Faratuben: moderner Afrobeat

Faratuben aus Mali haben Spaß am Experimentieren. Ihr selbstgestecktes Ziel: Afrikanischen Groove mit moderner Clubmusik zu verbinden.

Die eine Hälfte der Bandmitglieder um Sänger Sory Dao kommt aus Mali, die andere Hälfte aus Dänemark. Ihre Musik machen Faratuben von Bamako, der Hauptstadt Malis, aus. Die zum Teil preisgekrönten Musiker haben neben ihrem Fokus auf der Musikkultur des Landes Hintergründe in verschiedensten Genres wie Reggae, Gospel oder Jazz.
Faratuben bringen so mit ihrer packenden rhyhmischen Art eine Reihe von musikalischen Elementen unter einen Hut und lassen die reiche Musiktradition Malis auf Synthesizer und Effekte treffen. Neben dem spannenden Genremix wird vor allem der weiche Sound des Balafons, einem westafrikanischen Xylophon, zum Merkmal der Band.

Fazit: Faratuben schlagen eine musikalische Brücke über Kontinente hinweg. Der Klang ist bestechend, fesselt und wirkt gleichzeitig sympathisch erfrischend.

Busty and the Bass: bunte Klangfarben aus Kanada

Busty and the Bass fühlen sich im Jazz, Funk und Soul zuhause. Mit einem Gefühl für Stimmung bringen sie ihre Genres sanft auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach ihrem Start als Campus-Party-Band aus Montreal haben sich die acht Mitglieder von Busty and the Bass auf größere Bühnen und Festivals getraut. Auch mehrere Studio-Aufnahmen sind seitdem entstanden – das aktuelle Album Eddie ist im Sommer herausgekommen.
Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik. Das Sahnehäubchen ist die gefühlvolle Bläsersection, die die Songs mit ihren Fills unterstreicht.

Fazit: Busty and the Bass haben ein gutes Händchen was ihren Stil angeht. Schnell wippt der Fuß im Takt und die Musiker schwingen musikalisch wunderbar auf einer Wellenlänge.

The Zangwills: britische Rockhoffnung

Indie-Rock im ganz klassischen Sinne bringen The Zangwills mit. Zugegeben: Bei musikalischen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Cure oder The Strokes führt an diesem Stil wohl auch kein Weg vorbei…

Passend dazu warten The Zangwills mit typischer Rockformation auf. Jake Vickers (Vocals, Gitarre, Keyboard), Sam Davies (Gitarre) und Bassist Ed Dowling kennen sich schon aus der Schulzeit, Schlagzeuger Adam Spence ergänzt die Band seit 2017. In den vergangenen drei Jahren sind in dieser Konstellation auch mehrere Singles und zwei EPs entstanden.
Laut, massig und aufgedreht klingen The Zangwills in ihren Songs. Charakteristisch ist vor allem die Stimme von Sänger Jake Vickers. Insgesamt donnert die Band recht gnadenlos nach vorn, dennoch sind die Songs nicht allzu überladen. Zuhause in Großbritannien legen die vier auch in Sachen Fanbase zu, spielen auch mal ausverkaufte Konzerte und wurden nicht zuletzt von dem ein oder anderen BBC-Journalisten ins Auge gefasst.

Fazit: Was ihren Sound angeht sind die Zangwills mehr als zuverlässig. Auch als junge Band haben die vier schließlich schon eine ganz klare musikalische Vorstellung im Kopf.

Seasoul: softer Hauptstadt-Pop

Klassischer Singer/Songwriter-Charakter und Ausflüge in Richtung Pop – die Sängerin Seasoul probiert sich in verschiedenen musikalischen Ecken aus. Bestes Beispiel dafür ist die kommende EP.

In Berlin landet die Baden-Württembergerin Vanessa Sonnenfroh alias Seasoul ursprünglich für ihr Studium im Bereich der Musikproduktion. Ein erstes Album und weitere einzelne Veröffentlichungen folgen bald. Die nächste EP Moth soll Ende Dezember auf den Markt kommen.
Besonders auf früheren Aufnahmen hält Musikerin Seasoul die Begleitung oft noch recht minimalistisch, nur einzelne Klaviertöne oder Gitarrenakkorde stützen den Gesang. In der neuen EP wird der Klang etwas experimenteller. Von Produzent DRMMKR unterstützt, finden neue Ideen und Genres Einzug in Seasouls Musik. Wechselweise ist ihre Stimme dabei sanft-fragil oder kräftig und ausdrucksstark. Etwas mysteriöse Stimmung oder eine hin und wieder eingestreute vorsichtige Zweistimmigkeit verleihen den Songs Tiefe.

Fazit: Ob klare Kopftimme oder ein Sound, der mutig in die Vollen geht: Seasouls Stimme zündet mit Vielseitigkeit.

Sperling: spannende DIY-Band

Eine markante Stimme, viel Atmosphäre und ein eigenwilliger Sound: Wer Sperling das erste Mal hört, kriegt die Band möglicherweise so schnell nicht aus dem Kopf.

Die fünf Jungs von Sperling verstehen sich als Do-It-Yourself-Projekt. Nach ersten kleineren Veröffentlichungen in den letzten Jahren plant die Band nun für Anfang nächsten Jahres ein Album.
Ob melodisch oder mit rhythmischem Sprechgesang: Die raue Stimme des Sängers klingt, wie vom Leben gezeichnet und fügt sich wunderbar ein in die recht düstere Stimmung der Songs. Getragen wird der Stil der Band auch von einem warmen Cello-Sound – ein passender Gegenpol zur sonst typischen Rock-Besetzung. Auch textlich lassen sich die Songs eher in den dunkleren Spären verorten: Es geht um Depression, Ängste, Einsamkeit. Dennoch hört man gern zu und bleibt fasziniert vom musikalischen Stil der Band zurück.

Fazit: Sperling passen sicherlich eher in die nahende dunkle Jahreshälfte als in die Sommermonate. Die Musik ist mal aufgewühlt, mal sanft und meist liegt über allem ein spannendes Knistern in der Luft.

Maura & Fred Red: musikalischer Herbsteinbruch

Seit einem Jahr haben sie sich zurückgehalten, nun wollen sie wieder starten: Das Duo aus Maura und Fred Red meldet sich mit einer neuen Single und einem besonderen Gast zurück.

Nachdem das gemeinsame Projekt zwischenzeitlich auf Eis lag, da Sängerin Maura mit ihrer Band in Israel auf Tour war und Fred Red mal eben einen Produzenten-Wettbewerb gewinnen musste, lassen die beiden nun wieder von sich hören. Auf die erste neue Single „Lovelottery“ soll wohl in absehbarer Zeit auch ein Album folgen. Mit von der Partie ist außerdem der junge Multiinstrumentalist und Jazzförderpreisträger Malik Diao.
Mauras und Fred Reds Ideen zeigen sich in einem stimmungsvollen Gesamtpaket. Mauras voluminöse, tiefgängige Stimme leitet gefühlvoll durch die jazzige Musik. In „Lovelottery“ steuert Malik Diao neben Klavier und Kontrabass auch etwas Querflöte bei, was dem Song noch einmal eine besondere, sphärische Ebene verleiht.

Fazit: Die Kompositionen von Maura und Fred Red haben eine spannend schwebende Tiefe. Statt allzu verkomplizierter Jazz-Gedanken kommt die Musik trotz Melancholie mit einer gewissen Leichtigkeit um die Ecke.

Willkommen auf Musik unterm Radar, dem jungen Onlinemusikmagazin aus Berlin!

Die Charts hängen dir zu den Ohren raus? Kein Problem! Hier findest du jede Menge hörenswerte, (noch) unbekannte Bands. Mindestens einmal pro Woche gibt es neue Geheimtipps aus allen Genres, geschrieben aus Leidenschaft für gute Musik. Vorstellungen von Musiker*innen findest du in den Band-Portraits. Konzertreviews (durch Corona momentan pausiert) gibt’s in der Kategorie Live-Reports, Rezensionen von neuen Alben bei den Musik-News. In den Behind-The-Scenes-Reportagen blicken wir hinter die Kulisse von spannenden Themen aus der Musikszene und in den Interviews kommen vom Filmmusikkomponisten bis zur Festival-Organisatorin spannende Leute zu Wort.

Oder du lässt dich überraschen: Die neusten Texte findest du chronologisch weiter unten. Viel Spaß beim Stöbern!

Kamee Kazee: brandneues Rock-Projekt

Kamee Kazee sind noch ganz frisch im Geschäft: Erst vor kurzem wurde die Band gegründet, die erste Single „Anima Sola“ ist gerade mal wenige Tage alt.

Mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit im Video zu „Anima Sola“ warten Kamee Kazee aus Leipzig mit einer interessanten Idee auf und geben so schon einmal einen Eindruck vor, wo es künstlerisch noch hingehen könnte. Schließlich sollen in den kommenden vier Monaten noch vier weitere Singles plus jeweils ein zugehöriges Musikvideos folgen.
Schon die Gitarrenmotive in „Anima Sola“ gehen schnell ins Ohr. Der Gesang hat eine gewisse Schärfe und prägt den Charakter der Musik. Mit einer etwas düster-mysteriösen Stimmung machen Kamee Kazee so insgesamt spannenden Alternative-Rock.

