Call me Brutus: Rock on fire

Es wird laut. Call me Brutus haben eine neue EP am Start und sie fetzt.

Die Mitglieder der Punk-Rock-Band Call me Brutus aus Sindelfingen bei Stuttgart sind keine Neulinge mehr im Geschäft: Wäre dies ein normales Jahr, hätten sie im kommenden Dezember ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Geburtstagskonzert gefeiert. Dafür haben Barney, Basti, Dani, Felix und Micha in ihrem Jubiläumsjahr jetzt eine frische EP herausgebracht. Double Exposure heißt das Werk, das die Band am 4. September veröffentlicht hat.
Mit ordentlich Drums und rotzigen Gitarrensounds legen Call me Brutus punkig vor. Die Truppe drängt nach vorn, keine Zeit für Balladen. Überhaupt kann man sich beim Hören schnell ausmalen, was für eine Stimmung bei Konzerten der Band herrschen muss. Dazu vermitteln die fünf eine klare politische Message und halten es gern mit Andy Warhol: „Alles ist Kunst, solange man damit durchkommt.“

Fazit: Call me Brutus ist nichts zum Stillsitzen. Trotz Lautstärke und Klangdichte bekommt jedes Instrument seine Bühne – die langjährige Bandgeschichte zahlt sich aus.

Wahnschaffe: Deutschpop geht auch anders

Wahnschaffe weiß, was sie will. Und das ist nicht weniger als das Genre Deutschpop einmal gehörig umzukrempeln.

Ihre erste Band hatte die Sängerin und Gitarristin Wahnschaffe aus Köln mit 14 Jahren. Statt nach dem Studium als Lehrerin zu arbeiten, entschied sie sich für den Weg in die Berufsmusik. Sowohl in verschiedenen Konstellationen als auch solo hat die Künstlerin über die Zeit einiges an Musik veröffentlicht. Mit der eigenen Band ist nun für September eine EP geplant.
Schon die bisherigen Singles faszinieren aber: Selbst in sanft gesungenen Passagen, merkt man sofort wie viel Volumen und Kraft in ihrer Stimme steckt. Auch was Melodien und Harmonien angeht, hat Wahnschaffe den ein oder anderen Twist parat. Allein deshalb schon tut man sich schwer, der Musik von Wahnschaffe das Label „Deutschpop“ aufzuerlegen. Denn in ihren Songs gibt es kaum klassische Pop-Harmonien, stattdessen wird es rockig, soulig, vielleicht sogar jazzig und etwa im Livevideo zu ihrem Song „Leuchten“ erwartet einen am Schluss eine Klangüberraschung, die an die Power von Gospel und Musical erinnert.

Fazit: Die Musik von Wahnschaffe begeistert zurecht – mehr als eine absolute Hörempfehlung kann man da nicht aussprechen.

Socha Beag: Alternative aus Frankfurt

Obwohl der Sound von Socha Beag recht eigen ist, hat man ihn schnell im Ohr. Grund dafür ist unter anderem eine ganz besondere Stimme.

Nachdem Socha (Gesang) und Wolle (Gitarre) 2014 den Grundstein für die Band legten, schlossen sich vor zwei Jahren schließlich Schlagzeuger Jens und Bassist Marc an. Frisch gibt es von den vieren gerade ein neues Album zu hören. Dessen Titel The Time of Unrest gibt auch schon einen Hinweis auf die Stimmung der Musik.
Auch wenn man Socha Beag bei ihrem eigenwilligen Sound nicht einfach als Rockband abstempeln kann, macht sich das eingespielte Team einer Band mit klassischer Rock-Instrumentation schnell bemerkbar. Gitarre, Bass und Schlagzeug wissen Spannung aufzubauen und sorgen fürs Setting, zwischendurch wird ein Solo eingestreut. Besonders charakteristisch für Socha Beag ist allerdings der ausdrucksstarke Gesang von Frontfrau Socha, die einen mit einer tiefen, rauen Stimme in ihren Bann zieht.

Fazit: Während man es bei anderen Bands vielleicht kritisch beäugen würde, ist es bei Socha Beag kein Problem, wenn ein Song mal die Sieben-Minuten-Marke knackt. Eine tolle Band, Texte mit Message und eine faszinierende Stimme machen die Musik zu einem spannenden Gesamtpaket.

Punch Drunk Poets: Poesie mal anders

Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poets beweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.

Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen.
Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.

Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Urban Project: Aachener Sound-Labor

Mit simplen Pop-Strukturen gibt sich beim Urban Project aus Aachen keiner zufrieden. Hier wird ausprobiert und an Klängen gewerkelt – die ein oder andere Dissonanz und eingebaute Stimmungswechsel bringen extra Pepp in die Songs.

Die Basis der Band bilden Gitarrist Urban Elsässer und die Sängerin, Komponistin und Texterin Yen Hwei Bella Anetzberger. Zu diesem Grundstock gesellten sich seit 2015 bereits verschiedene weitere Musiker, bis sich inzwischen eine feste vierköpfige Besetzung mit Bassist und Schlagzeuger eingependelt hat. Zwei Platten hat die Band schon auf Vorrat, die dritte ist in der Mache.
Beim Urban Project geht es rockig zu, die Tracks der Band sind nicht aber unbedingt Songs, die leicht ins Ohr gehen. Urban Project spielen mit dem Ungewohnten, kombinieren melodische Phrasen mit Brüchen. So entsteht eine besondere Spannung und die Musik bekommt eine eigene Note. Auch musikalisch wissen die vier fraglos, was sie machen.

