Ultraschall: Alternative Funk

Rock, Funk und Sprechgesang auf Deutsch: Ultraschall lassen sich von angeblichen Genre-Grenzen nicht beirren und entwickeln ihren ganz eigenen Sound.

Die Koblenzer Band Ultraschall besteht aus dem Sänger und Gitarristen Lukas Uhlich, Tim Eulenspiegel (Gitarre, Vocals), Valentin Lorenzen da Silva am Bass und Yannic Daleiden (Schlagzeug). Die vier haben seit letztem Jahr zwei EPs veröffentlicht und sind gerade ganz aktuell auf den deutschen Bühnen unterwegs.
Ultraschall machen alternative Musik mit Einflüssen aus verschiedenen Genres. Ihre Songs leben von Rock-Riffs, treibendem Schlagzeug und funkigem Bass und E-Gitarre. Sehr charakteristisch ist auch der durchdringende, kräftige Sprechgesang von Sänger Lukas Uhlich, die ausnahmslos deutschen Texte scheinen Geschichten zu erzählen und sind sauber gereimt. Die Titel von Ultraschall sind voller Energie, werden ab und an unterbrochen von unvermittelt schwebenden Passagen, um sich dann wieder neu aufzubauen. Insgesamt hat die Band sicher das Zeug, frischen Wind in die deutsche Musikszene zu bringen.

Fazit: Jung und sympathisch ungestüm wirken die vier Musiker von Ultraschall. Schnell merkt man aber auch ein gutes Maß an musikalischem Gespür und die Fähigkeit, sich aus unterschiedlichen Genres eine charakterstarke eigene Richtung zu basteln.

  • Meisterwerk: „Tagedieb“
  • Meilensteine:
    • 2018 Debut EP Art Zu Sein
    • 2019 EP Odyssee
  • Umleitung:

Ultraschall war ein Tipp von Bloggerkollege Yannick von Wermis Worte Filmblog. Mit fokussiertem Blick aber immer auch einer persönlichen Einordnung findet man auf seiner Seite mit Leidenschaft gemachte Filmkritiken in kreativen Rubriken. Über Filmmusik schreibt er übrigens auch hin und wieder…

Musik unterm Radar auf Facebook

Whitehall: Indie durch und durch

Menschen, die Spaß an der Musik haben, hört man immer gern zu. Wenn das Ganze dann noch Hand und Fuß hat, mit guten Musikern und spannenden musikalischen Ideen, braucht man sich überhaupt nicht mehr zu beschweren.

Whitehall ist eine junge Band aus Charleston, South Carolina. Die Jungs sind zu fünft unterwegs, ein erstes Album mit dem Titel Ocean Fiction gibt es schon und getourt wird ebenfalls – momentan allerdings nur zu Hause in den Staaten.
Der Sound von Whitehall ist durch viele Faktoren einigermaßen unverwechselbar. So setzt die Band zusätzlich zu der tyischen Rockband-Besetzung aus zwei Gitarren, Bass, Drums und Gesang noch ein Saxophon ein. Dadurch entstehen unter anderem ausgesprochen eindrückliche Solopassagen und starke Wechsel zwischen Sax und Leadgitarre. Charakteristisch sind außerdem besonders die Kopfstimme des Sängers und die starke Rhythmik in den Songs. Zuweilen geht die Musik dann schon eher in die funkige Richtung.

Fazit: Es gibt Dinge, von denen weiß man erst, dass sie einem gefehlt haben, wenn man sie dann hört. Ein Saxophonist in einer festen Indie-Rock-Besetzung gehört sicherlich dazu. Whitehall sind mit diesem besonderen Stil eine Band, in der sicher noch einiges an Potential steckt.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Ocean Friction
  • Meisterwerk: „Vacation Home“
  • Umleitung:

Theo Junior: R&B-Nachwuchs

Wenn die Musikfreunde bereit sind für eine neue Generation Soul, steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern: Theo Junior singt und tanzt sich durch das Genre.