Fazit: Bei Kamee Kazee bietet sich die Möglichkeit, den Werdegang einer vielversprechenden Band ganz von Anfang an zu verfolgen.

Max Prosa im Interview: „Lieder wirken wie Zaubersprüche.“

Vielleicht ist Max Prosa die moderne Variante des Urberliners: Er hat Geschichten auf Lager, politische Prinzipien im Kopf und in großer Verbundenheit mit dieser Stadt führt der weiteste Umzug höchstens von einem Kiez in den anderen – in Max Prosas Fall von Charlottenburg nach Neukölln. Nur die raue Berliner Schnauze hat er eingetauscht und schreibt stattdessen lieber lyrische Texte über die Schönheiten der Welt. Zur Gitarre gekommen ist Max Prosa über seine Mutter, die wollte, „dass das kultivierte Kind ein Instrument lernt“, wie er schmunzelnd erzählt. Wohin das führen würde, hatte sie damals wohl kaum geahnt. Denn seit seinem erfolgreichen Debut-Album Die Phantasie Wird Siegen im Jahr 2012 hat sich Max Prosa einen Namen gemacht: Er begleitete Clueso auf Tour, brachte neben weiteren Alben einen Gedichtband und ein Theaterstück heraus, im September war er zum wiederholten Mal im Fernsehen bei Inas Nacht zu sehen. Sein neues Album Grüße aus der Flut ist ebenfalls vergangenen Monat erschienen. Katharina Köhler von Musik unterm Radar hat Max Prosa zum Interview getroffen. Ein Gespräch über den Wert von Geld, das Lob von Leonard Cohen und die Frage, wie Physik mit Musik zusammenpasst.

Max Prosa beim Interview in einem Café in Berlin-Neukölln.
© Katharina Köhler

Musik unterm Radar: Als ich mir dein neues Album das erste Mal angehört habe, ist mir vor allem das Lied „Buntes Papier“ im Kopf geblieben, in dem du eine besondere Geschichte vertonst. Würdest du kurz erzählen, worum es in dem Lied geht und wie du auf diese Geschichte gestoßen bist?

Max Prosa: Die Geschichte habe ich in dem Philosophiebuch Psychopolitik von Byung-Chul Han gelesen. Darin finden Kinder Geld, aber sie identifizieren es nicht als Geld, sondern als buntes Papier. Das finde ich total faszinierend, weil Geld genau das ja in Wirklichkeit ist. Wir müssen uns aber fast schon dazu zwingen, wahrzunehmen, dass es buntes Papier ist. Wir tun so, als hätte Geld einen realen Wert. Dabei könnte kein Physiker, Chemiker oder Biologe den Wert in diesem bunten Papier feststellen. Es ist nur ein abstrakter Gedanke, wie an eine Tarot-Karte zu glauben und danach zu handeln. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, schien mir mit dieser Geschichte möglich, deswegen wollte ich sie weitertragen.

Das Album heißt Grüße aus der Flut. Welche Bedeutung hat dieses Bild der Flut für dich?

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Call Us Janis: Bahn frei fürs innere Kind

Die Truppe Call Us Janis aus Kassel steht für Indie-Rock mit Tanzrhythmen.

Mit zwei Lead-Sängern, Gitarren, Bass und Schlagzeug kommt die Band auf fünf Mitglieder. Neben ihrer ersten EP Do You Wanna Dance With Me? aus dem Jahr 2018 haben Call Us Janis vereinzelte Singles herausgebracht.
Die Refrain-Melodien der Band gehen genauso wie die eingestrickten Instrumentalideen und Riffs leicht ins Ohr. Dank der zwei Sänger fließen weiter unterschiedliche Konzepte mit ein – ob klassischer Frontmanngesang, Zweistimmigkeit oder Rap-Einlagen. Auch nimmt sich die Band erfrischenderweise selbst nicht zu ernst. Ihr Merchandise preisen Call Us Janis auf Facebook beispielsweise mit einer eigens gedrehten Dauerwerbesendung an. Das innere Kind lassen sie schließlich in ihrer neuen Single „Ecstasy“ vollends von der Kette: Unbeschwert und furchtlos klingen sie in den Lyrics und auch das zugehörige Video entstand mit ausgelassener Stimmung bei einem feuchtfröhlichen Wochenende im Wald.

Fazit: Statt auf alte Schubladen zu setzen, bauen sich Call Us Janis ihr eigenes Genre zusammen wie aus Legosteinen: Rock trifft auf Rap, Mitsingmelodien auf funkige Riffs, tanzbare Beats auf Stimmungswechsel.