7fields: warmer Electronic-Folk

Diese etwas verruchte Stimme weckt Erinnerungen? Kein Wunder. Vor seiner Zeit als Solokünstler war der Musiker 7fields nämlich Frontsänger von Liquido, die sich mit ihrer Single „Narcotic“ in das Ohrwurm-Repertoire der Republik und darüber hinaus gespielt haben.

Ohne Band geht es für den Sänger und Multiinstrumentalisten inzwischen in eine etwas andere Richtung. Sein Solo-Debüt als 7fields legte er 2017 hin. Ursprünglich kommt der Musiker aus der Nähe von Heidelberg, längst hat es ihn aber nach Berlin verschlagen. Anfang Juli veröffentlichte er seine neue EP Under My Skin.
7fields kombiniert elektronische Elemente gefühlvoll mit organischen Klavier- oder Gitarrenklängen. Ganz gelassenen hält der Musiker jede Hektik auf Abstand und so muten die Songs oft etwas meditativ an. Einen vorsichtigen Spannungsbogen hält er dennoch aufrecht und lässt einem die Zeit, ganz in seinen Stil einzutauchen.

Fazit: 7fields klingt nach flüchtigen Gedanken und Geschichten, die noch nicht auserzählt sind. Getragen werden die Songs von der charakteristisch-warmen Stimmfärbung des Musikers.

Jason Pollux: alternativer Electropop

Das Duo Jason Pollux bastelt durchdachte Electro-Songs – und das übrigens ganz ohne Sounds vom Laptop.

Sängerin und Keyboarderin SÆM und ihr Bandkollege Michael Burger, der sich bei Jason Pollux um Synthies und Beats kümmert, haben 2019 gemeinsam ihre erste EP Escape veröffentlicht. Nach verschiedenen Clubkonzerten, Festivals und Online-Gigs steht für dieses Jahr außerdem eine Nachfolge-EP auf dem Plan.
Jason Pollux schöpfen die atmosphärischen Möglichkeiten ihrer Soundspielereien voll aus. So entstehen Songs mit einerseits meditativen, sich wiederholenden Klangschnipseln und andererseits einer Vielzahl von eingestreuten Ideen. Die eindringliche Stimme von SÆM tut ihr Übriges und macht die Musik zu einer runden Sache.

Fazit: Wer genau hinhört, kann bei Jason Pollux viel entdecken. Wie ein Puzzle fügen sich die kleinteiligen Soundelemente mit der bestechenden Lead-Stimme zusammen.

L’Impératrice: French-Pop-Mix mit Augenzwinkern

Die Pariser Band L’Impératrice kommt mit buntem Disco-Synth-Pop und französischen Lyrics um die Ecke.

Singles, EPs, ein Album, knappe zwei Jahre Tour mit ausverkauften Shows in Europa und Amerika: Was als fixe Idee des Pariser Kulturjournalisten Charles de Boisseguin angefangen hat, ist längst eine andere Hausnummer geworden. 2020 hielten sich L’Impératrice trotz Corona mit dem Basteln an neuen Songs und einer virutellen World-Tour bei Laune. Im März diesen Jahres steht dann schließlich die Veröffentlichung ihres neuen Albums Tako Tsubo an.
L’Impératrice kombinieren sanfte Instrumentalsounds mit Effekten und Elektronik. Rhythmisch und musikalisch gehen die Musikerinnen und Musiker wunderbar Hand in Hand. Mit französischen Texten und klarem Gesang schwebt die Sängerin mühelos über dem Klangteppich ihrer fünf Kollegen. Außerdem experimentiert die Band hin und wieder mit krassen Gegensätzen. So ist das Musikvideo zu ihrem melodischen Song „Peur des Filles“ eine etwas irritierende Mischung aus knalligen Farben und Horrorfilm-Stil.

Fazit: Mal eingängig und mal experimentell: L’Impératrice haben eine Wundertüte voller Musik in der Hinterhand.

Eese: Synthie-Pop-Mix

Eese aus Köln haben sich nicht weniger vorgenommen, als die Szene des synthetischen Pop hierzulande etwas aufzumischen.

Ihre erste EP haben Eese 2017 noch als Trio veröffentlicht. Nachdem sie 2019 Zuwachs bekommen haben, ist für dieses Jahr eine neue EP erstmals in Viererkonstellation geplant.
Jede Menge Gitarre und Synthesizer kommen bei Eese zum Einsatz – und auch in Sachen Beats und Bässe probieren die vier sich aus. Gemeinsam mit dem Gesang bekommt das Ganze eine schwebende Grundstimmung. Die Lyrics der Band drehen sich nach eigener Aussage etwa um das Thema Social Media und etwas düstere Gefühlswelten wie Einsamkeit und Entfremdung. Gleichermaßen nehmen sich Eese aber auch die Zeit, ihre Ideen in einzelnen Songs auch mal mit rein instrumentalen Phasen weiterzuspinnen.