Nachdem der Hamburger Theo Bestelmeyer vor drei Jahren in der Sendung „The Vioce Kids“ zu sehen war, hat er nun Anfang dieses Monats als Theo Junior seine erste Single mit dem Namen „Tanz“ veröffentlicht.
Wie auch Theo Junior selbst, ist die Single im R&B und Soul zu Hause, wenn auch mit einer Tendenz zum Elektronischen. Für seine gerade einmal 15 Jahre ist seine weiche, voluminöse Stimme schon erstaunlich gefestigt. Theo scheint eine klare Vorstellung davon zu haben, wie er klingen möchte und schreckt auch vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, Songs amerikanischer Genres mit deutschen Texten zu singen, nicht zurück. Neben seinem deutschsprachigen Titel „Tanz“ sind auf YouTube allerdings auch mehrere englische Cover von ihm zu finden, in denen er die Werke anderer namenhafter Künstler interpretiert.

Fazit: Obwohl Theo Junior noch am Anfang einer möglichen musikalischen Laufbahn steht, würde man ihm zutrauen, in den nächsten Jahren noch einiges zu reißen.

  • Meilensteine:
    • 2016 Halbfinale bei „The Voice Kids“
    • 2019 Single „Tanz“
  • Umleitung:

Die Lieferanten: frischer Wind aus Münster

Jazz-Riffs im Klavier, kabarettistische Texte, bisschen Rock’n’Roll-Feeling, funkige Gitarre, lässiger Gesang, smartes Schlagzeug. Für diese Fülle an Stilmitteln reichen die klassischen Genres gar nicht aus. Deshalb haben sich Die Lieferanten kurzerhand selbst eins überlegt: Schabernacksoul.

Zwei Jahre nach ihrer Gründung merkt man den Jungs an, dass sie ihren Stil gefunden haben und darin aufgehen. Einen besonderen Elan scheinen die vier Lehramtsstudenten aus Münster von Anfang an mitgebracht zu haben: Einen Monat nach der Gründung im Herbst 2016 standen sie schon gemeinsam im Studio, um die erste EP aufzunehmen – der Titel passenderweise Eine Frage der Begeisterung. Neben dem Unibetrieb wurde dann ordentlich Bühnen-Erfahrung gesammelt, Festivals gespielt, eine Nominierung zum Pop NRW Preis darf auch nicht fehlen. Und das wichtigste: Ganz bald gibt’s eine neue EP. Alles, was du hast kommt am 16. November raus, die Tour dazu steht Anfang 2019 an.
Wie die Bezeichnung Schabernacksoul verspricht, bringt auch diese Platte wieder eine schöne Bandbreite an musikalischen Kniffen mit. Sänger Moritz lässt seine coole, kratzige Stimme raushängen, die Mitglieder sind einwandfrei aufeinander abgestimmt. Überhaupt findet man in den Songs der Lieferanten alles, was man sich als MusikliebhaberIn so wünschen kann: Spannungsbögen, tanzbare Rhythmen, Melodien, die man mitsingen kann, ruhige und mitreißende Passagen und unverhoffte Wechsel, die von allen Mitgliedern super umgesetzt werden.

Fazit: Die Lieferanten machen ihrem Namen alle Ehre und liefern einfach klasse Musik ab. Besonders schön ist, dass von Klavier bis Drums jedes Instrument seinen Raum bekommt. Gerade der Bass, der bei vielen Indie-Bands etwas unter den Tisch gekehrt wird, gibt dem starken Sound der Lieferanten mit seiner starken Präsenz noch einmal einiges.

