Mala Oreen: Folk mit Charakter

Bei Singer-Songwriterin Mala Oreen meint man schon herauszuhören, dass sie in mehreren Welten zu Hause ist. Für ihre neuen Songs hat sich die schweizerisch-amerikanische Musikerin statt von ihrer Heimatstadt Luzern vom Nachthimmel in Texas und der Landschaft New Mexicos inspirieren lassen.

Bevor sie sich in den amerikanischen und irischen Folk verguckte, lernte Mala Oreen allerdings erst ganz klassisch Geige und nahm Gesangsunterricht. Zusätzlich zu ihrem Soloprojekt ist sie auch in Bandformation unterwegs, tourte neben Deutschland und Holland auch schon durch Irland und die USA. Für ihr nächstes Album hat es Mala Oreen erneut für eine kreative Auszeit in die USA gezogen. Awake erscheint im November.
Mit perlender Stimme singt Mala Oreen sich durch die Folk-Melodien ihrer Lieder. Und auch bei der Begleitung an Gitarre, Mandoline oder Geige zeichnet sie einprägsame Muster und Formen. So klingen manche Songs spielerisch und befreit, andere tragen eine gewisse Wehmut in sich oder preschen nach vorn.

Fazit: Mala Oreen merkt man an: Sie weiß, wie sie klingen möchte. Ihre reife Stimme setzt sie mal mit Nachdruck, mal voller Fragilität ein. Mit der abwechslungsreichen Instrumentalbegleitung fängt sie gekonnt Stimmung ein.

Oska: Indie-Pop aus Leidenschaft

Schon mit ihrer ersten EP Anfang des Jahres hatte die Wiener Newcomer-Musikerin Oska alle auf ihrer Seite. Mit ihrer unnachahmlichen Art gewinnt sie einen schließlich schnell für sich.

Die Musik scheint Oska wie ein Wegweiser durch das Leben zu tragen. Mit 18 Jahren zog die Künstlerin aus ihrem Heimatdorf in die österreichische Hauptstadt. Studiert hat sie dort Pop- und Jazz-Gesang, nebenbei spielte sie als Straßenmusikerin. Seit vergangenem Jahr ist sie bei dem kanadischen Label Nettwerk unter Vertrag, hat im Januar ihre erste EP veröffentlicht und kürzlich für Februar 2022 ihr Debütalbum angekündigt.
Oska macht ganz wunderbar glasklaren Indie-Pop. Die Sängerin hat das besondere Talent, mit ihrer Musik hin und wieder so ein subtiles Gefühl unbestimmbarer Schwere hervorzurufen und im gleichen Moment doch irgendwie eine fast tänzelnde Unbekümmertheit zu verbreiten. Ihr weicher Gesang spielt mit feinen Pop-Melodien, begleiten lässt sie sich vorrangig von einer wohldosierten Akustikgitarre.

Fazit: Oska ist mit ihrem eingängigen, charakteristischen Klang eine ganz besondere aufstrebende Musikerin. Auf das erste Album darf man auf jeden Fall gespannt warten – den 25. Februar könnt ihr euch also schon mal in den Kalender eintragen.

Musik-News: Neues Album von Please Madam

Die Fakten:

Das ist neu: Album Angry Boys, Angry Girls (VÖ 10.9.21)
Das steht an: Tour im Oktober/November

Die Analyse

Los geht’s bei Angry Boys, Angry Girls mit dem sanften Opener „Honesty“. Nach und nach steigert sich die Platte hin zu etwas mehr Tempo und einem von Gitarre und Schlagzeug bestimmten Sound. Prägend ist außerdem die eindringliche Stimme von Sänger Dominik. Festnageln lassen sich die Vier von Please Madame auf ihrem dritten Album aber nicht, stattdessen gibt es eine bunte Palette zu hören: Bei der jüngsten Single-Auskopplung „Talk The Other Way“ kommt ein Bläsersatz zu Wort, stampfende Drums hören wir bei „Comfort“ und in dem ruhigen „So Much Better“ brechen sie ganz mit ihren rockigen Wurzeln und lassen Akustikgitarre und Mehrstimmigkeit übernehmen. Auch inhaltlich haben Please Madame etwas zu sagen und beschäftigen sich etwa mit Themen wie Emanzipation, Solidarität und Selbstbestimmung.

Kalabrese: authentischer Klang mit starken Rhythmen

Mit musikalischer Leichtfüßigkeit und einem kantigen Klang steuert Kalabrese auf sein neues Album zu.

In der Schweizer Musikszene ist Sacha Winkler längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach verschiedensten Projekten ist der Künstler 2007 mit seinem Soloalbum „Rumpelzirkus“ schließlich erstmals als Kalabrese in Erscheinung getreten. Das zweite Album folgte ein paar Jahre später und inzwischen steht das auch dritte an: Let Love Rumpel – Part 1 wird Anfang Oktober Release feiern. Wie der Name verspricht, ist ein zweiter Albumteil auch gleich mit eingeplant.
Feine Rhythmik, meditative Wiederholungen, stetiger Groove, etwas Mundart und markante Einwürfe verschiedener Instrumente bleiben bei den Songs von Kalabrese im Kopf. Seine Musik ist weder besonders minimalistisch noch überladen. Für den größeren Bandsound bekommt Kalabrese Rückenwind von seinen Weggefährten vom Rumpelorchester und anderen musikalischen KollegInnen.

Fazit: Auf entschleunigende Art ist Kalabrese gleichzeitig modern und retro, experimentell und bodenständig.

glu: Pop on fire

Bei glu: basteln vier Leipziger Musik-Fans mit Pop-Einflüssen und Sommerfeeling.

Vergangenes Jahr formierte sich die Band aus Sängerin Charlotte Vogel, Bassist Tim Schönherr, Max Schäfer an Gitarre und Synthies und Schlagzeuger Philipp Berger. Der Bandname leitet sich ab vom englischen Wort für Kleister (glue), in der Lautschrift wird das Ganze schließlich zu glu:. Die erste EP heißt Fireflies und ist Ende Juli erschienen.
In den Songs hören wir viel Klangteppich, softe Melodien und zaghafte Melancholie. Die glasklare Singstimme von Frontfrau Charlotte verträgt sich wunderbar mit der poppigen Stimmung, die ihre Bandkollegen aufsetzen. Das Quartett lässt sich unterwegs auch mal Zeit für Breaks und gibt ihrem Drummer Gelegenheit mit dezenter Begleitung oder galoppierenden Beats maßgeblich über den Sound mitzuentscheiden.

Fazit: Bei glu: wird die ein oder andere musikalische Idee zusammengeleimt, bis eine bunte Pop-Collage entsteht.

Future Radio: Punk-Rock aus Südafrika

Bei Future Radio haben sich zwei gefunden, die künstlerisch auf einer Wellenlänge sind. Musikalisch holen sie alles raus, was ein Rock-Duo so hergeben kann und probieren sich in ihren Videos gleichzeitig mit visueller Kunst aus.

Hinter Future Radio stecken Johnny Future und Drikus Roets aus Südafrika. Ihr erstes Album Freedom erschien 2020, das nächste soll kommendes Jahr folgen. Neben ihren eigenen Songs sind sie auch mit Covern wie ihrer Version von Zombie von den Cranberries erfolgreich.
Gitarrenriffs mit Power werden bei Future Radio eingebettet in monumentalen Gesamtklang. Essenziell sind auch die mitsingtauglichen Melodien und die ungeschliffene Stimme von Sänger Johnny. Gleichzeitig leben sich die beiden nicht nur musikalisch, sondern auch künstlerisch aus, wenn es um ihre Videos geht. Zusätzlich zum Debüt-Album veröffentlichten sie etwa einen von Drikus eigens animierten Kurzfilm. Die einzelnen Tracks ihres Albums brachten sie außerdem mit Musikvideos als Episoden einer ersten Staffel heraus. Die zweite Staffel ist mit einer ersten Single des neuen Albums auch schon angelaufen.

Fazit: Future Radio mit ihrer klanggewaltigen Art lassen sich kaum auf niedriger Lautstärke hören. Denn wie es sich für zukunftsgewandten Rock gehört, rasen die beiden ungebremst nach vorn.

Moe: Folk-Pop für laue Sommerabende

Der Singer-Songwriter Moe aus Bielefeld verbreitet mit seiner nachdenklichen Stimme und der verspielten Gitarre eine angenehm warme Atmosphäre.

Seit 2015 lässt sich Musiker Moritz Herrmann alias Moe bereits regelmäßig auf den Bühnen des Landes blicken. Drei Jahre später entstand sein Debüt-Album Folding Cranes, letztes Jahr kam die EP Melancholy’s Lovely hinterher. Für diesen Herbst ist außerdem ein zweites Album angekündigt.
Die Songs von Moe leben von dem ästhetischen Unterbau seiner Akustik-Gitarre. Während der Singer-Songwriter live häufig solo unterwegs ist, gibt’s auf den Aufnahmen zusätzlich auch dezente Band-Unterstützung. Die Gesangsmelodien haben Pop-Charakter, die Stimme des Musikers klingt etwas dreamy, behält aber ihre Bodenhaftung.

Fazit: So ganz kann man sich nicht entscheiden, ob die Songs eher melancholisch oder doch ausgelassen klingen. So oder so spürt man beim Hören schon die Sonne im Nacken.

Jon Doe: spicy Indie-Rock

Das Fünfergespann Jon Doe aus Heidelberg zieht ordentlich nach vorn. Mit „Fresh Burrito“ hat die Truppe gerade auch `ne neue Single im Gepäck.

Die Musiker Valentin, Thomas, Paul, Erik und Julian gründeten ihre Band im Jahr 2015. Seitdem ließen die Heidelberger Indie-Rocker in mehreren Singles und ihrer EP We Come in Peace von sich hören.
Den einzelnen Instrumenten wird bei Jon Doe viel Freiraum gelassen. Neben einem runden Zusammenspiel der Bandmitglieder kann man damit einiges entdecken. Da gibt es funkig abgerissene Chords von den Gitarren, perlende Bass-Läufe und Drum-Fills mit Power. Ergänzt wird mit Piano, wirkungsvoll eingesetzten Pausen oder Stimmungswechseln und zwischendurch Synthies.

Fazit: Die fünf Mitglieder von Jon Doe liefern eine scharf gewürzte Mischung aus tanzbaren Vibes und musikalischem Feingefühl.

7fields: warmer Electronic-Folk

Diese etwas verruchte Stimme weckt Erinnerungen? Kein Wunder. Vor seiner Zeit als Solokünstler war der Musiker 7fields nämlich Frontsänger von Liquido, die sich mit ihrer Single „Narcotic“ in das Ohrwurm-Repertoire der Republik und darüber hinaus gespielt haben.

Ohne Band geht es für den Sänger und Multiinstrumentalisten inzwischen in eine etwas andere Richtung. Sein Solo-Debüt als 7fields legte er 2017 hin. Ursprünglich kommt der Musiker aus der Nähe von Heidelberg, längst hat es ihn aber nach Berlin verschlagen. Anfang Juli veröffentlichte er seine neue EP Under My Skin.
7fields kombiniert elektronische Elemente gefühlvoll mit organischen Klavier- oder Gitarrenklängen. Ganz gelassenen hält der Musiker jede Hektik auf Abstand und so muten die Songs oft etwas meditativ an. Einen vorsichtigen Spannungsbogen hält er dennoch aufrecht und lässt einem die Zeit, ganz in seinen Stil einzutauchen.

Fazit: 7fields klingt nach flüchtigen Gedanken und Geschichten, die noch nicht auserzählt sind. Getragen werden die Songs von der charakteristisch-warmen Stimmfärbung des Musikers.

Eugenia Post Meridiem: Genre-Cocktail aus Italien

Durch Zufall sind vier Italienische Musikbegeisterte aus den unterschiedlichsten musikalischen Ecken aufeinandergetroffen und haben schnell gemerkt, wie gut sie trotz allem zueinander passen. Das Resultat: Eugenia Post Meridiem.

Im Urlaub in Portugal traf Sängerin Eugenia 2017 auf ihre zukünftigen Bandkollegen: einen Bassisten und Elektro-Fan, einen Gitarristen aus der psychedelischen Ecke und einen Jazz-Drummer. Direkt ging es ans Songwriting, zwischendurch Aufnahmesessions für erste Singles, Touren und Gigs in Italien und darüber hinaus – der italienische Rolling Stone hielt ihnen gleich einen Platz auf der Liste der vielversprechendsten Neuentdeckungen des Landes frei.
Durch ihren wilden Mix an Einflüssen wird es schwierig, Eugenia Post Meridiem eine Richtung, geschweige denn ein Genre zuzuschieben. Aufregend klingt ihr Sound, mutig und voller Freiheitsgefühl. Faszinierend ist vor allem auch die Stimme von Frontfrau Eugenia, schließlich sucht sich die Band auch nicht gerade die einfachsten der möglichen Melodieführungen aus.

Fazit: Eugenia Post Meridiem ist eine Band, die man auf dem Schirm behalten sollte.