Simon Jela: Hessener Pop-Newcomer

„Vaters Plattensammlung ist einfach geiler als Lego“: So beschreibt Simon Jela die Anfänge seiner Begeisterung für große Stars wie die Stones, Joe Cocker, Chicago oder Toto. Trotz der rockigen Einflüsse zieht es den jungen Musiker mit seinen Pop-Balladen nun auf einen eigenen Weg.

Dabei ist Simon Jela tatsächlich erst vor kurzem auf der Bildfläche der deutschen Musiklandschaft erschienen: Am 1. Januar kam die erste Single des Künstlers heraus, weitere Songs folgten ihr auf den Fersen und auch eine EP steht schon in den Startlöchern für ihr Releasedate Ende August. Entstehen lässt der 24-Jährige seine Musik in seiner Heimat bei Frankfurt (Main) um die Ecke.
Seinen ganz leicht rauchigen Popgesang schmeckt Simon Jela ab mit gefühlvollen Melodien und tanzbarem Gesamtsound. Begleiten lässt er sich dafür von einer klassischen Rockbesetzung. Texttechnisch geht es vor allem ums Zwischenmenschliche – etwas Dramatik darf hier natürlich auch in der Melodieführung nicht fehlen, alles in allem überwiegt aber der Optimismus.

Fazit: Dank einer einfühlsamen Stimme und dem lebendigen Sound haben Simon Jelas Songs durchdringenden Feelgood-Charakter.

Flight Attendant: ein Muss für jede Indierock-Playlist

Ob rockig wie Kings of Leon, sinnlich und melancholisch wie Lana del Rey oder hypnotisierend-metallisch wie Tame Impala: Die Band Flight Attendant kombiniert gekonnt die unterschiedlichsten Klänge und erschafft mitreißende Songs, die unter die Haut gehen.

Als Band aus Nashville, Tennessee konnten Flight Attendant ihre musikalische Identität bereits vor einem kritischen Publikum erproben, schließlich war und ist die „Music City“ Heimat einer Reihe berühmter Musiker*innen, von Rita Coolidge bis zu Miley Cyrus. Obwohl sie ihre Band erst 2019 gegründet haben, beweisen die drei Frauen und zwei Männer von Flight Attendant bei Auftritten eine beeindruckend souveräne Bühnenpräsenz.
Vor allem Frontsängerin Karalyne Winegarner reißt das Publikum durch ihre starke Stimme mit, die mal die Ruhe selbst ist und dann wieder punkig-schrill klingt. Ein weiteres Merkmal der Band: der Bratschensound von Nikki Christie, der den Punksongs zuweilen sogar einen schaurigen, grungigen Sound verpasst. Der bisher bekannteste Song der Gruppe ist „Man of Chaos“ und birgt großes Mitsingpotenzial. Doch auch die neuere Single „Paradise“ ist unbedingt hörenswert und will nach langen Monaten des Lockdowns eine gewisse Aufbruchstimmung verbreiten. Unterstrichen wird dieses Gefühl durch das Musikvideo, das die Band selbst produziert hat.

Fazit: Flight Attendant begeistern nicht nur durch einen ganz eigenen Klang, sondern auch durch ihre künstlerischen Bühnen- und Videoperformances. Wir hoffen auf ein baldiges erstes Album der US-amerikanischen Band!

Autorin:

Hanna-Maria Paul

Lemony Rug: head-in-the-clouds-Indie

Ob Singer/Songwriter-typisch gezupfte Gitarrenpatterns oder temporeicher, rockiger Sound: Lemony Rug aus Hamburg besticht mit einer vielseitigen Debut-EP.

Mit seiner ersten Single „I Won’t Turn Around“ legte Léon Rudolf 2019 den Grundstein für sein musikalisches Soloprojekt Lemony Rug. Gerade hat der Musiker seine Debut-EP There’s Good To Come herausgebracht.
Lemony Rugs verträumt-sympathischer Sound kommt mit wenig aus: Fokus auf der Gitarre, der Schlagzeugbeat hält sich meist zurück, über allem liegt ein beharrlicher Optimismus. Beiläufig lässt der Musiker hin und wieder eine sanfte Zweistimmigkeit einfließen oder wagt den ein oder anderen rockigeren Ausflug.