Emersound: musikalische Reise um die Welt

Die Musiker von Emersound verbinden die musikalische Energie aus ihrer brasilianischen Heimat mit anderen Stilen aus der ganzen Welt. Was dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Die Truppe um Frontmann Emerson Araújo hat sich inzwischen in Berlin angesiedelt und versprüht ihre Vibes von dort aus in ganz Europa. Zwei Studioalben und ein Liverecording haben sie schon gemeinsam in Umlauf gebracht, die Konzerte der energiegeladenen Band lohnen sich erst recht.
Die unschlagbare Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Funk, Afro-Beat, HipHop und Reggea zieht bei ihrem Publikum ohne Frage. Schlagzeug und Percussion geben das südamerikanische Grundfeeling vor, die Gitarre sorgt je nachdem für eine Prise Funk oder Reggea. Emerson Araújo ist mit seinem Sprechgesang und dem charismatischen Auftreten das Gesicht von Emersound. In Brasilien und Chile ist der Name Araújo wohl längst nicht mehr unbekannt, um die Leute hierzulande von ihrer gut gelaunten, urbanen und etwas exotischen Art zu überzeugen, haben sie sich mit Berlin wahrscheinlich schon einmal das beste Terrain ausgesucht.

Fazit: Für alle, die bei Musik grundsätzlich den Drang haben, sich zu bewegen, und mal Lust auf etwas anderes haben, ist Emersound die richtige Wahl. Sie haben ein Gefühl für verschiedenste Genres, texten in verschiedenen Sprachen und wirken unglaublich offen – man hat fast das Gefühl, dass Emersound überall auf der Welt zuhause sind.

  • Meilensteine:
    2011 Mi Raza
    2015 Live In Santiago De Chile
    2016 Música Propria
  • Umleitung: http://emersound.net/

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Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.

Seraleez: eingängiger HipHop-Soul-Mix

Moderne Elektroklänge und softe Beats treffen auf jazzige Akkorde und eine einzigartige Soulstimme. Die junge Band Seraleez aus Berlin hat viel zu bieten.

Die fünfköpfige Band besteht aus den vier jazz- und hiphopbegeisterten Musikern Jonathan Strauch (Saxophon), Phillip Oertel (Bass), Stephan Salewski (Schlagzeug) und Christian Keymer (Keyboard) und der amerikanischen Sängerin Christine Seraphin. Zwar liegen die Anfänge der Gruppe in Dresden, inzwischen nennt die Gruppe allerdings die Hauptstadt ihr Zuhause. Im Jahre 2016 kam schließlich ihr Debut Good Life unter ihrem Bandnamen Seraleez auf den Markt. Seitdem haben die Musiker reihenweise Shows gespielt und innerhalb Deutschlands wie international jede Menge Leute zum Tanzen gebracht.
Spannend an Seraleez’ Musik ist so einiges. Die coolen Jazz-Licks, der kraftvolle Gesang, die Art, mit der die jungen Musiker verschiedenste Stile unter ein Dach bringen. Klar ist außerdem: Die Songs bleiben im Kopf. Und das, obwohl die Band gerade auf simple Popstrukturen und -melodien verzichtet. Seraleez beweisen, dass komplexe Rhythmen und ein mutiger Umgang mit Genres keineswegs im Widerspruch zu eingängiger Musik stehen müssen. Auch die Songtexte aus der Feder von Sängerin Seraphin sind alles andere als simpel gestrickt und es lohnt, sich damit zu beschäftigen. In „The Only One“ (feat. Stimulus) geht es laut Seraphin beispielsweise darum, dass es zwar auf der Welt immer Menschen gibt, die gerade in ähnlich schwierigen Situationen stecken wie man selbst, und dass man sich dabei aber dennoch allein fühlen kann. Auch Generationenkonflikte, Kindheitsträume und die dunkle Seite der menschlichen Persönlichkeit finden durch Seraleez eine Stimme.

Fazit: Die Mitglieder von Seraleez machen musikalisch komplett ihr eigenes Ding. Dabei entsteht ein unverwechselbarer Sound, der richtig Lust auf mehr macht.

VenueConnection: feiner Funk

Mit rollenden Schlagzeug-Beats, Einwürfen von der Jazzorgel und abgerissenen Gitarrenakkorden spielen VenueConnenction funkigen Jazz und Soul.