Fazit: Eese machen nachdenklichen Synthie-Pop. Von Vorbildern wie Tame Impala oder Xul Solar gucken sie sich durchaus etwas ab, experimentieren aber auch mit eigenen Sound-Vorstellungen.

An die MusikerInnen und Bands unter euch: Wir suchen eure besten Tour-Momente! Schreibt uns eine Mail an redaktion@musik-unterm-radar.com und erzählt uns in jeweils maximal 80 Wörtern eure schönsten, witzigsten oder skurrilsten Geschichten, die ihr auf Tour erlebt habt. Die coolsten Anekdoten veröffentlichen wir mit Link zu euch!

Matt Ryder: Britischer Soundkünstler

Softe Beats und eine schwebende Stimme: Matt Ryder kombiniert Indie-Sounds mit Klangexperimenten, Dance-Elemente mit melancholischen Electronics.

Seine Beats baut Matt Ryder aus dem englischen Birmingham im Schlafzimmer. Die Debut-EP 50FT hat der junge Sänger, Songwriter und Produzent im vergangenen Jahr herausgebracht. 2020 sind bisher zwei frische Singles als Vorgeschmack auf die nächste EP gefolgt.
Ryder wagt sich an düstere Themen wie psychische Erkrankungen im Freundeskreis, verzichtet in seiner Musik aber auf künstlich aufgebauschte Dramatik und hält es lieber simpel: sphärische Gitarre, Kopfstimme, stetige Beats halten alles zusammen. Die Songs haben etwas Sanftes, dennoch sind Matt Ryders musikalische Ideen durchsetzungsstark.

Fazit: Die Musik von Matt Ryder hat eine eigene Atmosphäre. Die Lieder gehen leicht ins Ohr und sind trotzdem keine typischen Popsongs.

Polo & Pan: sommerliche Vibes

2012 kollidierten die beiden Satelliten Polocorp und Peter Pan in der Erdumlaufbahn miteinander. Kurzerhand adaptierten zwei Pariser deren Namen und sind nun als Polo & Pan in der Welt unterwegs.

Polo & Pan sind die beiden Pariser Elektro-Musiker Paul Armand-Delille und Alexandre Grynzpan. Für den Titeltrack ihrer aktuellen EP Feel Good arbeiteten die beiden mit Antoine Bonnet und Mathilde Loubes zusammen, deren erster Kurzfilm bereits auf der Berlinale zu sehen war. Ihre Europa-Tour im Frühling 2021 bringt das Duo unter anderem auch nach Berlin und Zürich.
Polo & Pan zaubern eine geschmackvolle Mischung aus Backingsounds, Beats und Melodie. Elektro-Einflüsse fusionieren mit verschiedenen Genres und Instrumentalklängen. Ergänzt werden die Songs jeweils durch relaxed-eingängigen Gesang.

Fazit: Von Polo & Pan kommen sommerliche Vibes, eine gewisse Verspieltheit und künstlerisches Gespür.

  • Meilensteine:
    • 2013 EP Rivolta
    • 2017 Debut Caravelle
    • 2019 EP Feel Good
  • Umleitung:

Behind The Scenes | Am Set beim Musikvideodreh

Unter dem Stichwort Behind The Scenes veröffentlichen wir von jetzt an Hintergrundreportagen aus der Musikwelt. Den Start machen wir mit der Frage: Wie entsteht ein Musikvideo?
Welches Thema sollen wir im nächsten Behind The Scenes angehen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

© 2020 Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

Es ist eine bitterkalte Nacht Anfang März. Mitten in einer norddeutschen Kleinstadt stehen zwei maskierte Gestalten vor einer Villa. Ein Mercedes kommt die Straße entlang gefahren, alles lässt darauf schließen, dass hier gleich eine Straftat begangen wird. Bis eine Stimme die nächtliche Stille durchbricht: “Jungs, könnt ihr ein bisschen mehr ins Licht gehen?” 
Es ist der junge Musiker Fritz Hazy, der den zwielichtig aussehenden Gestalten aus dem Auto heraus Regieanweisungen über sein Telefon gibt. Statt ein Verbrechen zu begehen, dreht er zusammen mit ein paar Kumpels ein Musikvideo zu seiner neuen Single „Black Days“. Neben ihm im Auto sitzt seine Freundin und übernimmt die Rolle der Kamerafrau. 

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Lina Button: moderner Synth-Pop

Am Pop-Himmel schimmert etwas: Lina Button aus der Schweiz ist auf dem Weg, die Musikszene zu verzaubern. Und das auf lässig-verspielte Weise und trotzdem mit Tiefgang.