Fazit: Trotz einer gewissen melancholischen Ader klingt doch vor allem die Zuversicht durch, wenn uns Lemony Rug untermalt von Cello und Ukulele auf dem Schluss-Track seiner EP verspricht: There’s good to come!

The Esprits: Beatband zum Aufdrehen

Die Braunschweiger Truppe The Esprits legt abwechslungsreichen Rocksound auf den Tisch – und sprengt in ihren Musikvideos auch mal Katzenstatuen in die Luft.

Nach ausgedehnter Live-Erfahrung, zwei Alben und Toursupport für Revolverheld legen The Esprits gerade nach dem obligatorischen Corona-Dornröschenschlaf mit ersten Auftritten in Norddeutschland vor. Neben dem Muckemachen setzen sich die Bandmitglieder außerdem gemeinsam für die Umwelt ein: Ihr Merch ist fair und bio, sie unterstützen eine Initiative zum Walderhalt im Braunschweiger Umland und wollen überhaupt zu einer klimaneutralen Band werden.
The Esprits liefern facettenreiche Beatmusik. Mal kriegen wir sphärische Gitarre, träumerische Kopfstimme und Melancholie zu hören, dann werden wir wieder eingeholt von hartem Klang und treibenden Drums. Ergänzt von soften Backingvocals hadern die Jungs ihren Texten auch mal auf sympathische Weise mit Fehlern: „Mom, I fucked up – I accidentaly broke a good girl’s heart.“

Fazit: Ihre Wurzeln als Liveband hört man bei The Esprits dank rockigem Übermut und ordentlich Zug nach vorn auch auf den Aufnahmen heraus.

Red Music: True School direkt aus Berlin

Red Music kombiniert Old-School-Hip-Hop mit modernen Elementen. Ein begabter Musiker und Allrounder, der seine Tracks hauptsächlich selbst in Berlin schreibt, komponiert und produziert.

In Memphis, der Stadt, in der Legenden wie Aretha Franklin, Otis Redding und Elvis Presley ihre Karriere starteten, begann auch die Musikkarriere von Bishop Bledsoe (Red Music) im Alter von 12 Jahren. Zunächst vor allem durch alternativen Rock beeinflusst, entdeckte er als Jugendlicher Hip Hop, Rap und Trap und formte über die Jahre seinen einzigartigen Sound. Seine Debut-EP Right Place Wrong Time erschien im Mai.
Die EP beginnt mit einem absoluten Highlight: „Zoo“. Zu hören gibt’s erst einmal ein gänsehautverursachendes Flötensolo im Intro, dann folgen hohe Klaviertöne und Gitarre. „All I wanna do is escape from out the Zoo“ – dann setzt der Beat ein – „but I’m trapped hoe, the fuck you think we call it Trap fo’?“ Bei dem zweiten Song der EP setzt Bledsoe noch einen drauf. „I can’t concentrate, I can’t contemplate, how they confiscate just to compensate“. Red Music besticht mit Authentizität und originellen Lyrics. Der Rapper übt Kritik an gesellschaftlichen Missständen, thematisiert den Klimawandel und plädiert für eine Überarbeitung des traditionellen Männerbildes. Auf dem letzten Track „Hourglass“ beweist Red Music Schnelligkeit und, dass er spitten kann – und das nicht mit simplen Haus-Maus-Reimen. Tay Keith wäre wahrscheinlich entzückt.

Fazit: Die lyrische Qualität eines Kendrick Lamar unterstützt durch hypermoderne Trap-Charakteristik: Red Music ist ein souveräner Rapper mit coolem eigenen Sound und Style.

Autorin:

Hutham Hussein