Die Grundidee für die Combo VenueConnection entsteht 2002 in Spanien, es dauert allerdings bis 2007, bis der US-Amerikaner Karl Frierson zur Truppe dazustößt. Das erste Album Madrid Boogie wurde dafür aber auch gleich von Acid Jazz Hispano zum besten Album des Jahres 2008 gekürt.
Musikalisch sind die einzelnen Mitglieder alle fantastisch in Form und transportieren den Vibe genauso, wie es die Musikrichtung verdient. Auch gesanglich haben VenueConnection einiges zu bieten: nahezu gerappte Passagen gibt es genauso wie jazztypische Lautmalerei, ab und an wird mal ein Schrei eingeworfen. Sänger Frierson und seine Kollegin Ángeles Dorrio harmonieren gut und fangen die jeweiligen Stimmungen schön ein.

Fazit: VenueConnection machen technisch einwandfreie Musik und bringen außerdem das richtige Gefühl mit.

  • Meisterwerk: „Feel The Groove“
  • So klingt’s: Funk, Soul, Jazz
  • Getextet: „When you’re laughing, when you’re dancing, when you’re singing in the rain | take a chance cause it’s so amazing how your life will surely change“ (Singing In The Rain)
  • Umleitung: http://www.venuesite.com/en/

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 2, Lee Fields)

Nach elf Tagen Türchenöffnen mal wieder Lust auf etwas anderes als Händels Messias? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Hier kommt Teil Zwei: Special Night von Lee Fields & The Expressions

Seit über vierzig Jahren ist Lee Fields aus North Carolina auf amerikanischen Soul- und R&B-Bühnen zu sehen. Die ersten seiner vielen Alben hat Fields in den 60er und 70er Jahren mangels eines Plattenvertrags über ein selbstgegründetes Label herausgebracht. 2016 erschienen ist sein neuestes Album, Special Night. Es ist voller klassischem Soul aus tollen Musikern von seiner Band The Expressions, wehmütigen Texten und einer herzergreifenden Art zu singen. Oft verglichen wird Fields mit Soul-Legende James Brown, sein Spitzname Little JB ist also selbsterklärend.

Fazit: Lee Fields und seine Band machen so authentische Soul-Musik, dass sie einen in der Zeit zurückversetzen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.laut.de/Lee-Fields
https://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-lee-fields-102.html

Diese Frau hat den Groove gefunden

Ester Rada macht Musik, die man buchstäblich fühlen kann. Ohne großen Aufwand schafft es die Musikerin, mit ihrer Band dafür zu sorgen, dass ein jeder den Rhythmus in sich aufnimmt und sich unwillkürlich im Takt wiegt.

Die Israelin mit äthiopischen Wurzeln ist in ihrem Heimatland vor allem als Schauspielerin bekannt. Obwohl sie in ihrer Jugend bereits Zugang zur Musik gefunden hatte, dauerte es nach eigenen Angaben ein Zeit, bis sie sich nun wieder auf ihre Liebe zur Musik zurückbesinnt. Zum großen Glück für die Menschheit. Denn Rada hat eine fantastische Soul-Stimme, voll und weich, in angenehmer Lage ohne störende Höhen und mit einer einzigartigen Färbung.
Besonders bei ihrem Titel „Out“ klingt der Ethno-Jazz in ihrer Soul-Funk-Mischung mit ein: das triolische Swing-Feeling im Schlagzeug, die Einwürfe von Saxophon, Trompete und Posaune, die jazzigen Akkorde in E-Gitarre und Piano verhelfen dem Lied zu einer fantastischen Klangfülle.

Fazit: Ester Rada ist ohne Zweifel eine besondere Musikerin. Wer ihr zuhört, wird vom Groove gepackt und von der Stimme begeistert sein und noch dazu einen Ohrwurm für die nächsten zwei Tage haben.

Links: http://www.deutschlandfunkkultur.de/saengerin-ester-rada-eigener-glaube-eigener-sound.2177.de.html?dram:article_id=330712