William’s Orbit: Gitarrenrock mit Ohrwurmpotential

2012 kamen vier eingeschworene Rockfans in Weiden zusammen und gründeten eine Band mit dem spannenden Namen William’s Orbit. Im Eiltempo ging es über hunderte Konzerte, Tour mit Bluesman Jesper Munk, den ersten Platz beim Newcomer Contest Bayern und eine Crowdfunding-Kampagne fürs erste Album, deren Ziel innerhalb von sagenhaften zwei Tagen erreicht wurde, immer weiter nach oben – bis im März diesen Jahres leider, leider eine Bandpause auf unbestimmte Zeit bekanntgegeben wurde. Ihre Musik lässt sich aber natürlich trotzdem weiter aufdrehen.

Die Songs von William’s Orbit sind gitarrenlastig und gewinnen vor allem durch die raue Stimme des Sängers. Hört man bei der Debüt-EP Eurydice noch eine deutlichere Experimentierfreudigkeit mit hin und wieder sanften Klängen und Akustikgitarren, so merkt man bei Platte Nummer zwei ein selbstbewusstes Angekommensein in der alternativen Rockmusik. Once ist voll von Gitarrenriffs und lauten Akkorden.

Fazit: Dass in nächster Zeit eher keine neuen Aufnahmen von William’s Orbit zu erwarten sind, ist auf alle Fälle schade, schließlich ist die Musik vollgeladen mit griffigen Melodien, tollen Instrumentalparts und einer Stimme mit Wiedererkennungswert.

Links: https://www.br.de/puls/musik/bands/williams-orbit-vorgestellt-102.html
https://www.backstagepro.de/williamsorbit

Reggea auf französisch?!

Dass Reggea nicht nur auf englisch mit jamaikanischem Akzent möglich ist, beweisen die Mitglieder von Kana, einer überzeugten Reggeaband aus Frankreich.

Die Texte von Kana sind dabei hauptsächlich in ihrer Muttersprache geschrieben, nur vereinzelt finden sich auch Titel auf englisch, portugiesisch oder spanisch auf ihren vier veröffentlichten Alben. Der bekannte Off-beat-Rhythmus des Genres lässt auch bei Kanas Songs niemanden kalt und Sprache bewirkt, dass man mit einem akzeptablen Schulfranzösisch ungefähr ähnlich wenig versteht, wie mit fließenden Englischkenntnissen bei original jamaikanischen Sängern. Die Stimmung ist dabei trotz der untypischen Sprache ausgesprochen stilecht.
Interessant ist außerdem, dass sich die Band bereits zu Experimenten hinreißen ließ, wie dem Neuinterpretieren des Chansons „La Tendresse“ von Bourvil auf ihre eigene Art und Weise, was den ZuhörerInnen auch gut ein amüsiertes Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

Fazit: Kana machen Laune und versprühen das reggeatypische Gefühl von Freiheit und Unbekümmertheit.

Links: http://www.reggae.fr/lire-article/2642_Kana-Internacional.html

Sanfte Klänge aus Westafrika

Eine Kora ist ein harfenähnliches afrikanisches Saiteninstrument. Traditionellerweise ist das Erlernen der Kora nur in speziellen Musikerfamilien üblich und wird dort von der älteren Generation an die männlichen Nachkommen weitergegeben. Eine der wenigen professionellen weiblichen Kora-Spielerinnen ist Sona Jobarteh, eine Künstlerin aus London mit Wurzeln in einer solchen Musikerfamilie.

Jobartehs Spiel auf dem großen, klobigen Instrument ist gekonnt und der Klang ist angenehm und voller Wärme. Eine tolle Atmosphäre entsteht in Jobartehs Liedern auch durch den vielfachen Einsatz von verschiedenen Trommeln, Schlagzeug und Percussion.
Die studierte Musikerin besticht außerdem mit ihrer klaren, sanften Stimme, die den spannenden Instrumenten aber nicht die Show stiehlt. Als Gegenpol zu der sonst oft gehörten Hektik in Musikstücken lösen Jobartehs Lieder eher ein Gefühl innerer Ruhe aus.

Fazit: Jobarteh beherrscht ein interessantes Instrument, singt herausragend und ihre Musik wird durch eine tolle Band vervollständigt.

