The Zangwills: britische Rockhoffnung

Indie-Rock im ganz klassischen Sinne bringen The Zangwills mit. Zugegeben: Bei musikalischen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Cure oder The Strokes führt an diesem Stil wohl auch kein Weg vorbei…

Passend dazu warten The Zangwills mit typischer Rockformation auf. Jake Vickers (Vocals, Gitarre, Keyboard), Sam Davies (Gitarre) und Bassist Ed Dowling kennen sich schon aus der Schulzeit, Schlagzeuger Adam Spence ergänzt die Band seit 2017. In den vergangenen drei Jahren sind in dieser Konstellation auch mehrere Singles und zwei EPs entstanden.
Laut, massig und aufgedreht klingen The Zangwills in ihren Songs. Charakteristisch ist vor allem die Stimme von Sänger Jake Vickers. Insgesamt donnert die Band recht gnadenlos nach vorn, dennoch sind die Songs nicht allzu überladen. Zuhause in Großbritannien legen die vier auch in Sachen Fanbase zu, spielen auch mal ausverkaufte Konzerte und wurden nicht zuletzt von dem ein oder anderen BBC-Journalisten ins Auge gefasst.

Fazit: Was ihren Sound angeht sind die Zangwills mehr als zuverlässig. Auch als junge Band haben die vier schließlich schon eine ganz klare musikalische Vorstellung im Kopf.

Sperling: spannende DIY-Band

Eine markante Stimme, viel Atmosphäre und ein eigenwilliger Sound: Wer Sperling das erste Mal hört, kriegt die Band möglicherweise so schnell nicht aus dem Kopf.

Die fünf Jungs von Sperling verstehen sich als Do-It-Yourself-Projekt. Nach ersten kleineren Veröffentlichungen in den letzten Jahren plant die Band nun für Anfang nächsten Jahres ein Album.
Ob melodisch oder mit rhythmischem Sprechgesang: Die raue Stimme des Sängers klingt, wie vom Leben gezeichnet und fügt sich wunderbar ein in die recht düstere Stimmung der Songs. Getragen wird der Stil der Band auch von einem warmen Cello-Sound – ein passender Gegenpol zur sonst typischen Rock-Besetzung. Auch textlich lassen sich die Songs eher in den dunkleren Spären verorten: Es geht um Depression, Ängste, Einsamkeit. Dennoch hört man gern zu und bleibt fasziniert vom musikalischen Stil der Band zurück.

Fazit: Sperling passen sicherlich eher in die nahende dunkle Jahreshälfte als in die Sommermonate. Die Musik ist mal aufgewühlt, mal sanft und meist liegt über allem ein spannendes Knistern in der Luft.

Red Ivy im Interview: „Ein absoluter Vorteil von Dörfern ist der Zusammenhalt.“

Seit der Schulzeit machen die fünf Mitglieder von Red Ivy aus der Nähe von Dortmund gemeinsam alternativen Pop-Rock mit dynamischen Schlagzeugrhythmen, pulsierenden Gitarrenklängen und kräftigem Gesang. Sowohl in ihrer Heimat als auch überregional hat sich die Band bereits durch Konzerte wie dem hessischen Open Flair Festival eine Fanbase erspielt. Wegen der aktuellen Pandemiesituation mussten die fünf sich nun das erste Mal bei den Proben umstellen, Pläne für neue Songs und Musikvideos gibt es aber trotzdem. Die Lead-Sängerin der Band, Hannah Wetter, hat uns im Interview erzählt, wie es ist, auf Dorffesten zu spielen, was die Coronakrise für die Band verändert hat und wie sich die Musik mit Arbeit und Studium unter einen Hut bringen lässt.

vier Männer und eine Frau farbig angestrahlt
© Red Ivy

Musik unterm Radar: Red Ivy gibt es nun schon fünf Jahre. Wie habt ihr euch eigentlich als Band gefunden?

Hannah Wetter: Wir waren damals alle auf der gleichen Schule in der Kleinstadt Werne und dann kam irgendwann der Tag, an dem ein Lehrer uns zusammengetrommelt hat und gesagt hat: „So, ihr gründet jetzt eine Band.“ Ich als Jüngste habe das Singen übernommen und seitdem haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren.

Mir als „Dorfkind“ brennt da natürlich direkt eine Frage unter den Fingernägeln: Wie habt ihr die Musikszene auf dem Land empfunden? Hattet ihr da auch den klischeehaften Auftritt in der Scheune oder auf Dorffesten?

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Kamee Kazee: brandneues Rock-Projekt

Kamee Kazee sind noch ganz frisch im Geschäft: Erst vor kurzem wurde die Band gegründet, die erste Single „Anima Sola“ ist gerade mal wenige Tage alt.

Mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit im Video zu „Anima Sola“ warten Kamee Kazee aus Leipzig mit einer interessanten Idee auf und geben so schon einmal einen Eindruck vor, wo es künstlerisch noch hingehen könnte. Schließlich sollen in den kommenden vier Monaten noch vier weitere Singles plus jeweils ein zugehöriges Musikvideos folgen.
Schon die Gitarrenmotive in „Anima Sola“ gehen schnell ins Ohr. Der Gesang hat eine gewisse Schärfe und prägt den Charakter der Musik. Mit einer etwas düster-mysteriösen Stimmung machen Kamee Kazee so insgesamt spannenden Alternative-Rock.

Fazit: Bei Kamee Kazee bietet sich die Möglichkeit, den Werdegang einer vielversprechenden Band ganz von Anfang an zu verfolgen.

Call Us Janis: Bahn frei fürs innere Kind

Die Truppe Call Us Janis aus Kassel steht für Indie-Rock mit Tanzrhythmen.

Mit zwei Lead-Sängern, Gitarren, Bass und Schlagzeug kommt die Band auf fünf Mitglieder. Neben ihrer ersten EP Do You Wanna Dance With Me? aus dem Jahr 2018 haben Call Us Janis vereinzelte Singles herausgebracht.
Die Refrain-Melodien der Band gehen genauso wie die eingestrickten Instrumentalideen und Riffs leicht ins Ohr. Dank der zwei Sänger fließen weiter unterschiedliche Konzepte mit ein – ob klassischer Frontmanngesang, Zweistimmigkeit oder Rap-Einlagen. Auch nimmt sich die Band erfrischenderweise selbst nicht zu ernst. Ihr Merchandise preisen Call Us Janis auf Facebook beispielsweise mit einer eigens gedrehten Dauerwerbesendung an. Das innere Kind lassen sie schließlich in ihrer neuen Single „Ecstasy“ vollends von der Kette: Unbeschwert und furchtlos klingen sie in den Lyrics und auch das zugehörige Video entstand mit ausgelassener Stimmung bei einem feuchtfröhlichen Wochenende im Wald.

Fazit: Statt auf alte Schubladen zu setzen, bauen sich Call Us Janis ihr eigenes Genre zusammen wie aus Legosteinen: Rock trifft auf Rap, Mitsingmelodien auf funkige Riffs, tanzbare Beats auf Stimmungswechsel.

The Honeyclub: Rock’n’Roll-Spirit aus Bochum

Drei begeisterte Musiker aus dem Ruhrpott haben sich zusammengetan, um nach eigener Aussage nicht weniger als eine „Rock’n‘Roll-Revolution“ auf die Beine zu stellen.

Die junge Band hat sich 2019 als The Honeyclub gegründet und räumte direkt ein knappes Jahr später in ihrer Heimat den ersten Platz als „Campus Ruhrcomer“ ab. Die erste EP Chemistry, Baby! haben Leadsänger und Gitarrist G. Lou, Bassist Bo J. Al und Drummer Feety Joe im September 2020 veröffentlicht.
Die drei Musiker vom Honeyclub haben sichtlich Spaß am musikalischen Stil der 50er und 60er Jahre. Neben Rock’n’Roll-typischen Werkzeugen wie den klassischen Akkordfolgen, Fokus auf der E-Gitarre, rauem Gesang und Songzeilen à la James Brown („Oh Baby, please, please, please | you got me on my knees“) mischen die Clubmitglieder auch ihre eigene, moderne Prägung bei.

Fazit: Der Honeyclub trägt Musik und Spirit des Rock’n’Roll mit viel Elan und Herzblut in die heutige Zeit und bleibt trotzdem dem Kern des Genres treu.

Mulberry Sky: Bluesrock mit Charakter

Nach einer Hochburg für Rockbands klingt Bruckmühl eigentlich nicht gerade. Dennoch ist der Ort südlich von München die Homebase von vier überzeugten Rock- und Bluesfans.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass sich Sängerin Catherine van Bruce dort über Social Media auf die Suche nach Bandmitgliedern in spe machte. Gefunden haben sich daufhin Dom Raygun, Simon Petrosa und Lucky Lerchl. Als Mulberry Sky haben die vier bald erste Songs zusammen aufgenommen, die im Frühling diesen Jahres auf ihrer Debut-EP landeten. Statt nun wie geplant Konzerte zu spielen, hat die Band im Pandemiejahr ihre Energie in eine neue Single gesteckt.
Frontfrau Catherine van Bruce hat eine Stimme mit Power. Mit ihrem voluminösen, ungeschliffenen Sound klingt die Sängerin schon fast verwegen. Dazu kommt der herbe E-Gitarren-Klang, treibende Drums und stabiler Bass – kurz: Mulberry Sky haben ein Herz für feinsten Bluesrock. Die neue Single „Golden Suit Problems“ reiht sich schön in den Stil der ersten EP ein, was kaum verwundert: Tatsächlich ist der Song eine Weiterentwicklung der ersten gemeinsam aufgenommenen Demo der Band.

Fazit: Mulberry Sky wissen, was sie wollen. Die Songs machen Laune, die Musik ist gut abgeschmeckt, der Sound ist charakterstark.

Sie kamen Australien: Allerneuste Deutsche Welle

Synthesizer, Beats, Bass und deutsche Texte: Drei Nordlichter beleben die 80er wieder.

Ein Jahrzehnt sind Stimme, Stulle und Henner, wie sich die drei Köpfe hinter Sie kamen Australien nennen, nun schon musikalisch miteinander unterwegs. Das Debut-Album der Truppe aus Kiel gibt’s seit 2016 und heißt Peter ist der Wolf. Im vergangenen Jahr kam mit Mit den Gesetzen dieser Welt die letzte größere Veröffentlichung des Trios heraus.
Stetige Drums, ordentlich Synthies und eine gesunde Portion abgeklärte Lässigkeit gehören für Sie kamen Australien und ihre NDW-Songs dazu. Das ist nicht immer melodisch – bestes Beispiel dafür ist die für Anfang Oktober geplante Single „Das Resultat“. Dafür toben sich die drei in ihrem Genre richtig aus, werden auch mal politisch und setzten nicht nur in der Begleitung, sondern auch im Gesang auf scharfe Rhythmik.

Fazit: Von Sie kamen Australien kommen tanzbare Beats, Musik mit Ecken und Kanten und eine Retro-Stimmung inklusive Augenzwinkern.

Call me Brutus: Rock on fire

Es wird laut. Call me Brutus haben eine neue EP am Start und sie fetzt.

Die Mitglieder der Punk-Rock-Band Call me Brutus aus Sindelfingen bei Stuttgart sind keine Neulinge mehr im Geschäft: Wäre dies ein normales Jahr, hätten sie im kommenden Dezember ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Geburtstagskonzert gefeiert. Dafür haben Barney, Basti, Dani, Felix und Micha in ihrem Jubiläumsjahr jetzt eine frische EP herausgebracht. Double Exposure heißt das Werk, das die Band am 4. September veröffentlicht hat.
Mit ordentlich Drums und rotzigen Gitarrensounds legen Call me Brutus punkig vor. Die Truppe drängt nach vorn, keine Zeit für Balladen. Überhaupt kann man sich beim Hören schnell ausmalen, was für eine Stimmung bei Konzerten der Band herrschen muss. Dazu vermitteln die fünf eine klare politische Message und halten es gern mit Andy Warhol: „Alles ist Kunst, solange man damit durchkommt.“

Fazit: Call me Brutus ist nichts zum Stillsitzen. Trotz Lautstärke und Klangdichte bekommt jedes Instrument seine Bühne – die langjährige Bandgeschichte zahlt sich aus.

Silent Attic: Indie-Rock in stilecht

Silent Attic glaubt man auf den ersten Blick erst mal mehreres nicht. Zum Beispiel, dass sie nicht etwa eine britische Band, sondern Nordlichter aus Flensburger sind. Oder dass die vier gerade mal seit 2018 zusammen Musik machen. Als eingespieltes Team kommt von der Band nämlich Indie-Rock, der sich gewaschen hat.

Die klassische Rock-Besetzung darf bei Silent Attic demnach nicht fehlen. Da wären also Sänger und Gitarrist Eros Atomus Isler, Gitarrist Leon Paul Paulsen, Bassist Benjamin Bajramovic und Drummer Maik Klink. Ihr erstes Album haben sie selbst produziert, Anfang Oktober folgt mit Escape eine EP.
Die Songs von Silent Attic sind geprägt von kräftigen Sounds. Sänger Eros weiß seine rauchige Stimme effektvoll einzusetzen. Gitarrenlastig wie es sich gehört gliedert sich der Stil der Band auch mutig in die Reihe mit den großen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Smiths oder Catfish And The Bottlemen ein. Auch mit der neuen EP halten die Jungs, was sie versprechen: authentischer Indie mit Drive und Rhythmus.

Fazit: Die vier von Silent Attic machen Indie-Rock wie er sein sollte – mit Spirit, sattem Sound und Biss.