Lisa Akuah: introvertierter Folk-Pop

Ruhige Folk-Melodien, gezupfte Akustikgitarre und viel Gefühl machen Lisa Akuahs Lieder aus.

2017 veröffentlichte Lisa Akuah eine erste EP. Seitdem sind eine Handvoll weitere Singles erschienen und für Februar ist jetzt auch ein Debüt-Album geplant. Die Künstlerin lebt in Berlin.
Ihren Stil nennt sie ganz bescheiden Intro-Folk: Musik für Introvertierte von Introvertierten. Tatsächlich wirkt Lisa Akuah ganz bei sich, wenn sie singt, und zeigt dabei eine natürliche Bühnenpräsenz. Ihre Art zu singen ist zurückhaltend und einfühlsam, lässt aber auch stimmliche Kraft durchblicken. Die folkig-akustische Gitarrenuntermalung und die melancholische Stimmung der Songs tun ihr Übriges.

Fazit: Lisa Akuahs Musik steht für sich. Die Musikerin braucht keine großen Gesten, keine Band im Hintergrund und kein Rampenlicht, damit ihre Songs wirken und berühren.

Mo Klé: Songwriter mit Ecken und Kanten

Mo Klé heißt mit bürgerlichem Namen René Grünfelder. Der Singer/Songwriter kommt aus der Schweiz und hat Ende Oktober sein erstes Album Parallel Worlds veröffentlicht. In den acht Songs darauf beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen und persönlichen Fragen etwa zu unterschiedlichen Lebensrealitäten, Liebe oder Diskriminierung.
Mo Klé singt auf Englisch und Deutsch. Seine Musik ist wie geschaffen für rauen Herbstwind und wärmendes Kaminfeuer. Statt für allzu glatt geschliffenen Sound steht er nämlich sowieso lieber für Musik mit Ecken und Kanten. Ganz klassisch setzt der Musiker vor allem auf Gesang und Akustik-Gitarre, hat aber als Unterstützung auch eine volle Band-Besetzung hinter sich.

Fazit: Mit Gefühl singt sich Singer/Songwriter Mo Klé durch bodenständigen Americana-Sound.

Marla und David Celia: zwei Stimmen voller Ausdruckskraft

Die Lieder von Marla und David Celia haben etwas Geheimnisvolles. Neben der spielerischen Leichtigkeit vieler Passagen kommt immer auch eine gewisse Tiefe zum Vorschein.

Kennengelernt haben sich die deutsche Sängerin, Gitarristin und Cellistin Marla und der kanadische Sänger und Multiinstrumentalist David Celia auf einem Konzert. Damals beide noch solo unterwegs, begleitete Marla daraufhin zuerst David Celia auf dessen Deutschland-Tour und folgte danach der Einladung, ihr Album in seinem Studio aufzunehmen. Aus dem ursprünglichen Plan (Musik aufnehmen: ja – verlieben: nein) wurde allerdings nichts, sodass das Paar nun seit inzwischen fünf Jahren als Duo zu hören ist. Im Laufe der Zeit durften sie unter anderem als Vorband von Kiefer Sutherland auftreten, sind quer durch Russland getourt und haben mit Daydreamers und Indistinct Chatter zwei gemeinsame Platten veröffentlicht.
Bei Marla und David Celia treffen zwei charakterstarke Stimmen aufeinander. Trotzdem stehlen sie einander nicht die Show, sondern verschmelzen zu berührender Zweistimmigkeit und tollen Harmonien mit Tiefgang. Gefühlvoll und dezent bettet die Instrumentalbegleitung den Gesang der beiden in ein Geflecht aus melodischem Klang und behutsamer Spannung und Rhythmik ein.

Fazit: Wie in ihrer eigenen Welt klingen Marla und David Celia in ihren Sphären aus harmonierenden Stimmen und wohldurchdachten Arrangements.

John Garner im Interview: „Die Musik hat uns wieder auf den richtigen Pfad gebracht.“

Hinter dem Namen John Garner verbirgt sich eine fünfköpfige Band, die sich mit energiegeladenen Folk-Rock-Songs und dreistimmigem Gesang eine Fanbase erspielt hat, die weit über ihre Homebase Augsburg hinausreicht. Am 8. Oktober veröffentlicht die Band ihr neues Album Heartbeat. Sängerin Lisa hat sich die Zeit genommen, einen Einblick in den John-Garner-Kosmos zu geben. Ein Gespräch über Herz und Verstand, die Schattenseiten des Bandlebens und natürlich, was uns auf dem neuen Album erwartet.

Die drei Gründungsmitglieder von John Garner: Lisa, Stefan und Chris.
© Robert Hagstotz

Musik unterm Radar: Liebe Lisa, am Freitag erscheint euer neues Album, seid ihr schon aufgeregt?

Lisa: Es ist gar nicht die Art von Aufregung, bei der man total nervös ist, sondern eher so, dass wir es nicht erwarten können. Wir mussten den Release coronabedingt verschieben und haben vorher auch schon lang an dem Album gearbeitet. So wartet das Album eigentlich seit zwei Jahren darauf, endlich fertig zu sein und deshalb freuen wir uns jetzt einfach sehr drauf. Unsere letzte EP kam an dem Tag, an dem in Bayern der erste Lockdown ausgerufen wurde. Das war ein Freitag, der 13. Das merken wir uns jetzt auch, dass das kein gutes Releasedatum ist (lacht).

Du weißt ja selber, wie unstet danach alles wurde. Wir konnten keine Releasekonzerte für Heartbeat planen, wir konnten die Platte nicht mit auf Tour nehmen und hatten Angst, dass sie total untergeht. Wir haben uns dann entschieden, noch ein bisschen zu warten, weil sie es wirklich wert ist, dass sie nicht zwischen Lockdown und Bundestagswahl in Social Media vergraben bleibt und sie keiner zu hören bekommt. Deshalb haben wir sie tatsächlich um fast ein Jahr verschoben.

Was hattet ihr euch für Heartbeat vorgenommen, wie das Album klingen sollte? Und seid ihr jetzt zufrieden mit dem Ergebnis?

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Ryan Tennis: folkige Gute-Laune-Kanone

Wenn Ryan Tennis seine warme Stimme und die stabile Rhythmik auspackt, wippt schnell unwillkürlich der ein oder andere Fuß mit.

Der Musiker lebt in Philadelphia, obwohl es ihm spätestens seit seinen zahlreichen Touren eigentlich der Süden des amerikanischen Kontinents angetan hat. Was das angeht, legt Ryan Tennis übrigens ein ordentliches Arbeitspensum vor: An die 200 Konzerte im Jahr über die ganze Welt verteilt sind keine Seltenheit für ihn. Auch mehrere Alben und EPs sind von ihm schon zu hören – dieses Jahr kommt voraussichtlich seine siebte Studioveröffentlichung.
Voller Energie grooven die Songs von Ryan Tennis irgendwo zwischen Folk, Soul und Pop umher. Seine etwas draufgängerisch klingende Stimme ist wie die ausladende Instrumentation mit Rockbesetzung plus Bläsern Markenzeichen von Ryan Tennis. Zwischendurch ist er sich auch nicht zu schade dafür, seiner Albernheit freien Lauf zu lassen und er funktioniert wahlweise Küchensiebe, Schneebesen oder Haarbürsten zu improvisierten Mikrofonen um.

Fazit: Der Musiker mit dem wehenden langen Haar versprüht gute Laune als wäre es ein Volkssport.

Mala Oreen: Folk mit Charakter

Bei Singer-Songwriterin Mala Oreen meint man schon herauszuhören, dass sie in mehreren Welten zu Hause ist. Für ihre neuen Songs hat sich die schweizerisch-amerikanische Musikerin statt von ihrer Heimatstadt Luzern vom Nachthimmel in Texas und der Landschaft New Mexicos inspirieren lassen.

Bevor sie sich in den amerikanischen und irischen Folk verguckte, lernte Mala Oreen allerdings erst ganz klassisch Geige und nahm Gesangsunterricht. Zusätzlich zu ihrem Soloprojekt ist sie auch in Bandformation unterwegs, tourte neben Deutschland und Holland auch schon durch Irland und die USA. Für ihr nächstes Album hat es Mala Oreen erneut für eine kreative Auszeit in die USA gezogen. Awake erscheint im November.
Mit perlender Stimme singt Mala Oreen sich durch die Folk-Melodien ihrer Lieder. Und auch bei der Begleitung an Gitarre, Mandoline oder Geige zeichnet sie einprägsame Muster und Formen. So klingen manche Songs spielerisch und befreit, andere tragen eine gewisse Wehmut in sich oder preschen nach vorn.

Fazit: Mala Oreen merkt man an: Sie weiß, wie sie klingen möchte. Ihre reife Stimme setzt sie mal mit Nachdruck, mal voller Fragilität ein. Mit der abwechslungsreichen Instrumentalbegleitung fängt sie gekonnt Stimmung ein.

Moe: Folk-Pop für laue Sommerabende

Der Singer-Songwriter Moe aus Bielefeld verbreitet mit seiner nachdenklichen Stimme und der verspielten Gitarre eine angenehm warme Atmosphäre.

Seit 2015 lässt sich Musiker Moritz Herrmann alias Moe bereits regelmäßig auf den Bühnen des Landes blicken. Drei Jahre später entstand sein Debüt-Album Folding Cranes, letztes Jahr kam die EP Melancholy’s Lovely hinterher. Für diesen Herbst ist außerdem ein zweites Album angekündigt.
Die Songs von Moe leben von dem ästhetischen Unterbau seiner Akustik-Gitarre. Während der Singer-Songwriter live häufig solo unterwegs ist, gibt’s auf den Aufnahmen zusätzlich auch dezente Band-Unterstützung. Die Gesangsmelodien haben Pop-Charakter, die Stimme des Musikers klingt etwas dreamy, behält aber ihre Bodenhaftung.

Fazit: So ganz kann man sich nicht entscheiden, ob die Songs eher melancholisch oder doch ausgelassen klingen. So oder so spürt man beim Hören schon die Sonne im Nacken.

7fields: warmer Electronic-Folk

Diese etwas verruchte Stimme weckt Erinnerungen? Kein Wunder. Vor seiner Zeit als Solokünstler war der Musiker 7fields nämlich Frontsänger von Liquido, die sich mit ihrer Single „Narcotic“ in das Ohrwurm-Repertoire der Republik und darüber hinaus gespielt haben.

Ohne Band geht es für den Sänger und Multiinstrumentalisten inzwischen in eine etwas andere Richtung. Sein Solo-Debüt als 7fields legte er 2017 hin. Ursprünglich kommt der Musiker aus der Nähe von Heidelberg, längst hat es ihn aber nach Berlin verschlagen. Anfang Juli veröffentlichte er seine neue EP Under My Skin.
7fields kombiniert elektronische Elemente gefühlvoll mit organischen Klavier- oder Gitarrenklängen. Ganz gelassenen hält der Musiker jede Hektik auf Abstand und so muten die Songs oft etwas meditativ an. Einen vorsichtigen Spannungsbogen hält er dennoch aufrecht und lässt einem die Zeit, ganz in seinen Stil einzutauchen.

Fazit: 7fields klingt nach flüchtigen Gedanken und Geschichten, die noch nicht auserzählt sind. Getragen werden die Songs von der charakteristisch-warmen Stimmfärbung des Musikers.

Good Morning Yesterday: Indie-Mischung aus Mainz

Das Fünfergespann Good Morning Yesterday aus Mainz steht knietief in Indie-Grooves und Klangatmosphäre.

Nach mehrjähriger Bandgeschichte und zwei frischen Neuzugängen sehen sich Good Morning Yesterday zurzeit in einer zweiten musikalischen Findungsphase. Vom klassischen Folk- und Singer/Songwriter-Stil geht es zu neuen Ufern: Mehr Elektronik und Mehrstimmigkeit haben sie sich für die Zukunft vorgenommen. Vorerst gibt’s von den fünfen aber erst einmal die neue Single „The Surf“, im Juni kommt der Folge-Track.
Musikalisch gibt’s bei Good Morning Yesterday feine Gitarrenbackings, Klavierharmonien und eine Reibeisenstimme für graue Regentage. Die Melancholie in den Songs steht den Musikern durchaus gut, schließlich lässt schon der Bandname einen gewissen nostalgischen Ansatz erahnen.

Fazit: Ganz entspannt und ohne große Aufregung grooven sich Good Morning Yesterday durch ihre Musik.

Anna Leone: Gitarren-Folk mit Charakter

Die tolle, gefühlvolle Stimme kann Anna Leone wohl ihr Markenzeichen nennen – in Ergänzung mit dem meist minimalistisch gehaltenen Instrumentalunterbau sorgt sie für einen Sound mit Tiefgang.

2018 erschien die erste EP der Schwedin. Seit März ist mit Still I Wait die zweite EP von Anna Leone zu haben und auch ein Album ist schon in der Mache. Bis Herbst ist hier aber wohl mindestens noch Geduld angesagt.
Viel braucht Anna Leone nicht für ihre Musik: ein paar melancholische Akkorde, beständiges Gitarren-Fingerpicking und ihre nachdenkliche Stimme. Auf unverfälschte, rohe Art singt die Musikerin und lässt dabei trotz oft zarter Melodien auch das Volumen ihrer Stimme durchblitzen. Friedlich klingen ihre Songs, könnte man sagen. Und gleichzeitig erahnt man eine bezeichnende Tiefe und Reife.

Fazit: Anna Leone ist eine besondere Entdeckung. Ihre Musik geht leicht ins Ohr, ist ausgesprochen schön und bringt auch eine Portion Eigenwillen mit. Schade nur, dass wir bis zum ersten Album noch warten müssen.