Drei Alben hat Lina Button schon veröffentlicht und auf das vierte muss man auch nicht mehr lange warten: Anfang April erscheint Who’ll Be There? und bis dahin kann man sie in der Schweiz noch auf einer Handvoll Konzerten live sehen. Zweimal war die Musikerin schon für den Swiss Music Award nominiert, der Radiosender SRF 3 ernannte sie zum „Best Talent“.
Lina Button macht Gute-Laune-Pop. Aber nicht die oberflächliche Variante, die man gleich im Kopf hat. Button schleift Töne soulig an, sie kann durchdringende oder akustisch-sanftere Töne anschlagen, singt aber immer mit einem kräftigen Selbstbewusstsein, das sie durchaus zu Recht hat. Ihre Texte schreibt sie selbst und sie treffen sicher den Nerv ihrer Generation: Nachtwanderungen durch die Großstadt, Sehnsucht nach Freiheit, problematische Beziehungen.

Fazit: Ob akustisch oder elektronisch – Lina Button überzeugt auf ganzer Linie mit einer tollen Stimme.

Fullax: Indie-Pop auf eigene Faust

Fullax – so nennt man in Nordhessen einen Faulpelz. Auch wenn eine gewisse Gemütlichkeit herauszuhören ist, sind die zwei Musiker aus Kassel im Gegensatz zu ihrem Namen aber ziemlich aktiv.

„Do It Yourself“ ist das Motto von Julian Giese an Gitarre, Synthesizer und Gesang und seinem Bandkollegen und Drummer Jonas Hoppe. Im eigenen Studio wird aufgenommen, auch produziert und gemischt werden ihre Songs in Eigenregie. 2017 gab es eine erste EP, neulich haben die zwei mit einem einzelnen Song mal wieder von sich hören lassen.
Fullax machen ihre Musik auf sympathische Weise frei nach Schnauze. Da treffen deutsche Texte auf rhythmische Pop-Melodien, lässiger Indie-Vibe und gerade in den Videos auch Retro-Anklänge auf einen modernen Stil. Funkig abgerissene Gitarren-Chords machen den Weg frei für verträumte Synthies und ein bisschen episches Lebensgefühl darf auch mal sein.

Fazit: Mit Fullax kommt frischer Wind ins Haus: mit gutem Gespür für Sounds und Drive machen die beiden Indie-Pop im Elektro-Gewand.

Mit diesem Beitrag startet die Umfrageserie „Wie wünscht ihr euch Musik unterm Radar?“ Wir versuchen euch eine möglichst große inhaltliche und musikalische Bandbreite zu bieten und möchten deshalb gern wissen, was euch am meisten anspricht. Um eure Interessen besser einschätzen zu können und um herauszufinden, was bei uns vielleicht noch unterrepräsentiert ist, würden wir von euch gern wissen, welche Genres ihr am liebsten hört. Ihr könnt maximal sieben Antworten geben. Vielen Dank für euer Feedback!
(Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Kazy Lambist: Elektro-Pop aus Südfrankreich

Eingängige Melodien, trappige Beats und melancholische Klavier-Elemente: In seiner EP Sky Kiss beweist Kazy Lambist Liebe zum Detail. 

Der Künstler, der mit bürgerlichem Namen Arthur Dubreuc heißt, startete seinen musikalischen Werdegang in seiner Heimatstadt Montpellier, wo er als Jugendlicher begann, Klavier und Gitarre zu spielen. Bis heute entstehen seine Werke in seinem Home-Studio, genauer: in seinem Schlafzimmer in der französischen Großstadt. Ganz aktuell steht jetzt seine EP Sky Kiss in den Startlöchern. Ab dem 7. Februar soll sie unter die Leute gebracht werden, für März stehen außerdem vier Konzerte in Deutschland an.
Lambists Fähigkeiten am Klavier stellt er auch in der neuen EP unter Beweis. Im Song “Twitch” sorgen kurze Piano-Elemente zwischen den anregenden Rhythmen für Abwechslung. Raffiniert baut Kazy sogar Orgelmelodien in den Track “Dei” ein und versetzt uns akustisch in eine wunderbar hallende Kirche. In der Welt des Elektro-Pop ist der 25-Jährige schon lange kein Unbekannter mehr. Der Titel-Track “Sky Kiss” ist in Zusammenarbeit mit Jean-Benoit Dunckel, Musiker der Band Air entstanden. Auf Twitter bekannten sich bereits der Oscar-Preisträger Guillermo del Toro und die britische Regisseurin Ana Lily Amirpour als Fans des Künstlers. 

Fazit: Sehr entspannt, aber alles andere als langweilig: Die Musik des jungen Franzosen trifft mit ihrer unaufgeregten Art den Zahn der Zeit. Auch wenn es um die Optik geht, ist Kazy Lambist kreativ. Das Musikvideo zu “Oh My God” ist eine lebendig gewordene Kunstinstallation und absolut sehenswert.

Autorin:

Carla Blecke