August August im Interview: „Auf der Bühne quatscht uns keiner rein.“

Platte Reime und inhaltslose Songtexte sucht man bei August August vergebens. Stattdessen beobachtet und kommentiert das Duo das Zeitgeschehen und seine Widersprüche durchdacht und pointiert und lässt immer auch Raum für Interpretation. Ihren Bandnamen haben sich Kathrin Ost (Gesang, Bass) und David Hirst (Gitarre) übrigens von einer Nebenfigur aus einem Drei-???-Hörspiel ausgeliehen. Ihr neues Album gibt es seit dem 25. Februar zu hören.

Kathrin Ost und David Hirst – © August August

Musik unterm Radar: Euer neues Album heißt Liebe in Zeiten des Neoliberalismus. Was bedeutet dieser Titel für euch?

Kathrin: Das war erst nur ein Arbeitstitel. Der Kernsong ist „Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat“, in dem ich mir einen der Glaubenssätze unserer Gesellschaft vorgenommen habe. Es geht darum, dass man in viel mehr Bereichen von dem System um einen herum beeinflusst wird, als einem vielleicht bewusst ist. Als Band schreiben wir ja nicht nur unsere eigenen Geschichten, sondern auch, was uns erzählt wird, was wir beobachten oder was zwischen den Zeilen durchscheint. Da merkt man, dass viel Schmerz dadurch ausgelöst wird, wie die Verhältnisse sind. Liebe in Zeiten des Neoliberalismus ist natürlich auch als Provokation gemeint. Eigentlich würden alle sagen: Die Liebe kann nichts zerstören, sie schwebt über allem. Dabei können einem viele Menschen bestimmt andere Geschichten erzählen, wie existenzielle Sorgen daran doch etwas verändern.

Was sind für euch die Themen unserer Zeit?

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The Ella: Pop-Punk-Duo

The Ella aus Chemnitz verarbeiten in ihren Songs Themen wie mentale Gesundheit, die Klimakrise oder toxische Beziehungen. Das Ganze verpacken sie in einer mitreißenden Indie-Britpop-Punk-Mischung.

Obwohl Gideon Liebmann und Filip Bayer schon gemeinsam im Kindergarten waren, brauchte es noch eine ganze Weile, bis die beiden so richtig einen Draht zueinander fanden. Geklappt hat es dann über die Musik. Als Jugendliche spielten sie gemeinsam in einer Band, ihr Duo The Ella gründeten die beiden 2019 während der Abizeit. Ihre erste EP steht gerade in den Startlöchern: Am 25. Februar erscheint Stereo Smoking.
Auf der EP zu hören sind fünf abwechslungsreiche Songs plus Intro. Sänger Filip singt die englischen Lyrics mit passiver Coolness. Darunter legt er mit der E-Gitarre rhythmische Akkorde, deren britischer Sound fasst ein bisschen trotzig wirkt. Drummer Gideon treibt mit seinen durchschlagenden Schlagzeugbeats die Songs voran.

Fazit: Drums, Gitarre, Vocals: Bei The Ella legt jede Komponente der Musik eine packende Rhythmik an den Tag.

damn!escape: Ein Rock-Quartett macht Dampf

damn!escape ist eine Rockband aus Lüneburg rund um den Sänger und Gitarristen Eddy. Nach ihrer EP Bad Treatment 2021 soll im Laufe dieses Jahres ein erstes Album mit dem Titel Devil’s Friend erscheinen.

damn!escape drehen richtig auf. Da darf natürlich die Rock-Besetzung schlechthin aus zwei rotzigen Gitarren, Bass und Drums nicht fehlen. Eddy legt Elan und Herz in seinen Gesang, die anderen unterstützen mit Backing Vocals. Alle vier sind aufgeladen mit Energie und stehen für handgemachten Classic Rock.

Fazit: Bei damn!escape merkt man sofort: Diese Truppe hat richtig Bock. Ein „Tritt in den Hintern“ soll ihre Musik nach eigener Aussage sein – für ein bisschen weniger tristen Alltag und mehr Adrenalin und Lebensfreude.

Henriette: mystischer Folk-Pop

Henriette ist Weltenbummlerin, Filmmusik-Fan und Songwriterin. Ihre Tracks schreibt sie gern mal in der Badewanne und auch von der Pandemie ließ sich die Musikerin bisher nicht groß beeindrucken, zog sich stattdessen zurück und schrieb in den zwei Jahren an die 70 Songs.

Aufgewachsen ist Henriette im Saarland nahe der französischen Grenze. Später begann sie Musik und Theater zu studieren – allerdings zog es sie dann doch erst einmal in die weite Welt. So lebte und arbeitete sie eine Zeitlang in der Music City Nashville, bevor es sie zurück nach Deutschland verschlug. Heute lebt die Musikerin in Berlin.
Henriette baut mit einfachen Tools Atmosphäre auf. Vor allem Klavier und Gitarre sind recht präsent, halten sich aber immer auch zurück und lassen Raum. Einzelne, stimmungsvolle Töne haben bei Henriette Vorrang gegenüber massigen Akkorden. Verfeinert werden die Arrangements schließlich mit Cello oder Bassharmonika und über allem schwebt Henriettes Stimme mit graziler Mühelosigkeit.

Fazit: Durch ihre glasklare Stimme und eine mit Maß eingesetzter Begleitung gelingt Henriette ein bildhafter, sphärischer Sound.

Fiesta Forever: Indie-Rock Retrostyle

Hinter dem Party-verdächtigen Bandnamen stecken vier österreichische Newcomer, die seit 2019 zusammen mucken. Erste Konzerte sind trotz Corona schon gespielt, auf die erste EP müssen wir dagegen noch ein kleines bisschen warten. Bis alle Aufnahmen im Kasten waren, hatten Fiesta Forever dabei nämlich mit einigen Steinen im Weg zu kämpfen – nach ersten quarantänebedingten Verschiebereien wurde ihnen auch noch der alte Chevy mit sämtlichen Instrumenten darin aus dem Halteverbot einkassiert. Ins Studio haben es die Jungs dann schließlich irgendwann doch noch geschafft und im Mai soll die EP dann endlich zu hören sein.

Ein eigentlich etwas nostalgisch wirkender Indie-Rock-Stil aus dicken Drums und garagiger E-Gitarre wird bei Fiesta Forever zu einem frechen Sound, der allemal in die Gegenwart passt. In ihren ersten Singles probieren die Bandmitglieder sich aus – und man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht. In „Volcano“ wird mit scharfen Dissonanzen experimentiert und der Song sprudelt vor Übermut zeitweise fast über, „In Vain“ ist melodischer und lässt etwas Melancholie anklingen.

Fazit: Fiesta Forever preschen ohne Rücksicht auf Verluste nach vorn. Ausgebremst durch die Pandemie stehen die Vier noch am Anfang ihrer Laufbahn, dafür kann man die Band 2022 durchaus im Auge behalten.