Freddie Dickson: sympathischer Indie-Künstler

Als Vorbilder nennt der Singer/Songwriter Freddie Dickson große Namen wie Nick Cave oder Sharon Van Etten. Seine eigene Musik zeichnet sich vor allem durch ruhiges Schweben und eine milde Stimme aus.

Nach zwei Jahren, in denen Freddie Dickson bei einem großen Label unter Vertrag war, entschloss er sich 2014, sich loszusagen und stattdessen sein eigenes Ding zu machen. 2017 brachte er schließlich sein Debut-Album Panic Town heraus. Weitere zwei Jahre später zog es den Briten aus seiner Heimatstadt London nach Berlin, wo sein zweites Album Blood Street entstand.
Mit seiner angenehmen Stimme strahlen die Lieder von Freddie Dickson Gelassenheit aus. Unterstrichen wird die Stimmung der Songs hauptsächlich von einer dezenten Gitarren- und Schlagzeugbegleitung – dazu gesellt sich sporadisch eine zweite Singstimme.

Fazit: Bei Freddie Dickson kommen sanfter Gesang und schöne Harmonien zusammen. Atmosphärisch reichen die Titel von zartem Schweben bis zu etwas düsterer Klangfülle.

Wahnschaffe: Deutschpop geht auch anders

Wahnschaffe weiß, was sie will. Und das ist nicht weniger als das Genre Deutschpop einmal gehörig umzukrempeln.

Ihre erste Band hatte die Sängerin und Gitarristin Wahnschaffe aus Köln mit 14 Jahren. Statt nach dem Studium als Lehrerin zu arbeiten, entschied sie sich für den Weg in die Berufsmusik. Sowohl in verschiedenen Konstellationen als auch solo hat die Künstlerin über die Zeit einiges an Musik veröffentlicht. Mit der eigenen Band ist nun für September eine EP geplant.
Schon die bisherigen Singles faszinieren aber: Selbst in sanft gesungenen Passagen, merkt man sofort wie viel Volumen und Kraft in ihrer Stimme steckt. Auch was Melodien und Harmonien angeht, hat Wahnschaffe den ein oder anderen Twist parat. Allein deshalb schon tut man sich schwer, der Musik von Wahnschaffe das Label „Deutschpop“ aufzuerlegen. Denn in ihren Songs gibt es kaum klassische Pop-Harmonien, stattdessen wird es rockig, soulig, vielleicht sogar jazzig und etwa im Livevideo zu ihrem Song „Leuchten“ erwartet einen am Schluss eine Klangüberraschung, die an die Power von Gospel und Musical erinnert.

Fazit: Die Musik von Wahnschaffe begeistert zurecht – mehr als eine absolute Hörempfehlung kann man da nicht aussprechen.

Socha Beag: Alternative aus Frankfurt

Obwohl der Sound von Socha Beag recht eigen ist, hat man ihn schnell im Ohr. Grund dafür ist unter anderem eine ganz besondere Stimme.

Nachdem Socha (Gesang) und Wolle (Gitarre) 2014 den Grundstein für die Band legten, schlossen sich vor zwei Jahren schließlich Schlagzeuger Jens und Bassist Marc an. Frisch gibt es von den vieren gerade ein neues Album zu hören. Dessen Titel The Time of Unrest gibt auch schon einen Hinweis auf die Stimmung der Musik.
Auch wenn man Socha Beag bei ihrem eigenwilligen Sound nicht einfach als Rockband abstempeln kann, macht sich das eingespielte Team einer Band mit klassischer Rock-Instrumentation schnell bemerkbar. Gitarre, Bass und Schlagzeug wissen Spannung aufzubauen und sorgen fürs Setting, zwischendurch wird ein Solo eingestreut. Besonders charakteristisch für Socha Beag ist allerdings der ausdrucksstarke Gesang von Frontfrau Socha, die einen mit einer tiefen, rauen Stimme in ihren Bann zieht.

