ESKALATION: Rockmusik ohne Morgen

ESKALATION gehen auf den ersten Blick recht mutig an das Genre Rock. Deutsche Texte, dazu eine Mischung aus Melodie- und Sprechgesang und Blasinstrumente in der festen Besetzung. Aber: Das funktioniert. Und zwar wirklich gut.

Die Nürnberger ESKALATION haben sich in den vergangen zwei Jahren mit um die 70 Gigs schon eine Fanbase erspielt. Mitte Mai soll es dann mit einem neuen Album weitergehen. Hinter dem Bandnamen verbergen sich gleich sieben Menschen: Frontmann und Gitarrist, Basist, Keyboarderin, Drummer, Posaunist, Trompeter und Saxophonistin. Dass der Sound massig wird, ist also keine Überraschung.
Energiegeladen und mit Karacho nach vorn – so funktionieren die Songs der Truppe. Die Fills und Akzente der Bläser passen erstaunlich gut in das Indie-Punk-Rock-Konzept, während die klassische Rockband-Besetzung für den stabilen Unterbau und ordentlich Drive sorgt. Auch die deutschen Texte sind eine erfrischende Abwechslung zu den im Rock meist englischen Lyrics. Mit ihrer Musik sorgen Eskalation für Partystimmung und den Kram laut aufzudrehen, ist das mindeste, was man tun kann.

Fazit: ESKALATION sind eine Rockband wie sie sein sollte: unkonventionell, mit Spaß an der Sache und einem Sound ohne Rücksicht auf Verluste.

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Emersound: musikalische Reise um die Welt

Die Musiker von Emersound verbinden die musikalische Energie aus ihrer brasilianischen Heimat mit anderen Stilen aus der ganzen Welt. Was dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Die Truppe um Frontmann Emerson Araújo hat sich inzwischen in Berlin angesiedelt und versprüht ihre Vibes von dort aus in ganz Europa. Zwei Studioalben und ein Liverecording haben sie schon gemeinsam in Umlauf gebracht, die Konzerte der energiegeladenen Band lohnen sich erst recht.
Die unschlagbare Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Funk, Afro-Beat, HipHop und Reggea zieht bei ihrem Publikum ohne Frage. Schlagzeug und Percussion geben das südamerikanische Grundfeeling vor, die Gitarre sorgt je nachdem für eine Prise Funk oder Reggea. Emerson Araújo ist mit seinem Sprechgesang und dem charismatischen Auftreten das Gesicht von Emersound. In Brasilien und Chile ist der Name Araújo wohl längst nicht mehr unbekannt, um die Leute hierzulande von ihrer gut gelaunten, urbanen und etwas exotischen Art zu überzeugen, haben sie sich mit Berlin wahrscheinlich schon einmal das beste Terrain ausgesucht.

Fazit: Für alle, die bei Musik grundsätzlich den Drang haben, sich zu bewegen, und mal Lust auf etwas anderes haben, ist Emersound die richtige Wahl. Sie haben ein Gefühl für verschiedenste Genres, texten in verschiedenen Sprachen und wirken unglaublich offen – man hat fast das Gefühl, dass Emersound überall auf der Welt zuhause sind.

  • Meilensteine:
    2011 Mi Raza
    2015 Live In Santiago De Chile
    2016 Música Propria
  • Umleitung: http://emersound.net/

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#zweiraumsilke: HipHop-Kollektiv mit Wumms

Jung, voller Energie und mutig genug, sich an neue Ideen heranzutrauen: #zweiraumsilke beweisen, dass man mit einer gehörigen Portion HipHop-Coolness, sympathischem Auftreten und nicht zuletzt einer tollen Band eine ganze Menge anstellen kann.

Für so einen starken Sound, wie ihn #zweiraumsilke fabrizieren, braucht es eine große Band. Hinter dem Frontduo aus Rapper und Sängerin stehen also auch noch eine Bläserfraktion, Schlagzeug und Saiteninstrumente von der E-Gitarre bis zum Cello. In ihrer fränkischen Heimat haben sie sich längst einen Namen gemacht, mit Crowdfunding-Unterstützung wurde sogar der Traum von der ersten eigenen Platte (sie trägt den schönen Titel Zielstrebig Planlos) wahr.
#zweiraumsilke toben sich quer durch die Stile – neben Rap und HipHop wagen sie sich zum Beispiel an Jazz und lateinamerikanische Musik – und wenn es darum geht, trotz einer großen Gruppe ein ausgereiftes musikalisches Zusammenspiel zu beweisen, legen sie ein ähnlich gutes Gespür an den Tag wie die Brass-HipHop-Profis von Moop Mama. In spannenden Fills zeigen die Musiker, dass sie es verstehen, das richtige Maß an Lautstärke und Akzenten zu finden und dass sie mit ihrer vielseitigen Besetzung und vor allem durch gut abgestimmtes Spiel tolle Atmosphären erzeugen können.

