Sextile: Elektronische Nostalgie mit Punk-Attitüde

Ein Duo aus Los Angeles lässt nostalgische Sounds neu aufleben. Sextile vereint ehrlich-lebensnahe Texte mit neuinterpretierten elektronischen Tönen zu einem Genre, das seinesgleichen sucht. Die Dynamik zeigt sich nicht nur in den ständigen Neuerfindungen des Duos, sondern auch in den Tracks an sich.

Brady Keehn und Melissa Scaduto gründeten Sextile 2015 in Los Angeles. Damals noch zu viert unterwegs, entwickelte sich ihr postpunkiger Stil. Nach einer etwa dreijährigen Pause setzten die beiden Musiker*innen 2022 ihre musikalische Reise fort und veröffentlichten im September 2023 ihr drittes Album. Das vierte Album yes, please. ist ganz frisch erschienen.

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Cuthead: Groove, Grooviger, Cuthead

Keine Ahnung, was du hören sollst? Kein Problem. Der Solokünstler Cuthead liefert dir gleich mehrere elektronische Genres auf einmal. Und an einer Sache fehlt es in keinem Track des Musikers aus Dresden – jeder Menge Groove.

Begonnen hat Cutheads musikalische Reise bereits in der Schulzeit. Auf selbstorganisierten Partys, unter anderem in seinem Elternhaus, entwickelte er seinen Sound weiter. Später tourte er mit seiner Musik durch die Welt und gelangte zum von Freunden gegründeten Label Uncanny Valley, auf dem auch seine 2024 veröffentlichte Albumreihe The Detour erschien.

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BEX: Kopfsprung in die Wiener Rapszene

Unapologetic Rap mit einer Prise Pop, ein Hauch von R&B und Trap, jeder Menge Attitude und dann auch noch aus Wien? Ja, all das vereint BEX in ihrer Musik. 2022 begann sie ihre Songs zu veröffentlichen – zuletzt präsentierte sie ihren „BREAKUP SONG“.

Auf BEX gestoßen bin ich durch ihre 2023 erschienene EP „Bundles“. Zu den vier Songs mache ich bis heute regelmäßig die Straßen Wiens zu meinem Runway. Gerade Songs wie „Dolly Parton“ und „Bodybag“ funktionieren für mich mit ihrem eingängigen Beat, BEX‚ Betonungen und ihren Lyrics wahnsinnig gut (wenn jemand einen Soundtrack für den nächsten sassy Strut durch die Innenstadt benötigt, there you go). BEX vereint Attitude, harte (aber tanzbare) Beats und Texte, die sie selbst wahrscheinlich als „cunty“ bezeichnen würde. Lines wie „skin so soft, but you can’t touch it“ oder „call me highness, baby I might show you pardon“ sind es unter anderem, die einen darin pushen, seinen eigenen Wert zu kennen und sich nicht alles gefallen zu lassen.

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Paula Engels: Zwischen Selbstfindung und Chaos

Dunkle Augen, kurze, wilde Haaren und Baggy Jeans – das ist Paula Engels. Ihre Indie-Musik ist wie ein persönliches Bild, das einen Einblick in ihre Selbstfindung, Melancholie und die Suche nach ihrem Platz in der Welt gibt. Ihre Stimme bringt Rauheit und Zerbrechlichkeit in einen Einklang und pendelt zwischen sanften Tönen und scharfer Klarheit hin und her. Dabei transportiert sie Gefühle, die auf alle zutreffen und mitten ins Herz gehen.

Paulas Karriere begann auf TikTok, wo sie Songs von Casper, Schmyt, Paula Hartmann und Nina Chuba coverte – quasi die gesamte „Wilde Herzen“-Playlist, die bei vielen Indie-Fans gut ankommt. So findet sie ihre eigene Bubble.

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Kalte Liebe in Frankfurt: Irgendwo zwischen Schall und Schweiß den Dopaminrausch leben

Die Musik von Kalte Liebe ist ein einziger Dopaminrausch, der schrille Gesang, der Kopf bis Fuß durchdringt, der Bass, der das Herz schneller schlagen lässt, Strobolichter, Schall und Schweiß im ganzen Raum, der Boden, der unter den Füßen vom Stampfen vibriert. Das Zoom in Frankfurt ist eine bekannte Location für Clubnächte und Konzertabende. Das Produzentenduo Kalte Liebe hat die Experience von einem Konzert innerhalb weniger Minuten, durch seine ganz eigene Energie in wilde Clubstimmung verwandelt.

Etwas anderes, als zu tanzen, war nicht drin, die Performance von Andi und Eugen hat die Crowd mitspringen lassen. Ihre Tracks bestehen aus einer Mischung aus Techno, EBM und Dark Wave und verzerrten Vocals. Sie kombinieren analoge, rohe Elemente mit ihrem basslastigen Stil, ganz nach dem Motto: Der Bass muss ordentlich knallen. Verschiedene Genreeinflüsse passen sie ihrem Stil an und interpretieren sie neu. Zu ihrer Musik gehört das Gefühl des Erlebens dazu, die Tracks sind eine Mischung aus dieser besonderen energetischen Aura im Club und dem Gefühl, intime Gedanken nachempfinden zu können, auch negativen oder schmerzhaften Gefühlen Raum zu geben.

