Go!Zilla: vielversprechender Rock aus Florenz

Vier Italiener haben sich 2011 zusammengetan, um als Go!Zilla gemeinsam ihrer Leidenschaft für psychedelischen Garage-Rock nachzugehen.

Die beiden Sänger und Gitarristen von Go!Zilla Luca Landi und Mattia Biagiotti werden ergänzt durch Fabio Ricciolo am Schlagzeug und Niccolò Odori, der den Synthesizer und die Perkussion übernimmt. Seit ihrer Gründung 2011 haben die vier praktisch jede Chance zum Auftreten genutzt, waren auf Tour in Europa und den Vereinigten Staaten und haben den ein oder anderen Record herausgebracht.
Für Ende September ist nun ein neues Album angekündigt. Hört man dessen Titel Modern Jungle’s Prisoners zum ersten Mal, hofft man schon heimlich auf eine eine gesellschaftskritische Richtung und tatsächlich soll die neue Platte ein Konzeptalbum mit klarem Thema werden: psychische Struggles in Großstadtdschungel und Betonwüste. Da hat man schnell expressionistische Gemälde im Kopf. Die vorabveröffentlichte Single „Demons Are Closer“ ist zum überwiegenden Teil instrumental gehalten. Die Band startet mit mächtigen Gitarrenriffs und Schlagzeug, wechselt dann aber in einen weniger beladenen, mysteriösen Part – die perfekte Basis für spärliche Liedzeilen wie „demons are rising in my head all the time“. Immer wieder springt die Band zwischen aufgewühlten Riffs und leisen, sich anpirschenden Tönen hin und her. Diese teils recht abrupten Wechsel passen klar in die bedrohliche Grundstimmung des Songs und sorgen trotz wenig Vocals für Abwechslung.

Fazit: Die Welt braucht gute Konzeptalben und Go!Zilla können sich hören lassen. Mal sehen, wohin die Reise noch geht.

  • So klingt’s: sehr unterschiedlich. Mal gruselig-düster mal peppig und schlagfertig
  • Meilensteine:
    2013 Debut Grabbing A Crocodile
    2015 Sinking In Your Sea
    September 2018 Modern Jungle’s Prisoners
  • Getextet: „Demons are rising in my head all the time“ (Demons Are Closer)
  • Umleitung: https://tideselekta.com/de/promo/24/gozilla

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#zweiraumsilke: HipHop-Kollektiv mit Wumms

Jung, voller Energie und mutig genug, sich an neue Ideen heranzutrauen: #zweiraumsilke beweisen, dass man mit einer gehörigen Portion HipHop-Coolness, sympathischem Auftreten und nicht zuletzt einer tollen Band eine ganze Menge anstellen kann.

Für so einen starken Sound, wie ihn #zweiraumsilke fabrizieren, braucht es eine große Band. Hinter dem Frontduo aus Rapper und Sängerin stehen also auch noch eine Bläserfraktion, Schlagzeug und Saiteninstrumente von der E-Gitarre bis zum Cello. In ihrer fränkischen Heimat haben sie sich längst einen Namen gemacht, mit Crowdfunding-Unterstützung wurde sogar der Traum von der ersten eigenen Platte (sie trägt den schönen Titel Zielstrebig Planlos) wahr.
#zweiraumsilke toben sich quer durch die Stile – neben Rap und HipHop wagen sie sich zum Beispiel an Jazz und lateinamerikanische Musik – und wenn es darum geht, trotz einer großen Gruppe ein ausgereiftes musikalisches Zusammenspiel zu beweisen, legen sie ein ähnlich gutes Gespür an den Tag wie die Brass-HipHop-Profis von Moop Mama. In spannenden Fills zeigen die Musiker, dass sie es verstehen, das richtige Maß an Lautstärke und Akzenten zu finden und dass sie mit ihrer vielseitigen Besetzung und vor allem durch gut abgestimmtes Spiel tolle Atmosphären erzeugen können.

Fazit: Mit der Musik von #zweiraumsilke kann man ruhig mal die Leistung der Boxen ausreizen. Noch besser ist nur noch der Besuch beim Konzert. Man kann der Truppe nur wünschen, dass sie bald so richtig durch die Decke gehen.

Hannah & Falco: Musikalisches Dreamteam

Ein Würzburger Pärchen ist drauf und dran, die deutsche Folk-Szene zu verzaubern. Hannah Weidlich und Falco Eckhof, seit anderthalb Jahren gemeinsam als Duo Hannah & Falco zu hören, zeigen mit viel Gefühl und warmem Gesang, wie schön Zweistimmigkeit klingen kann.

Mit gerade einmal 19 und 22 Jahren sind Hannah & Falco noch sehr jung in der Welt des Folk. Ihre erste EP Blind For The Moment haben die beiden noch im Musikraum einer Schule aufgenommen, herausgekommen ist nach Basteleien im eigenen Studio und Mastering von Profis in den USA allerdings eine wunderschöne, ausgereifte Zusammenstellung.
Die Songs aus der Feder von Falco Eckhof strahlen allesamt eine angenehme Gelassenheit aus. Das Duo singt die harmonischen zweistimmigen Passagen mit sanften Stimmen, sie setzen Nachdruck nur da ein, wo er gebraucht wird und bleiben ansonsten bei ruhigen Klängen. Als Unterstützung zu Falcos Gitarre und Hannahs Mundharmonika hat sich das Duo mit der Gruppe Familiar Faces weitere junge Musiker dazu geholt, die die Stimmung der Titel schön aufgreifen und fortentwickeln, ohne die gefühlsbetonten Titel unter zu viel Instrumentalsound zu begraben.

Fazit: Hannah & Falco sind eine besondere Entdeckung, die trotz ihrer noch verhältnismäßig kurzen gemeinsamen Zeit als Duo bereits bemerkenswert eingespielt sind. Mit Blick auf die Zukunft kann man also gespannt sein, was man in den nächsten Jahren noch von ihnen hören darf.

  • Meisterwerk: auf diesem Blog natürlich Under The Radar
  • Getextet: „We are too young to give up yet“ (Blind For The Moment)
  • Umleitung: https://www.hannahandfalco.com/

Live-Report: Bardentreffen 2018 – Musik verbindet

Mit dem Titel "Musik-News" erscheinen an dieser Stelle von nun an mehr 
oder weniger regelmäßig Neuigkeiten über Bands, Alben, Tours und
andere Hintergrundgeschichten. Welche Musik-News sollten hier noch
unbedingt auftauchen? Schick gern eine Nachricht durch!

Zum 43. Mal hat das Bardentreffen in der schönen Nürnberger Altstadt dieses Jahr MusikerInnen und Musikbegeisterte aus aller Herren Länder angezogen. Nach dem Startschuss am 27. Juli war die Stadt wieder einmal für drei Tage voller Musik.

Neben den offiziellen Bühnen sind die zahlreichen Straßenmusiker jedes Jahr ein Highlight des Weltmusik-Festivals: Überall bilden sich Zuschauertrauben, wenn die Musik der einen Band im Vorbeigehen langsam leiser wird, hört man schon den nächsten Trommelrhythmus von der Gruppe zehn Meter weiter. Kinder mit Blockflöte finden genauso ihre Bühne wie professionelle Bands, lokale Gruppen wechseln sich in den besonders frequentierten Ecken der Altstadt kamaradschaftlich mit weitangereisten Musikerkollegen ab. Folk, Indie, Rock, Klezmer, Dudelsack, Klassik – alles ist dabei, man sieht exotische Instrumente, hört fremde Sprachen und Skalen. Thema des Festivals ist dieses Mal „RAP – Rhythm And Poetry“. Deutsche Nachwuchsrapper wie Goldroger und #zweiraumsilke sind dabei, aber auch Gruppen wie N3rdistan aus dem arabischen Raum, Lo & Leduc aus der Schweiz, Dàimh aus Groß-Britannien oder Suistamon Sähkö aus Finnland. Sie alle zeigen, dass Sprechgesang vielfältig ist, komplex, poetisch und politisch sein kann und sich bei weitem nicht auf den viel diskutierten Gangsta-Rap mit vulgären und zum Teil diskriminierenden Texten beschränkt.

Wie immer gab es auf dem Bardentreffen viel zu entdecken. Die ein oder andere Gruppe wird hier früher oder später sicher auch einen eigenen Beitrag bekommen. Bis dahin hier schon einmal ein kleiner Eindruck vom bunten Treiben:

Fotos: © 2018 Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

Hier geht’s zum Bericht über das Bardentreffen 2017.