Fazit: Mit der Musik von #zweiraumsilke kann man ruhig mal die Leistung der Boxen ausreizen. Noch besser ist nur noch der Besuch beim Konzert. Man kann der Truppe nur wünschen, dass sie bald so richtig durch die Decke gehen.

Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 3, Carol Jarvis)

Nur noch eine Woche bis Heiligabend und trotz allgegenwärtiger Glühweinstände und kitschiger Beleuchtung keimt noch immer nicht genug Weihnachtsstimmung auf? Um nicht gezwungenermaßen doch zu „All I Want for Christams Is You“ oder gar zu Justin Biebers Weihnachtsalbum greifen zu müssen, werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um in Weihnachtsgefühlen zu schwelgen und dabei den typischen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Weiter geht’s mit Teil Drei: Smile von Carol Jarvis

Die Posaunistin Carol Jarvis ist 40 Jahre alt, Absolventin eines Studiums am britischen Royal Northern College of Music und inzwischen Dozentin am Trinity Laban Conservatoire of Music in London. Neben ihrem herausragenden Spiel auf der Posaune, spielt sie außerdem Keyboard, singt Backings, arrangiert und ist in verschiedenen anderen musikalischen Bereichen aktiv. Zusammengearbeitet hat Jarvis im Laufe ihrer Karriere unter anderem mit dem London Symphony Orchestra, Seal und Sting.
Auf ihrem Studioalbum Smile finden sich Interpretationen von Jazz-Klassikern wie „Night and Day“, „How High the Moon“ und „Caravan“, in denen Jarvis in beeindruckenden Höhen spielt und das jazzige Feeling besonders gut mit ihren weichen Tönen einzufangen vermag.
Der Erlös des Albums geht an die Organisation Macmillan Cancer Support. Bei Jarvis selbst wurde im Jahr 2004 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert und sie hat sich seitdem diversen Behandlungen unterzogen.

Fazit: Carol Jarvis spielt wunderschöne Töne auf ihrem Instrument und stellt im Jazz ebenso wie in der Klassik ihr Können unter Beweis.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.caroljarvis.com/

Moop Mama: Marching Band mal anders

Fast schon kein Geheimtipp mehr sind Moop Mama aus München. Der Grund dafür: Sie sind in verschiedensten Szenen vertreten. Eingeschworene Rap-Fans kennen sie, denn Frontmann Keno beherrscht Technik wie Freestyle und schreibt fantastische Texte. Musiker, die selbst ein Blasinstrument spielen, sind fasziniert von den Fähigkeiten der Band und den Soloeinlagen, denn von Sousaphon und Posaune über Saxophon bis hin zur Trompete ist alles dabei. Und zu guter Letzt sind da die Partygänger, die Moop Mama augenblicklich in ihren Bann zieht. Den Jungs gelingt es, einen riesigen Platz zum Springen zu bringen, dabei sind sie witzig und alles andere als abgehoben.

Unterstützt wurden sie dabei schon von Größen wie Jan Delay, den Sportfreunden Stiller und Blumentopf, sie spielen jede Menge Konzerte und arbeiten bereits am vierten Album. Die Texte sind mutig und machen weder vor Konsum- und Gesellschaftskritik noch vor einem bewegenden Lied über den Weg von Flüchtlingen über das Mittelmeer halt.
Auf ihren Live-Konzerten, die sie anfangs noch auf öffentlichen Plätzen gespielt haben und sich dabei das ein oder andere Mal mit der Polizei konfrontiert sahen, haben Moop Mama eine enorme Wirkung auf ihr Publikum, die Stimmung ist ausgelassen, es wird mitgesungen und früher oder später hat jeder einzelne die Hände in der Luft.

Fazit: Die Musik von Moop Mama eignet sich prima zum laut Aufdrehen. Das musikalische Niveau der Band ist sehr hoch, außerdem ist Rapper Keno ein geborener Entertainer und die Songtexte sind mindestens hochkarätig.

  • Meisterwerk: „Die Erfindung des Rades“
  • Getextet: „Denen, die so viel erzählen, steht das Wasser selten bis zum Hals“ (Meermenschen)
  • Umleitung: http://www.laut.de/Moop-Mama

Hippies mit Charisma

Mit einem Instrumentenpool aus Flügelhorn, Gitarre, Saxophon, Schlagzeug, Klarinette, Cello, Klavier, Sousaphon, Bass und Gesang lässt sich so einiges anstellen. Erst recht wenn jeder Musiker neben einem herausragenden Talent auch noch eine unglaubliche Freude am Leben, Lachen und Musizieren mitbringt.

