Kicker Dibs: urbaner Indie-Rock

Die Berliner Kicker Dibs stehen für Rock mit Drive und deutschen Texten. 2021 kam das Debüt-Album der Jungs raus, Musik machen sie aber schon viel länger – und das hört man auch. Die drei sind ein eingespieltes Team und basteln mit Bass, Gitarre, Drums und Gesang tanzbare Indie-Rock-Songs. Für ihre Single „So’n Gefühl“ bekamen die drei auch noch Unterstützung von Madsen-Frontmann Sebastian Madsen.

Auf scharfkantigen Instrumentals baut sich bei der Berliner Band zügig Energie auf, die nach vorn zieht. Im Mittelpunkt stehen die deutschen Texte im Songwriter-Stil. Wir hören die innere Zerrissenheit einer Generation, die irgendwo zwischen existentiellen Krisen, emotionaler Überforderung und Scheiß-drauf-Mentalität ihren Weg finden muss.

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Live-Report: Begeisterte Fans bei Kat Frankie

Bei Kat Frankies Konzert am Freitag in Berlin stimmt alles: die Band, der Sound, die Fans – und der Star des Abends sowieso. Kat Frankie lacht viel, interagiert mit dem Publikum und wirkt wie die Ruhe selbst, schließlich ist das Konzert im ausverkauften Festsaal Kreuzberg für die langjährige Wahlberlinerin ein absolutes Heimspiel.

© Katharina Köhler

Die Berliner*innen haben lange gewartet auf diesen Abend. Nach coronabedingter Verlegung um ein Jahr startet pünktlich um acht Opener-Duo Theyy (Kats Bassistin Shanice Ruby Bennett zusammen mit Sängerin Erika Emerson) mit seinem genialen modern-souligen Sound und smoothem Bass.

Theyy spielten als Vorband.
© Katharina Köhler

Nach ihrer Vorband lässt Kat Frankie ihre Fans noch eine Weile warten, bis sie kurz nach neun auf der Bühne erscheint. Dafür legt sie direkt los mit dem fantastischen Titeltrack ihres neuen Albums „Shiny Things“. Danach der sphärischere Song „Healer“, den die Keyboarderin der Band mit tollem Gesangspart unterstützt – der Saal jubelt. Kat wirkt zwischen den Songs oft selbst ganz berührt von dem derart begeisterten Publikum.

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The VOO: Alternatives Indie-Rock-Duo aus Hamburg

Dreamrocknroll ist nicht nur der Name des ersten Albums von The VOO, sondern beschreibt auch treffend den Musikstil der Band. 

Die Gründungsmitglieder von The VOO sind der Kontrabassist Andrew Krell und sein Ben Galliers, der für Gesang und Gitarre verantwortlich ist. Das Duo hat sich kurz vor der Pandemie in Hamburg kennengelernt und in ihrem ersten Jahr gleich ein Debüt-Album herausgebracht. Musikalisch ergänzten sich die beiden wunderbar auf spielerische Weise und der Sound ist alles andere als von der Stange. Beim Anhören taucht man ab auf eine Reise, die einen über 50er-Jahre-Surf bis Indie-Rock, von Psychedelic bis Alternative führt.
Seit dem plötzlichen Tod Andrew Krells Anfang des Jahres während der Aufnahmephase für das zweite Album führt Ben Galliers das Projekt nun allein fort und veröffentlicht im Oktober Brother VOO in Gedenken an seinen Band-Partner.

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The Ella: Pop-Punk-Duo

The Ella aus Chemnitz verarbeiten in ihren Songs Themen wie mentale Gesundheit, die Klimakrise oder toxische Beziehungen. Das Ganze verpacken sie in einer mitreißenden Indie-Britpop-Punk-Mischung.

Obwohl Gideon Liebmann und Filip Bayer schon gemeinsam im Kindergarten waren, brauchte es noch eine ganze Weile, bis die beiden so richtig einen Draht zueinander fanden. Geklappt hat es dann über die Musik. Als Jugendliche spielten sie gemeinsam in einer Band, ihr Duo The Ella gründeten die beiden 2019 während der Abizeit. Ihre erste EP steht gerade in den Startlöchern: Am 25. Februar erscheint Stereo Smoking.
Auf der EP zu hören sind fünf abwechslungsreiche Songs plus Intro. Sänger Filip singt die englischen Lyrics mit passiver Coolness. Darunter legt er mit der E-Gitarre rhythmische Akkorde, deren britischer Sound fasst ein bisschen trotzig wirkt. Drummer Gideon treibt mit seinen durchschlagenden Schlagzeugbeats die Songs voran.

