Into My Vault: eiserner Rock von der Elbe

Schön gitarrenlastig, eine markante Stimme und vielseitige Songs – so wünscht man sich eine Rockband und so klingen auch Into My Vault. Dieser Eindruck steht schnell fest und das, obwohl es von der Band erst ein paar einzelne Singles zu hören gibt, denn das erste Album ist noch in der Mache.

Into My Vault ist noch ziemlich jung: erst 2017 hat sich die Hamburger Band gegründet. Seither sind sie gut beschäftigt: Gemeinsam mit der amerikanischen Produzentin Sylvia Massy – bekannt für ihre Arbeit mit Johnny Cash, R.E.M und die Red Hot Chili Peppers – entstanden schon zwei Singles, einer ihrer Songs wurde für ein Fernsehformat von VOX verwendet und mit Peter Keller (Teil der Peter-Maffay-Band) wird gerade an einem Album gewerkelt.
Vom Sound her geht es hauptsächlich klassisch rockig zu, wie in der neuen Single „What You Feel“: treibende Drums, Reibeisenstimme, Overdrive. Trotzdem beweisen Into My Vault aber, dass sie auch ruhiger können. „Sacred Place“ strahlt Gelassenheit aus, auch eine Portion Melancholie ist dabei. Simpel gestrickte und voraussehbare Mitsingstrophen sucht man bei der Band allerdings vergeblich. Stattdessen gibt es kreative Melodieführungen, Spannungsaufbau und einen stimmigen Gesamtklang.

Fazit: Obwohl es noch nicht einmal ein fertiges Album von ihnen gibt, haben Into My Vault schon hohe Wellen geschlagen – und die Tendenz geht weiter nach oben. Also am besten jetzt reinhören, wo die Truppe noch als Geheimtipp zählt…

Long Way Home: Selfmade-Streber-Band

Nach einer Pause melden sich die drei süddeutschen Jungs von Long Way Home jetzt mit einem frischen Album zurück.

Mit Gesang, Gitarre, Bass und Drums ist die Punkband komplett: Jannik, Simon und Flo aus Göppingen bei Stuttgart bilden zusammen die Band Long Way Home. Zwei Jahre nach dem Debut-Album steht am 23. November das Releasekonzert für ihr zweites Studioalbum Stalker auf der Agenda. Den Titel „Selfmade-Streber-Band“ haben sie sich übrigens selbst auferlegt. Neben dem Songschreiben hat das Trio nämlich auch den Rest der Arbeit am Album selbst übernommen – von der Produktion bis zu Artwork und Videodreh.
Long Way Home zeichnt sich grundsätzlich durch Vorwärtsdrängen und punkige Intensität aus. Auf dem neuen Album erwartet einen ein recht cleaner, gefestigter Sound. Zwischendurch probieren sich die Jungs mit Effekten aus. Dann wieder bremsen sie sich und ihre treibenden Rhythmen etwas ab, um sich im nächsten Moment wieder aufzubauen und weiter voranzupreschen.

Fazit: Punkige Powerchords, Pop-Melodien, durchdringende Singstimme und rhythmische Backings: Auch wenn sie nur zu dritt sind lässt der Klang von Long Way Home nichts vermissen.

KOJ: Düsterer Indie und starke Stimme

KOJ zeigen: Wer sich privat gut versteht, macht oft auch die bessere Musik zusammen. Das Indie-Trio besteht aus zwei Brüdern, Gesang und Gitarre kommen von der Ehefrau des einen Bruders.

Schon seit 2010 machen Frontfrau Alina, Simon (Keyboard) und Nils (Schlagzeug) in dieser Konstellation zusammen Musik. Genug Zeit um einen gemeinsamen Stil auszuarbeiten und sich einzugrooven. Den ein oder anderen Record haben die drei im Laufe der Jahre schon herausgebracht, nächstes Jahr soll ein weiteres Album folgen. Gerade ist die Band außerdem als Support Act von Kochkraft durch KMA auf Tour.
Die musikalische Richtung von KOJ ist recht düster, die sich wiederholenden Klänge sind zum Teil fast tranceartig-meditativ. In diese Grundstimmung passt die in ihrer Tendenz eher tiefe Stimme der Sängerin genau hinein. Alina singt unaufgeregt, wenn auch mit Power und verleiht dem Sound der Band noch einmal ein Alleinstellungsmerkmal.

Fazit: KOJ sind ein eingespieltes Team. Ihre Songs kommen ohne übermäßig komplizierte Stilmittel aus und rufen gerade durch ihre Gelassenheit eine ausdrucksstarke Atmosphäre hervor.

Aftertheriot: Rock-Randale

Um Verzweiflung und unerschütterliche Hoffnung geht es den vier Musikerinnen und Musikern von Aftertheriot, wie sie selbst sagen. Diese Zerrissenheit klingt auch in ihrer Art Musik zu machen durch.

Aftertheriot sind Sängerin Jess, Drummer Hannes und jeweils ein Chris an Gitarre und Bass. Die vier Ur- und Wahlberliner haben in den letzten Jahren zwei EPs aufgenommen und sich auf verschiedenen Bühnen ausgetobt. Am Donnerstag ist die Band noch mit ihren Kollegen von Papiertiger in Berlin zu sehen.
Politisch, gesellschaftskritisch und laut lassen die vier ihren Überzeugungen freie Fahrt und singen insbesondere gegen Nationalismus und Rassismus an. Jess‘ Gesang hat Power und die Sängerin prägt den Charakter der Band mit ihrer Stimmfärbung ebenso wie mit den mutigen Melodieläufen. Die anderen drei Bandmitglieder bauen mit ihrer Instrumentation einen massigen Hintergrundsound auf, sind aber trotzdem auch einzeln jeder für sich markant und gut herauszuhören.

Fazit: Aftertheriot drängen nach vorn, machen ihrem Ärger über bestehende Probleme Luft und reißen ihre Hörer auch ohne simplen Mitsing-Pop mit.

Elfmorgen: Punk-Rocker legen nach

Deutschrock-Fans aufgepasst: Elfmorgen machen Feuer im Kessel und auch ein neues Album ist in Sicht.

Die Band ist schon lange ein eingespieltes Team. Seit 17 Jahren sind die drei jetzt zusammen am Start, nach acht Jahren ohne Platte lassen Elfmorgen in diesem Jahr wieder von sich hören: Kommenden Monat kommt Zuhause auf den Markt. Für Ende diesen Jahres und Anfang 2020 ist außerdem noch eine Deutschlandtour der Band angekündigt.
Die Erwartungen an ihr Album haben Elfmorgen bereits hoch gesteckt: Schon in der ersten Single „Bei aller Liebe“ wird man mitgezogen vom Enthusiasmus der Band. Punkige Sounds treffen auf Pop-Melodien und -Texte, es gibt fetzige Passagen zum Mitsingen und tanzgeeignet ist der Song auch. Elfmorgen setzen auf deutsche Texte, vorwärtsdrängendes Schlagzeug, „oh-eh-oh“-Backing Vocals und eine gepfefferte Portion Overdrive.

Fazit: Wer trotz der langen Bandgeschichte der selbsternannten ältesten Newcomer-Band der Welt noch nie über Elfmorgen gestolpert ist, kann das jetzt pünktlich zur neuen Platte noch nachholen.

Papiertiger: Pop-Punk-Vierbeiner

Papierflieger bauen kann jeder, der irgendwann mal einen Fuß in ein Schulgebäude gesetzt hat – Papiertiger sind da wohl das nächste Level.

Seit 2018 spielen die Münchner Jungs Attila (Gesang, Gitarre), Bruno (Gitarre), Julius (Schlagzeug) und Moritz (Bass, Gesang) zusammen als Papiertiger. Ihr Anspruch: Lyrics, die über Junge-erobert-Mädchen und „München seid ihr heute Abend gut drauf?“ hinaus gehen. Die erste EP Papiertiger gibt’s seit dem 11. Oktober, für den 24. und 31. stehen Konzerte in München und Berlin auf der Agenda.
Die EP gibt einen schönen ersten Eindruck, in welche Richtung sich die Band orientiert. Die Raubkatzen warten mit deutschem Pop-Gesang, treibenden Drums, catchy Gitarremotiven und Rockakkorden auf. Nicht nur von der Gitarre, auch vom Bass gibt es immer wieder Fills mit Drive, die Titel klingen insgesamt jugendlich-übermütig, aber doch auch recht geerdet.

Fazit: Musikalisch sind die vier Papiertiger schön austariert, die Songs gehen leicht ins Ohr, die Texte sind authentisch. Mit der EP hat die Band außerdem einen hörenswerten Start hingelegt.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP Papiertiger
  • Umleitung:

Musik-News: Neues Album von He Told Me To!

Die Fakten:

Künstler: He Told Me To aka. Sandro Weich (hier geht’s zum Künstlerportrait)
Das steht an: Album Fourth Place (ab 11. Oktober)

Die Analyse:

Die erste Single zum Aufwärmen kam schon vor ein paar Wochen raus. Nächste Woche kriegt He Told Me To’s „Year of Exhaustion“ dann endlich Gesellschaft von zwölf anderen Songs – dann nämlich geht das Album Fourth Place an den Start.
Sandro Weichs Stilpalette ist bunt auf der neuen Platte. Zu hören gibt’s rhythmischen Gesang wie in „Mann über Bord“ ohrwurmträchtige Gitarre bei „Vulture Man“ und funkigen Bass in „Popcorn in a Playhouse“. Auch fühlt sich der Sänger zwischendurch anscheinend recht wohl in ein wenig mysteriöser Düsterkeit. Es gibt etwas Reibung in den Melodien, er kann coole Sau genauso wie behutsame Sounds. Gute-Laune-Songs sind einem auch garantiert – so zum Beispiel „Gold Star“, ein Song mit feiner Rhythmik, Drive und variantenreichem Gesang, der absulut Spaß macht.
Fourth Place ist ganz klar zu empfehlen, eine Warnung sei allerdings ausgesprochen: Stillsitzen ohne wenigstens ein bisschen rhythmisches Fußwippen ist beim Hören kaum möglich.

Musik-News: Debut-Album von Youth Okay!

Die Fakten:

Band: Youth Okay
Das steht an: Album Turns (04. Oktober); Deutschlandtour (Oktober/November)

Die Analyse:

Als „Alternative BrassFX“ bezeichnen Youth Okay ihren Stil. Das heißt im Klartext: Mit Karacho nach vorn. Neben der Standardrockbesetzung sind Trompete und Posaune mit an Bord. Das Album Turns ist nun die geballte Ladung Lautstärke, Drums und Alternative Rock. Für eine besondere Stimmung sorgen vor allem die Effektverfremdung der Brass-Instrumente, aber auch andere unkonventionelle Ideen wie der unvermittelte Einsatz eines Hintergrundchors („Get Up“) oder undurchsichtige Rhythmik („Static Air“). Auch die Texte sind alles andere als oberflächlich: Youth Okay-Sänger Daniel Fahrländer verarbeitet darin unter anderem ernste Themen wie Depression und Trauer, aber auch aktuelle Politik. Turns ist insgesamt ein mutiges Debut, man hört Emotion und viel musikalischen Elan, der darauf hoffen lässt, dass man auch in Zukunft noch einiges von der Band hören wird.

Vorbestellung Turns und Tourdates: https://youthokay.com/

Musik-News: Killerpilze bringen vorerst letztes Album heraus

Die Fakten:

Band: Die Killerpilze
Das steht an: Vorerst letztes Album Nichts ist für immer… (VÖ 06.09.19)

Die Analyse:

Zugegeben, so ganz unter dem Radar spielen die Killerpilze nun nicht, eher im Gegenteil: Schon seit ihrer Teenagerzeit haben die drei Jungs bei den Großen mitgespielt, jetzt sind sie alle um die 30 und starten noch ein letztes großes Ding zusammen. Nichts ist für immer… kommt am Freitag auf den Markt und ist ein Album, wie man es von den Killerpilzen kennt: harte, treibende Schlagzeugrhythmen, Overdrive, spannungsgeladene Melodien, Powerchords, Refrains zum Mitgrölen. Das Trio spielt mit Stimmung – und ab und an hört man doch auch ein wenig Wehmut heraus, immerhin sind seit ihrer Gründung als Schülerband nicht weniger als 18 Jahre vergangen. Insgesamt ist Nichts ist für immer… ein abwechslungsreiches Punkrock-Album, wie gewohnt mit deutschen Texten und viel Energie. Kurz gesagt: Ein gelungener Abschluss.

He Told Me To: Grooviger Indie-Pop

He Told Me To aus Coburg ist vielleicht ein Paradebeispiel für den Indie-Musiker: Mit Elan und unabhängig macht er auf eigene Faust die Musik, die ihm gefällt.

Hinter dem Pseudonym He Told Me To steht der Solo-Künstler und Singer-Songwriter Sandro Weich. Zwei Alben hat der Musiker schon herausgebracht, Mitte Oktober soll das dritte folgen. Verschrieben hat er sich seinem Dasein als Indie-Musiker – und zwar so indie, dass er das erste Album noch in seinem Kleiderschrank aufgenommen hat.
Obwohl er sich selbst gern als „Schmusesänger“ bezeichnet und meist ein melancholisches Feeling im Vordergrund steht, sind die Songs von He Told Me To bei weitem nicht nur Softpop, sondern warten genauso mit härteren Rhythmen und rockigem Drive auf. Die Gitarrenriffs sind catchy, schön ist auch der deutlich zu hörende E-Bass. Zwischendurch gibt es leicht experimentelle Passagen, insgesamt gehen die Songs aber leicht ins Ohr und lassen sich mitsingen. Mit seiner Stimme weiß He Told Me To zu spielen: Je nach Song gibt es nachdrückliche und weichere Phasen, Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und Schwung durch starke Melodien.

Fazit: Mit He Told Me To ist Musiker Sandro Weich ausgesprochen vielseitig unterwegs. Ob akustische oder elektrische Gitarre, allein oder mit Band, zum lauten Aufdrehen oder als Hintergrundmusik: Seine Songs machen Spaß, sind clever gemacht und eine echte Leidenschaft klingt durch.

  • Meilensteine:
    • 2015 Debut While Elephants Sleep
    • 2017 Hurricane Roleplay
  • Umleitung: