Ghetto Royal: Hau-drauf-Rock

Ghetto Royal sind laut, massig im Klang und nicht gerade Kuschelrock.

Die Passauer Band um Frontmann Michael Ammon stand schon mit den Sportfreunden Stiller, Max Herre und Revolverheld auf der Bühne. Gerade veröffentlichen Ammon, Tobias Bumberger (Gitarre), Christina Gawlas (Bass) und Florian Höng (Drums) munter Single auf Single bis im Herbst die Veröffentlichung ihres ersten Albums auf der Agenda steht. Bis dahin soll auch noch mal getourt werden.
Zur Musik: Ghetto Royal dreschen geradezu nach vorne. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit wenigen Verschnaufpausen wird mit treibendem Schlagzeug und jeder Menge Overdrive durch die Songs geheizt. Oben drauf gibt’s deutsche Texte und rockige Coolness.

Fazit: Leise hören kann man Ghetto Royal nicht. Deshalb: Laut aufdrehen und mit Karacho volle Kraft voraus.

Lina Button: moderner Synth-Pop

Am Pop-Himmel schimmert etwas: Lina Button aus der Schweiz ist auf dem Weg, die Musikszene zu verzaubern. Und das auf lässig-verspielte Weise und trotzdem mit Tiefgang.

Drei Alben hat Lina Button schon veröffentlicht und auf das vierte muss man auch nicht mehr lange warten: Anfang April erscheint Who’ll Be There? und bis dahin kann man sie in der Schweiz noch auf einer Handvoll Konzerten live sehen. Zweimal war die Musikerin schon für den Swiss Music Award nominiert, der Radiosender SRF 3 ernannte sie zum „Best Talent“.
Lina Button macht Gute-Laune-Pop. Aber nicht die oberflächliche Variante, die man gleich im Kopf hat. Button schleift Töne soulig an, sie kann durchdringende oder akustisch-sanftere Töne anschlagen, singt aber immer mit einem kräftigen Selbstbewusstsein, das sie durchaus zu Recht hat. Ihre Texte schreibt sie selbst und sie treffen sicher den Nerv ihrer Generation: Nachtwanderungen durch die Großstadt, Sehnsucht nach Freiheit, problematische Beziehungen.

Fazit: Ob akustisch oder elektronisch – Lina Button überzeugt auf ganzer Linie mit einer tollen Stimme.

Wodu: jazziger Indie mit Großstadt-Flair

Bei der Musik von Wodu wird man schnell hellhörig. Eine tolle Band mit einer tollen Sängerin an der Spitze jazzt und groovt sich durch Berlin und den Rest der Republik.

Hinter dem Namen Wodu verbergen sich Sängerin Natalie, Bassist Gabriel, Gitarrist Rizzi, Hendrik an den Drums und Hannah am Cello. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 haben die fünf einiges an Banderfahrung gesammelt: Zwei EPs sind entstanden, live waren sie neben Konzerten in ihrer Homebase Berlin auf verschiedenen deutschen Festivals zu sehen und auch europaweit waren sie schon auf Tour. Am 5. März veröffentlichen sie ihr erstes Album Wo sind wir denn? und feiern die Release gleich noch mit einem abendlichen Konzert in der Berliner Junction Bar.
Die Mitglieder von Wodu sind jeder für sich bemerkenswerte junge Musikerinnen und Musiker. Stimmlich überzeugt Sängerin Natalie mit viel Volumen und Power, die Gitarre stellt eine funkige Basis bereit, der Schlagzeuger fängt Atmosphäre ein und sorgt gemeinsam mit dem Bassisten für stabilen Drive. Besonders das Cello ist eine tolle Ergänzung der Jazz-Besetzung und bietet mit schönem Streich-Hintergrund einen entspannenden Gegenpol zu den kräftigen Sounds der Bandkollegen. Zwischendurch lässt sich die Combo außerdem von Bläsern Akzente setzen und in instrumentalen Phasen ohne Gesang kommen alle Instrumente zum Zug.

Fazit: Wo sind wir denn? ist eine absolute Empfehlung. Softer Jazz, funkige Akkorde, etwas junger Indie-Spirit – alles aber sehr eingängig, abwechslungsreich und alles andere als jazz-typisch verkopft.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Wodu
    • 2020 Debut-Album Wo sind wir denn? (VÖ 5.3.)
  • Umleitung:

Wir möchten wissen, ob euch Musik unterm Radar gefällt und was noch besser werden soll. Deshalb bitten wir um euer Feedback. (Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Fullax: Indie-Pop auf eigene Faust

Fullax – so nennt man in Nordhessen einen Faulpelz. Auch wenn eine gewisse Gemütlichkeit herauszuhören ist, sind die zwei Musiker aus Kassel im Gegensatz zu ihrem Namen aber ziemlich aktiv.

„Do It Yourself“ ist das Motto von Julian Giese an Gitarre, Synthesizer und Gesang und seinem Bandkollegen und Drummer Jonas Hoppe. Im eigenen Studio wird aufgenommen, auch produziert und gemischt werden ihre Songs in Eigenregie. 2017 gab es eine erste EP, neulich haben die zwei mit einem einzelnen Song mal wieder von sich hören lassen.
Fullax machen ihre Musik auf sympathische Weise frei nach Schnauze. Da treffen deutsche Texte auf rhythmische Pop-Melodien, lässiger Indie-Vibe und gerade in den Videos auch Retro-Anklänge auf einen modernen Stil. Funkig abgerissene Gitarren-Chords machen den Weg frei für verträumte Synthies und ein bisschen episches Lebensgefühl darf auch mal sein.

Fazit: Mit Fullax kommt frischer Wind ins Haus: mit gutem Gespür für Sounds und Drive machen die beiden Indie-Pop im Elektro-Gewand.

Mit diesem Beitrag startet die Umfrageserie „Wie wünscht ihr euch Musik unterm Radar?“ Wir versuchen euch eine möglichst große inhaltliche und musikalische Bandbreite zu bieten und möchten deshalb gern wissen, was euch am meisten anspricht. Um eure Interessen besser einschätzen zu können und um herauszufinden, was bei uns vielleicht noch unterrepräsentiert ist, würden wir von euch gern wissen, welche Genres ihr am liebsten hört. Ihr könnt maximal sieben Antworten geben. Vielen Dank für euer Feedback!
(Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Nathaniel Rateliff: rhythmischer R&B-Folk

Nathaniel Rateliff ist Vollblut-Musiker aus Denver, Colorado. Ob allein oder mit Band im Rücken, als Vorband von Mumford & Sons oder bei ausverkauften eigenen Konzerten: Er weiß sein Publikum von sich zu überzeugen.

Nach ersten Band-Erfahrungen zu Hause in den Vereinigten Staaten brachte Nathaniel Rateliff 2010 sein erstes Soloalbum auf den Markt. Seit einigen Jahren lässt sich der Folker zwar auch von der Band The Night Sweats unterstützen, sein aktuelles Album ist allerdings wieder ein Soloprojekt geworden: And It’s Still Alright erscheint am 14. Februar.
Nathaniel Rateliff fasziniert vor allem mit seiner vollen, mit etwas wettergegerbtem Kratzen versetzten Stimme. Seine Night Sweats ergänzen ihn mit starker Rhythm Section, Saxophon und Trompete. In den Songs finden sich Country-Einflüsse mit wahlweise stampfender Bass Drum oder Rhythmus-Klatschen und mit Power aufgeladene Backingvocals. Gerade in Rateliffs Solotiteln liegt der Fokus aber auch auf ruhig-meditativem Gitarrenfolk.

Fazit: Zwar gilt der Musiker als eher introvertiert, für die inzwschen weltweit vielen Fans scheint Nathaniel Rateliff dann aber doch gern über seinen Schatten zu springen – und das kommt an: Wer für sein einziges Deutschlandkonzert Ende April in Berlin noch ein Ticket ergattern möchte, sollte sich ranhalten.

  • Meilensteine:
    • 2010 Solodebut In Memory of Loss
    • 2014 Nathaniel Rateliff & the Night Sweats
    • 2020 And It’s Still Alright (VÖ 14. Februar)
  • Umleitung:

Ein großer Dank für diesen Musiktipp geht an die Bloggerin Lopadistory. Du hast auch einen musikalischen Geheimtipp, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte? Zuschriften erreichen die Redaktion über das Kontaktformular.

Imwido: bunte Combo aus München

Zu acht kann es ganz schön eng werden auf einer Bühne. Eine Rockband-Besetzung plus eigenständiger Bläsersection ist aber einfach eine feine Sache. Dabei machen Imwido weder klassischen Rock, noch bayerische Blaskapelle, sondern ganz einfach ihr eigenes Ding.

Kreative Köpfe von Imwido sind Sänger und Texter David Schneider und der Gitarrist, Songwriter und Arrangeur Martin Bammler. Unterstützung erhalten die beiden von einem weiteren Gitarristen, Drummer und Bassist. Eine Bläsersection aus Trompete, Posaune und Saxophon gibt es on top. Seit 2017 hat die Band außerdem ein Album im Angebot und wer im Süden der Republik wohnt, hat regelmäßig die Chance, die Band auch mal live spielen zu sehen.
Die Rhythmen von Imwido ziehen ganz klar nach vorne. Tempo ist garantiert, ebenso gute Stimmung und Texte, die zum Schmunzeln bringen (auch der Dialekt wird mal ins Spotlight gestellt). Auch genremäßig toben sich Imwido aus: hier ein bisschen Reggae, da etwas Funk, rockige E-Gitarren-Riffs, deutscher HipHop-Sprechgesang und viel Spaß am Offbeat-Groove. Die kleine Bläsersection darf bei Imwido auf keinen Fall fehlen – dank ihnen gibt es noch eine Portion mehr Drive und eine gut abgeschmeckte Klangbasis.

Fazit: Imwido zu hören macht gute Laune. Versprochen.

Musik-News: Neue EP von Eliza Shaddad

Die Fakten:

Künstlerin: Eliza Shaddad
Das ist neu: EP Sept – Dec
Das steht an: Europa-Tour (Konzert in Zürich am 31. Januar, in Berlin am 3. Februar)

Die Analyse:

Sept – Dec heißt die neue EP von Eliza Shaddad. Das Album Future, auf das sich die EP beziehen soll, schlug schon 2018 ein und wurde unter anderem von den Sunday Times, BBC, und dem deutschen Rolling Stone gelobt. Auf Sept – Dec sind nun drei neue Songs gelandet. Alle sind sie gefühlvoll und lebendig, lassen aber auch eine gewisse Rastlosigkeit zu, was sicher auch etwas mit Shaddads Lebensweg zu tun hat: Vor ihrem Philosophie-Studium und der Jazz-Ausbildung wuchs die britisch-sudanesische Musikerin in sieben Ländern auf.
Der erste Titel „One Last Embrace“ ist düster und mysteriös, Shaddad bringt hier aber auch viel Energie mit und experimentiert mit Geräuschen, Rock-Atmosphäre und viel Bass. „Same As You“ wird passend zum Thema – es geht um die Gedanken eines Teenagers – etwas melodiöser und verträumter. Den Abschluss bildet das ruhige „Girls“, ein schöner Dream-Pop-Song.

Tiwayo: auf den Spuren von Soul und Blues

Er kommt aus den für ihre Armut bekannten Banlieues, den Vororten von Paris, und kam über die Blues- und Rock’n’Roll-Platten seiner Eltern auf den Geschmack alter amerikanischer Musik-Legenden. Nach ausgedehnte Reisen nach New Orleans, Chicago und Memphis steht Tiwayo nun mit beiden Beinen in der Musik.

Tiwayo hat in der Szene schon so große Wellen geschlagen, dass sogar Star-Produzent Tony Visconti (David Bowie, Morrissey, The Boomtown Rats) auf ihn aufmerksam geworden ist. Für sein erstes Album The Gypsy Soul of Tiwayo schickte der Musiker auf gut Glück Demos an Black Keys-Produzent Mark Neill, der sofort zur Zusammenarbeit bereit war. Weiter spielte er unter anderem für Sting, Seal und Norah Jones als Vorband.
Seine bluesige Stimme brachte Tiwayo seinen Spitznamen „The Young Old“ ein und ist ohne Frage sein Markenzeichen. Ebenfalls besonders ist sein markantes Gitarrenspiel. Die Songs auf seinem Album klingen alle passend zum Titel rastlos und nach der großen Suche. Trotzdem ist jedes Lied anders: mal geswingt, mal soulig, aber auch mal mit deutlichen Einflüssen aus dem Reggae. Durchgängig aber findet man eine simple Eleganz; ohne viel Werkzeug schafft Tiwayo zeitlos gute Musik, die im Ohr bleibt.

Tiwayo ist momentan eine der großen Entdeckungen. Seine „Gypsy Soul“ wird ihn sicherlich noch auf verschiedenste Bühnen bringen und ihm hoffentlich noch die ein oder andere Melodie eingeben.

Ragtime Rumours: Multiinstrumentalisten aus Holland

Mehrstimmiger Gesang, Akustikgitarre, Banjo, Kontrabass, Flöte, Baritonsaxophon, Schlagzeug, Kazoo, Waschbrett – die Liste könnte noch weiter gehen, wenn man alle Instrumente aufzählen würde, die man in den Liedern der Ragtime Rumous heraushört.

Die Ragtime Rumours sind zwar nur zu viert, bringen aber Instrumente für ein halbes Orchester mit. Angefangen haben Tom Janssen, Niki Van Der Schuren, Thimo Gijezen und Sjaak Korsten mit Gigs in kleinen Bars und als Straßenmusiker. Inzwischen gewinnen sie namenhafte Preise, beispielsweise bei der European Blues Challenge – und auch bei deren internationalen Pendant in Memphis, Tennessee waren sie schon dabei und repräsentierten ihre niederländische Heimat.
Die Musik der Band ist genretypisch rhythmisch und flink. Gespickt sind die packenden Songs mit Call-and-Response-Passagen und Soli. Die raue Stimme von Lead-Sänger Janssen passt wunderbar zur Begleitung (ganz besonders zum weichen Klang des Baritonsax), der Drummer steuert mal treibende Rhythmen und mal zurückhaltende Untermalung bei.

Fazit: Die Ragtime Rumours sind vier Profis. Die Multiinstrumentalisten beherrschen ihr Metier und scheinen trotzdem nicht den Spaß am Musikmachen vergessen zu haben.

Der Tipp zu dieser Band kam von Thursdaynext vom Buchblog Feiner reiner Buchstoff. Vielen Dank dafür!
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