Schon wieder Techno aus Berlin – wie könnte es anders sein. Und doch klingt dieser hier anders: unnatürlich, verfremdet, fast schon mystisch. Eine Art Techno, die mit ihren Vocals heraussticht. Schwefelgelb nennt sich das Duo mit den außergewöhnlichen Klängen.
Hinter dem Namen stecken Sid und Eddy, zwei Freunde aus Schulzeiten. Sid spielte in seiner Freizeit klassisches Klavier und experimentierte früh mit Home-Recording. Irgendwann stieg Eddy ein und so fand sich nach einiger Zeit ein gemeinsamer Musikgeschmack. Aus anfänglichem „angetrunken, um nicht zu sagen total besoffen, was ins Mikro labern“, wie Sid in einem Interview sagte, wurden immer ausgefeiltere Produktionen und ein stetig wachsendes Publikum.
Hyperpop aus Wien. Das allein reicht eigentlich schon, um mich neugierig zu machen. FILLY verbindet diesen Stil aber zusätzlich mit eingängigen Popmelodien, Electrobeats und Texten, die sowohl selbstbewusst als auch verletzlich wirken. Sprich: Ich bin komplett sold. In ihren neuen Singles „Chemical Love“ und „Over and Over“ spaziert sie ihren Weg durch die Genres weiter.
Kleine Anekdote gleich zu Beginn: Ich habe FILLY für mich entdeckt, als ich sie letztes Jahr als Voract der Band Zimmer90 erleben durfte. Erst danach erfuhr ich, dass sie an „BEZAHLEN“ von Ski Aggu nicht nur als Künstlerin mitgewirkt, sondern diesen auch mitproduziert hat. Da möge sich noch einmal jemand über Voracts auf Konzerten aufregen! Der erste Song, der mich direkt abgeholt hat, war „Cowgirl“. FILLY bringt hier die Eurodance-Beats der 2000er in die Gegenwart und liefert gleichzeitig, so effortless wie es nur geht, einen dreiminütigen Confidence Boost. „I know I’m ten times better than you“. Period.
Wie macht man eigentlich Techno? Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug? Ja! Das sagt sich zumindest eine Berliner Band und sticht damit heraus aus der gefühlt endlosen Zahl an Producer*innen aus der Hauptstadt. Komfortrauschen kreieren Techno mit echten Instrumenten und sorgt für eine ganz eigene Interpretation des Genres.
Laurenz (E-Gitarre), Phillip (E-Bass) und Tim (Drums) heißen die Musiker, die zusammen Jazz/Rock/Pop studiert haben. Vor zwölf Jahren kam die Idee, Techno auf Instrumenten zu spielen – und brachte kurz darauf die ersten Meilensteine mit sich.
Was mit Live-Jam-Sessions begann, ging mit Konzerten und ersten Festivals weiter. Es folgten Auftritte und Touren auf internationaler Ebene, unter anderem an der Seite der Vorreiter von MEUTE. Während einer pandemiebedingten Zwangspause nutzte das Trio die Zeit, sich der Weiterentwicklung ihres Sounds zu widmen. Es entstand eine neue Art Techno, die durch ihre Natürlichkeit hervorsticht. Sie ist neben der Live-Bühne und in den sozialen Netzwerken auch auf zahlreichen Singles, EPs und dem 2026 erscheinenden zweiten Album zu hören.
Wie viele Menschen braucht es für einen starken Song? KUOKO aus Hamburg zeigt, dass es auch alleine geht, und zwar richtig gut.
Die Singer-Songwriterin schreibt, singt, produziert und mischt ihre Songs von Anfang bis Ende selbst. Darin kombiniert sie Themen wie Selbstliebe und Freundschaft mit DIY-Elektropop.
In ihrer neuen Kolumne nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die zweite Folge.
Das italienische Duo Tare macht im Grunde Memes für die Ohren. In ihren Songs treffen Internet-Humor, Sprachfetzen und Absurdität auf elektronische Klänge und komplexere Musikalität. Das neueste Album GAS klingt wie Scrollen durch Social Media: vielseitig, an manchen Stellen vielleicht chaotisch und trotzdem hat man Spaß.
Schon der erste Track zieht uns mitten hinein in die italienische Meme-Kultur: ein Teppich-Werbespot, der vor ein paar Jahren viral ging, trifft auf einen der wichtigsten Rhythmen der elektronischen Musik: den Amen Break. Ein Drumpattern aus einem 1969er Soulstück, das seit den 90ern alles prägt, was mit Drum and Bass und Jungle zu tun hat. Für Tares Album das Fundament fast jeden Songs.
In ihrer neuen Kolumne nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die erste Folge.
Freche Gremlins, die vor rosafarbenen Häusern ihre Synths aufdrehen. Zwischen Bäumen schwirren Töne durch die Straßen. Menschen mit Aktentaschen, vermutlich auf dem Weg zum nächsten 9-to-5-Job, bleiben kurz stehen und beobachten das Spektakel.
Was ich hier beschreibe, ist kein Sci-Fi-Film mit musikalischen Fantasy-Kreaturen, sondern das Cover der neuen EP von Legowelt und Shook. Technolife Supernature, also übersetzt sowas wie „Technologisches Leben, Übernatur” – ein Titel, der so ziemlich genau auf den Punkt bringt, wie sich diese harmonierende Kollaboration anhört.
