CHILDREN: Meisterinnen der Kombination

Die Freundinnen Steffi Frech und Laura Daede meistern mit ihrem neuen Album einen Spagat. In Hype (erscheint am 31. Januar) treffen moderne Melodien auf Retro-Synthesizer, deutsche auf englische Texte und ländliche Idylle auf Großstadtgefühle. 

Die Sängerinnen sind im Norden Deutschlands aufgewachsen und kennen sich seit ihrer Kindheit. Inzwischen hat es die beiden nach Berlin verschlagen, wo sie als CHILDREN zusammen Musik machen. Nachdem sie im vergangenen Jahr die Jungs von Von wegen Lisbeth auf Tour begleitet haben, starten sie diese Woche ihre eigene Konzertreise durch Deutschland.
Der Song “Forever und Ewig” gibt kleine Einblicke in jugendliche Abenteuer der beiden. Im Musikvideo machen sie sich auf eine wilde Reise durch die sommerliche Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. “Wir arbeiten uns ab. Ich sage alles ab. … Ewig geht genau bis jetzt und hier” singen die Freundinnen und rufen bei einem die Erinnerungen eines unbeschwerten Sommers hervor. In fast allen Songs wird der klare Gesang der zwei untermalt von einer Basslinie, die mindestens zum Mitwippen anregt. Spätestens der Synthesizer, der in den Refrains der Lieder auftaucht, sorgt dann für das Bedürfnis, zu tanzen. Dazu kommen humorvolle, teilweise nachdenkliche Liedtexte. Der Song “Hype” macht einen stilistischen Abstecher in die 80er Jahre und ist schon nach dem ersten Mal Hören ein Ohrwurm. 

Fazit: Sommerliche Vibes, Zeitreisen durch Synthie-Sounds und nicht zuletzt eine gute Freundschaft: Mit der Bezeichnung „Future-Retro-Pop“ haben CHILDREN ihre Musik schon selbst wunderbar zusammengefasst.

  • Meilensteine:
    • 2020 Hype (VÖ 31.1.)
  • Umleitung:

Autorin:

Carla Blecke

Evan Klar: Tonmaler und Weltenbummler

Gelassen, leichtfüßig und überraschend berührend – das ist der Selfmade-Pop von Evan Klar. Ein Musiker, der von überall und nirgendwo kommt.

Geboren in Australien trieb es ihn nach Singapur, Deutschland und Großbritannien, heute pendelt er zwischen Melbourne und Berlin. Er macht Musik, wie sie nur die Leichtigkeit des Unterwegsseins komponieren kann. Klar ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. In seinem Schlafzimmer lässt er Tag und Nacht Tonkunst entstehen, schreibt über Dinge, die er selbst erlebt hat. Mal spricht der coole Aussie, der die Klänge strahlen lässt, mal ein junger Mensch, der schwierige Etappen hinter sich hat und seine Melancholie in Lässigkeit verpackt. Inspiriert von großen Namen der Filmmusik wie Philip Glass und Hans Zimmer, arbeitet er mehr mit dem Ansatz eines „Tonmalers“ als mit dem eines typischen Popmusikers.
Das Lied „Sleep“ setzt beispielsweise mit einem Klangteppich aus Atemgeräuschen, Regentropfen und atmosphärischen Klängen ein und schafft damit eine groovige, mysteriöse und dennoch warme Ästhetik. Klar beschreibt es als „Beginn, der Anfang des Erwachsenwerdens, ein Auftakt… wie jemand, der in einem Traum aufwacht“. Diese Empfindung trägt auch der Track „Shoulders“ in sich, den Evan für seinen großen Bruder schrieb, der damals im Krankenhaus lag. Und doch wird deutlich, dass da jemand die Worte aneinanderreiht, der das Leben nicht allzu ernst nimmt. Der frisch erschiene Track „I Do“ erzählt von einer Frau, die ihr altes Leben hinter sich lässt und zu neuen Ufern aufbricht. Den kleinen Jungen in dem dazugehörigen Video möchte man am liebsten an die Hand nehmen, um mit ihm mitzutanzen. Evan Klars Musik kommt nie ohne Fröhlichkeit daher, zeigt sich energetisch und geht trotz experimenteller Elemente (etwa ein kaputter E-Bass oder Gesang durchs Telefon) leicht ins Ohr. Facettenreich macht ihn auch die Idee des Pop-Sängers als „Kollektion von Persönlichkeiten“, die bei seiner Musik mitschwingt und in „Follow me“ zusammen mit dem Elektronik-Duo SŸDE gut gelingt.

