Socha Beag: Alternative aus Frankfurt

Obwohl der Sound von Socha Beag recht eigen ist, hat man ihn schnell im Ohr. Grund dafür ist unter anderem eine ganz besondere Stimme.

Nachdem Socha (Gesang) und Wolle (Gitarre) 2014 den Grundstein für die Band legten, schlossen sich vor zwei Jahren schließlich Schlagzeuger Jens und Bassist Marc an. Frisch gibt es von den vieren gerade ein neues Album zu hören. Dessen Titel The Time of Unrest gibt auch schon einen Hinweis auf die Stimmung der Musik.
Auch wenn man Socha Beag bei ihrem eigenwilligen Sound nicht einfach als Rockband abstempeln kann, macht sich das eingespielte Team einer Band mit klassischer Rock-Instrumentation schnell bemerkbar. Gitarre, Bass und Schlagzeug wissen Spannung aufzubauen und sorgen fürs Setting, zwischendurch wird ein Solo eingestreut. Besonders charakteristisch für Socha Beag ist allerdings der ausdrucksstarke Gesang von Frontfrau Socha, die einen mit einer tiefen, rauen Stimme in ihren Bann zieht.

Fazit: Während man es bei anderen Bands vielleicht kritisch beäugen würde, ist es bei Socha Beag kein Problem, wenn ein Song mal die Sieben-Minuten-Marke knackt. Eine tolle Band, Texte mit Message und eine faszinierende Stimme machen die Musik zu einem spannenden Gesamtpaket.

B104: Jung, frech und wild

Von Lübeck bis zur polnischen Grenze verläuft die Bundesstraße 104. Dazwischen führt sie auch durch den Heimatort von fünf Jugendfreunden, die seit vier Jahren zusammen Musik machen. Den Namen der Bundesstraße haben die fünf schließlich kurzerhand als Bandnamen adaptiert.

Ihr erstes Konzert haben B104 noch im Café der Eltern ihres Bassisten gespielt. Inzwischen haben Daniel Derda (Gesang) William Kratzkie (Sprechgesang) Dennis Derda (Gitarre) Hermann Bunde (Schlagzeug) und Sven Paulsen (Bass) um die 100 Konzerte vorzuweisen und kürzlich ihr Debut-Album 2020 herausgebracht.
In ihren Texten beschäftigen sich B104 mit politisch aufgeladenen Themen wie der Flüchtlingskrise oder Polizeigewalt. Die Musik dazu ist – ganz im Protestsong-Geist – laut und voller Power. Da wird der Text auch mal mehr gegrölt als gesungen, der Drummer prescht voraus und Gitarre und Bass bringen aufgeheizte Stimmung in die Tracks.

Fazit: B104 eigenen sich absolut nicht dazu, sie leise zu hören. Ein schönes Motto geben uns die fünf in ihrem Song „Panik“ übrigens auch noch mit auf den Weg: „Und klappt’s nicht, wie du willst, geht auch die Sonne wieder auf.“

Punch Drunk Poets: Poesie mal anders

Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poets beweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.

Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen.
Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.

Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.

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Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Urban Project: Aachener Sound-Labor

Mit simplen Pop-Strukturen gibt sich beim Urban Project aus Aachen keiner zufrieden. Hier wird ausprobiert und an Klängen gewerkelt – die ein oder andere Dissonanz und eingebaute Stimmungswechsel bringen extra Pepp in die Songs.

Die Basis der Band bilden Gitarrist Urban Elsässer und die Sängerin, Komponistin und Texterin Yen Hwei Bella Anetzberger. Zu diesem Grundstock gesellten sich seit 2015 bereits verschiedene weitere Musiker, bis sich inzwischen eine feste vierköpfige Besetzung mit Bassist und Schlagzeuger eingependelt hat. Zwei Platten hat die Band schon auf Vorrat, die dritte ist in der Mache.
Beim Urban Project geht es rockig zu, die Tracks der Band sind nicht aber unbedingt Songs, die leicht ins Ohr gehen. Urban Project spielen mit dem Ungewohnten, kombinieren melodische Phrasen mit Brüchen. So entsteht eine besondere Spannung und die Musik bekommt eine eigene Note. Auch musikalisch wissen die vier fraglos, was sie machen.

Fazit: Für das Urban Project ist Langeweile ein Fremdwort. In ihrer Musik passiert ständig etwas und auch Genregrenzen legen die vier neu aus.

Behind The Scenes | Am Set beim Musikvideodreh

Unter dem Stichwort Behind The Scenes veröffentlichen wir von jetzt an Hintergrundreportagen aus der Musikwelt. Den Start machen wir mit der Frage: Wie entsteht ein Musikvideo?
Welches Thema sollen wir im nächsten Behind The Scenes angehen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

© 2020 Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

Es ist eine bitterkalte Nacht Anfang März. Mitten in einer norddeutschen Kleinstadt stehen zwei maskierte Gestalten vor einer Villa. Ein Mercedes kommt die Straße entlang gefahren, alles lässt darauf schließen, dass hier gleich eine Straftat begangen wird. Bis eine Stimme die nächtliche Stille durchbricht: “Jungs, könnt ihr ein bisschen mehr ins Licht gehen?” 
Es ist der junge Musiker Fritz Hazy, der den zwielichtig aussehenden Gestalten aus dem Auto heraus Regieanweisungen über sein Telefon gibt. Statt ein Verbrechen zu begehen, dreht er zusammen mit ein paar Kumpels ein Musikvideo zu seiner neuen Single „Black Days“. Neben ihm im Auto sitzt seine Freundin und übernimmt die Rolle der Kamerafrau. 

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Mykket Morton: Soundmix auf eigene Faust

Kassel, 2016, Kleinstadtromantik und mittendrin vier Jungs mit Cello, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das ist die Geschichte von Mykket Morton. Schon der schwedisch-englisch-deutsche Name („mycket-mor(e)-ton“ = sehr viel mehr Ton) lässt auf einen besonderen Soundmix schließen. Der möchte sich genremäßig in keine Schublade stecken lassen und lieber irgendwo zwischen Indie, Folk, Ska und Swing ein eigenes Ding machen.

Vor vier Jahren nahmen Claudio, Philipp, Julian und Marc ihr Debütalbum New World auf und gründeten für die Veröffentlichung kurzerhand das Label Viel Mehr Ton. Als „work in progress“ beschreiben sie ihre Musik: unperfekt, unpoliert, ehrlich, authentisch. Die stürmisch-wechselhafte Klangfarbe nimmt man den Jungs ab – auch mit Chorbegleitung beim Gig in der Waldorfschule.
Was als Projekt zweier Kindergartenfreunde begann, ist längst zu größeren Narrativen geworden. Die selbstgeschriebenen Texte erzählen vom Lieben, Scheitern und von Erfahrungen, in denen man auch immer wieder sich selbst finden kann. Das passiert manchmal rockig, manchmal traurig, aber immer tanzbar. Mykket Morton schaffen es, diese Geschichten auch audiovisuell künstlerisch zu verarbeiten. Der Clip zu „Stranger“ zieht den Betrachtenden etwa auf melancholisch-beschwingte Weise in ein kleines Nussschalenboot umgeben vom Wellengang. Wechsel in der Rhythmik bauen zusammen mit dem Fokus auf Gesang, Gitarre und Percussion eine Spannung auf, die unbeschwert daherkommt. In verschiedenen Tracks stellen die vier zugleich unter Beweis, wie gut sich Mehrstimmigkeit anhören kann. Die facettenreichen Klänge harmonieren und erzeugen Energie, Tiefe und Komplexität.

Fazit: Wer wissen will, wie sich Spontanität und Lebensfreude in Tönen anhört, der ist bei Mykket Morton mit ihrem neuen Lied „Where I Go“ an der richtigen Adresse. Sehr sympathisch auch Philipps Bericht, den er mit Nutellabrot im Mund abgibt: „Wir haben einen neuen Song gemacht, der war eigentlich schon ganz geil. Und dann haben wir den dann doch komplett umgeschmissen. Und jetzt ist er noch geiler. Und haben dann gestern wirklich sehr, sehr spät mal hemmungslos zu diesem Song getanzt. Wir mussten einfach mal tanzen.“ Der Platz außerhalb der Schubladen – so mühselig er manchmal ist, Spaß machen muss er auf jeden Fall.

