Ein Jahr! Grund zu feiern…

Es ist kaum zu glauben: Schon ein Jahr ist rum! Am 22. Juli 2017 hat dieser kleine Blog das Licht der Welt erblickt. Tief in den Weiten des World Wide Web wurden seitdem 60 Bands und MusikerInnen vorgestellt, die Beiträge wurden insgesamt immerhin stolze 3.242 mal geklickt und 402 mal gelikt und 1.122 Menschen haben einen Blick unter den Radar riskiert. Obwohl dieser Blog noch vergleichsweise jung ist, hat er sich in den zwölf Monaten fantastisch und viel besser entwickelt als erwartet. Der Dank gilt deshalb all den Leuten, die regelmäßig vorbeischauen, aber auch denen, die zufällig hergefunden und sich etwas umgeguckt haben, außerdem den Künstlern, mit denen im Laufe der Zeit teilweise sehr nette Kontakte entstanden sind. Zeit für einen kleinen Rückblick auf die Beiträge. Hier folgen die Top 15 in der Reihenfolge, in der sie erschienen sind.

  1. Beirut
    Schwer zu beschreiben aber großartige Gruppe. Das Genie hinter dem Gemisch aus Weltmusik, Balkanpop, Folk, Chanson und verschiedensten anderen Stilen ist Zach Condon (Gesang und Trompete).
  2. The Roots
    Für die HipHop-Freunde. Stimmungsreich und musikalisch top. Schon jetzt legendär in ihrer Rolle als Hausband von Jimmy Fallon.
  3. Unknown Mortal Orchestra
    Düster und etwas undurchsichtig, aber sehr zu empfehlen!
  4. Jesper Munk
    Feinster Blues. Tolle Stimme. Super Gitarrist. Viel mehr braucht man gar nicht sagen.
  5. Max Prosa
    Ein Singer-Songwriter, der sich von der Welt bewegen lässt. Die Liedtexte sind gut gereimt, bedeutungsvoll und lyrisch. Kein Wunder, dass er nebenher auch einen Gedichtband verfasst hat. Mit Heimkehr hat er dieses Jahr außerdem sein viertes Album rausgebracht (lohnt sich!).
  6. Tim Vantol
    Der Folk-Rocker und Singer-Songwriter bringt eine aufbauende Prise politischen Idealismus mit. Durchdachte Texte, Mitsinghymnen und ein Mensch, der es vermag, den Augenblick zu schätzen.
  7. The Magic Mumble Jumble
    Die frische Ladung Happiness und Peace bekommt man von der achtköpfigen Hippieband The Magic Mumble Jumble. Die bunte Truppe um Sänger und Flügelhornist Paul Istance wartet mit Ohrwurmpassagen, Jazzsoli und fantastischen Texten mit Message auf.
  8. Moop Mama
    Wenn ein Rapper mit einer Marching Band gemeinsame Sache macht, entsteht ein richtig fetter Sound. Moop Mama wagen sich an politische Themen, und jedes einzelne Mitglied liefert neben guter Laune auch noch klasse Musik ab.
  9. KONGOS
    Alternativer Rock aus Südafrika, auf die Beine gestellt von drei Brüdern. Ein Stück wie „Come With Me Now“, das sich nach einem Akkordeon-Intro in einen Rocksong verwandelt, hat man vorher selten gehört.
  10. Sarah Lesch
    Sagt, was sie denkt. Oder besser: singt, was sie denkt. Sehr kritisch und direkt aber auch sympathisch und voller Energie.
  11. Sona Jobarteh
    Etwas zum Runterkommen. Afrikanische Klänge und die Kora als traditionelles Instrument.
  12. The Dead South
    Die Bluegrassband, die einen ohne große Komik zum Schmunzeln bringt. Dresscode passend zum Genre (schwarz-weiß, Hosenträger, Hut). Beim Musikvideo zu „In Hell I’ll Be In Good Company“ gern mal auf den Hintergrund achten.
  13. Seraleez
    HipHop meets Jazz. Eine Frontfrau mit starker Stimme und starken Texten, musikalisch unterstützt von Jazzmusikern.
  14. Catfish and the Bottlemen
    Eigentlich Indie-Rock. Aber auch das schöne „Hourglass“, das mit seiner ruhigen, akustischen Aufmachung etwas aus der Reihe fällt und einem lange nicht mehr aus dem Kopf geht.
  15. Tina Dico
    Viele Gänsehaut-Titel, besonders durch Zweistimmigkeit und schwermütig-schöne Harmonien.

Zu guter Letzt noch einmal ganz herzlichen Dank an all diejenigen, denen es gefällt, was hier so verzapft wird! Neue Tipps oder Anfragen von Bands können wie immer gern über das Kontaktformular oder per Mail geschickt werden, es wird alles angehört.

Robert Horace: Songs für den Sommer

Ein bisschen Folk-Pop bei gutem Wetter mit einer guten Portion Glückseligkeit in der Brust, dafür sind die Songs von Robert Horace die richtigen.

Robert Horace hat sich musikalisch in Berlin angesiedelt und bereits den ein oder anderen Track aufgenommen. Die Titel sind auf Bandcamp, aber auch bei verschiedenen Auftritten zu hören.
Als Solokünstler begleitet sich Robert Horace selbst auf der Gitarre. Die Picking-Muster in seinen Songs sind dabei eine schöne Ergänzung zu seiner weichen, wenn auch bestimmten Stimme, die der feste Anker der Songs ist. Obwohl Horace kein Rhythmusinstrument zur Verfügung hat, fehlt den Liedern nichts. Die rhythmisierte Gitarrenbegleitung reicht aus, um die Lieder in Bewegung zu halten und ihnen einen gewissen Schwung mitzugeben.

Fazit: Nur mit Gitarre und der eigenen Stimme bewaffnet, überzeugt Robert Horace durch Ausdruck im Gesang, Melodien, die im Kopf bleiben, und ein rundes Gesamtpaket.

Farafi: bewegende Weltmusik

Farafi gelingen ein einzigartiges Zusammenspiel zweier Stimmen. Durch die ungekannten Instrumente und die fremde Sprache geht von ihrer Musik eine besondere Faszination aus.

Hinter Farafi stehen die beiden Musikerinnen Darlini Singh Kaul und Joy Tyson und ihre Band. Die beiden Sängerinnen gründeten Farafi 2013 in Indien. Gemeinsam sind sie entweder als Duo oder mit Unterstützung der Band international sowohl auf Bühnen als auch als Straßenmusikanten zu hören und tragen damit einen besonderen Vibe in die Welt.
Ihre Lieder spielen sie auf traditionellen Saiten- und Rhythmusinstrumenten. Die beiden Frauen singen zweistimmig und strahlen dabei eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit und positive Energie aus.

Fazit: Farafi zuzuhören tut gut. Die beiden harmonierenden Stimmen entspannen, die Instrumente verleihen dem Ganzen einen exotischen Klang.

AVEC: Schönheit liegt in der Einfachheit

Leichter Gitarrenpop mit sanft schwebender Stimme: Die Musik der österreichischen Sängerin AVEC fühlt sich ein bisschen so an, wie einer durch die Luft segelnden Feder zuzusehen.

Den Zugang zur Musik hat AVEC schon im Kindesalter für sich entdeckt. Begleitet von einer musikalischen Familie lernte sie Geige und Gitarre. Wie sie als Kind die Welt wahrnimmt, wird später Thema ihrer Songs. Ihr Album What If We Never Forget kam 2016 als Follow-up zu ihren ersten EPs auf den Markt.
AVECs Lieder sind allesamt recht schlicht und einfach gehalten: dezente Gitarrenpatterns, vereinzelte Backing Vocals oder eingestreutes Schlagzeug. Was die Musik besonders macht, ist die zarte, fast fragile Stimme der jungen Sängerin. Ihr Gesang steht im Mittelpunkt ohne darum zu kämpfen, die Töne sind manchmal nur gerade so dahingehaucht.

Fazit: Das Album What If We Never Forget lohnt sich für Freunde der schlicht-schönen Musik. Ohne großes Aufhebens, dafür melodisch und mit viel Gefühl.

 

Cressy Jaw: Trio mit Biss

Ein bisschen Weltverbesserertum bekäme uns wohl allen gut in diesen Tagen. Schon in den Startlöchern für diese bessere Welt stehen drei musikbegeisterte Gießener Jungs. Wer also gleich heute loslegt, um die Probleme unserer Gesellschaft anzugehen, der bekommt von Cressy Jaw den passenden Soundtrack dazu.

Gegründet 2009 von drei Brüdern, hat die Band inzwischen einiges vorzuweisen: zwei EPs und mehrere selbstgebrannte Demos, Touren durch Deutschland, die Niederlande, Ungarn und Polen, ein Album. Nach einem Besetzungswechsel besteht das Trio seit 2014 unverändert aus Alex (Lead-Gesang, Gitarre), Basti (Gesang, Bass) und Arne (Schlagzeug).
In ihren Texten verarbeiten Cressy Jaw unter anderem ihre Gedanken zu Klimawandel, Kriegen und der Verlagerung nach rechts, die sie in Europa beobachten. Auch Kapitalismuskritik findet einen Platz in ihren Songs. Doch Cressy Jaw machen nicht nur den Mund auf, sondern packen auch selbst mit an: Konzerte für Amnesty International, Viva Con Agua und eine ganze Reihe anderer Bündnisse haben sie schon gespielt und bei ihren aktuellen Gigs unterstützen sie eine Petition von Oxfam. Passend zu den Texten verzichtet die Band auch in den musikalischen Strukturen auf simple Popkadenzen, dafür gibt’s ein bisschen Dramatik, anklagende Töne, vielleicht eine Spur Schwermut aber genauso aufbauende Beats und Basslines und Gitarrenriffs, die im Ohr bleiben. Dass die Jungs beim Schreiben ihrer Musik schon Bock auf die energiegeladene, laute Show haben, hört man schon auf den Aufnahmen.

Fazit: Cressy Jaw ist eine Band, die für ihre Überzeugungen einsteht und die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch die Musik und auch darüber hinaus Aufmerksamkeit auf kritische Themen zu lenken.

Albin Lee Meldau: Soul-Pop mit Gefühl

Der schwedische Sänger Albin Lee Meldau, Jahrgang 1988, hat zwar erst vor zwei Jahren seine erste EP veröffentlicht, ist aber schon international unterwegs und hat vermutlich noch einen bedeutenden Weg vor sich.

Nach seiner Debut-EP Lovers 2016 hat der Musiker mehrere Singles, eine zweite EP und vor nicht einmal einem Monat sein erstes vollständiges Album herausgebracht. In der nächsten Zeit tourt er in seinem Heimatland und in Großbritannien, ab Ende Oktober ist er in Deutschland zu sehen.
Albin Lee Meldau schreibt Poptitel ohne viel Aufregung, hat dabei eine soulig Stimme und zeigt viel Emotion. Die Songs sind melancholisch, teilweise fast düster und trotzdem melodiös. Meldau wartet mit einem Spektrum auf, das von klassischem Gitarrenpop bis zu elektronisch-moderner Musik reicht. Seine Raum einnehmende Stimme verleiht dem Ganzen dabei seinen Wiedererkennungswert.

Fazit: Albin Lee Meldau ist ein spannender Künstler, der gerade erst am Anfang seiner Musikerkarriere steht. Wenn er das Tempo beibehält, mit dem er zur Zeit neue Musik fabriziert, dürfte er bald auch in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erhalten.

The Quiet American: ein harmonierendes Paar

Nicole und Aaron Keim sind ein Ehepaar, das gemeinsam Musik lebt. Als Duo The Quiet American warten sie mit einem Folk-Country-Mix auf, der Spaß macht und aus dem große musikalische Leidenschaft spricht.

Angefangen haben beide ihren Weg durch ein Studium der Musikpädagogik in den Staaten. Nicole Keim war außerdem als Sängerin unterwegs, hat Musik unterrichtet und Gesangs- und Ukulelestunden gegeben. Aaron gibt auf seinem YouTube-Kanal ebenfalls Tipps für Neulinge an der Ukulele und ist Instrumentenbauer für Mya-Moe ukuleles. Gemeinsam hat das Paar bereits einige Lehrbücher entwickelt und veröffentlicht und als The Quiet American mehrere Alben aufgenommen.
Auf YouTube veröffentlichen die beiden regelmäßig Videos, in denen sie Titel aus ihren Songbooks vorspielen oder sich von anderen Musikern unterstützen lassen. Genretypisch liegen die beiden Schwerpunkte des Duos zum einen auf Saiteninstrumenten wie Banjo, verschiedenen Gitarren und natürlich der Ukulele sowie auf dem zweistimmigen Gesang des Ehepaares.

Fazit: Nicole und Aaron Keim scheinen im Musizieren und der pädagogischen Arbeit ihre gemeinsamen Leidenschaften gefunden zu haben. Dementsprechend gut harmonieren die beiden sowohl musikalisch als auch vom Auftreten her.

