Emerson Prime: einmaliger Sound

Die Band Emerson Prime aus Hannover haben sich von Anfang an ihren eigenen Sound erspielt. Im Moment haben sie auch die ein oder andere neue Single im Gepäck.

Sängerin Erika Emerson ist die Tochter eines englischen Gesangsprofessors und einer schottischen Jazzdozentin. Ihre Kollegen bei Emerson Prime: Simon Lorenz (Bass), Joschka Merhof (Keyboard), Jan Beyer (Gitarre) und Tobias Lammers (Drums). 2015 trafen die fünf das erste Mal am Popinstitut in Hannover im Proberaum aufeinander. Eine EP, ein Album und drei Deutschlandtouren später wirken die Musikerinnen und Musiker, als hätten sie schon immer zusammen gespielt.
Emerson Prime lassen es krachen: Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und Wechsel und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation. Die Melodien sind alles andere als eintönig, musikalisch hat das Ganze Intensität, das Zuhören macht Spaß.

Fazit: So etwas wie Emerson Prime hört man so schnell wahrscheinlich kein zweites Mal. Die Band klingt eigen und charakterstark, in ihren kreativ-spannenden Melodien sprüht das Quintett vor Energie.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Baby It’s Fine
    • 2018 Debut Wonderseed
  • Umleitung:

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Soeckers: Münsteraner Garagen-Sound

Was die Bandmitglieder von Soeckers von Anfang an verbunden hat, ist nach eigener Aussage „das Bedürfnis, sich die Schnapsflasche bei Songs zu teilen, die mehr Vinyl als MP3 sind“. Na dann Prost!

Ihr VW-Bus hat die Band schon zu an die 100 Konzerten gebracht – Studioaufnahmen waren bisher allerdings noch Mangelware. Das soll sich 2020 ändern, wenn die vier wie geplant ihr Debutalbum veröffentlichen. Als Weihnachtsgeschenk und Vorbote haben sie mit „Halt mich“ eine erste Single vorgestellt.
Diese Single lässt schon durchblicken, wo Soeckers mit ihrem Album hinmöchten. Die raue Stimme des Sängers erinnert an AnnenMayKantereit, der Text ist auf deutsch und die Begleitung gut abgeschmeckt: dreckiger Rocksound in der Gitarre, schön softe Übergänge im Bass, der Schlagzeuger baut den Klang zum Finale auf, kann sich aber auch zurückhalten.

Fazit: Eine Band, die schon so viel gemeinsame Live-Erfahrung hat, ist erwartungsgemäß gut eingespielt und auf einander abgestimmt. Zwar ist ein Album nun eine andere Geschichte (so ganz ohne Bühnenpräsenz und Publikum) – den Jungs vertraut man aber schnell, dass sie auch dafür ein Händchen haben. Die Single lässt jedenfalls schon einiges erhoffen.

Virgin Tears: Sphärischer Post Punk

Melancholisch, düster und geheimnisvoll klingen die Virgin Tears. Wenn das kein guter Start in die dunkle Jahreszeit ist…

Vor einem Jahr gründeten die Sängerin und Gitarristin Linda Lace und der Bassist und Schlagzeuger Anthony Forest in Hamburg das Duo Virgin Tears. Pünktlich zum ersten Geburtstag veröffentlichten die beiden im September ihre erste EP The Beauty Of Broken People.
Durchdringend liegt Linda Laces Gesang auf der sphärischen Gitarre und dem stabil durchlaufenden Beat. Die beiden machen Musik ohne Schnickschnack: Es gibt keine Schnörkel, keine Verzierungen, stattdessen arbeiten sie mit eindrücklichen Klängen, vielen sich wiederholenden Einzeltönen in Gitarre und Bass, passagenweise Akzenten und jeder Menge Hall. Das Duo kreiert so eine besondere Stimmung, die fasziniert.

Fazit: Trotz der Einfachheit und der gewollten Monotonie in Melodie und Begleitung klingen die Songs von Virgin Tears durchdacht und lassen es zu, schon nach wenigen Takten des Zuhörens ganz in die Musik einzutauchen.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP The Beauty Of Broken People
  • Umleitung:

Usinger: Genre-Mix auf deutsch

Die Band als Familienunternehmen: Drei Brüder wollen den Deutschpop umkrempeln.