Wir bewegen uns auf rhythmischen, elektronischen Wellen – irgendwo zwischen Disco in den 80ern und futuristischen Städten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt dieses Projekt, das beides in der Gegenwart fusioniert.
Sudan Archives live zu erleben ist in keinster Weise eine gängige Konzerterfahrung – das liegt zum einen an ihrem experimentellen musikalischen Stil, zum anderen aber auch ihrer stage persona. Wir waren für euch am 27. November in Berlin dabei.
Schon die Location des heutigen Sudan Archives Konzertes lässt ein wenig Extravaganza vermuten: Als die Schlange am silent green in Berlin-Wedding kürzer wird (das Konzert ist ausverkauft), kann man einen langen, offenen Raum hinunterblicken – es ist der Eingang zur Betonhalle. An dessen Ende gelangt man nach einem kleinen Zickzack und noch ein wenig weiter unter der Erde schließlich zu einer großen Halle mit Bühne.
Alles beginnt mit einem Loop: Der Dresdner Musiker Konrad Kuechenmeister nimmt alle Töne auf, die ihm in die Finger kommen, sei es aus seinen Instrumenten, aus der Umgebung oder einfach aus seinem Mund. Mit seinem feinen Ohr für ungewohnte Sounds und einer Loopstation baut er sie zu treibenden Tracks zusammen. Gitarre spielen, singen, rappen, beatboxen – Konrad Kuechenmeister kann irgendwie alles.
2005 zog er das erste Mal mit seiner Loopstation auf die Straße, um Musik zu machen. Es folgten erste Konzertanfragen unter anderem von der BRN in Dresden – und sogar eine Touranfrage aus Brasilien. So stand er auch schon mit dem durch YouTube bekannt gewordenen Musiker DubFX auf der Bühne. 2009 erschien sein erstes Album Battery Street mit legendären Tracks wie „Tingele Tangele Bob“. Nachdem 2014 das Album Potpourri erschienen war, veröffentlichte der in Dresden lebende Musiker 2024 sein drittes Album RECORD.
Manchmal reicht ein einziger Satz, um all das zu sagen, was zu spät gesagt wurde. Bedroom June schafft das mit ihrer Single „How Much I Wanted You“ von ihrer Debüt-EP auf ganz besondere Weise. Der Song hat ein bisschen was von einem Tagebucheintrag, den man eigentlich nie veröffentlichen wollte.
„How Much I Wanted You“ ist ein Eingeständnis über den Schmerz, jemanden erst wirklich zu vermissen, wenn er nicht mehr da ist. Mit verletzlicher Stimme fängt Bedroom June eine Mischung aus Sehnsucht, Reue und dem Ringen um Selbstverständnis ein. Der Track beginnt sanft und zurückhaltend, bevor verzerrte Gitarren und treibende Drums die innere Zerrissenheit und Überforderung hörbar machen. Vokale Harmonien im Refrain schaffen einen Moment der Ruhe, ehe die Intensität des Songs in einem emotionalen Ausbruch endet.
nand ist Sänger, Architekt, Produzent, Trompeter und ein echtes Indiepop-Electro-Phänomen. In einem sehr persönlichen Gespräch hat er mit unserer Autorin über den frühen Tod seiner Mutter und die Mobbingerfahrungen in seiner Kindheit gesprochen und erzählt, wie er trotz aller Struggles schließlich zu seiner eigenen Stimme gefunden hat. Innerhalb von fünf Jahren hat nand bereits fünf Alben releast, ein weiteres ist in Arbeit. Auf der Tour zu seinem aktuellen Album Träume in Beton hat er sich vor seinem Konzert in der Grellen Forelle in Wien Zeit genommen für ein Käffchen und ein Interview unter blauem Himmel.
Musik unterm Radar: Dein neues Album heißt „Träume in Beton“. Das klingt erst einmal nach einem Widerspruch. Warum hast du das Album so genannt?
nand: Da müssen wir zum Ursprung zurück: Ich habe ja Architektur studiert. Beton war mal ein Baustoff, der in der Architekturbranche als sehr revolutionär galt. Auf der anderen Seite ist Beton ein sehr kühler Baustoff und viel weniger menschenfreundlich als Holz zum Beispiel. Holz ist ja theoretisch ein unendlicher Rohstoff, man kann immer wieder Bäume nachpflanzen. Beton und Sand sind aber endliche Baustoffe und langfristig gedacht beeinflusst unser Konsum die Flora und Fauna auf der Welt. Sand, der für den Bau benutzt wird, wird an Stränden abgetragen und verschifft.
Über mein Architekturstudium habe ich gemerkt, dass sehr viele Dinge in der Welt passieren, die wenig für den Menschen und unsere Umwelt gemacht sind. Wir sind mehr für den Kapitalismus gemacht und weniger für zukunftsträchtige Träume. Ich verspüre auch Wut, dass der Kapitalismus so viel kaputt macht und Subkulturen auffrisst, aus denen dann durch einen Trend auf TikTok irgendein Mainstream wird. Deshalb auch dieser bewusste Kontrast aus Träumen und Beton in dem neuen Album.
Hast du immer noch vor, Architekt zu werden? Ist das dein Plan B, falls es mit der Musik nichts wird?