Me + Marie: ein Duo, das seinesgleichen sucht

Eigentlich sind sie zwei Gegenpole: Maria Moling, eigentlich Teil der Gruppe Ganes, klare Stimme, harmonisch, verträumt. Auf der anderen Seite Roland Vögtli, musikalische Erfahrung vor allem aus Rockbands, eine Stimme wie von Wind und Wetter gebeutelt, Powerchords, Soli mit Overdrive. Trotz allem passt das Ganze wie die Faust aufs Auge.

Kennengelernt haben sich die beiden Musiker bei einem Radiosender, die ersten Projekte entstanden, sie schrieben Songs zusammen, bis es nach drei Jahren reichte, daraus eine Platte zu machen. Me + Marie war geboren.
Zehn Titel gibt es auf One Eyed Love zu hören. Die studierte Schlagzeugerin Moling liefert den Beat, ihr Kollege Vögtli übernimmt die Gitarre, gesungen wird zweistimmig. Was daraus entstanden ist, ist eine starke Mischung aus Rückbesinnung auf das Wesentliche, Tiefgang und auch einer kleinen Portion Dramatik.

Fazit: Me + Marie machen Musik für coole Socken: lässig-unimpressed aber überzeugt und selbstbewusst, wo es drauf ankommt.

REA SOM: brasilianische Klänge aus der Schweiz

Ruhige Gitarrenakkorde, rhythmisches Schlagzeug, eine bestechende Stimme und portugiesische Texte sind Erkennungsmerkmal der Schweizer Band REA SOM, deren Mitglieder ganz in den Gefühlen der südamerikanischen Musik schwelgen.

REA SOM ist die Band rund um Sängerin Rea Hunziker. In Baden in der Schweiz wird Hunziker 1989 geboren, als Teenager reist sie das erste Mal nach Brasilien, später studiert sie klassisches Klavier und nimmt ihre erste CD auf. Um die brasilianische Musik, die sie so fasziniert, auch in ihre Heimat zu bringen, gründet sie schließlich mit anderen Musikern die Band REA SOM.
Der Variantenreichtum der lateinamerikanischen Musik eröffnet der Gruppe ein breites Spektrum an musikalischen Möglichkeiten. Essenziell für das brasilianische Feeling der Musik von REA SOM ist besonders die umfangreiche Rhythmik in Schlagzeug und Percussion. Dazu kommt eine besänftigende Begleitung von Gitarre und Bass im Hintergrund und nicht zuletzt die wohlklingend präsente Stimme Rea Hunzikers. Die Sängerin ist noch dazu die Komponistin und Texterin der Titel.

Fazit: Lässt man die ersten Takte von REA SOMs Liedern laufen, hat man bald nichts als Strand, Palmen und rote Sonnenuntergänge im Kopf. Dass sich ausgerechnet eine Schweizer Gruppe dem Latin verschrieben hat, ist eine schöne Abwechslung und gelingt erstaunlich gut.

  • Meilensteine:
    2018: Album Arte Calma
  • Meisterwerk: Silêncio
  • So klingt’s: Weltmusik, Latin
  • Umleitung: http://www.reasom.ch/de/

Swirlpool: Dream Pop frisch aus der Plattenpresse

Wer auf der Suche nach starker alternativer Musik ist, ist bei Swirlpool richtig. Mit viel Gitarre und Drums fabriziert die Gruppe schön austarierte und variantenreiche Titel.

Nach ihrer Gründung im Jahre 2016 hat die Regensburger Band mit „Camomile“ und „Tired Eyes“ bereits zwei Singles herausgebracht. Die Debut-EP heißt ebenfalls Camomile und ist seit dem 25. Mai als Download, CD oder für Tape-Liebhaber auf Kassette erhältlich. Stilistisch macht die Gruppe feinsten Shoegaze und Dream Pop.
Die Mitglieder von Swirlpool toben sich auf ihrer Platte richtig aus. Sie spielen mit Hall, starken Betonungen und plötzlicher Entschleunigung und lassen den Gesang über einem sonst vollen Klangteppich schweben. Dieser Teppich artet dennoch nicht in einen undurchdringlichen Klangbrei aus, wie man es manchmal aus dem Genre kennt. Stattdessen nutzen Swirlpool die unterschiedlichen Möglichkeiten, die ihnen die Instrumente bieten, für ihre Zwecke und lassen alle gebührend zu Wort kommen. Die vier Titel sind abwechslungsreich und die beiden zusätzlichen Remixe zweier Songs eröffnen den Hörern außerdem noch einmal eine neue Ebene.

Fazit: Swirlpool haben schon mit ihrer ersten zusammenhängenden Veröffentlichung ihren eigenen Klang etabliert. Man darf gespannt sein, was noch kommt.