Fazit: Während man es bei anderen Bands vielleicht kritisch beäugen würde, ist es bei Socha Beag kein Problem, wenn ein Song mal die Sieben-Minuten-Marke knackt. Eine tolle Band, Texte mit Message und eine faszinierende Stimme machen die Musik zu einem spannenden Gesamtpaket.

WellCooked.Audio im Interview: So entsteht Filmmusik

Spätestens seit Star Wars und Harry Potter weiß man: Gute Musik kann für einen Film so charakteristisch sein wie talentierte SchauspielerInnen. Jonas Gewald und Dejan Dukovski sind Filmmusikkomponisten und kennen sich aus im Geschäft. Weil sie sich im Studium beim gemeinsamen Kochen immer schon gern über Musik unterhalten haben, heißt ihre Firma passenderweise WellCooked.Audio. Zuletzt schrieben die beiden den Soundtrack zu You Bet I Dance! / Und Ob ich Tanze!, einem preisgekrönten Dokumentarfilm über einen Tanzworkshop für Kinder mit körperlicher Behinderung am Staatsballett Berlin. Im Interview erklären sie, mit welchen Tricks man eine Verfolgungsjagd musikalisch unterlegt und wie sie damit umgehen, wenn ein Regisseur eine andere musikalische Vorstellung hat als sie.

Dejan Dukovski (links) und Jonas Gewald gründeten nach dem Studium ihre Filmmusikfirma WellCooked.Audio.
© privat

Musik unterm Radar: Dejan und Jonas, bei WellCooked.Audio komponiert ihr Musik für Filme und Werbung. Wie fühlt es sich an, wenn man einen Film anguckt und darin die eigene Musik hört?

Dejan: Sehr, sehr toll. Wegen Corona wurde zwar You Bet I Dance! jetzt schon für eine Woche online veröffentlicht und ist im Moment auf Filmfestivals unterwegs. Da haben wir den Moment also noch nicht richtig auskosten können. Bei einem anderen Film im letzten Jahr haben wir uns aber zum Beispiel mit allen Beteiligten in Hamburg zur Filmpremiere im Kino getroffen, das war echt ein unbeschreibliches Gefühl. Man ist dann auch total gespannt, wie die Leute reagieren. Genauso wie der Regisseur wahrscheinlich guckt: Lachen sie jetzt, weinen sie jetzt?
Jonas: Man merkt halt in dem Moment erst so richtig, ob das, was wir uns bei der Komposition überlegt haben, auch funktioniert. Das ist schon sehr spannend.

Sagen wir mal, es trifft eine Anfrage bei euch ein, die ihr interessant findet. Wie geht es dann weiter?

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B104: Jung, frech und wild

Von Lübeck bis zur polnischen Grenze verläuft die Bundesstraße 104. Dazwischen führt sie auch durch den Heimatort von fünf Jugendfreunden, die seit vier Jahren zusammen Musik machen. Den Namen der Bundesstraße haben die fünf schließlich kurzerhand als Bandnamen adaptiert.

Ihr erstes Konzert haben B104 noch im Café der Eltern ihres Bassisten gespielt. Inzwischen haben Daniel Derda (Gesang) William Kratzkie (Sprechgesang) Dennis Derda (Gitarre) Hermann Bunde (Schlagzeug) und Sven Paulsen (Bass) um die 100 Konzerte vorzuweisen und kürzlich ihr Debut-Album 2020 herausgebracht.
In ihren Texten beschäftigen sich B104 mit politisch aufgeladenen Themen wie der Flüchtlingskrise oder Polizeigewalt. Die Musik dazu ist – ganz im Protestsong-Geist – laut und voller Power. Da wird der Text auch mal mehr gegrölt als gesungen, der Drummer prescht voraus und Gitarre und Bass bringen aufgeheizte Stimmung in die Tracks.