Fazit: Drums, Gitarre, Vocals: Bei The Ella legt jede Komponente der Musik eine packende Rhythmik an den Tag.

damn!escape: Ein Rock-Quartett macht Dampf

damn!escape ist eine Rockband aus Lüneburg rund um den Sänger und Gitarristen Eddy. Nach ihrer EP Bad Treatment 2021 soll im Laufe dieses Jahres ein erstes Album mit dem Titel Devil’s Friend erscheinen.

damn!escape drehen richtig auf. Da darf natürlich die Rock-Besetzung schlechthin aus zwei rotzigen Gitarren, Bass und Drums nicht fehlen. Eddy legt Elan und Herz in seinen Gesang, die anderen unterstützen mit Backing Vocals. Alle vier sind aufgeladen mit Energie und stehen für handgemachten Classic Rock.

Fazit: Bei damn!escape merkt man sofort: Diese Truppe hat richtig Bock. Ein „Tritt in den Hintern“ soll ihre Musik nach eigener Aussage sein – für ein bisschen weniger tristen Alltag und mehr Adrenalin und Lebensfreude.

Fiesta Forever: Indie-Rock Retrostyle

Hinter dem Party-verdächtigen Bandnamen stecken vier österreichische Newcomer, die seit 2019 zusammen mucken. Erste Konzerte sind trotz Corona schon gespielt, auf die erste EP müssen wir dagegen noch ein kleines bisschen warten. Bis alle Aufnahmen im Kasten waren, hatten Fiesta Forever dabei nämlich mit einigen Steinen im Weg zu kämpfen – nach ersten quarantänebedingten Verschiebereien wurde ihnen auch noch der alte Chevy mit sämtlichen Instrumenten darin aus dem Halteverbot einkassiert. Ins Studio haben es die Jungs dann schließlich irgendwann doch noch geschafft und im Mai soll die EP dann endlich zu hören sein.

Ein eigentlich etwas nostalgisch wirkender Indie-Rock-Stil aus dicken Drums und garagiger E-Gitarre wird bei Fiesta Forever zu einem frechen Sound, der allemal in die Gegenwart passt. In ihren ersten Singles probieren die Bandmitglieder sich aus – und man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht. In „Volcano“ wird mit scharfen Dissonanzen experimentiert und der Song sprudelt vor Übermut zeitweise fast über, „In Vain“ ist melodischer und lässt etwas Melancholie anklingen.

Fazit: Fiesta Forever preschen ohne Rücksicht auf Verluste nach vorn. Ausgebremst durch die Pandemie stehen die Vier noch am Anfang ihrer Laufbahn, dafür kann man die Band 2022 durchaus im Auge behalten.

The Districts: sphärischer Rock

In ihren Musikvideos strahlen The Districts zuweilen eine gewisse emotionale Teilnahmslosigkeit aus. Diese Art der rockstarhaften Coolness mag nicht bei jedem funktionieren, dem Trio nimmt man sie aber gerne ab – auch deshalb, weil sie bei ihrer Musik dafür ganz bei der Sache sind.

Angefangen haben The Districts in Pennsylvania als Schülerband, die sich ganz dem Classic Rock verschrieben hatte. Die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums hat die Band 2012 noch allein gestemmt. Inzwischen sind sie bei Fat Possum Records unter Vertrag – dort erscheint im März auch ihr neues Album Great American Painting. Aktuell sind die drei auf Tour in Europa unterwegs, Mitte Februar verschlägt es sie auch für ein paar Gigs nach Deutschland und in die Schweiz.
The Districts haben über die Zeit einen charakteristischen Sound aus kaum erwartbaren Melodien, vielseitigen Gitarrenmotiven, markanter Bass Drum und in den Hintergrund eingestreuten musikalischen Details fabriziert. Insgesamt haben die Songs der Band trotz der rockigen Wurzeln etwas Sphärisches. Passend dazu sind auch die Musikvideos oft eher abgedreht und unkonventionell.

Fazit: The Districts experimentieren mit Rock-Sound in verschiedensten Facetten.

Marc Amacher: ungeschliffener Blues-Rock

Nachdem er seine erste Gitarre als Kind von seinem Großvater geschenkt bekam, brachte sich Marc Amacher selbst das Spielen auf dem Instrument bei. Seine Leidenschaft für die Musik – und ganz besonders für die bluesigeren Töne – hat seitdem nicht abgelassen.

Mit seinem Album Roadhouse sackte Marc Amacher 2019 den Preis der deutschen Schallplattenkritik ein. Ende Januar kommt das neue Album Grandhotel heraus. Eine besondere Ehre wurde Marc Amacher ebenfalls 2019 zuteil, als er bei drei Konzerten von Gitarren-Großmeister Eric Clapton als Vorband auftreten durfte.
In seinen Songs lässt einen die rauchige Stimme von Anfang an in den Sphären des Blues versinken. Amacher lässt sich Zeit mit seiner Musik, der Schlagzeug-Beat weist stampfend den Weg, eine verzerrte E-Gitarre dröhnt von weither und der Gesamtklang ist kantig und ungeschönt.

Fazit: Wie auf einer Zeitreise fühlt man sich beim Hören von Marc Amachers rauen, unverfälschten Songs.