geduld angesagt.
Viel braucht Anna Leone nicht für ihre Musik: ein paar melancholische Akkorde, beständiges Gitarren-Fingerpicking und ihre nachdenkliche Stimme. Auf unverfälschte, rohe Art singt die Musikerin und lässt dabei trotz oft zarter Melodien auch das Volumen ihrer Stimme durchblitzen. Friedlich klingen ihre Songs, könnte man sagen. Und gleichzeitig erahnt man eine bezeichnende Tiefe und Reife.

Fazit: Anna Leone ist eine besondere Entdeckung. Ihre Musik geht leicht ins Ohr, ist ausgesprochen schön und bringt auch eine Portion Eigenwillen mit. Schade nur, dass wir bis zum ersten Album noch warten müssen.

Old Sea Brigade: Roadtrip-Sound aus Nashville

Ursprünglich kommt der Musiker Ben Cramer aus Georgia, inzwischen lebt er in Nashville. Dort hat er 2015 sein Solomusikprojekt Old Sea Brigade auf die Beine gestellt. Nach mehreren EPs, einem Debut-Album und einer Kollaborations-EP mit Luke Sital-Singh hat der Musiker für Mitte Mai sein nächstes Album angekündigt.

Mit einer sanften Art und gleichzeitig verlässlichen Stetigkeit vermittelt die rauchige Stimme des Musikers den Eindruck, als sei dieser so schnell durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Viel Bewegung in der Begleitung und die Unterlegung mit Beats steigern Tempo und Drive der Songs. Bei Themen wie der Suche nach den eigenen Wurzeln und der Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen schimmert auch immer wieder eine vorsichtige Melancholie durch.

Fazit: Mit einem eigenen Stil kombiniert Old Sea Brigade eingängige Melodien mit mehrschichtiger Begleitung und einem Gefühl von innerer Ruhe.