Call Us Janis: Bahn frei fürs innere Kind

Die Truppe Call Us Janis aus Kassel steht für Indie-Rock mit Tanzrhythmen.

Mit zwei Lead-Sängern, Gitarren, Bass und Schlagzeug kommt die Band auf fünf Mitglieder. Neben ihrer ersten EP Do You Wanna Dance With Me? aus dem Jahr 2018 haben Call Us Janis vereinzelte Singles herausgebracht.
Die Refrain-Melodien der Band gehen genauso wie die eingestrickten Instrumentalideen und Riffs leicht ins Ohr. Dank der zwei Sänger fließen weiter unterschiedliche Konzepte mit ein – ob klassischer Frontmanngesang, Zweistimmigkeit oder Rap-Einlagen. Auch nimmt sich die Band erfrischenderweise selbst nicht zu ernst. Ihr Merchandise preisen Call Us Janis auf Facebook beispielsweise mit einer eigens gedrehten Dauerwerbesendung an. Das innere Kind lassen sie schließlich in ihrer neuen Single „Ecstasy“ vollends von der Kette: Unbeschwert und furchtlos klingen sie in den Lyrics und auch das zugehörige Video entstand mit ausgelassener Stimmung bei einem feuchtfröhlichen Wochenende im Wald.

Fazit: Statt auf alte Schubladen zu setzen, bauen sich Call Us Janis ihr eigenes Genre zusammen wie aus Legosteinen: Rock trifft auf Rap, Mitsingmelodien auf funkige Riffs, tanzbare Beats auf Stimmungswechsel.

The Honeyclub: Rock’n’Roll-Spirit aus Bochum

Drei begeisterte Musiker aus dem Ruhrpott haben sich zusammengetan, um nach eigener Aussage nicht weniger als eine „Rock’n‘Roll-Revolution“ auf die Beine zu stellen.

Die junge Band hat sich 2019 als The Honeyclub gegründet und räumte direkt ein knappes Jahr später in ihrer Heimat den ersten Platz als „Campus Ruhrcomer“ ab. Die erste EP Chemistry, Baby! haben Leadsänger und Gitarrist G. Lou, Bassist Bo J. Al und Drummer Feety Joe im September 2020 veröffentlicht.
Die drei Musiker vom Honeyclub haben sichtlich Spaß am musikalischen Stil der 50er und 60er Jahre. Neben Rock’n’Roll-typischen Werkzeugen wie den klassischen Akkordfolgen, Fokus auf der E-Gitarre, rauem Gesang und Songzeilen à la James Brown („Oh Baby, please, please, please | you got me on my knees“) mischen die Clubmitglieder auch ihre eigene, moderne Prägung bei.

Fazit: Der Honeyclub trägt Musik und Spirit des Rock’n’Roll mit viel Elan und Herzblut in die heutige Zeit und bleibt trotzdem dem Kern des Genres treu.

Mulberry Sky: Bluesrock mit Charakter

Nach einer Hochburg für Rockbands klingt Bruckmühl eigentlich nicht gerade. Dennoch ist der Ort südlich von München die Homebase von vier überzeugten Rock- und Bluesfans.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass sich Sängerin Catherine van Bruce dort über Social Media auf die Suche nach Bandmitgliedern in spe machte. Gefunden haben sich daufhin Dom Raygun, Simon Petrosa und Lucky Lerchl. Als Mulberry Sky haben die vier bald erste Songs zusammen aufgenommen, die im Frühling diesen Jahres auf ihrer Debut-EP landeten. Statt nun wie geplant Konzerte zu spielen, hat die Band im Pandemiejahr ihre Energie in eine neue Single gesteckt.
Frontfrau Catherine van Bruce hat eine Stimme mit Power. Mit ihrem voluminösen, ungeschliffenen Sound klingt die Sängerin schon fast verwegen. Dazu kommt der herbe E-Gitarren-Klang, treibende Drums und stabiler Bass – kurz: Mulberry Sky haben ein Herz für feinsten Bluesrock. Die neue Single „Golden Suit Problems“ reiht sich schön in den Stil der ersten EP ein, was kaum verwundert: Tatsächlich ist der Song eine Weiterentwicklung der ersten gemeinsam aufgenommenen Demo der Band.

Fazit: Mulberry Sky wissen, was sie wollen. Die Songs machen Laune, die Musik ist gut abgeschmeckt, der Sound ist charakterstark.

Sie kamen Australien: Allerneuste Deutsche Welle

Synthesizer, Beats, Bass und deutsche Texte: Drei Nordlichter beleben die 80er wieder.

Ein Jahrzehnt sind Stimme, Stulle und Henner, wie sich die drei Köpfe hinter Sie kamen Australien nennen, nun schon musikalisch miteinander unterwegs. Das Debut-Album der Truppe aus Kiel gibt’s seit 2016 und heißt Peter ist der Wolf. Im vergangenen Jahr kam mit Mit den Gesetzen dieser Welt die letzte größere Veröffentlichung des Trios heraus.
Stetige Drums, ordentlich Synthies und eine gesunde Portion abgeklärte Lässigkeit gehören für Sie kamen Australien und ihre NDW-Songs dazu. Das ist nicht immer melodisch – bestes Beispiel dafür ist die für Anfang Oktober geplante Single „Das Resultat“. Dafür toben sich die drei in ihrem Genre richtig aus, werden auch mal politisch und setzten nicht nur in der Begleitung, sondern auch im Gesang auf scharfe Rhythmik.

Fazit: Von Sie kamen Australien kommen tanzbare Beats, Musik mit Ecken und Kanten und eine Retro-Stimmung inklusive Augenzwinkern.

Call me Brutus: Rock on fire

Es wird laut. Call me Brutus haben eine neue EP am Start und sie fetzt.

Die Mitglieder der Punk-Rock-Band Call me Brutus aus Sindelfingen bei Stuttgart sind keine Neulinge mehr im Geschäft: Wäre dies ein normales Jahr, hätten sie im kommenden Dezember ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Geburtstagskonzert gefeiert. Dafür haben Barney, Basti, Dani, Felix und Micha in ihrem Jubiläumsjahr jetzt eine frische EP herausgebracht. Double Exposure heißt das Werk, das die Band am 4. September veröffentlicht hat.
Mit ordentlich Drums und rotzigen Gitarrensounds legen Call me Brutus punkig vor. Die Truppe drängt nach vorn, keine Zeit für Balladen. Überhaupt kann man sich beim Hören schnell ausmalen, was für eine Stimmung bei Konzerten der Band herrschen muss. Dazu vermitteln die fünf eine klare politische Message und halten es gern mit Andy Warhol: „Alles ist Kunst, solange man damit durchkommt.“

Fazit: Call me Brutus ist nichts zum Stillsitzen. Trotz Lautstärke und Klangdichte bekommt jedes Instrument seine Bühne – die langjährige Bandgeschichte zahlt sich aus.

Silent Attic: Indie-Rock in stilecht

Silent Attic glaubt man auf den ersten Blick erst mal mehreres nicht. Zum Beispiel, dass sie nicht etwa eine britische Band, sondern Nordlichter aus Flensburger sind. Oder dass die vier gerade mal seit 2018 zusammen Musik machen. Als eingespieltes Team kommt von der Band nämlich Indie-Rock, der sich gewaschen hat.

Die klassische Rock-Besetzung darf bei Silent Attic demnach nicht fehlen. Da wären also Sänger und Gitarrist Eros Atomus Isler, Gitarrist Leon Paul Paulsen, Bassist Benjamin Bajramovic und Drummer Maik Klink. Ihr erstes Album haben sie selbst produziert, Anfang Oktober folgt mit Escape eine EP.
Die Songs von Silent Attic sind geprägt von kräftigen Sounds. Sänger Eros weiß seine rauchige Stimme effektvoll einzusetzen. Gitarrenlastig wie es sich gehört gliedert sich der Stil der Band auch mutig in die Reihe mit den großen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Smiths oder Catfish And The Bottlemen ein. Auch mit der neuen EP halten die Jungs, was sie versprechen: authentischer Indie mit Drive und Rhythmus.

Fazit: Die vier von Silent Attic machen Indie-Rock wie er sein sollte – mit Spirit, sattem Sound und Biss.

Der Luger: Rocksounds und Lagerfeuer

Angefangen hat der Luger als Kind mit der Gitarre seines Onkels, seit acht Jahren ist er solo, mit Band oder auch als Straßenmusiker unterwegs.

An die 500 Konzerte haben den Luger von Offenbach aus durch verschiedenste Städte Deutschlands und Europas gebracht. Sein erstes Album Terassenphilosophie erschien 2017. Zwei Songs der nächsten EP Gregor Wohnt Jetzt Hier sind dieses Jahr schon vorab als Single erschienen.
Die Songs vom Luger pendeln sich irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Rock ein. Melancholische Harmoniefolgen und Lagerfeuer-Gitarrensounds treffen auf fetzige Rhythmen, Drums und E-Gitarre. Ganz im Stil von musikalischen Vorbildern wie etwa Kettcar und Gisbert zu Knyphausen setzt der Luger auf deutsche Lyrics, die clever und aus dem Leben heraus getextet sind.

Fazit: Beim Luger gibt’s ehrliche Texte und einen Klang- und Genremix mit Feeling für Atmosphäre.

Socha Beag: Alternative aus Frankfurt

Obwohl der Sound von Socha Beag recht eigen ist, hat man ihn schnell im Ohr. Grund dafür ist unter anderem eine ganz besondere Stimme.

Nachdem Socha (Gesang) und Wolle (Gitarre) 2014 den Grundstein für die Band legten, schlossen sich vor zwei Jahren schließlich Schlagzeuger Jens und Bassist Marc an. Frisch gibt es von den vieren gerade ein neues Album zu hören. Dessen Titel The Time of Unrest gibt auch schon einen Hinweis auf die Stimmung der Musik.
Auch wenn man Socha Beag bei ihrem eigenwilligen Sound nicht einfach als Rockband abstempeln kann, macht sich das eingespielte Team einer Band mit klassischer Rock-Instrumentation schnell bemerkbar. Gitarre, Bass und Schlagzeug wissen Spannung aufzubauen und sorgen fürs Setting, zwischendurch wird ein Solo eingestreut. Besonders charakteristisch für Socha Beag ist allerdings der ausdrucksstarke Gesang von Frontfrau Socha, die einen mit einer tiefen, rauen Stimme in ihren Bann zieht.

Fazit: Während man es bei anderen Bands vielleicht kritisch beäugen würde, ist es bei Socha Beag kein Problem, wenn ein Song mal die Sieben-Minuten-Marke knackt. Eine tolle Band, Texte mit Message und eine faszinierende Stimme machen die Musik zu einem spannenden Gesamtpaket.

B104: Jung, frech und wild

Von Lübeck bis zur polnischen Grenze verläuft die Bundesstraße 104. Dazwischen führt sie auch durch den Heimatort von fünf Jugendfreunden, die seit vier Jahren zusammen Musik machen. Den Namen der Bundesstraße haben die fünf schließlich kurzerhand als Bandnamen adaptiert.

Ihr erstes Konzert haben B104 noch im Café der Eltern ihres Bassisten gespielt. Inzwischen haben Daniel Derda (Gesang) William Kratzkie (Sprechgesang) Dennis Derda (Gitarre) Hermann Bunde (Schlagzeug) und Sven Paulsen (Bass) um die 100 Konzerte vorzuweisen und kürzlich ihr Debut-Album 2020 herausgebracht.
In ihren Texten beschäftigen sich B104 mit politisch aufgeladenen Themen wie der Flüchtlingskrise oder Polizeigewalt. Die Musik dazu ist – ganz im Protestsong-Geist – laut und voller Power. Da wird der Text auch mal mehr gegrölt als gesungen, der Drummer prescht voraus und Gitarre und Bass bringen aufgeheizte Stimmung in die Tracks.

Fazit: B104 eigenen sich absolut nicht dazu, sie leise zu hören. Ein schönes Motto geben uns die fünf in ihrem Song „Panik“ übrigens auch noch mit auf den Weg: „Und klappt’s nicht, wie du willst, geht auch die Sonne wieder auf.“

Punch Drunk Poets: Poesie mal anders

Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poets beweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.

Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen.
Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.

Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.

Autorin:

Clara Hümmer