Fazit: Für das Urban Project ist Langeweile ein Fremdwort. In ihrer Musik passiert ständig etwas und auch Genregrenzen legen die vier neu aus.

Emerson Prime: einmaliger Sound

Die Band Emerson Prime aus Hannover haben sich von Anfang an ihren eigenen Sound erspielt. Im Moment haben sie auch die ein oder andere neue Single im Gepäck.

Sängerin Erika Emerson ist die Tochter eines englischen Gesangsprofessors und einer schottischen Jazzdozentin. Ihre Kollegen bei Emerson Prime: Simon Lorenz (Bass), Joschka Merhof (Keyboard), Jan Beyer (Gitarre) und Tobias Lammers (Drums). 2015 trafen die fünf das erste Mal am Popinstitut in Hannover im Proberaum aufeinander. Eine EP, ein Album und drei Deutschlandtouren später wirken die Musikerinnen und Musiker, als hätten sie schon immer zusammen gespielt.
Emerson Prime lassen es krachen: Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und Wechsel und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation. Die Melodien sind alles andere als eintönig, musikalisch hat das Ganze Intensität, das Zuhören macht Spaß.

Fazit: So etwas wie Emerson Prime hört man so schnell wahrscheinlich kein zweites Mal. Die Band klingt eigen und charakterstark, in ihren kreativ-spannenden Melodien sprüht das Quintett vor Energie.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Baby It’s Fine
    • 2018 Debut Wonderseed
  • Umleitung:

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Soeckers: Münsteraner Garagen-Sound

Was die Bandmitglieder von Soeckers von Anfang an verbunden hat, ist nach eigener Aussage „das Bedürfnis, sich die Schnapsflasche bei Songs zu teilen, die mehr Vinyl als MP3 sind“. Na dann Prost!

Ihr VW-Bus hat die Band schon zu an die 100 Konzerten gebracht – Studioaufnahmen waren bisher allerdings noch Mangelware. Das soll sich 2020 ändern, wenn die vier wie geplant ihr Debutalbum veröffentlichen. Als Weihnachtsgeschenk und Vorbote haben sie mit „Halt mich“ eine erste Single vorgestellt.
Diese Single lässt schon durchblicken, wo Soeckers mit ihrem Album hinmöchten. Die raue Stimme des Sängers erinnert an AnnenMayKantereit, der Text ist auf deutsch und die Begleitung gut abgeschmeckt: dreckiger Rocksound in der Gitarre, schön softe Übergänge im Bass, der Schlagzeuger baut den Klang zum Finale auf, kann sich aber auch zurückhalten.

Fazit: Eine Band, die schon so viel gemeinsame Live-Erfahrung hat, ist erwartungsgemäß gut eingespielt und auf einander abgestimmt. Zwar ist ein Album nun eine andere Geschichte (so ganz ohne Bühnenpräsenz und Publikum) – den Jungs vertraut man aber schnell, dass sie auch dafür ein Händchen haben. Die Single lässt jedenfalls schon einiges erhoffen.

Virgin Tears: Sphärischer Post Punk

Melancholisch, düster und geheimnisvoll klingen die Virgin Tears. Wenn das kein guter Start in die dunkle Jahreszeit ist…

Vor einem Jahr gründeten die Sängerin und Gitarristin Linda Lace und der Bassist und Schlagzeuger Anthony Forest in Hamburg das Duo Virgin Tears. Pünktlich zum ersten Geburtstag veröffentlichten die beiden im September ihre erste EP The Beauty Of Broken People.
Durchdringend liegt Linda Laces Gesang auf der sphärischen Gitarre und dem stabil durchlaufenden Beat. Die beiden machen Musik ohne Schnickschnack: Es gibt keine Schnörkel, keine Verzierungen, stattdessen arbeiten sie mit eindrücklichen Klängen, vielen sich wiederholenden Einzeltönen in Gitarre und Bass, passagenweise Akzenten und jeder Menge Hall. Das Duo kreiert so eine besondere Stimmung, die fasziniert.

Fazit: Trotz der Einfachheit und der gewollten Monotonie in Melodie und Begleitung klingen die Songs von Virgin Tears durchdacht und lassen es zu, schon nach wenigen Takten des Zuhörens ganz in die Musik einzutauchen.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP The Beauty Of Broken People
  • Umleitung:

Usinger: Genre-Mix auf deutsch

Die Band als Familienunternehmen: Drei Brüder wollen den Deutschpop umkrempeln.

Hinter Usinger stehen Jonas, Leo und Nico Usinger. Aufgewachsen auf dem Land in Hessen, war die Musik für die Geschwister eine Möglichkeit, aus der Beschaulichkeit der Provinz auszubrechen. 2018 brachten Usinger dann mit Kein Plan ihr erstes Album heraus, eine neue Single kommt in wenigen Tagen.
Die Songs der Band sind eindrücklich und verbinden verschiedene stilistische Elemente: Mit kratzig-cooler Stimme werden deutsche Texte gesungen, unterlegt mit folkig gezupfter Gitarre oder rhythmischem E-Bass. Dazu kommen einzelne elektronische Effekte, flinkes Schlagzeugspiel vom versierten Drummer auf der einen Seite und stampfende Beats, zu denen sich durchaus auch tanzen lässt, auf der anderen.

Fazit: Usinger sind ein wunderbar harmonierender und spannender Mischmasch aus Alternative, Indie und Pop.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Kein Plan
  • Meisterwerk: Regen
  • Umleitung: