Der Sound der Sahara: Tinariwen in Berlin

Die Tuareg-Band Tinariwen kam am vergangenen Donnerstag für ein Konzert nach Berlin. Nischig? Auf keinen Fall. Huxley’s Neue Welt war ausverkauft, und die Atmosphäre im Saal ließ für anderthalb Stunden vergessen, dass sich vor der Tür die Hasenheide und nicht die Weite der Sahara befand.

Die Schlange vor dem Berliner Konzertort Huxley’s Neue Welt ist an diesem Abend besonders lang und etliche Menschen sind noch auf der Suche nach letzten Tickets für das Konzert der Band Tinariwen. Deren Mitglieder gehören dem Nomadenvolk der Tuareg aus der Sahara an und ihre Musik steht in der Tradition dieser seit Tausenden von Jahren bestehenden Kultur. Seit einiger Zeit schon ist das Konzert komplett ausverkauft – das letzte der Band in Berlin ist sieben Jahre her.

Schon während des Sets des Support-Acts Sulaf, einer sudanesischen Sängerin, die die Band auf dieser Tour begleitet, ist der Raum komplett gefüllt. Als die Sängerin das Publikum animiert, einen sudanesischen Gesang anzustimmen, ist die Menge ohne zu zögern am Start.

Das stimmt schon mal ein auf die Atmosphäre, die Tinariwen dann auf die Bühne bringen: Zu siebt stehen sie auf der Bühne, allesamt in traditioneller Kleidung inklusive Chèche, einer Kopfbedeckung die, anders als ein Turban, sowohl Kopf als auch Gesicht mit Ausnahme der Augen bedeckt. In der Mischung mehrerer Gitarren, Bässe, verschiedener Gesänge und eines stetigen Trommelrhythmus im Hintergrund entfaltet sich das ganze, gemeinschaftsbewegende Potential der Klänge.

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AySay: Wenn Kopenhagen nach Anatolien klingt

Anatolischer Rock der 70er ist so eine Sache. Wer ihn kennt, liebt ihn meistens sofort. Diese Mischung aus Saz, treibenden Rhythmen und Stimmen, die klingen, als würden sie direkt aus dem Boden wachsen. Barış Manço, Selda Bağcan, Derya Yıldırım: Musik, die irgendwie zeitlos ist, weil sie nie versucht hat, irgendetwas zu sein außer sie selbst. Und dann kommen drei Leute aus Kopenhagen und machen daraus etwas, das man so noch nicht gehört hat.

AySay bestehen aus Luna Bülow Ersahin (Saz, Gesang), Aske Døssing Bendixen (Drums) und Carl West Hosbond (Gitarre), und ihr Sound ist im besten Sinne schwer zu fassen. Anatolische Folklore trifft auf kurdische Musiktradition, dänische Abgeklärtheit auf orientalische Wärme. Das klingt auf dem Papier nach viel, fühlt sich beim Hören aber sehr natürlich an.

Die Saz ist dabei kein folkloristisches Accessoire, sondern ein gleichberechtigtes Instrument, das den Songs Textur gibt. Lunas Stimme ist das Herzstück: Sie trägt die Songs mit Ruhe und Kraft. Aske und Carl halten das Ganze rhythmisch zusammen, ohne es zu erden, eher so, als würden sie den Songs Flügel verpassen.

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Rome Is Not A Town: verträumte Post-Punk-Melodien kompromisslos nach vorn

„We have a history of great tension in the band! And maybe if we were completely sane we would have ended it by now.“

Mit diesem Satz bringen Rome Is Not A Town beinahe beiläufig die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Spannungen der letzten Jahre auf den Punkt. Aufgeben? Wäre verständlich gewesen. Doch stattdessen kommt das Post-Punk-Quartett aus dem schwedischen Göteborg kraftvoller und authentischer zurück, als man es je von ihnen gehört hat. Eine Band, in der aus Reibung neue kreative Energie entsteht – und schwierige Zeiten am Ende enger zusammenschweißen. „But going through all this together, good and bad, has made us tighter than ever“, sagen sie heute.

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Anna Katarina: Musik von Menschen für Menschen

Es gibt da diese neue Art von „Kunst“, an der man bald vielleicht kaum mehr vorbei kommt. Die Künstliche Intelligenz ist drauf und dran die Musikszene ganz schön umzukrempeln. Täglich werden tausende neue KI-Songs auf den Streamingplattformen hochgeladen. Auswirkungen sind bereits jetzt zu spüren und die Sorge ist: Jeder neue künstliche Song könnte die wirtschaftliche Grundlage realer Künstler bedrohen, die angesichts der Masse an generierten Tracks schlichtweg im Algorithmus untergehen.

Wem das alles gar kein gutes Gefühl bereitet und wer sich für das echte musikalische Handwerk begeistert, der ist bei Anna Katarina bestens aufgehoben, die sich mit Akustik-Indie und menschlicher Wärme dem Trend entgegenstellt.

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Panic Shack: Girlband-Starter-Pack in laut!

Sexy, stunnin‘, talented and gorgeous. There’s nothing we can‘t do“ – so die Beschreibung der Band Panic Shack auf ihrem Spotify-Profil. Und das stimmt: Die vier Frauen aus Cardiff in Wales bringen eine starke Mischung aus Punk, Rock und Pop mit und nehmen dazu kein Blatt vor den Mund. All das macht ihre Songs einfach relatable.