Fazit: Wer sich wie ein Reisender auf dem Weg zum Meer fühlen und dem Fernweh freien Lauf lassen möchte, muss nicht gleich in den nächsten Zug oder VW-Bus steigen. Es reicht auch einfach, den Klängen von Evan Klar zu lauschen – oder man macht einfach beides.

  • Meilensteine:
    • 2017 Debut Deepest Creatures
  • Umleitung:

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Soeckers: Münsteraner Garagen-Sound

Was die Bandmitglieder von Soeckers von Anfang an verbunden hat, ist nach eigener Aussage „das Bedürfnis, sich die Schnapsflasche bei Songs zu teilen, die mehr Vinyl als MP3 sind“. Na dann Prost!

Ihr VW-Bus hat die Band schon zu an die 100 Konzerten gebracht – Studioaufnahmen waren bisher allerdings noch Mangelware. Das soll sich 2020 ändern, wenn die vier wie geplant ihr Debutalbum veröffentlichen. Als Weihnachtsgeschenk und Vorbote haben sie mit „Halt mich“ eine erste Single vorgestellt.
Diese Single lässt schon durchblicken, wo Soeckers mit ihrem Album hinmöchten. Die raue Stimme des Sängers erinnert an AnnenMayKantereit, der Text ist auf deutsch und die Begleitung gut abgeschmeckt: dreckiger Rocksound in der Gitarre, schön softe Übergänge im Bass, der Schlagzeuger baut den Klang zum Finale auf, kann sich aber auch zurückhalten.

Fazit: Eine Band, die schon so viel gemeinsame Live-Erfahrung hat, ist erwartungsgemäß gut eingespielt und auf einander abgestimmt. Zwar ist ein Album nun eine andere Geschichte (so ganz ohne Bühnenpräsenz und Publikum) – den Jungs vertraut man aber schnell, dass sie auch dafür ein Händchen haben. Die Single lässt jedenfalls schon einiges erhoffen.

Raisa Kovacki: Pop-Nachwuchs aus Wien

John Mayer und Norah Jones nennt die österreichische Singer/Songwriterin Raisa Kovacki als ihre Vorbilder. Die Musikerin steht noch ganz am Anfang ihrer Karriere, was sie bisher von sich hören ließ, ist aber vielversprechend.

Raisa Kovacki schrieb schon als Jugendliche eigene Lieder, inzwischen ist sie Anfang zwanzig und hat ihre Basis in Wien, wo sie auch immer wieder auftritt. Ein vollständiges Album gibt es von der Solokünstlerin bisher noch nicht, auf ihrem YouTube-Kanal finden sich dafür einige schöne Cover und Songs aus eigener Feder – und seit heute kann man auch ihre Single „Sweet Talk“ streamen.
Die Stimme der jungen Sängerin wirkt bereits recht ausgereift, Kovacki singt gelassen und angenehm. Auch ihr Gitarrenspiel ist versiert und wird von der Singer/Sonwriterin stilvoll eingesetzt. Gerade die neue Single klingt dafür etwas frecher und es geht durchaus ein Drang zum Mitwippen damit einher.

Fazit: Raisa Kovacki macht zwar schon einige Jahre Musik, im Grunde hat ihr Dasein als Musikerin aber gerade erst begonnen. Kovacki singt Pop-Songs, hat aber auch Elemente aus dem Jazz parat und präsentiert so eine schöne Varianz.

Usinger: Genre-Mix auf deutsch

Die Band als Familienunternehmen: Drei Brüder wollen den Deutschpop umkrempeln.

Hinter Usinger stehen Jonas, Leo und Nico Usinger. Aufgewachsen auf dem Land in Hessen, war die Musik für die Geschwister eine Möglichkeit, aus der Beschaulichkeit der Provinz auszubrechen. 2018 brachten Usinger dann mit Kein Plan ihr erstes Album heraus, eine neue Single kommt in wenigen Tagen.
Die Songs der Band sind eindrücklich und verbinden verschiedene stilistische Elemente: Mit kratzig-cooler Stimme werden deutsche Texte gesungen, unterlegt mit folkig gezupfter Gitarre oder rhythmischem E-Bass. Dazu kommen einzelne elektronische Effekte, flinkes Schlagzeugspiel vom versierten Drummer auf der einen Seite und stampfende Beats, zu denen sich durchaus auch tanzen lässt, auf der anderen.

Fazit: Usinger sind ein wunderbar harmonierender und spannender Mischmasch aus Alternative, Indie und Pop.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Kein Plan
  • Meisterwerk: Regen
  • Umleitung:

Long Way Home: Selfmade-Streber-Band

Nach einer Pause melden sich die drei süddeutschen Jungs von Long Way Home jetzt mit einem frischen Album zurück.

Mit Gesang, Gitarre, Bass und Drums ist die Punkband komplett: Jannik, Simon und Flo aus Göppingen bei Stuttgart bilden zusammen die Band Long Way Home. Zwei Jahre nach dem Debut-Album steht am 23. November das Releasekonzert für ihr zweites Studioalbum Stalker auf der Agenda. Den Titel „Selfmade-Streber-Band“ haben sie sich übrigens selbst auferlegt. Neben dem Songschreiben hat das Trio nämlich auch den Rest der Arbeit am Album selbst übernommen – von der Produktion bis zu Artwork und Videodreh.
Long Way Home zeichnt sich grundsätzlich durch Vorwärtsdrängen und punkige Intensität aus. Auf dem neuen Album erwartet einen ein recht cleaner, gefestigter Sound. Zwischendurch probieren sich die Jungs mit Effekten aus. Dann wieder bremsen sie sich und ihre treibenden Rhythmen etwas ab, um sich im nächsten Moment wieder aufzubauen und weiter voranzupreschen.

Fazit: Punkige Powerchords, Pop-Melodien, durchdringende Singstimme und rhythmische Backings: Auch wenn sie nur zu dritt sind lässt der Klang von Long Way Home nichts vermissen.

Henny Herz: besonderes Stimmtalent

Power in der Stimme und Feeling fürs Detail: Henny Herz fesselt einen mit ihren Songs.

Henny Herz ist eine junge Sängerin aus München. Vergangene Woche hat sie nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne ihr erstes Album Back Into Space veröffentlicht.
Die Musikerin ist in mehrfacher Hinsicht eine Entdeckung. Ihre faszinierende Stimme macht den Anfang, dazu lässt sie sich entweder simpel von Gitarre oder Klavier begleiten, oder hat eine ganze Band hinter sich. Man kann sich gar nicht entscheiden: Ist ihre Stimme nun jazzig, soulig, rockig? Henny Herz singt auf Deutsch, Englisch und Französisch, hat eine bemerkenswerte Treffsicherheit und singt auch komplexe Melodieverläufe scheinbar mühelos.

Fazit: Bei Henny Herz handelt es sich um eine spannende aufstrebende Künstlerin, bei der es sich lohnen dürfte, sie in der nächsten Zeit weiter im Auge zu behalten.

  • Meisterwerk: „Walls Of Glass“
  • Meilensteine:
    • 2019 Debut Back Into Space
  • Umleitung:

Elfmorgen: Punk-Rocker legen nach

Deutschrock-Fans aufgepasst: Elfmorgen machen Feuer im Kessel und auch ein neues Album ist in Sicht.

Die Band ist schon lange ein eingespieltes Team. Seit 17 Jahren sind die drei jetzt zusammen am Start, nach acht Jahren ohne Platte lassen Elfmorgen in diesem Jahr wieder von sich hören: Kommenden Monat kommt Zuhause auf den Markt. Für Ende diesen Jahres und Anfang 2020 ist außerdem noch eine Deutschlandtour der Band angekündigt.
Die Erwartungen an ihr Album haben Elfmorgen bereits hoch gesteckt: Schon in der ersten Single „Bei aller Liebe“ wird man mitgezogen vom Enthusiasmus der Band. Punkige Sounds treffen auf Pop-Melodien und -Texte, es gibt fetzige Passagen zum Mitsingen und tanzgeeignet ist der Song auch. Elfmorgen setzen auf deutsche Texte, vorwärtsdrängendes Schlagzeug, „oh-eh-oh“-Backing Vocals und eine gepfefferte Portion Overdrive.

Fazit: Wer trotz der langen Bandgeschichte der selbsternannten ältesten Newcomer-Band der Welt noch nie über Elfmorgen gestolpert ist, kann das jetzt pünktlich zur neuen Platte noch nachholen.

Papiertiger: Pop-Punk-Vierbeiner

Papierflieger bauen kann jeder, der irgendwann mal einen Fuß in ein Schulgebäude gesetzt hat – Papiertiger sind da wohl das nächste Level.

Seit 2018 spielen die Münchner Jungs Attila (Gesang, Gitarre), Bruno (Gitarre), Julius (Schlagzeug) und Moritz (Bass, Gesang) zusammen als Papiertiger. Ihr Anspruch: Lyrics, die über Junge-erobert-Mädchen und „München seid ihr heute Abend gut drauf?“ hinaus gehen. Die erste EP Papiertiger gibt’s seit dem 11. Oktober, für den 24. und 31. stehen Konzerte in München und Berlin auf der Agenda.
Die EP gibt einen schönen ersten Eindruck, in welche Richtung sich die Band orientiert. Die Raubkatzen warten mit deutschem Pop-Gesang, treibenden Drums, catchy Gitarremotiven und Rockakkorden auf. Nicht nur von der Gitarre, auch vom Bass gibt es immer wieder Fills mit Drive, die Titel klingen insgesamt jugendlich-übermütig, aber doch auch recht geerdet.

Fazit: Musikalisch sind die vier Papiertiger schön austariert, die Songs gehen leicht ins Ohr, die Texte sind authentisch. Mit der EP hat die Band außerdem einen hörenswerten Start hingelegt.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP Papiertiger
  • Umleitung:

Musik-News: Neues Album von He Told Me To!

Die Fakten:

Künstler: He Told Me To aka. Sandro Weich (hier geht’s zum Künstlerportrait)
Genre: Indie-Pop
Das steht an: Album Fourth Place (ab 11. Oktober)

Die Analyse:

Die erste Single zum Aufwärmen kam schon vor ein paar Wochen raus. Nächste Woche kriegt He Told Me To’s „Year of Exhaustion“ dann endlich Gesellschaft von zwölf anderen Songs – dann nämlich geht das Album Fourth Place an den Start.
Sandro Weichs Stilpalette ist bunt auf der neuen Platte. Zu hören gibt’s rhythmischen Gesang wie in „Mann über Bord“ ohrwurmträchtige Gitarre bei „Vulture Man“ und funkigen Bass in „Popcorn in a Playhouse“. Auch fühlt sich der Sänger zwischendurch anscheinend recht wohl in ein wenig mysteriöser Düsterkeit. Es gibt etwas Reibung in den Melodien, er kann coole Sau genauso wie behutsame Sounds. Gute-Laune-Songs sind einem auch garantiert – so zum Beispiel „Gold Star“, ein Song mit feiner Rhythmik, Drive und variantenreichem Gesang, der absulut Spaß macht.
Fourth Place ist ganz klar zu empfehlen, eine Warnung sei allerdings ausgesprochen: Stillsitzen ohne wenigstens ein bisschen rhythmisches Fußwippen ist beim Hören kaum möglich.