Cat Clyde: ein Hoch auf den Gitarrenfolk

Wenn rhythmische Akustikgitarrenpatterns auf verspielte E-Gitarren-Fills und eine gute Portion Power im Gesang treffen, dann ergibt das Cat Clyde.

Die Solo-Künstlerin Cat Clyde aus dem kanadischen Stratford hat schon als Jugendliche in verschiedenen Bands gespielt und Songs geschrieben. Nun, mit Mitte 20, hat sie schon die ein oder andere Veröffentlichung hinter sich und tourt gerade durch Deutschland.
Die Titel von Cat Clyde lassen einen versonnen in die Ferne blicken und klingen durch den selbstbewussten, vollen Gesang der jungen Singer-Songwriterin nach Zuversicht und gleichzeitig einem besonderen Sinn für Ästhetik. Sehr schön kommen auch die Country-Einflüsse, besonders in Akustik- und E-Gitarren-Begleitung. Die Musikvideos sind größtenteils in der Natur gedreht und treffen damit schön ursprünglichen Klang von Clydes Folksongs.

Fazit: Ob zum Träumen, fröhlichen Zusammensitzen, für eine Dosis Saloon-Feeling oder fürs Feierabendbier – Cat Clydes Musik eignet sich für fast jede Gelegenheit.

  • Meisterwerk: Like A Wave
  • Getextet: „My thoughts are colossal | I can see they weigh you down“ (Like A Wave)
  • Umleitung: https://www.catclydemusic.com/

Dodie Clark: mehr als nur Youtube-Sternchen

Aus der Masse der täglichen Uploads auf Plattformen wie Youtube hervorzustechen, ist ein Meisterwerk. Wenn es aber gelingt, kann das World Wide Web zum unvergleichlichen Sprungbrett werden. So passiert bei Dodie Clark aus Großbritannien.

Als Youtuberin angefangen ist Dodie mittlerweile weltweit einem Millionenpublikum bekannt. Auf ihren Tours ist die junge Musikerin längst nicht mehr nur in ihrer englischen Heimat unterwegs: Anfang 2019 wird sie in ganz Europa auftreten, auch zwei Konzerte in Deutschland sind geplant.
Auf ihren Youtube-Kanälen präsentiert Dodie Clark neben anderen Inhalten regelmäßig ihre neue Musik. Schön interpretierte Cover finden sich dort genauso wie Selbstgeschriebenes, mal singt sie solo, mal im Duett mit anderen Musikern wie Jon Cozart – ebenfalls britischer Youtuber. Unter ihren Songs sind sowohl nachdenklich-emotionale wie humorvolle, so zum Beispiel das „Akward Duet“. Dodie Clark zeigt, dass es manchmal gar nicht viel braucht, um tolle Musik zu machen: auf Youtube reicht ihr oft eine Ukulele und die eigene Stimme. Die Titel auf den EPs sind etwas aufwendiger aufgenommen, ihr sympathisches Auftreten strahlt dabei aber immer noch durch.

Fazit: Dodie Clarks Musik ist variantenreich, stimmungsvoll und absolut hörenswert.

Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra: Surfer-Dudes für den Folk

In Frontmann Julian Braun scheinen seit jeher zwei Herzen zu schlagen. Einerseits der Ozean (der ist für einen Surflehrer ja auch existentiell) und andererseits seine Leidenschaft zur Musik; beides vereint er in seinen Songs. Mit Band heißt er dann Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra.

Nachdem ihm im Surfurlaub in Frankreich die spontane Erkenntnis getroffen hatte, dass das Studentenleben doch nichts für ihn sei, fasste Julian Braun alias Jules Ahoi den Entschluss, von nun an einen VW-Bus sein Zuhause zu nennen. Seine Erlebnisse verpackte er in Songtexte und war nach ersten Veröffentlichungen regelmäßig mit seinem Deepsea Orchestra in Europa unterwegs. Der Begriff des Orchesters ist hier übrigens gar nicht unbedingt fehl am Platz, schließlich wird Jules Ahoi mit Pianistin, Gitarrist, Bassist, gleich zwei Drummern und Cellistin von einer recht großen Band unterstützt.
Wenn man Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra und ihre rhythmischen, kraftvollen Songs hört, schmeckt man schon fast das Meersalz auf der Zunge. Jules Ahois Stimme hört man an, dass er viele Geschichten zu erzählen hat, seine Musikerkollegen übernehmen den atmosphärischen Sound. Wie man sich musikalische Wellen vorstellt, bauen sie Spannung auf und lassen sie wieder abflauen, treibende Trommelrhythmen, gut dosierter Hall und Gitarrenmotive mit etwas Off-Beat-Feeling verstärken den Effekt.

Fazit: Ob Surfer oder Nicht-Surfer, ein bisschen Lust auf Wellen und Brandung hat noch keinem geschadet. Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra liefern den besten Soundtrack um in die Ferne zu starren und vom Meer zu träumen. Oder natürlich den nächsten Atlantikurlaub zu planen.

Fil Bo Riva: eine Stimme für Unwetter und Lagerfeuer

Eine ordentliche Portion Melancholie und Herzschmerz hat Singer-Songwritern noch nie geschadet. Fil Bo Riva bringt die besten Voraussetzungen mit.

Nach Kindheit und Jugend in Rom und Dublin ist Fil Bo Riva inzwischen in der deutschen Hauptstadt angesiedelt. Neben einzelnen Singles sind seine Songs außerdem auf seiner vor zwei Jahren erschienenen EP If You’re Right, It’s Alright zu hören. Die Zeiten der Straßenmusik wurden für Riva damit von Solo-Tourneen und Begleitauftritten abgelöst.
Typisch Folk-Pop lässt er bei „Like Eye Did“ (If You’re Right, It’s Alright EP) die Akustikgitarre den Anfang machen, sanftes Zupfen, ein paar Slides, dazu ein bisschen Gesumme – und letzteres macht einen schon stutzig. Wenn Fil Bo Riva dann mit dem Gesang einsetzt, kann man tatsächlich nur noch staunen, was für eine wahnsinnige Stimme aus diesem jungen Lockenkopf herauskommt. Voll, tief und vor allem eins: rau wie Schmirgelpapier. Wo auch immer man über ihn stolpert – der Vergleich mit Henning May von AnnenMayKantereit lässt nie lang auf sich warten. Kein Wunder, dass er auf der Tour der Kölner 2015 als Vorband mit dabei war, und auch einen Milky Chance-Support nennt er schon als Referenz.

Fazit: Fil Bo Riva könnte eine der großen musikalischen Entdeckungen der nächsten Zeit sein. Die EP ist auch vielversprechend, fehlt also nur noch ein Debut-Longplayer, dann kann durchgestartet werden.

Yusuf Sahili: Brücke zwischen zwei Kulturen

What are we really doing on this planet? Where are we going? What will remain of us when we leave? And what are we running on before that will happen? – Yusuf Sahili stellt sich die ganz großen Fragen.

Sahili ist ein in Berlin beheimateter Indie-Musiker. Es ist noch gar nicht so lang her, da hat er nach zwei EPs mit seiner Single „No Way Out“ eine neue Veröffentlichung auf den Markt geworfen.
Zugegeben, seine Melodien sind nicht immer eingängig, manche Tonfolgen kommen unerwartet, trotzdem hört man gern und fasziniert zu und lässt sich von seiner relativ hohen Stimme, den stilvoll eingesetzten Begleitungen und Texten forttragen. Die Gitarrensoli sind oft eine aufregende Mischung aus rocktypischem Overdrive und orientalischen Skalen. Von sanfter Mehrstimmigkeit und unbeschwerten Melodien über folkige Guitarbackings bis zu echter Power ist Yusuf Sahili gut aufgestellt.

Fazit: Es gibt keine Schublade, in die dieser Musiker so einfach passt. Indie, etwas Rock, Folk, ein bisschen Reise um die Welt, Aufbruchsstimmung und Yusuf Sahilis feines musikalisches Gefühl machen den ganz einzigartigen Charakter seiner Musik aus.

The Wooden Wolf: einsamer Folk

Der Singer-Songwriter The Wooden Wolf  hält, was sein Name verspricht: Wie ein einsamer Wolf klingt er, allein mit seiner Akustikgitarre, mit der Melancholie in seinen Liedern und der rauen Stimme.

Der französische Musiker singt auf englisch und geht so routiniert mit Genre und Stimmung um, dass man ihn glatt für ein amerikanisches Folk-Country-Urgestein halten könnte.
Auf seinen EPs setzt The Wooden Wolf auf eine einfache Besetzung. Nur spärlich lässt er sich begleiten. Neben den allgegenwärtigen, teilweise recht komplexen Zupfmustern seiner Gitarre finden sich nur hin und wieder einzelne andere Instrumente wie Streicher oder Schlagzeug im Hintergrund. Der Gesang steht so unangefochten im Vordergrund, dass er Raum hat, die atmosphärischen Texte einzufangen; man hört mal eine gefestigte Stimme, mal Schmerz und Zweifel.

Fazit: Mit viel Einfühlungsvermögen und Gefühl für passende Stimmung singt The Wooden Wolf Texte voller Geschichten.

 

Hannah & Falco: Musikalisches Dreamteam

Ein Würzburger Pärchen ist drauf und dran, die deutsche Folk-Szene zu verzaubern. Hannah Weidlich und Falco Eckhof, seit anderthalb Jahren gemeinsam als Duo Hannah & Falco zu hören, zeigen mit viel Gefühl und warmem Gesang, wie schön Zweistimmigkeit klingen kann.