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ANGER: von sanft bis explosiv

Den Traum unter Freund*innen, zusammen Musik zu machen, nahmen Nora Pider und Julian Angerer 2017 selbst in die Hand. Ihr Stil dabei: Pop, der Techno und Gefühl verbindet und die Brücke schlägt zwischen Brixen in Südtirol (dem Heimatort der beiden) und dem städtischen Wien. In ihre Texte auf Deutsch, Italienisch und Englisch verpacken sie gekonnt Themen wie Liebe, Herzschmerz und Sehnsucht – dazu beweisen sie musikalische Bandbreite. 

Der Sound von ANGER deckt von verletzlich und ruhig bis hin zu hart und straight-forward alles ab. Glaubt man, man hätte die Melodie eines ANGER-Songs verinnerlicht, dreht sich die Stimmung um 180 Grad, Beat und Gesang ändert sich komplett. Bevor man auch nur im Ansatz „Danke, nächster Song!“ denken kann, wird noch einmal voll aufgedreht und mit einem Knall geendet. Gute Beispiele dafür sind „Elba“ und „Ab und zu“. 

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betina quest: Nina Simone neu gedacht

betina quest ist eine Geschichtenerzählerin – und zwar eine besonders gute, und wer ihren Songs aufmerksam zuhört, weiß auch, warum. Die in Deutschland geborene Sängerin mit burundischen Wurzeln setzt sich in ihren Songs mit vielfältigen Themen auseinander: Sie schreibt und singt über die Komplexität des Lebens afrikanischer Frauen, über Resilienz und über die sich immer wieder stellende Frage nach Identität.

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Schmeiß das Frettchen in die Wanne

Jeff Bridges ist mir in seiner Rolle als der Dude im großartigen The Big Lebowski ein echtes Vorbild. Ohne Schnickschnack lebt er einen entspannten Alltag jenseits überzogener Erwartungshaltungen, überkandidelter Ziele oder nervenaufreibendem Ehrgeiz. Mit den Kumpels zum Bowling, was kiffen, ein gut gemixter White Russian und ein Plausch an der Bar, was will man mehr. Was braucht man mehr? Nahezu buddhistisch, sicherlich stoisch, mag ich nicht nur die Figur – auch Jeff Bridges, tatsächlich Buddhist, ist im Alter smart as fuck. Das strebe ich an, aber erst im Alter, also stay tuned.

Die Ereignisse in The Big Lebowski nehmen ihren Lauf, als deutsche Nihilisten dem Dude die Tür eintreten, ihm ein Frettchen in den Schritt werfen und auf seinen Teppich pissen. Jenen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich macht. Alles wegen einer Verwechslung. Was lernen wir daraus? Egal wie friedlich, bescheiden und unter dem Radar du dein Leben führst, es kann sein, dass plötzlich wer deine Tür eintritt und auf deinen Teppich pisst.

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Portraits Of Tracy: Hip Hop und Pop in irrsinniger Allianz

Portraits Of Tracy ist das Künstlerprojekt des seit seinem fünfzehnten Lebensjahr musikalisch umtriebigen Couren Bowman aus Louisiana. Als Couren The Producer hat er unter anderem Releases von Tyler, the Creator neue Beats verpasst und diese neben eigenen Tracks auf Youtube veröffentlicht, womit er sich bereits an die 30.000 Follower erarbeitet hat. Im Mai brachte der inzwischen 18-jährige Rapper, Vocalist und Multiinstrumentalist sein bereits drittes Album heraus.

Drive Home hat achtzehn Tracks, die zwischen Battle-Rap mit jugendlicher Attitüde (manchmal mutet Courens Stimme nahezu kindlich an) und Pop-Hymnen mit wabernden Synthesizer-Flächen, dann wieder Klangcollagen und Spoken-Word-Hörspielen umhergeistern, jedoch nie irren, weil die Produktion das Ganze zusammenhält. Die Beats sind so fett, dass meine Abspielgeräte verzerrend in die Knie gehen, was Absicht sein mag (nicht muss), dem Ganzen nicht schadet und vielleicht auch daher kommt, dass mein Hifi-Equipment Schrott ist. Denke ich kurz, ich habe alles gehört und Couren durchschaut, belehrt mich der Track “The Afterparty” eines Besseren: jazziges Klavier, massiges Arrangement, betörend schöne Vocals und ganz viel Pathos. Junie ist der Name des Protagonisten in den Tracks – macht man 2023 ernsthaft wieder Konzeptalben? Die Hörspiel-Passagen scheinen eine Rahmenhandlung vorzugeben, die in den Tracks weitererzählt wird. Bei Junie läuft es nicht rund, die Dialoge enden im Streit oder mit Schüssen. Besser ist, man fährt heim.

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