Xul Zolar: Band im Schwebemodus

Auch wenn Xul Zolar nicht unbedingt die klassischen Mitsing-Hymnen schreiben, bleiben ihre Songs doch erstaunlich schnell im Kopf und entwickeln einen ganz eigenen Vibe.

Seit ihrer Gründung sind Xul Zolar alles andere als untätig gewesen. Verschiedene Veröffentlichungen sind in den vergangenen Jahren entstanden, ihren Proberaum hat die Band längst zum Studio ausgebaut. Am Freitag, 23. August erscheint die neue EP Nightfalls, als Vorgeschmack darauf ist bereits die Single „Perfume“ erschienen. Ab Ende September geht es für die Band dann wieder auf Tour durch verschiedene große deutsche Städte.
Musikalisch gehen Xul Zolar in die Richtung New Wave-Pop. Mit dynamischen Schlagzeugbeats, einem fließenden Keyboard-Unterbau und leicht psychedelischen Gitarrenchords und -riffs entstehen athmosphärische Songs. Die Stimme des Sängers klingt dazu manchmal wie aus höheren Sphären zurück auf die Erde geschickt. Insgesamt wirken die Bandmitglieder gut aufeinander eingespielt, die Songs sind weder minimalistisch, noch überladen, sondern kommen mit einem angenehm gefühlvollen Maß aus.

Fazit: Xul Zolar passen musikalisch schön zusammen und bauen gekonnt schwebende Stimmungen auf.

  • Meisterwerk: „Perfume“
  • Umleitung:

He Told Me To: Grooviger Indie-Pop

He Told Me To aus Coburg ist vielleicht ein Paradebeispiel für den Indie-Musiker: Mit Elan und unabhängig macht er auf eigene Faust die Musik, die ihm gefällt.

Hinter dem Pseudonym He Told Me To steht der Solo-Künstler und Singer-Songwriter Sandro Weich. Zwei Alben hat der Musiker schon herausgebracht, Mitte Oktober soll das dritte folgen. Verschrieben hat er sich seinem Dasein als Indie-Musiker – und zwar so indie, dass er das erste Album noch in seinem Kleiderschrank aufgenommen hat.
Obwohl er sich selbst gern als „Schmusesänger“ bezeichnet und meist ein melancholisches Feeling im Vordergrund steht, sind die Songs von He Told Me To bei weitem nicht nur Softpop, sondern warten genauso mit härteren Rhythmen und rockigem Drive auf. Die Gitarrenriffs sind catchy, schön ist auch der deutlich zu hörende E-Bass. Zwischendurch gibt es leicht experimentelle Passagen, insgesamt gehen die Songs aber leicht ins Ohr und lassen sich mitsingen. Mit seiner Stimme weiß He Told Me To zu spielen: Je nach Song gibt es nachdrückliche und weichere Phasen, Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und Schwung durch starke Melodien.

Fazit: Mit He Told Me To ist Musiker Sandro Weich ausgesprochen vielseitig unterwegs. Ob akustische oder elektrische Gitarre, allein oder mit Band, zum lauten Aufdrehen oder als Hintergrundmusik: Seine Songs machen Spaß, sind clever gemacht und eine echte Leidenschaft klingt durch.

  • Meilensteine:
    • 2015 Debut While Elephants Sleep
    • 2017 Hurricane Roleplay
  • Umleitung:

Die Sauna: Rock-Reise auf deutsch

Wer auf der Suche nach kernigen Bandnamen ist, der wird schnell feststellen, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis nicht unbedingt einfach zu finden ist. Eine Band aus dem Süden der Republik hatte eine eher ungewöhnliche, wenn auch sicherlich einprägsame Idee: Gemeinsam sind die sechs jungen Männer nämlich als Die Sauna unterwegs.

