The Esprits: Beatband zum Aufdrehen

Die Braunschweiger Truppe The Esprits legt abwechslungsreichen Rocksound auf den Tisch – und sprengt in ihren Musikvideos auch mal Katzenstatuen in die Luft.

Nach ausgedehnter Live-Erfahrung, zwei Alben und Toursupport für Revolverheld legen The Esprits gerade nach dem obligatorischen Corona-Dornröschenschlaf mit ersten Auftritten in Norddeutschland vor. Neben dem Muckemachen setzen sich die Bandmitglieder außerdem gemeinsam für die Umwelt ein: Ihr Merch ist fair und bio, sie unterstützen eine Initiative zum Walderhalt im Braunschweiger Umland und wollen überhaupt zu einer klimaneutralen Band werden.
The Esprits liefern facettenreiche Beatmusik. Mal kriegen wir sphärische Gitarre, träumerische Kopfstimme und Melancholie zu hören, dann werden wir wieder eingeholt von hartem Klang und treibenden Drums. Ergänzt von soften Backingvocals hadern die Jungs ihren Texten auch mal auf sympathische Weise mit Fehlern: „Mom, I fucked up – I accidentaly broke a good girl’s heart.“

Fazit: Ihre Wurzeln als Liveband hört man bei The Esprits dank rockigem Übermut und ordentlich Zug nach vorn auch auf den Aufnahmen heraus.

Löwen am Nordpol: Berliner Indie-Rocker

Vier Jahre nach ihrem Debut melden sich Löwen am Nordpol mit einem neuen Album zurück.

Hinter den Löwen am Nordpol stehen die drei Musiker Andreas Kolczynski (Gesang und Gitarre), Daniel Voigt (Bass) und Christoph Wegener (Schlagzeug). Die Berliner Truppe hat sich zwar schon 2012 gegründet, bis 2017 hat es dann aber trotzdem noch gedauert, bis mit Vom Stochern in der Asche ein Debutalbum draußen war. Das zweite Album kommt gerade ganz frisch aus der Presse.
Und damit scheint das Trio auch recht zufrieden zu sein, wie sie verlauten lassen: „Da dieses Album so klingt, wie die Band gern klingen möchte, heißt es Löwen am Nordpol.“ Das heißt: ein ungeschönter, rauer Sound, treibende Drums, deutsche Texte, viel E-Gitarre. Die Songs ziehen nach vorne, gleichzeitig klingt immer wieder auch etwas Wehmut durch.

Fazit: Man hört den Löwen an, dass sie schon lange ein eingespieltes Team sind. Die Band macht ihr eigenes Ding und bleibt musikalisch authentisch.

Chris Mayer & The Rockets: Feelgood-Folk-Pop

Wie der Lieblings-Highschoolfilm aus den 90ern soll sich ihre Musik anfühlen, fassen Chris Mayer & The Rockets zusammen. Ein Genre haben sie sich dafür auch schon überlegt: Feelgood-Folk-Pop.

Für den vollen Bandsound lässt sich Frontmann Chris Mayer von seinen Musiker-Kollegen Daniel Jaud, Basti Pilous und Wolfi Müller unterstützen. Nach mehreren ersten Singles ist seit Februar auch schon das erste Album In One Room der Münchner zu haben.
Eigentlich kommen die vier aus ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Gemeinsam bringen sie nun ihre verschiedenen Einflüsse unter einen Hut. Ihr Anspruch: Britpop- und Bluesrock-Verrückte sollen genauso auf ihre Kosten kommen wie Singer/Songwriter-Fans. Dafür warten Chris Mayer & The Rockets mit markanten Drums, eingängigem Gesang, wohldosierten Instrumentalsoli und einer Ladung Aufbruchsstimmung auf.

Fazit: Chris Mayer & The Rockets halten ihr Versprechen und sorgen für gute Laune und unbeschwerte Stimmung.

Nobody’s Cult: Indie zum Eintauchen und Abdriften

Nobody’s Cult aus Frankreich gehen in die Vollen: Eine bombastische Leadstimme, fesselnder Spirit und die vielseitigen musikalischen Ideen sprechen für sich.

Dafür, dass sich die Truppe um die bemerkenswerte Sängerin Lena Woods bereits 2015 gegründet hat, haben es Nobody’s Cult in Sachen Recording bisher erstaunlich ruhig angehen lassen. 2017 haben sich die vier mal an einer EP versucht, zwischendurch gab’s hin und wieder eine Single. Mit einem größeren Album haben sie aber bisher auf sich warten lassen. Im Juni soll es nun aber so weit sein und ihr Debut Mood Disorder darf in die Welt.
Mit Nobody’s Cult lässt es sich wunderbar abtauchen. In „Feel Blue“, einer der ersten Singles aus Mood Disorder, lassen die vier ihre Gedanken schweifen, gehen zurück Richtung Kindheit, entdecken eine gewisse Nostalgie für sich – dass das zugehörige Musikvideo statt digital auf 16mm-Film gedreht werden musste, liegt nahe. Weiter finden wir bei Nobody’s Cult zwischendurch faszinierende Mehrstimmigkeiten, die wunderbar abseits der klassischen Harmonien funktionieren, dann wieder aufbrausende Songs voller Dynamik und Spannung. Und wer hat noch mal gesagt, dass Harfen in Rockbands nichts zu suchen haben?

Fazit: Manchmal kriegt man es bei Nobody’s Cult mit der Angst zu tun, die Band könnte jeden Moment auf der Bühne explodieren – so sehr können sich die vier in ihre Musik hineinsteigern. Dann wieder gibt einem die Band starke Momente zum Durchatmen und Abdriften.

Elephants in Silent Rooms: feiner Vintage-Rock

Elephants in Silent Rooms aus der Nähe von München verbinden klassischen Rock mit modernen Vibes und etwas Psychedelic.

Hinter Elephants in Silent Rooms stehen vier Musiker mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang und ab und an einer Prise Synthesizer. Im vergangenen Jahr haben die Newcomer ihr Debut-Album Generations veröffentlicht.
Musikalisch landen Elephants in Silent Rooms bei einer Mischung aus Old-School-Rock und sphärisch-psychedelischer Stimmung. Getragen wird das Ganze dabei je nach Song vor allem von markanten Drums, Synthies, Gitarrenmotiven oder verträumtem Gesang.

Fazit: Trotz stetigen Drums machen Elephants in Silent Rooms insgesamt angenehm entschleunigten Rock. Die Band lässt sich auch mal Zeit für Soli oder sanfte Backing Vocals und groovt sich in ihren Songs gemeinsam ein.

Musik-News: neues Album von Sperling

Die Fakten:

Band: Sperling
Genre: Indie, Rap, Post-Hardcore
Das ist neu: Album Zweifel

Die Analyse:

Rauchige Stimme, dystopische Harmonien, tief tragende Melancholie: In ihren Singles aus den letzten Monaten haben Sperling schon erkennen lassen, wo es hingeht. Mit der Veröffentlichung ihres Albums Zweifel knüpfen sie nun genau da an. Durch den vollen, selbstbewussten Klang, wirkt die Band wie vom Leben gezeichnet und trotzdem voller Tatendrang. Immer wieder landen Sperling im Spagat zwischen einer aufgewühlt-massigen musikalischen Idee und der Deeskalation von meditativen Cello-Motiven. Die Texte bleiben düster, drehen sich ums Alleinsein, Aufbegehren und – natürlich – ums Zweifeln.
Nach einem recht ruhigen Anfang kämpft sich in „Laut“ nach und nach eine unterdrückte Wut an die Oberfläche. Der Titeltrack „Zweifel“ bewegt sich zwischen langsamer, melodischer Tragik und unruhigen Strophen voll rhythmischem Sprechgesang. Ein schöner Gegenpol ist das „Schlaflied“, ein sanfter Song mit einer Akustikgitarre als einziger Begleitung und der letzte Track auf dem Album.

Shame: britische Rock-Rebellen

Shame aus London beliefern die Musikwelt mit viel Gitarre und eigener Coolness. Und nebenbei gibt’s auch noch ein frisches Album und ein Musikvideo voller Deepfakes.

Als 2018 ihr erstes Album seine Wellen schlug, hatten die fünf Londoner von Shame sich schon längst eine Fanbase erspielt. Massenhaft Konzerte, Festivals und ein Corona-Jahr später gibt’s jetzt das neue Werk der Band: Drunk Tank Pink. Benannt ist das Album übrigens nach einem Rosaton, der laut Untersuchungen aggressives oder gewalttätiges Verhalten reduzieren soll.
Für allerfeinsten Alternative-Rock sorgt die Band um Leadsänger Charlie Steen ganz klassisch mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Shame scheuen sich außerdem nicht davor, ihre Meinung zu Politik und Gesellschaft abgegeben und erfrischen mit direktem Sound und einer leicht überdrehten Art.

Fazit: Bei Shame geht es auch mal drunter und drüber, das macht dann oft ganz besonders Spaß. Also: aufdrehen und genießen!

Apollo Apes: Pop-Rock aus Franken

Der Name Apollo Apes klingt etwas nach Affen auf Weltraummission – der Sound der Band ist zwar nicht ganz so spacig wie man jetzt vermuten könnte, allerdings sind die vier Rock- und Funk-Fans aus der Gegend um Coburg durchaus experimentierfreudig.

Ihr erstes Album haben Apollo Apes vor zwei Jahren veröffentlicht. Nach einiger Zeit der Funkstille wagen sich die vier jetzt in neue Gefilde: Poppiger soll es klingen und vom Aufnahmeprozess bis zum Musikvideo in Eigenregie entstehen. Zwei neue Singles hat die Band so jetzt schon auf Lager.
Funkig, rockig aber auch etwas psychedelisch-sphärisch sind Apollo Apes unterwegs. Ob mit lässigen Tiefen, Kopfstimme oder dezenten Backings probiert die Band auch gesanglich herum und überhaupt experimentieren die vier augenscheinlich gern mit musikalischen Überraschungen. Apollo Apes stellen vollem Instrumentensound plötzlich minimalistische Passagen gegenüber und neben charakteristischen, funkigen Basslines und Gitarrenakkorden kommen auch mal Drumcomputer oder Synthies zum Einsatz.

Fazit: Apollo Apes probieren sich aus und sehen Genrekategorien als Inspirationsquelle statt als Einschränkung.

The Zangwills: britische Rockhoffnung

Indie-Rock im ganz klassischen Sinne bringen The Zangwills mit. Zugegeben: Bei musikalischen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Cure oder The Strokes führt an diesem Stil wohl auch kein Weg vorbei…

Passend dazu warten The Zangwills mit typischer Rockformation auf. Jake Vickers (Vocals, Gitarre, Keyboard), Sam Davies (Gitarre) und Bassist Ed Dowling kennen sich schon aus der Schulzeit, Schlagzeuger Adam Spence ergänzt die Band seit 2017. In den vergangenen drei Jahren sind in dieser Konstellation auch mehrere Singles und zwei EPs entstanden.
Laut, massig und aufgedreht klingen The Zangwills in ihren Songs. Charakteristisch ist vor allem die Stimme von Sänger Jake Vickers. Insgesamt donnert die Band recht gnadenlos nach vorn, dennoch sind die Songs nicht allzu überladen. Zuhause in Großbritannien legen die vier auch in Sachen Fanbase zu, spielen auch mal ausverkaufte Konzerte und wurden nicht zuletzt von dem ein oder anderen BBC-Journalisten ins Auge gefasst.

Fazit: Was ihren Sound angeht sind die Zangwills mehr als zuverlässig. Auch als junge Band haben die vier schließlich schon eine ganz klare musikalische Vorstellung im Kopf.

Sperling: spannende DIY-Band

Eine markante Stimme, viel Atmosphäre und ein eigenwilliger Sound: Wer Sperling das erste Mal hört, kriegt die Band möglicherweise so schnell nicht aus dem Kopf.

Die fünf Jungs von Sperling verstehen sich als Do-It-Yourself-Projekt. Nach ersten kleineren Veröffentlichungen in den letzten Jahren plant die Band nun für Anfang nächsten Jahres ein Album.
Ob melodisch oder mit rhythmischem Sprechgesang: Die raue Stimme des Sängers klingt, wie vom Leben gezeichnet und fügt sich wunderbar ein in die recht düstere Stimmung der Songs. Getragen wird der Stil der Band auch von einem warmen Cello-Sound – ein passender Gegenpol zur sonst typischen Rock-Besetzung. Auch textlich lassen sich die Songs eher in den dunkleren Spären verorten: Es geht um Depression, Ängste, Einsamkeit. Dennoch hört man gern zu und bleibt fasziniert vom musikalischen Stil der Band zurück.

Fazit: Sperling passen sicherlich eher in die nahende dunkle Jahreshälfte als in die Sommermonate. Die Musik ist mal aufgewühlt, mal sanft und meist liegt über allem ein spannendes Knistern in der Luft.