Fazit: B104 eigenen sich absolut nicht dazu, sie leise zu hören. Ein schönes Motto geben uns die fünf in ihrem Song „Panik“ übrigens auch noch mit auf den Weg: „Und klappt’s nicht, wie du willst, geht auch die Sonne wieder auf.“

Behind The Scenes | Band-Berater im Spotlight

Kein Proberaum? Bassist gesucht? Bock auf Musik, aber keine Ahnung von Marketing und Urheberrecht? Viele Newcomer-Bands stehen vor ähnlichen Problemen. Gebraucht wird dann jemand, der mit Equipment, Connections oder auch einfach Rat und Tat zur Seite stehen kann. Aber wo findet man den richtigen Ansprechpartner? Musik unterm Radar hat mit Fachleuten von Initiativen und Vereinen gesprochen und verschiedene Anlaufstellen gesammelt, um der Frage auf den Grund zu gehen.

Titelbild zum Format "Behind The Scenes": Eine Hand hält ein Smartphone. Auf dem Bildschirm ist die Handykamera zu sehen, mit der gerade ein Klavier fotografiert wird.

© 2020 Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

Musiknetzwerk Aachen

Erste Ansprechpartner, um Hilfe und Anregungen zu bekommen, gibt es bei lokal organisierten Netzwerken. Till Görgen (21) ist Mitgründer der Initiative Musiknetzwerk Aachen (MuNA) für MusikerInnen zwischen 15 und 35 Jahren. Neben der Möglichkeit untereinander in Kontakt zu treten, organisiert das Netzwerk Konzerte, Festivals und Workshops. Für Gründer Till Görgen ging es los mit dem Wunsch, neue Musikerfreunde zu finden, die vom Musikstil her zusammen passen: „In Schulband-Zeiten haben zwar alle Herzblut reingesteckt, aber irgendwie war es dann oft trotzdem nicht so ganz kompatibel.“ So kam nach dem Abi die Idee, möglichst viele lokale MusikerInnen zu vernetzen.

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Alex St Joan: australischer Art Pop

Von der Künstlerin Alex St Joan kommt schlicht schöne Musik. Mit dabei ist immer etwas Melancholie, ihr sanft nachdrücklicher Gesang und ein fast meditativer musikalischer Unterbau.

Geboren und aufgewachsen in Australien lebt die Musikerin Alexia Peniguel seit nunmehr 16 Jahren in der deutschen Hauptstadt. Nach verschiedenen musikalischen Projekten veröffentlichte sie 2019 als Alex St Joan ihre Debut-EP beim Label der Singer-Songwriterin (und übrigens ebenfalls Australierin) Kat Frankie. Zu ihrer nächsten EP gibt es mit der Single „Born To Be Gentle“ schon einen Vorgeschmack.
Insgesamt liegt der Fokus bei Alex St Joan auf einer simplen Schönheit. Während ihre Stimme große Strahlkraft besitzt, bleibt der musikalische Background vor allem minimalistisch: stetiger Beat, schwebende Akkorde und keine überbordende Instrumentation. Besonders die neue Single ist getragen von sanfter Mehrstimmigkeit.

Fazit: Scheinbar mühelos gelingt Alex St Joan eine leichtfüßige und doch bestimmte Art von Gesang. Ihre Lieder gehen ins Ohr, obwohl sie nicht unbedingt die typischen Popsongs sind.

Mika Jones: niederländischer Straßenkünstler

Auch ohne die großen Bühnen hat sich der Straßenmusiker Mika Jones ganz der Musik verschrieben. In seinen Worten: „I can’t exist without music… Yes, I am that passionate.“

Der Sänger und Produzent Mika Jones aus Leiden in den Niederlanden hat sich seine Fanbase vor allem mit Straßenmusik erspielt – inzwischen kann man aber auch Aufnahmen lauschen: Sein Album Different mit zwölf Tracks ist im vergangenen Jahr erschienen.
Die Songs von Mika Jones werden besonders von seiner gezupften Akustikgitarre ausgemacht. Klavier, E-Gitarre oder vorsichtige Beats ergänzen die Musik, wenn ein Song mal eine Portion Rock vertragen kann und auch den ein oder anderen Electro-Einfluss gibt es zu hören. Je nach Lied und Stimmung singt der Singer-Songwriter dazu kräftig und entschlossen oder auch mal mit zarter Kopfstimme.

Fazit: Mika Jones bietet den Soundtrack zum Abschweifen und Träumen. Seine Songs haben etwas Bodenständiges, das sicher auch von den Erfahrungen als Straßenmusiker herrührt.

Nobutthefrog: Folk-Band in Aufbruchstimmung

Ihren Namen haben die vier in ihrer Bandgeschichte sicher schon mehr als einmal buchstabieren müssen. Wer Nobutthefrog googelt, landet dafür aber auf keinen Fall woanders als bei der sympathischen Folk-Band aus Nürnberg.

Also Duo haben Anka (Gesang, Geige, Mandoline, Gitarre) und René (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) 2016 ihren Grundstein in der Frankenmetropole gelegt – inzwischen sind auch Kontrabassist Lorenz und Drummer Chris mit an Bord. Zwei CDs haben Nobutthefrog schon veröffentlicht, als Straßenmusiker hat es sie neben Deutschland auch nach Polen und in die Niederlande verschlagen. Für den Spätsommer diesen Jahres stehen außerdem große Pläne an: Drei Viertel der Band wollen sich straßenmusikfinanziert auf Weltreise begeben und den kompletten Neustart wagen. Wie lang das gehen wird, ist noch offen: „Die Versicherung, die wir abschließen wollen, wird fünf Jahre gehen“, verrät Anka am Telefon.
Gesungen wird bei der Folk-Pop-Mischung von Nobutthefrog mal harmonisch zweistimmig, mal rau und mit Power. Die musikalische Begleitung bleibt durch den Fokus auf Gesang und Gitarre auch mit vierköpfiger Band angenehm folkig und nicht überladen. Geige und Kontrabass bringen hier und da eine besondere Note in die Musik und mit der Mundharmonika kommt außerdem ein bluesiger Einfluss dazu.

Fazit: Schöne Melodien und gemeinsame Bühnenerfahrung sind das eine. Dass obendrein noch das Klima unter den Bandmitgliedern stimmt, zeigt einmal mehr die Idee, auf unbestimmte Zeit zusammen die Welt erkunden zu wollen.

Urban Project: Aachener Sound-Labor

Mit simplen Pop-Strukturen gibt sich beim Urban Project aus Aachen keiner zufrieden. Hier wird ausprobiert und an Klängen gewerkelt – die ein oder andere Dissonanz und eingebaute Stimmungswechsel bringen extra Pepp in die Songs.

Die Basis der Band bilden Gitarrist Urban Elsässer und die Sängerin, Komponistin und Texterin Yen Hwei Bella Anetzberger. Zu diesem Grundstock gesellten sich seit 2015 bereits verschiedene weitere Musiker, bis sich inzwischen eine feste vierköpfige Besetzung mit Bassist und Schlagzeuger eingependelt hat. Zwei Platten hat die Band schon auf Vorrat, die dritte ist in der Mache.
Beim Urban Project geht es rockig zu, die Tracks der Band sind nicht aber unbedingt Songs, die leicht ins Ohr gehen. Urban Project spielen mit dem Ungewohnten, kombinieren melodische Phrasen mit Brüchen. So entsteht eine besondere Spannung und die Musik bekommt eine eigene Note. Auch musikalisch wissen die vier fraglos, was sie machen.

Fazit: Für das Urban Project ist Langeweile ein Fremdwort. In ihrer Musik passiert ständig etwas und auch Genregrenzen legen die vier neu aus.