Links: http://www.sonajobarteh.com/

 

Mit der Jazz-Gitarre mal ohne Sting unterwegs

Eigentlich stellt dieser Künstler im Konzept von unterm Radar eine gewaltige Ausnahme dar. Er ist nämlich alles andere als unbekannt. Dominic Miller hat schon mit verschiedensten Größen zusammengearbeitet und ist seit zwei Jahrzehnten auch solistisch unterwegs, am besten kennt man ihn jedoch als Gitarristen des großartigen Musikers Sting. Mainstream allerdings ist Miller auf keinen Fall und so ist es wohl ein vertretbarer Tabubruch, hier über ihn zu schreiben. Soviel also als Vorwort.

Dominic Miller, in Argentinien geboren und in den USA und Großbritannien aufgewachsen, kam zwar erst mit 15 Jahren zur Gitarre, mit seinem Talent war das späte Einstiegsalter aber anscheinend kein Problem. Seit 1991 ist er an Stings Seite auf der Bühne zu sehen und ist für bekannte Gitarrenmelodien bei Klassikern wie dem fantastischen „Shape Of My Heart“ verantwortlich.
Abgesehen davon hat Miller inzwischen auch ein Dutzend Soloalben herausgebracht, auf denen er sich in verschiedenen Stilen ausprobiert. Dieses Jahr erschienen ist seine neueste CD Silent Light. Schon der Titel lässt einen aufhorchen und erzeugt so eine wunderbare Mischung aus Bekanntem und Rätselhaftem. Miller bewegt sich hier hauptsächlich im Jazz, teilweise auch im Latin und besticht mit gleichermaßen ruhigen wie virtuosen Kompositionen. Besonders ist an dieser Aufnahme, dass die einzelnen Tracks tatsächlich nur mit Miller an der Akustikgitarre und einem Percussionisten eingespielt wurden und so trotz der Komplexität einiger Melodien mit den vielen wiederkehrenden Bausteinen fast minimalistisch anmuten.

Fazit: Dominic Miller gehört zu den absoluten Großmeistern der heutigen Zeit. Silent Light beweist technische Fähigkeiten, musikalisches Einfühlvermögen und einen besonderen Sinn für einfache Schönheit.

Links: https://www.ndr.de/ndrkultur/Dominic-Miller-Silent-Light,audio326476.html

Mit rhythmischen Drums in die Discos

In Großbritannien spielen sie schon bei den ganz Großen mit: The Guardian’s „Single of the week“, BBC Radio 1, Reading-Festival, Nominierungen für diverse Preise. In Deutschland sind sie dagegen noch nicht bei der breiten Masse angekommen, ihr Mix aus Electro, Pop, Shoegazing- und Indie-Rock macht aber einiges her. Die Rede ist von dem Trio Friendly Fires aus England, seit 2006 auf britischen Bühnen unterwegs.

Ed Macfarlane, Jack Savidge und Edd Gibson machen zusammen Musik, seitdem sie 13 Jahre alt sind. Über diese Zeit hat die Band sich und ihre Musik stark entwickelt bis sie inzwischen mit zwei Alben, mehreren Singleauskopplungen und großen internationalen Touren die Musikwelt bereichert haben.
Die Friendly Fires füllen kleine Clubs genauso wie riesige Festivalgelände, und das, obwohl ihre Musik einen doch recht eigenwilligen Charakter hat. Viel Elektronik, verfremdene Effekte und Einflüsse aus dem Techno auf der einen Seite. Auf der anderen Seite kommt neben der typischen Club-Mucke auch die „echte“ Musik mit Gesang und Instrumenten nicht zu kurz. Es wird viel getrommelt, auch unüblichere Rhythmen, was für einen gewaltigen Schwung und eine von vergleichbaren Electro-Gruppen ungekannte Komplexität sorgt. Ed Macfarlanes hohe Stimme passt genau in diese Art von Musik, in der alles passieren kann und nichts passieren muss.

Fazit: Das Hangeln durch die verschiedenen Genres machen die Friendly Fires mit links. Dadurch, dass sich die Jungs eben nicht an vorgegebene Wege halten, sondern sich auch trauen, nicht nur die für Electro typischen Merkmale immer weiter durchzukauen, gewinnt die Musik in jeder Hinsicht. Das Ganze wirkt dadurch so, als hätten sich einfach drei Freunde zusammengesetzt und gemacht, worauf immer sie Lust hatten, ohne sich von außen reinreden zu lassen.

Links: http://www.laut.de/Friendly-Fires