Mit gerade einmal 19 und 22 Jahren sind Hannah & Falco noch sehr jung in der Welt des Folk. Ihre erste EP Blind For The Moment haben die beiden noch im Musikraum einer Schule aufgenommen, herausgekommen ist nach Basteleien im eigenen Studio und Mastering von Profis in den USA allerdings eine wunderschöne, ausgereifte Zusammenstellung.
Die Songs aus der Feder von Falco Eckhof strahlen allesamt eine angenehme Gelassenheit aus. Das Duo singt die harmonischen zweistimmigen Passagen mit sanften Stimmen, sie setzen Nachdruck nur da ein, wo er gebraucht wird und bleiben ansonsten bei ruhigen Klängen. Als Unterstützung zu Falcos Gitarre und Hannahs Mundharmonika hat sich das Duo mit der Gruppe Familiar Faces weitere junge Musiker dazu geholt, die die Stimmung der Titel schön aufgreifen und fortentwickeln, ohne die gefühlsbetonten Titel unter zu viel Instrumentalsound zu begraben.

Fazit: Hannah & Falco sind eine besondere Entdeckung, die trotz ihrer noch verhältnismäßig kurzen gemeinsamen Zeit als Duo bereits bemerkenswert eingespielt sind. Mit Blick auf die Zukunft kann man also gespannt sein, was man in den nächsten Jahren noch von ihnen hören darf.

  • Meisterwerk: auf diesem Blog natürlich Under The Radar
  • Getextet: „We are too young to give up yet“ (Blind For The Moment)
  • Umleitung: https://www.hannahandfalco.com/

Robert Horace: Songs für den Sommer

Ein bisschen Folk-Pop bei gutem Wetter mit einer guten Portion Glückseligkeit in der Brust, dafür sind die Songs von Robert Horace die richtigen.

Robert Horace hat sich musikalisch in Berlin angesiedelt und bereits den ein oder anderen Track aufgenommen. Die Titel sind auf Bandcamp, aber auch bei verschiedenen Auftritten zu hören.
Als Solokünstler begleitet sich Robert Horace selbst auf der Gitarre. Die Picking-Muster in seinen Songs sind dabei eine schöne Ergänzung zu seiner weichen, wenn auch bestimmten Stimme, die der feste Anker der Songs ist. Obwohl Horace kein Rhythmusinstrument zur Verfügung hat, fehlt den Liedern nichts. Die rhythmisierte Gitarrenbegleitung reicht aus, um die Lieder in Bewegung zu halten und ihnen einen gewissen Schwung mitzugeben.

Fazit: Nur mit Gitarre und der eigenen Stimme bewaffnet, überzeugt Robert Horace durch Ausdruck im Gesang, Melodien, die im Kopf bleiben, und ein rundes Gesamtpaket.

Farafi: bewegende Weltmusik

Farafi gelingen ein einzigartiges Zusammenspiel zweier Stimmen. Durch die ungekannten Instrumente und die fremde Sprache geht von ihrer Musik eine besondere Faszination aus.

Hinter Farafi stehen die beiden Musikerinnen Darlini Singh Kaul und Joy Tyson und ihre Band. Die beiden Sängerinnen gründeten Farafi 2013 in Indien. Gemeinsam sind sie entweder als Duo oder mit Unterstützung der Band international sowohl auf Bühnen als auch als Straßenmusikanten zu hören und tragen damit einen besonderen Vibe in die Welt.
Ihre Lieder spielen sie auf traditionellen Saiten- und Rhythmusinstrumenten. Die beiden Frauen singen zweistimmig und strahlen dabei eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit und positive Energie aus.

Fazit: Farafi zuzuhören tut gut. Die beiden harmonierenden Stimmen entspannen, die Instrumente verleihen dem Ganzen einen exotischen Klang.

AVEC: Schönheit liegt in der Einfachheit

Leichter Gitarrenpop mit sanft schwebender Stimme: Die Musik der österreichischen Sängerin AVEC fühlt sich ein bisschen so an, wie einer durch die Luft segelnden Feder zuzusehen.

Den Zugang zur Musik hat AVEC schon im Kindesalter für sich entdeckt. Begleitet von einer musikalischen Familie lernte sie Geige und Gitarre. Wie sie als Kind die Welt wahrnimmt, wird später Thema ihrer Songs. Ihr Album What If We Never Forget kam 2016 als Follow-up zu ihren ersten EPs auf den Markt.
AVECs Lieder sind allesamt recht schlicht und einfach gehalten: dezente Gitarrenpatterns, vereinzelte Backing Vocals oder eingestreutes Schlagzeug. Was die Musik besonders macht, ist die zarte, fast fragile Stimme der jungen Sängerin. Ihr Gesang steht im Mittelpunkt ohne darum zu kämpfen, die Töne sind manchmal nur gerade so dahingehaucht.

Fazit: Das Album What If We Never Forget lohnt sich für Freunde der schlicht-schönen Musik. Ohne großes Aufhebens, dafür melodisch und mit viel Gefühl.