Hinter Usinger stehen Jonas, Leo und Nico Usinger. Aufgewachsen auf dem Land in Hessen, war die Musik für die Geschwister eine Möglichkeit, aus der Beschaulichkeit der Provinz auszubrechen. 2018 brachten Usinger dann mit Kein Plan ihr erstes Album heraus, eine neue Single kommt in wenigen Tagen.
Die Songs der Band sind eindrücklich und verbinden verschiedene stilistische Elemente: Mit kratzig-cooler Stimme werden deutsche Texte gesungen, unterlegt mit folkig gezupfter Gitarre oder rhythmischem E-Bass. Dazu kommen einzelne elektronische Effekte, flinkes Schlagzeugspiel vom versierten Drummer auf der einen Seite und stampfende Beats, zu denen sich durchaus auch tanzen lässt, auf der anderen.

Fazit: Usinger sind ein wunderbar harmonierender und spannender Mischmasch aus Alternative, Indie und Pop.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Kein Plan
  • Meisterwerk: Regen
  • Umleitung:

KOJ: Düsterer Indie und starke Stimme

KOJ zeigen: Wer sich privat gut versteht, macht oft auch die bessere Musik zusammen. Das Indie-Trio besteht aus zwei Brüdern, Gesang und Gitarre kommen von der Ehefrau des einen Bruders.

Schon seit 2010 machen Frontfrau Alina, Simon (Keyboard) und Nils (Schlagzeug) in dieser Konstellation zusammen Musik. Genug Zeit um einen gemeinsamen Stil auszuarbeiten und sich einzugrooven. Den ein oder anderen Record haben die drei im Laufe der Jahre schon herausgebracht, nächstes Jahr soll ein weiteres Album folgen. Gerade ist die Band außerdem als Support Act von Kochkraft durch KMA auf Tour.
Die musikalische Richtung von KOJ ist recht düster, die sich wiederholenden Klänge sind zum Teil fast tranceartig-meditativ. In diese Grundstimmung passt die in ihrer Tendenz eher tiefe Stimme der Sängerin genau hinein. Alina singt unaufgeregt, wenn auch mit Power und verleiht dem Sound der Band noch einmal ein Alleinstellungsmerkmal.

Fazit: KOJ sind ein eingespieltes Team. Ihre Songs kommen ohne übermäßig komplizierte Stilmittel aus und rufen gerade durch ihre Gelassenheit eine ausdrucksstarke Atmosphäre hervor.

Aftertheriot: Rock-Randale

Um Verzweiflung und unerschütterliche Hoffnung geht es den vier Musikerinnen und Musikern von Aftertheriot, wie sie selbst sagen. Diese Zerrissenheit klingt auch in ihrer Art Musik zu machen durch.

Aftertheriot sind Sängerin Jess, Drummer Hannes und jeweils ein Chris an Gitarre und Bass. Die vier Ur- und Wahlberliner haben in den letzten Jahren zwei EPs aufgenommen und sich auf verschiedenen Bühnen ausgetobt. Am Donnerstag ist die Band noch mit ihren Kollegen von Papiertiger in Berlin zu sehen.
Politisch, gesellschaftskritisch und laut lassen die vier ihren Überzeugungen freie Fahrt und singen insbesondere gegen Nationalismus und Rassismus an. Jess‘ Gesang hat Power und die Sängerin prägt den Charakter der Band mit ihrer Stimmfärbung ebenso wie mit den mutigen Melodieläufen. Die anderen drei Bandmitglieder bauen mit ihrer Instrumentation einen massigen Hintergrundsound auf, sind aber trotzdem auch einzeln jeder für sich markant und gut herauszuhören.

Fazit: Aftertheriot drängen nach vorn, machen ihrem Ärger über bestehende Probleme Luft und reißen ihre Hörer auch ohne simplen Mitsing-Pop mit.

Elfmorgen: Punk-Rocker legen nach

Deutschrock-Fans aufgepasst: Elfmorgen machen Feuer im Kessel und auch ein neues Album ist in Sicht.

Die Band ist schon lange ein eingespieltes Team. Seit 17 Jahren sind die drei jetzt zusammen am Start, nach acht Jahren ohne Platte lassen Elfmorgen in diesem Jahr wieder von sich hören: Kommenden Monat kommt Zuhause auf den Markt. Für Ende diesen Jahres und Anfang 2020 ist außerdem noch eine Deutschlandtour der Band angekündigt.
Die Erwartungen an ihr Album haben Elfmorgen bereits hoch gesteckt: Schon in der ersten Single „Bei aller Liebe“ wird man mitgezogen vom Enthusiasmus der Band. Punkige Sounds treffen auf Pop-Melodien und -Texte, es gibt fetzige Passagen zum Mitsingen und tanzgeeignet ist der Song auch. Elfmorgen setzen auf deutsche Texte, vorwärtsdrängendes Schlagzeug, „oh-eh-oh“-Backing Vocals und eine gepfefferte Portion Overdrive.

Fazit: Wer trotz der langen Bandgeschichte der selbsternannten ältesten Newcomer-Band der Welt noch nie über Elfmorgen gestolpert ist, kann das jetzt pünktlich zur neuen Platte noch nachholen.

Papiertiger: Pop-Punk-Vierbeiner

Papierflieger bauen kann jeder, der irgendwann mal einen Fuß in ein Schulgebäude gesetzt hat – Papiertiger sind da wohl das nächste Level.

Seit 2018 spielen die Münchner Jungs Attila (Gesang, Gitarre), Bruno (Gitarre), Julius (Schlagzeug) und Moritz (Bass, Gesang) zusammen als Papiertiger. Ihr Anspruch: Lyrics, die über Junge-erobert-Mädchen und „München seid ihr heute Abend gut drauf?“ hinaus gehen. Die erste EP Papiertiger gibt’s seit dem 11. Oktober, für den 24. und 31. stehen Konzerte in München und Berlin auf der Agenda.
Die EP gibt einen schönen ersten Eindruck, in welche Richtung sich die Band orientiert. Die Raubkatzen warten mit deutschem Pop-Gesang, treibenden Drums, catchy Gitarremotiven und Rockakkorden auf. Nicht nur von der Gitarre, auch vom Bass gibt es immer wieder Fills mit Drive, die Titel klingen insgesamt jugendlich-übermütig, aber doch auch recht geerdet.

Fazit: Musikalisch sind die vier Papiertiger schön austariert, die Songs gehen leicht ins Ohr, die Texte sind authentisch. Mit der EP hat die Band außerdem einen hörenswerten Start hingelegt.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP Papiertiger
  • Umleitung:

Musik-News: Neues Album von He Told Me To!

Die Fakten:

Künstler: He Told Me To aka. Sandro Weich (hier geht’s zum Künstlerportrait)
Genre: Indie-Pop
Das steht an: Album Fourth Place (ab 11. Oktober)

Die Analyse:

Die erste Single zum Aufwärmen kam schon vor ein paar Wochen raus. Nächste Woche kriegt He Told Me To’s „Year of Exhaustion“ dann endlich Gesellschaft von zwölf anderen Songs – dann nämlich geht das Album Fourth Place an den Start.
Sandro Weichs Stilpalette ist bunt auf der neuen Platte. Zu hören gibt’s rhythmischen Gesang wie in „Mann über Bord“ ohrwurmträchtige Gitarre bei „Vulture Man“ und funkigen Bass in „Popcorn in a Playhouse“. Auch fühlt sich der Sänger zwischendurch anscheinend recht wohl in ein wenig mysteriöser Düsterkeit. Es gibt etwas Reibung in den Melodien, er kann coole Sau genauso wie behutsame Sounds. Gute-Laune-Songs sind einem auch garantiert – so zum Beispiel „Gold Star“, ein Song mit feiner Rhythmik, Drive und variantenreichem Gesang, der absulut Spaß macht.
Fourth Place ist ganz klar zu empfehlen, eine Warnung sei allerdings ausgesprochen: Stillsitzen ohne wenigstens ein bisschen rhythmisches Fußwippen ist beim Hören kaum möglich.