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Ghetto Royal: Hau-drauf-Rock

Ghetto Royal sind laut, massig im Klang und nicht gerade Kuschelrock.

Die Passauer Band um Frontmann Michael Ammon stand schon mit den Sportfreunden Stiller, Max Herre und Revolverheld auf der Bühne. Gerade veröffentlichen Ammon, Tobias Bumberger (Gitarre), Christina Gawlas (Bass) und Florian Höng (Drums) munter Single auf Single bis im Herbst die Veröffentlichung ihres ersten Albums auf der Agenda steht. Bis dahin soll auch noch mal getourt werden.
Zur Musik: Ghetto Royal dreschen geradezu nach vorne. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit wenigen Verschnaufpausen wird mit treibendem Schlagzeug und jeder Menge Overdrive durch die Songs geheizt. Oben drauf gibt’s deutsche Texte und rockige Coolness.

Fazit: Leise hören kann man Ghetto Royal nicht. Deshalb: Laut aufdrehen und mit Karacho volle Kraft voraus.

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Imwido: bunte Combo aus München

Zu acht kann es ganz schön eng werden auf einer Bühne. Eine Rockband-Besetzung plus eigenständiger Bläsersection ist aber einfach eine feine Sache. Dabei machen Imwido weder klassischen Rock, noch bayerische Blaskapelle, sondern ganz einfach ihr eigenes Ding.

Kreative Köpfe von Imwido sind Sänger und Texter David Schneider und der Gitarrist, Songwriter und Arrangeur Martin Bammler. Unterstützung erhalten die beiden von einem weiteren Gitarristen, Drummer und Bassist. Eine Bläsersection aus Trompete, Posaune und Saxophon gibt es on top. Seit 2017 hat die Band außerdem ein Album im Angebot und wer im Süden der Republik wohnt, hat regelmäßig die Chance, die Band auch mal live spielen zu sehen.
Die Rhythmen von Imwido ziehen ganz klar nach vorne. Tempo ist garantiert, ebenso gute Stimmung und Texte, die zum Schmunzeln bringen (auch der Dialekt wird mal ins Spotlight gestellt). Auch genremäßig toben sich Imwido aus: hier ein bisschen Reggae, da etwas Funk, rockige E-Gitarren-Riffs, deutscher HipHop-Sprechgesang und viel Spaß am Offbeat-Groove. Die kleine Bläsersection darf bei Imwido auf keinen Fall fehlen – dank ihnen gibt es noch eine Portion mehr Drive und eine gut abgeschmeckte Klangbasis.

Fazit: Imwido zu hören macht gute Laune. Versprochen.

Soeckers: Münsteraner Garagen-Sound

Was die Bandmitglieder von Soeckers von Anfang an verbunden hat, ist nach eigener Aussage „das Bedürfnis, sich die Schnapsflasche bei Songs zu teilen, die mehr Vinyl als MP3 sind“. Na dann Prost!

Ihr VW-Bus hat die Band schon zu an die 100 Konzerten gebracht – Studioaufnahmen waren bisher allerdings noch Mangelware. Das soll sich 2020 ändern, wenn die vier wie geplant ihr Debutalbum veröffentlichen. Als Weihnachtsgeschenk und Vorbote haben sie mit „Halt mich“ eine erste Single vorgestellt.
Diese Single lässt schon durchblicken, wo Soeckers mit ihrem Album hinmöchten. Die raue Stimme des Sängers erinnert an AnnenMayKantereit, der Text ist auf deutsch und die Begleitung gut abgeschmeckt: dreckiger Rocksound in der Gitarre, schön softe Übergänge im Bass, der Schlagzeuger baut den Klang zum Finale auf, kann sich aber auch zurückhalten.

Fazit: Eine Band, die schon so viel gemeinsame Live-Erfahrung hat, ist erwartungsgemäß gut eingespielt und auf einander abgestimmt. Zwar ist ein Album nun eine andere Geschichte (so ganz ohne Bühnenpräsenz und Publikum) – den Jungs vertraut man aber schnell, dass sie auch dafür ein Händchen haben. Die Single lässt jedenfalls schon einiges erhoffen.