2013 hat sich in den Niederlanden um Sänger und Flügelhornist Paul Istance das internationale Musikerkollektiv The Magic Mumble Jumble gebildet und wächst seitdem stetig weiter. Verschrieben haben sich die Künstler dem Hippiedasein. Ihre Botschaften wie „Home is where my heart is, and my heart is among my friends“, „Please take off your shoes before you step into my mind“ oder „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ tragen sie durch ihre Lieder auf Touren und Festivals in die Welt und sorgen auf ihren Konzerten für eine ganz besondere Verbindung zum Publikum.
Mit einer Mischung aus Folk, Pop und Jazz, markantem Gesang und immer wieder auch Instrumentalsoli bieten die jungen Frauen und Männer ein sehr abwechslungsreiches Programm.

Fazit: The Magic Mumble Jumble stehen für gute Laune und Lebensfreude pur. Das Zuhören macht Spaß, die Texte werden durch eingeworfene „Heys“ und andere Silben noch überschwänglicher und die sympathischen Musiker beherrschen ihre Instrumente.

  • Meisterwerk: „Brightest Colour Blue“
  • So klingt’s: bunte Mischung! Elemente aus dem New Orleans Jazz, Mehrstimmigkeit, Takt- und Tempowechsel, ausgelassene Stimmung
  • Getextet: „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ (Mr Scientist)
    „Please take off your shoes before you step into my mind“ (Change)
  • Umleitung: http://themagicmumblejumble.com/
    http://www.milla-club.de/the-magic-mumble-jumble/

Der Sound eines Reisenden

Indie Rock trifft auf Folk, traditionelle Klänge aus dem Balkan auf chanson-ähnliche Passagen, unterstützt wird alles von Blechbläsern und Sänger Zach Condons einzigartigen Melodiefolgen. Kurz gesagt: Die Musik von Beirut ist schwer zu beschreiben.

Ähnlich schwer einzuordnen wie das Genre sind die Texte aus Condons Feder. Poetisch und gut ausgedrückt wie sie sind, lassen sie doch nicht selten nur schwer erahnen, welche Aussage sie uns mit auf den Weg geben sollen. Zu dieser entstehenden Verwirrung tragen außerdem die oftmals ausgesprochen skurrilen Musikvideos bei. So sieht man im Hintergrund von No No No einen Herrn auf einer Leiter die Wand hinter der Band streichen, der Pianist bewegt die Finger statt auf einem Klavier auf einem Küchenrost und ein älterer Mann zieht dem davon völlig unbeeindruckten Condon von hinten eine Flasche aus Zuckerglas über den Kopf. Zum Schluss erscheinen verschiedene Hände im Bild, die den in der Luft schwebenden Musikinstrumenten applaudieren. Nichtsdestotrotz zieht es das Publikum augenblicklich in diese abstrakte Welt mit hinein, denn gut gemacht sind die Videos allemal.

Die Titel der einzelnen Songs lassen auf weitgereiste Menschen schließen: Von Prenzlauerberg, Rhineland und Postcards from Italy auf dem ersten Album The Gulag Orkestar geht es nach Nantes, East Harlem, Brazil und Gibraltar bis ins August Holland und La Banlieue (die französische, meist von Armut geprägte Vorstadt), um nur einige Beispiele zu nennen. Und der Schein trügt nicht: Gründer Zach Condon, sechzehnjähriger high school dropout, also Schulabgänger ohne Abschluss, verließ das heimatliche New Mexico, um auf Europareise zu gehen (Stationen unter anderem: Paris, Amsterdam und natürlich Osteuropa). Die klangliche Vielfalt, die sich dem jungen Musiker während dieser Zeit aufgetan hat, muss er unaufhaltsam in sich aufgesogen haben. Nur deshalb kann die Zuhörerschaft seiner Alben sich ganz der musikalischen Diversität und Vielschichtigkeit hingeben, die Condon und seine Band in ihren Werken vereinen.

Fazit: Beiruts musikalischer Stil eignet sich zwar besonders am Anfang nicht unbedingt zum Mitsingen, gehört aber mit ihrer Mischung aus Melancholie und Guter-Laune-Musik plus der zum Teil einzigartigen Instrumentation und des herausragenden Talents Zach Condons bestimmt in jedes gut sortierte CD-Regal.

Links: https://detektor.fm/musik/album-der-woche-beirut-the-rip-tide