Nach einer ersten EP 2017 spielte Die Sauna unter anderem als Vorband für Tocotronic. In Vorbereitung auf ihr Debut-Album, das am 30. August erscheinen wird, hat die Band vor kurzem mit „Das Ende“ bereits eine erste Single herausgebracht, die Tour durch den deutschsprachigen Raum ist für Oktober geplant.
Musikalisch bewegen sich Die Sauna zwischen Deutschpop, Punk und Shoegaze-Rock. Das Musikvideo wirkt auch optisch, als hätten sich die sechs via Zeitmaschine das ein oder andere Jahrzehnt zurückgebeamt. Statt auf klassische Bandhierarchien zu setzen, legen Die Sauna in ihrer Musik Wert darauf, dass die Stimme von Sänger Matthias Berg gleichwertig neben den Instrumenten der Bandkollegen an Drums, Gitarren, Bass und Keyboard steht, ohne die Songs allzu sehr zu dominieren. Der Klang wird dadurch dicht und stimmungsreich, der Fokus liegt gleichmäßig verteilt.

Fazit: Die Sauna sind nicht nur vom Namen her unkonventionell. Mit So schön wie jetzt war es noch nie darf man sich auf ein energiegeladenes Konzeptalbum freuen.

Adelle Nqeto: Folk trifft Indie

Schöne Stimme, melodiöse Musik und gezupfte E-Gitarre: Adelle Nqeto weiß ihr Publikum mit einfachen aber gekonnten Mitteln zu bezaubern.

Nach ersten musikalischen Erfahrungen als Teil eines Folk-Duos in ihrer südafrikanischen Heimat ist Adelle Nqeto seit 2015 solo unterwegs. Ihre Debüt-EP Make Something Beautiful kam ein Jahr später auf den Markt.

Mit ihren warmen Klängen und der gefühlvollen E-Gitarre bekommt die Musik ganz ohne Effekte eine besondere Atmosphäre. Singen kann Nqeto präzise und trotzdem mit Leichtigkeit. Ihren Songs verleiht sie mit Gitarren-Fills eine gewisse Entschleunigung und auch sonst wirkt Adelle Nqeto, als würde sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Covern kann die junge Musikerin übrigens auch – besonders zu empfehlen ist an dieser Stelle ihre Version von Bob Dylans „Hazel“.

Fazit: Adelle Nqeto besticht mit ihrer faszinierenden Art, mit eindrücklicher Musik und mit Gespür für Vibes und Harmonien.

MØRYZ: Rap-Newcomer

Rappen über das Leben: MØRYZ lässt seinen Gedankengängen freien Lauf. Von Liebe bis zu nervigen Formularen wird in seiner Musik alles verarbeitet.

Hinter MØRYZ verbirgt sich eigentlich der Sounddesigner, Komponist und Producer Moritz Drath. Schon als Kind schrieb der Tübinger erste Songs, nach dem Studium ging es für ihn in verschiedenen Konstellationen auf die Bühne. Als Vorband von Rapper Cro und mit einem Auftritt als „Schrankband“ in der Joko-und-Klaas-Show Circus Halligalli hatte er sich mit seiner Band Konvoy schon szeneübergreifend einen Namen gemacht, seit einiger Zeit ist er nun solo unterwegs. Zu hören sind bisher erst zwei Singels, mehr soll allerdings auf dem Weg sein.
Laptop zu, Smartphone aus: „Timeout“ heißt die neueste Single des Rappers. Ein Song über eine gesunde Portion Abstand zu allen Verpflichtungen, zu Stress, zu Digitalität. Mit seiner tiefen Stimme rappt und singt MØRYZ über seine selbst gebastelten Beats – denn als Allrounder macht er von Text über Vocals bis zu Mix und Mastering alles selbst, sogar das Editing zum Musikvideo hat er selbst in die Hand genommen.

Fazit: MØRYZ tut sicher gerade denen gut, die ab und an einfach mal mit reinem Gewissen ein „Ist mir doch egal“ in die Welt hinaus schreien würden.

Sons of Isy: Laid-Back Stories

Die Sons of Isy sehen sich selbst als Geschichtenerzähler. Zu dritt singen sie von Leben und Liebe und liefern dazu einen vielversprechend unaufgeregten musikalischen Unterbau.

Die Münchner Jonas (Gitarre & Gesang), Tomek (Bass) und Claudius (Drums) gründeten ihre Band Sons of Isy im Jahr 2017 und sind seitdem nicht gerade untätig gewesen. Am heutigen 31. Mai steht nun der Release-Gig für ihre EP 3/4 im Münchner Treibhaus an.
Die Sons of Isy haben sich den Indie-Pop auf die Fahne geschrieben. Das Trio baut mit seiner Beschränkung auf eine starke Rhythm Section Tanzstimmung auf, verbindet diese mit Gute-Laune-Sound, dazu zieht sich ein schönes Laid-Back-Feeling durch die EP. Gesungen wird auf Englisch und Deutsch. Mit einer coolen Ausstrahlung lassen sie gerade Rythmen gegen Off-Beat laufen, ohne dass das Ganze verkopft klingt, sie setzen auf Bass-Läufe als Basis und spielen mit unterschiedlichen Stimmungen.

Fazit: Obwohl es bei den Sons of Isy wenig simple, Pop-typische Ohrwurmmelodien gibt, bleiben die Songs hängen. Zuhören am besten mit Cocktail und Sonnenbrille im Liegestuhl…

  • Meisterwerk: „Redamancy“
  • Meilensteine:
    • 2019 EP 3/4
  • Umleitung:

Annie’s Style: EP für die Freiheit

Kraftvolle Grooves und fetzige Songs sind im Anmarsch – und sie kommen aus Münster. Hier nämlich hat die Indie-Band Annie’s Style ihren Heimathafen.

Die fünfköpfige Gruppe Annie’s Style besteht aus Sängerin Helen Stegemann, Gitarrist Simon Jöken, Julius Furth (Keyboard), Stephan Schiller (Bass) und Benny Doedt am Schlagzeug. Gemeinsam haben die fünf 2017 und 2019 je eine EP herausgebracht, weiter haben sie schon eine Vielzahl von Konzerten gespielt – unter anderem auf einer Gala für Udo Lindenberg – und sind mit ihrer zweiten EP Libre ganz aktuell noch bis Mitte Juni auf Tour durch die Bundesrepublik.
Annie’s Style gehen ganz im Rock und Pop auf, sind aber alles andere als Mainstream. In ihrer Musik klingen verschiedenste andere Genres durch, man findet hier funkige Akkorde in der Gitarre, Bluesrock-ähnliches Klavier, groovig-lässigen Bass und die beeindruckende Stimme von Sängerin Helen tut ihr übriges. Drummer Benny kann sowohl richtig Gas geben als auch etwas ruhiger treten und Stimmung einfangen, wodurch die ganze Truppe wunderbar zusammenpasst.

Fazit: Der Sound von Annie’s Style ist unverwechselbar. Jugendliche Energie und fünf selbstbewusste und unterschiedliche musikalische Charaktere treffen bei ihnen auf Professionalität, die Grenzen von Genres werden ausgetestet und neu definiert.

Live-Report: #zweiraumsilke & Alter Kaffee

Das war vielleicht eine Party, als die Rap-Bläser-Hiphop-Trommel-Truppe #zweiraumsilke (hier geht’s zum Beitrag) und die Studentenpop-Band Alter Kaffee ihr Doppelkonzert im Kreuzberger Auster Club ablieferten.

Wenn alles springt und singt

Obwohl der Abend das Hauptstadt-Debut für die Silkes war, kam es einem doch mehr so vor wie ein Heimspiel: springende Menge auf Kommando, singendes und tanzendes Publikum und fetter Applaus. Zugegebenermaßen war die kleine Bühne mit der elfköpfigen Band doch recht ausgelastet. Bei Albumtitelsong „Detox“ ging richtig die Post ab, stark auch der Solo-Song von Sängerin Rita und die Freestyle-Einlage von Rapper Emma. Für Atmosphäre sorgten schwebende Cello-Passagen, jazzig wurde es mit den Soli im Sax, zwischendurch mal technoartige Drums und Bass – und eigentlich bräuchte doch jede HipHop-Band auch so starke Trompeter und Posaunisten an Bord!

Weiterlesen

Ultraschall: Alternative Funk

Rock, Funk und Sprechgesang auf Deutsch: Ultraschall lassen sich von angeblichen Genre-Grenzen nicht beirren und entwickeln ihren ganz eigenen Sound.

Die Koblenzer Band Ultraschall besteht aus dem Sänger und Gitarristen Lukas Uhlich, Tim Eulenspiegel (Gitarre, Vocals), Valentin Lorenzen da Silva am Bass und Yannic Daleiden (Schlagzeug). Die vier haben seit letztem Jahr zwei EPs veröffentlicht und sind gerade ganz aktuell auf den deutschen Bühnen unterwegs.
Ultraschall machen alternative Musik mit Einflüssen aus verschiedenen Genres. Ihre Songs leben von Rock-Riffs, treibendem Schlagzeug und funkigem Bass und E-Gitarre. Sehr charakteristisch ist auch der durchdringende, kräftige Sprechgesang von Sänger Lukas Uhlich, die ausnahmslos deutschen Texte scheinen Geschichten zu erzählen und sind sauber gereimt. Die Titel von Ultraschall sind voller Energie, werden ab und an unterbrochen von unvermittelt schwebenden Passagen, um sich dann wieder neu aufzubauen. Insgesamt hat die Band sicher das Zeug, frischen Wind in die deutsche Musikszene zu bringen.

Fazit: Jung und sympathisch ungestüm wirken die vier Musiker von Ultraschall. Schnell merkt man aber auch ein gutes Maß an musikalischem Gespür und die Fähigkeit, sich aus unterschiedlichen Genres eine charakterstarke eigene Richtung zu basteln.

  • Meisterwerk: „Tagedieb“
  • Meilensteine:
    • 2018 Debut EP Art Zu Sein
    • 2019 EP Odyssee
  • Umleitung:

Ultraschall war ein Tipp von Bloggerkollege Yannick von Wermis Worte Filmblog. Mit fokussiertem Blick aber immer auch einer persönlichen Einordnung findet man auf seiner Seite mit Leidenschaft gemachte Filmkritiken in kreativen Rubriken. Über Filmmusik schreibt er übrigens auch hin und wieder…

Musik unterm Radar auf Facebook

Son of The Hound: Energiegeladene Mitsinghymnen

Alternativer E-Gitarrenpop – dafür steht Son of The Hound aus Irland. Dazu Melodien, die man so schnell nicht mehr loswird.

Michael McCullagh, der Mastermind hinter Son of The Hound, scheint ein experimenteller Kopf zu sein: Als Countdown zu seiner Single „The Also Ran“ entwarf er eine mehrteilige Mini-Web-Serie, er hat einen eigenen Podcast über Musik-Mythen und schließlich bringt er am 2. April sein von seinen Fans sicher schon lang ersehntes Debut-Album heraus.
Cheers, Sound, Good Luck soll das Album heißen und bringt in 10 Tracks die konzentrierte Energie des Musikers auf den Punkt. Nicht nur die Gesangsmelodien, auch die Riffs an Gitarre oder Piano bleiben hängen. McCullaghs authentische Stimme macht einen sympathischen und energiegeladenen Eindruck und eine gewisse Portion Epik ist in den Hymnen des Iren auch dabei. Songtitel wie „You Are Alive“, „I Wanna Live“ oder „Tonight, Tomorrow“ geben schon einen recht guten Eindruck, wohin sich die LP verorten lässt. Trotzdem gibt es bei Son of The Hound nicht ausnahmslos Hochstimmung – ein bisschen Melancholie muss schließlich auch manchmal sein.

Fazit: Son of The Hound ist Musik zum Mitschmettern, Mitgehen, Mitfühlen.

  • Meisterwerk: „You Are Alive“
  • Umleitung:
Musik unterm Radar auf Facebook