Gegründet haben sich Panic Shack 2018. Nach gemeinsamen Konzertbesuchen entschieden sich Sängerin Sarah Harvey, Bassistin Emily Smith und die beiden Gitarristinnen Meg Fretwell und Romi Lawrence dazu, selbst Musik zu machen und eine Band zu gründen. Seit ihren ersten Singleveröffentlichungen im Jahr 2020 ging es für Panic Shack relativ steil nach oben: 2022 veröffentlichten sie ihre erste EP, wurden 2023 vom New Musical Express zu den 100 aufstrebenden Künstler*innen 2023 gezählt und veröffentlichten im Juli 2025 schließlich ihr Debütalbum Panic Shack, das mit viel Begeisterung aufgenommen wurde.

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The Skanks: Lautstärkepegel in den roten Bereich

Stell dir vor, du befindest dich in der Mitte eines Raumes. Um dich herum eine Band: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Mit dem ersten Ton baut sich ein Energiefeld um dich herum auf. Näher kannst du dem Sound und Vibe einer Band nicht sein. Die reine Kraft, ungefiltert. Genau dieses Power-Gefühl überträgt die Band The Skanks – eine Punk-Band, die auf jeglichen großartigen Effekt-Hype verzichtet und genau das aufs Aufnahmeband bringt, was direkt aus ihren Instrumenten kommt.

Der Sound ist oft schnell, leicht kratzig und authentisch – Garage-Punk-Rock eben, direkt auf den Punkt. Mit ihrer letzten Single „Take It Back” lassen The Skanks den Lautstärkepegel wieder in den roten Bereich steigen. Der Track geht mit einer gewissen Ungezügeltheit nach vorne, zeigt sich leicht aggressiv und hat den richtigen Rhythmus.

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Forth Wanderers: Die Indie-Band kann’s immer noch

Genre ist ein Konstrukt und kennt keine Grenzen – das beweist die Band Forth Wanderers wieder einmal mit ihrem neuen Album The Longer This Goes On. Nach ihrer Trennung im Jahr 2018 sind sie jetzt mit zehn Tracks zurück und zeigen, dass sie deutlich mehr draufhaben als nur einen einzigen Sound.

Die fünfköpfige Band aus New Jersey macht ursprünglich seit 2013 zusammen Musik, bis zum Debütalbum dauerte es damals aber noch stolze fünf Jahre. Schon damals waren die Songs von Shoegaze- und Rock-Elementen geprägt. Gitarren tragen die Tracks und insgesamt merkt man: Ava Trilling, Ben Guterl, Zach Lorelli, Noah Yu Schifrin und Duke Greene, die funktionieren instrumental richtig gut miteinander.

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Kind Kaputt: Indie-Punkrock zum Ängste Rausschreien

Kind Kaputt sind ein Ventil. Für alle, die sich manchmal überwältigt und machtlos fühlen, für alle, die dem politischen Wandel die Stirn bieten wollen. Das Trio besteht aus dem Sänger und Gitarristen Johannes Prautzsch, dem Gitarristen Konstantin Cajkin und dem Schlagzeuger Mathis Kerscher und etabliert sich seit 2016 als deutsche Indie-Punkrock-Band.

Ihre Themen sind vielfältig. Mal beziehen sie sich auf die Gesellschaft als Ganzes, wie in der Single „Anfang und Ende“ aus dem Album Morgen ist auch noch kein Tag (2022), die mit dem Kapitalismus abrechnet. Andere Songs wie „Es geht“ aus dem Jahr 2021 handeln stattdessen von dem Kampf mit sich selbst und geben einen Einblick ins eigene Innenleben. In dem Feature mit Sperling (hier geht’s zum Band-Portrait) teilen die Künstler ihre Gefühle von psychischer Abgestumpftheit, emotionaler Taubheit, sozialem Rückzug und dem ständigen Auf-der-Stelle-Tappen aus Angst vor Veränderung.

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FLEECE: Die Band, bei der du du selbst sein kannst

FLEECE ist eine vierköpfige kanadische Indie-Rock-Band bestehend aus den besten Freund:innen Matthew Rogers (Gesang/Keyboard), Megan Ennenberg (Gesang/Gitarre), Jameson Daniel (Gitarre) und Ethan Soil (Schlagzeug). Der Sound und das Genre der Band liegt irgendwo zwischen Jazz, Rock und Indie. Dabei kombinieren sie die einzelnen Präferenzen jedes Bandmitglieds. „Jameson steht total auf Hip-Hop und R&B, Ethan eher auf Jazz, experimentelle und ambientartige Sachen. Megan liebt Folk – und ich interessiere mich irgendwie für alles, was dazwischen liegt“, erzählt der Sänger Matthew in einem Interview.

Ihre Lyrics thematisieren Identitätsfindung, Queerness, Selbstzweifel und gesellschaftlichen Druck. Während die Texte persönliche, tiefgründige Geschichten erzählen, sind die Melodien verspielt und haben einen jazzy Touch: “Ich liebe den Kontrast, in einem wirklich lustigen Song über düstere Dinge zu sprechen”, sagt Matthew.

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Puls.: Zwischen Alltag und Ausbruch

Puls. aus Köln sind laut, wenn es nötig ist, und leise, wenn es wehtut. Ihr Sound bewegt sich zwischen Indie, Post-Rock und Alternative und lebt von treibenden Drums, kantigen Gitarren und einer melancholischen Grundspannung. Musik für Tage, an denen die Welt zu laut und die Gedanken zu schwer sind.

Das Trio aus den Brüdern Maximilian (Drums) und Sebastian Vogel (Gitarre) sowie Oliver Schmitz (Bass, Gesang) baut sich seit 2024 Stück für Stück seinen Platz in der Szene. Mit ihrer Debütsingle „Regen“ meldeten sie sich eindrucksvoll zu Wort: ein Track, der zwischen Aufbruch und Rückzug pendelt.

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