The Ella: Pop-Punk-Duo

The Ella aus Chemnitz verarbeiten in ihren Songs Themen wie mentale Gesundheit, die Klimakrise oder toxische Beziehungen. Das Ganze verpacken sie in einer mitreißenden Indie-Britpop-Punk-Mischung.

Obwohl Gideon Liebmann und Filip Bayer schon gemeinsam im Kindergarten waren, brauchte es noch eine ganze Weile, bis die beiden so richtig einen Draht zueinander fanden. Geklappt hat es dann über die Musik. Als Jugendliche spielten sie gemeinsam in einer Band, ihr Duo The Ella gründeten die beiden 2019 während der Abizeit. Ihre erste EP steht gerade in den Startlöchern: Am 25. Februar erscheint Stereo Smoking.
Auf der EP zu hören sind fünf abwechslungsreiche Songs plus Intro. Sänger Filip singt die englischen Lyrics mit passiver Coolness. Darunter legt er mit der E-Gitarre rhythmische Akkorde, deren britischer Sound fasst ein bisschen trotzig wirkt. Drummer Gideon treibt mit seinen durchschlagenden Schlagzeugbeats die Songs voran.

Fazit: Drums, Gitarre, Vocals: Bei The Ella legt jede Komponente der Musik eine packende Rhythmik an den Tag.

damn!escape: Ein Rock-Quartett macht Dampf

damn!escape ist eine Rockband aus Lüneburg rund um den Sänger und Gitarristen Eddy. Nach ihrer EP Bad Treatment 2021 soll im Laufe dieses Jahres ein erstes Album mit dem Titel Devil’s Friend erscheinen.

damn!escape drehen richtig auf. Da darf natürlich die Rock-Besetzung schlechthin aus zwei rotzigen Gitarren, Bass und Drums nicht fehlen. Eddy legt Elan und Herz in seinen Gesang, die anderen unterstützen mit Backing Vocals. Alle vier sind aufgeladen mit Energie und stehen für handgemachten Classic Rock.

Fazit: Bei damn!escape merkt man sofort: Diese Truppe hat richtig Bock. Ein „Tritt in den Hintern“ soll ihre Musik nach eigener Aussage sein – für ein bisschen weniger tristen Alltag und mehr Adrenalin und Lebensfreude.

Fiesta Forever: Indie-Rock Retrostyle

Hinter dem Party-verdächtigen Bandnamen stecken vier österreichische Newcomer, die seit 2019 zusammen mucken. Erste Konzerte sind trotz Corona schon gespielt, auf die erste EP müssen wir dagegen noch ein kleines bisschen warten. Bis alle Aufnahmen im Kasten waren, hatten Fiesta Forever dabei nämlich mit einigen Steinen im Weg zu kämpfen – nach ersten quarantänebedingten Verschiebereien wurde ihnen auch noch der alte Chevy mit sämtlichen Instrumenten darin aus dem Halteverbot einkassiert. Ins Studio haben es die Jungs dann schließlich irgendwann doch noch geschafft und im Mai soll die EP dann endlich zu hören sein.

Ein eigentlich etwas nostalgisch wirkender Indie-Rock-Stil aus dicken Drums und garagiger E-Gitarre wird bei Fiesta Forever zu einem frechen Sound, der allemal in die Gegenwart passt. In ihren ersten Singles probieren die Bandmitglieder sich aus – und man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht. In „Volcano“ wird mit scharfen Dissonanzen experimentiert und der Song sprudelt vor Übermut zeitweise fast über, „In Vain“ ist melodischer und lässt etwas Melancholie anklingen.

Fazit: Fiesta Forever preschen ohne Rücksicht auf Verluste nach vorn. Ausgebremst durch die Pandemie stehen die Vier noch am Anfang ihrer Laufbahn, dafür kann man die Band 2022 durchaus im Auge behalten.

The Districts: sphärischer Rock

In ihren Musikvideos strahlen The Districts zuweilen eine gewisse emotionale Teilnahmslosigkeit aus. Diese Art der rockstarhaften Coolness mag nicht bei jedem funktionieren, dem Trio nimmt man sie aber gerne ab – auch deshalb, weil sie bei ihrer Musik dafür ganz bei der Sache sind.

Angefangen haben The Districts in Pennsylvania als Schülerband, die sich ganz dem Classic Rock verschrieben hatte. Die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums hat die Band 2012 noch allein gestemmt. Inzwischen sind sie bei Fat Possum Records unter Vertrag – dort erscheint im März auch ihr neues Album Great American Painting. Aktuell sind die drei auf Tour in Europa unterwegs, Mitte Februar verschlägt es sie auch für ein paar Gigs nach Deutschland und in die Schweiz.
The Districts haben über die Zeit einen charakteristischen Sound aus kaum erwartbaren Melodien, vielseitigen Gitarrenmotiven, markanter Bass Drum und in den Hintergrund eingestreuten musikalischen Details fabriziert. Insgesamt haben die Songs der Band trotz der rockigen Wurzeln etwas Sphärisches. Passend dazu sind auch die Musikvideos oft eher abgedreht und unkonventionell.

Fazit: The Districts experimentieren mit Rock-Sound in verschiedensten Facetten.

Marc Amacher: ungeschliffener Blues-Rock

Nachdem er seine erste Gitarre als Kind von seinem Großvater geschenkt bekam, brachte sich Marc Amacher selbst das Spielen auf dem Instrument bei. Seine Leidenschaft für die Musik – und ganz besonders für die bluesigeren Töne – hat seitdem nicht abgelassen.

Mit seinem Album Roadhouse sackte Marc Amacher 2019 den Preis der deutschen Schallplattenkritik ein. Ende Januar kommt das neue Album Grandhotel heraus. Eine besondere Ehre wurde Marc Amacher ebenfalls 2019 zuteil, als er bei drei Konzerten von Gitarren-Großmeister Eric Clapton als Vorband auftreten durfte.
In seinen Songs lässt einen die rauchige Stimme von Anfang an in den Sphären des Blues versinken. Amacher lässt sich Zeit mit seiner Musik, der Schlagzeug-Beat weist stampfend den Weg, eine verzerrte E-Gitarre dröhnt von weither und der Gesamtklang ist kantig und ungeschönt.

Fazit: Wie auf einer Zeitreise fühlt man sich beim Hören von Marc Amachers rauen, unverfälschten Songs.

Matija: Zwischen Extase und Melancholie

Angefangen haben Matija mal als Schülerband. Inzwischen haben sich die Münchner mit ihrer Mischung aus ganz eigenem Sound und Retroanklängen einen Namen gemacht.

Frontmann und Sänger von Matija ist Matt Kovac, Jan Salgovic liefert Gitarre, Piano und Synthesizer dazu und Sami Salman sorgt für die Beats. Bei Bedarf werden auch mal Flöte oder Orgel rausgeholt. Die drei machen schon seit der Schulzeit zusammen Musik. 2017 erschien das erste Album byebyeskiesofyesterday, außerdem spielten sie auf diversen Festivals und traten als Vorband von Bands wie The 1975, Wanda und Catfish & The Bottlemen auf.
Ihre Musik verortet die Band selbst auf dem Indie-Spektrum irgendwo zwischen Extase und Melancholie. Auf jeden Fall gehen die Melodien leicht ins Ohr und Matija haben merklich Spaß daran, sich auszuprobieren und mit verschiedenen Sounds zu spielen. So kommen ganz unterschiedliche Ergebnisse heraus – auf der einen Seite etwa das temporeiche, tanzbare „Ultrasuede“, auf der anderen Seite ruhige und träumerische Songs wie „byebyeskiesofyesterday“ oder „absolutelynothing(today)“.

Fazit: Der Sound Matija lässt sich nicht so einfach festnageln. Auf Sänger Matt und seine charakteristische Stimme ist Verlass, ansonsten toben sich die drei in verschiedene Richtungen aus – langweilig wird’s dabei also auf jeden Fall nicht.

Sid Vision: rebellischer Prog-Rock

Wege des geringsten Widerstands sind nichts für Sid Vision. Statt auf Triviales wie Reime oder erwartbare Kadenzen zu setzen, holt der Berliner Sänger und Multiinstrumentalist lieber die musikalische Wundertüte hervor, wo immer sie gebraucht wird.

Zu seinem Stil gekommen ist der Musiker letztendlich auch über Umwege: Eigentlich war eine Karriere als Drummer geplant, als ihm ein gebrochenes Handgelenk einen Strich durch die Rechnung machte. Glücklicherweise dachte Sid Vision gar nicht daran, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern widmete sich von da an lieber Songwriting und Gesang – zwischendurch von seinem Bruder an den Drums unterstützt, inzwischen mit eigener Band.
Sid Visions Songs sind eigenwillig, aufbrausend, mutig. Die hohe Stimme des Sängers legt sich über finstere Tiefen, verschiedenste Instrumentation und tobende Rhythmen. Eisern stemmt sich Sid Vision dabei gegen jeglichen Versuch, seiner Musik ein Korsett aus musikalischen Formen oder gar Genres aufzuzwängen und erfindet stattdessen einen unvorhergesehenen Bruch nach dem anderen.

Fazit: Die Musik von Sid Vision transportiert einen ultimativen Freiheitsdrang. Jeder Song ist anders und regelmäßig wird man überrumpelt, ob von den plötzlichen Wechseln oder der faszinierenden Melodieführung.

John Garner im Interview: „Die Musik hat uns wieder auf den richtigen Pfad gebracht.“

Hinter dem Namen John Garner verbirgt sich eine fünfköpfige Band, die sich mit energiegeladenen Folk-Rock-Songs und dreistimmigem Gesang eine Fanbase erspielt hat, die weit über ihre Homebase Augsburg hinausreicht. Am 8. Oktober veröffentlicht die Band ihr neues Album Heartbeat. Sängerin Lisa hat sich die Zeit genommen, einen Einblick in den John-Garner-Kosmos zu geben. Ein Gespräch über Herz und Verstand, die Schattenseiten des Bandlebens und natürlich, was uns auf dem neuen Album erwartet.

Die drei Gründungsmitglieder von John Garner: Lisa, Stefan und Chris.
© Robert Hagstotz

Musik unterm Radar: Liebe Lisa, am Freitag erscheint euer neues Album, seid ihr schon aufgeregt?

Lisa: Es ist gar nicht die Art von Aufregung, bei der man total nervös ist, sondern eher so, dass wir es nicht erwarten können. Wir mussten den Release coronabedingt verschieben und haben vorher auch schon lang an dem Album gearbeitet. So wartet das Album eigentlich seit zwei Jahren darauf, endlich fertig zu sein und deshalb freuen wir uns jetzt einfach sehr drauf. Unsere letzte EP kam an dem Tag, an dem in Bayern der erste Lockdown ausgerufen wurde. Das war ein Freitag, der 13. Das merken wir uns jetzt auch, dass das kein gutes Releasedatum ist (lacht).

Du weißt ja selber, wie unstet danach alles wurde. Wir konnten keine Releasekonzerte für Heartbeat planen, wir konnten die Platte nicht mit auf Tour nehmen und hatten Angst, dass sie total untergeht. Wir haben uns dann entschieden, noch ein bisschen zu warten, weil sie es wirklich wert ist, dass sie nicht zwischen Lockdown und Bundestagswahl in Social Media vergraben bleibt und sie keiner zu hören bekommt. Deshalb haben wir sie tatsächlich um fast ein Jahr verschoben.

Was hattet ihr euch für Heartbeat vorgenommen, wie das Album klingen sollte? Und seid ihr jetzt zufrieden mit dem Ergebnis?

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Musik-News: Neues Album von Please Madam

Die Fakten:

Das ist neu: Album Angry Boys, Angry Girls (VÖ 10.9.21)
Das steht an: Tour im Oktober/November

Die Analyse

Los geht’s bei Angry Boys, Angry Girls mit dem sanften Opener „Honesty“. Nach und nach steigert sich die Platte hin zu etwas mehr Tempo und einem von Gitarre und Schlagzeug bestimmten Sound. Prägend ist außerdem die eindringliche Stimme von Sänger Dominik. Festnageln lassen sich die Vier von Please Madame auf ihrem dritten Album aber nicht, stattdessen gibt es eine bunte Palette zu hören: Bei der jüngsten Single-Auskopplung „Talk The Other Way“ kommt ein Bläsersatz zu Wort, stampfende Drums hören wir bei „Comfort“ und in dem ruhigen „So Much Better“ brechen sie ganz mit ihren rockigen Wurzeln und lassen Akustikgitarre und Mehrstimmigkeit übernehmen. Auch inhaltlich haben Please Madame etwas zu sagen und beschäftigen sich etwa mit Themen wie Emanzipation, Solidarität und Selbstbestimmung.

Future Radio: Punk-Rock aus Südafrika

Bei Future Radio haben sich zwei gefunden, die künstlerisch auf einer Wellenlänge sind. Musikalisch holen sie alles raus, was ein Rock-Duo so hergeben kann und probieren sich in ihren Videos gleichzeitig mit visueller Kunst aus.

Hinter Future Radio stecken Johnny Future und Drikus Roets aus Südafrika. Ihr erstes Album Freedom erschien 2020, das nächste soll kommendes Jahr folgen. Neben ihren eigenen Songs sind sie auch mit Covern wie ihrer Version von Zombie von den Cranberries erfolgreich.
Gitarrenriffs mit Power werden bei Future Radio eingebettet in monumentalen Gesamtklang. Essenziell sind auch die mitsingtauglichen Melodien und die ungeschliffene Stimme von Sänger Johnny. Gleichzeitig leben sich die beiden nicht nur musikalisch, sondern auch künstlerisch aus, wenn es um ihre Videos geht. Zusätzlich zum Debüt-Album veröffentlichten sie etwa einen von Drikus eigens animierten Kurzfilm. Die einzelnen Tracks ihres Albums brachten sie außerdem mit Musikvideos als Episoden einer ersten Staffel heraus. Die zweite Staffel ist mit einer ersten Single des neuen Albums auch schon angelaufen.

Fazit: Future Radio mit ihrer klanggewaltigen Art lassen sich kaum auf niedriger Lautstärke hören. Denn wie es sich für zukunftsgewandten Rock gehört, rasen die beiden ungebremst nach vorn.