Punch Drunk Poets: Poesie mal anders

Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poets beweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.

Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen.
Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.

Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.

Autorin:

Clara Hümmer

Nobutthefrog: Folk-Band in Aufbruchstimmung

Ihren Namen haben die vier in ihrer Bandgeschichte sicher schon mehr als einmal buchstabieren müssen. Wer Nobutthefrog googelt, landet dafür aber auf keinen Fall woanders als bei der sympathischen Folk-Band aus Nürnberg.

Also Duo haben Anka (Gesang, Geige, Mandoline, Gitarre) und René (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) 2016 ihren Grundstein in der Frankenmetropole gelegt – inzwischen sind auch Kontrabassist Lorenz und Drummer Chris mit an Bord. Zwei CDs haben Nobutthefrog schon veröffentlicht, als Straßenmusiker hat es sie neben Deutschland auch nach Polen und in die Niederlande verschlagen. Für den Spätsommer diesen Jahres stehen außerdem große Pläne an: Drei Viertel der Band wollen sich straßenmusikfinanziert auf Weltreise begeben und den kompletten Neustart wagen. Wie lang das gehen wird, ist noch offen: „Die Versicherung, die wir abschließen wollen, wird fünf Jahre gehen“, verrät Anka am Telefon.
Gesungen wird bei der Folk-Pop-Mischung von Nobutthefrog mal harmonisch zweistimmig, mal rau und mit Power. Die musikalische Begleitung bleibt durch den Fokus auf Gesang und Gitarre auch mit vierköpfiger Band angenehm folkig und nicht überladen. Geige und Kontrabass bringen hier und da eine besondere Note in die Musik und mit der Mundharmonika kommt außerdem ein bluesiger Einfluss dazu.

Fazit: Schöne Melodien und gemeinsame Bühnenerfahrung sind das eine. Dass obendrein noch das Klima unter den Bandmitgliedern stimmt, zeigt einmal mehr die Idee, auf unbestimmte Zeit zusammen die Welt erkunden zu wollen.

Urban Project: Aachener Sound-Labor

Mit simplen Pop-Strukturen gibt sich beim Urban Project aus Aachen keiner zufrieden. Hier wird ausprobiert und an Klängen gewerkelt – die ein oder andere Dissonanz und eingebaute Stimmungswechsel bringen extra Pepp in die Songs.

Die Basis der Band bilden Gitarrist Urban Elsässer und die Sängerin, Komponistin und Texterin Yen Hwei Bella Anetzberger. Zu diesem Grundstock gesellten sich seit 2015 bereits verschiedene weitere Musiker, bis sich inzwischen eine feste vierköpfige Besetzung mit Bassist und Schlagzeuger eingependelt hat. Zwei Platten hat die Band schon auf Vorrat, die dritte ist in der Mache.
Beim Urban Project geht es rockig zu, die Tracks der Band sind nicht aber unbedingt Songs, die leicht ins Ohr gehen. Urban Project spielen mit dem Ungewohnten, kombinieren melodische Phrasen mit Brüchen. So entsteht eine besondere Spannung und die Musik bekommt eine eigene Note. Auch musikalisch wissen die vier fraglos, was sie machen.

Fazit: Für das Urban Project ist Langeweile ein Fremdwort. In ihrer Musik passiert ständig etwas und auch Genregrenzen legen die vier neu aus.

Betrayers of Babylon: im Off-Beat auf die Barrikaden

Eine Portion Reggae, dazu ein bisschen Jazz, Pop und deutscher Gesang: Das sind Betrayers of Babylon.

Hinter der Band stehen Sänger und Gitarrist Luks Gaedtke, Bassist Leon Kunze, Pianist Oliver Reith, Posaunist Simon Stiller, Trompeter Noah Wiederhold und Marvin Andrä an den Drums.
Rhythmisch geht es bei Betrayers of Babylon zur Sache, Einflüsse aus dem Reggea kombiniert mit deutschen Texten werden mit Unterstützung der kleinen Bläser-Section zu einem echten Stimmungsmacher. Zwischendurch gibt es jazzige Fills, kleine Soli oder Off-Beat-Klatschen. In ihren Texten wird es auch mal ein bisschen derber, denn Betrayers of Babylon nehmen kein Blatt vor den Mund. Das muss auch Innenminister Horst Seehofer aushalten, der in der neuen Single „Horst“ so gar nicht gut wegkommt.

Fazit: Mit viel Rhythmus, eingängiger Musik und Texten, in denen gern auch mal verbal ausgeholt wird, bringen die Betrayers of Babylon ihre politischen Ansichten in die Welt.

Emerson Prime: einmaliger Sound

Die Band Emerson Prime aus Hannover haben sich von Anfang an ihren eigenen Sound erspielt. Im Moment haben sie auch die ein oder andere neue Single im Gepäck.

Sängerin Erika Emerson ist die Tochter eines englischen Gesangsprofessors und einer schottischen Jazzdozentin. Ihre Kollegen bei Emerson Prime: Simon Lorenz (Bass), Joschka Merhof (Keyboard), Jan Beyer (Gitarre) und Tobias Lammers (Drums). 2015 trafen die fünf das erste Mal am Popinstitut in Hannover im Proberaum aufeinander. Eine EP, ein Album und drei Deutschlandtouren später wirken die Musikerinnen und Musiker, als hätten sie schon immer zusammen gespielt.
Emerson Prime lassen es krachen: Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und Wechsel und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation. Die Melodien sind alles andere als eintönig, musikalisch hat das Ganze Intensität, das Zuhören macht Spaß.

Fazit: So etwas wie Emerson Prime hört man so schnell wahrscheinlich kein zweites Mal. Die Band klingt eigen und charakterstark, in ihren kreativ-spannenden Melodien sprüht das Quintett vor Energie.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Baby It’s Fine
    • 2018 Debut Wonderseed
  • Umleitung:

Kallisto: vielversprechende Folk-Newcomer

Daniel und Gesa von kallisto zaubern mit Gitarre und Gesang eingängigen Folk-Pop auf die Ohren.

Vor einem Jahr hat sich das Duo kallisto in Kiel gegründet. Musik- und Bühnenerfahrung hatten die beiden da aber schon unabhängig von einander gesammelt, für Daniel waren das vor allem Tanzturniere, Gesa hat Gesang, Tanz und Schauspiel studiert und stand bei Musicals auf der Bühne. Seit den ersten gemeinsamen Jam-Sessions war dann klar, wohin die Reise geht. Also WG-Zimmer zum Proberaum umfunktioniert, erste Open Mics bestritten und nun ganz frisch die erste eigene Single.
Zwar sind sie nur zu zweit, ihre Musik gestalten sie aber durchaus variantenreich. In ihrer Single „Optimisten“ spielen kallisto mit Effekten, der Fokus bleibt auf Gitarre und Gesang. Getextet wird auf Deutsch und es entsteht eine Mischung aus sanftem Singer/Songwriter-Folk und Pop-Melodien mit Power. Die Message der Single ist klar: „Wir sind Optimisten, denn die Welt braucht uns mehr denn je.“

Fazit: Kallisto sind noch ganz frisch dabei. Der erste Song klingt sympathisch, catchy und weckt Interesse auf das, was man von den beiden in Zukunft noch hören könnte.

Mykket Morton: Soundmix auf eigene Faust

Kassel, 2016, Kleinstadtromantik und mittendrin vier Jungs mit Cello, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das ist die Geschichte von Mykket Morton. Schon der schwedisch-englisch-deutsche Name („mycket-mor(e)-ton“ = sehr viel mehr Ton) lässt auf einen besonderen Soundmix schließen. Der möchte sich genremäßig in keine Schublade stecken lassen und lieber irgendwo zwischen Indie, Folk, Ska und Swing ein eigenes Ding machen.

Vor vier Jahren nahmen Claudio, Philipp, Julian und Marc ihr Debütalbum New World auf und gründeten für die Veröffentlichung kurzerhand das Label Viel Mehr Ton. Als „work in progress“ beschreiben sie ihre Musik: unperfekt, unpoliert, ehrlich, authentisch. Die stürmisch-wechselhafte Klangfarbe nimmt man den Jungs ab – auch mit Chorbegleitung beim Gig in der Waldorfschule.
Was als Projekt zweier Kindergartenfreunde begann, ist längst zu größeren Narrativen geworden. Die selbstgeschriebenen Texte erzählen vom Lieben, Scheitern und von Erfahrungen, in denen man auch immer wieder sich selbst finden kann. Das passiert manchmal rockig, manchmal traurig, aber immer tanzbar. Mykket Morton schaffen es, diese Geschichten auch audiovisuell künstlerisch zu verarbeiten. Der Clip zu „Stranger“ zieht den Betrachtenden etwa auf melancholisch-beschwingte Weise in ein kleines Nussschalenboot umgeben vom Wellengang. Wechsel in der Rhythmik bauen zusammen mit dem Fokus auf Gesang, Gitarre und Percussion eine Spannung auf, die unbeschwert daherkommt. In verschiedenen Tracks stellen die vier zugleich unter Beweis, wie gut sich Mehrstimmigkeit anhören kann. Die facettenreichen Klänge harmonieren und erzeugen Energie, Tiefe und Komplexität.

Fazit: Wer wissen will, wie sich Spontanität und Lebensfreude in Tönen anhört, der ist bei Mykket Morton mit ihrem neuen Lied „Where I Go“ an der richtigen Adresse. Sehr sympathisch auch Philipps Bericht, den er mit Nutellabrot im Mund abgibt: „Wir haben einen neuen Song gemacht, der war eigentlich schon ganz geil. Und dann haben wir den dann doch komplett umgeschmissen. Und jetzt ist er noch geiler. Und haben dann gestern wirklich sehr, sehr spät mal hemmungslos zu diesem Song getanzt. Wir mussten einfach mal tanzen.“ Der Platz außerhalb der Schubladen – so mühselig er manchmal ist, Spaß machen muss er auf jeden Fall.

Autorin:

Clara Hümmer

Verlosung: 3x CD von Lina Button

| Die Teilnahmefrist für diese Verlosung ist bereits abgelaufen |

Das ist mal eine Stimme! Die Schweizer Musikerin Lina Button trifft einen Nerv. Am 3. April erscheint ihr neues Album Who’ll Be Here?
Schon vor der Veröffentlichung verlosen wir drei CDs der Sängerin.

Und so geht’s:

Für die Teilnahme einfach eine E-Mail mit der Betreffzeile Verlosung Lina Button 2020 an die Redaktion schicken. Schon landet dein Name im Lostopf! Ganz wichtig: In der E-Mail bitte unbedingt gleich Namen und Anschrift mitschicken! (Die Daten werden ausschließlich für die Verlosung verwendet und nach der Ermittlung der Gewinner gelöscht.)

Teilnahmeschluss ist der 2. April, 12 Uhr. Die Gewinner werden nach Ablauf der Frist benachrichtigt und erhalten ihr CD-Exemplar per Post.


Ein ausführliches Portrait zu Lina Button findest du hier.


Miss Pirate: Bedroom-Pop zum Relaxen

Miss Pirate aus Karlsruhe ist noch ganz frisch in der Musikszene. Mitte März hat sie ihre erste Single veröffentlicht.

Die Künstlerin Miss Pirate schreibt und produziert ihre Musik in Eigenregie. Auch wenn die Musikerin auf der Bühne steht, reicht ihr eine Gitarre und ihre Stimme. In ihren Texten traut sich Miss Pirate auch an die schwierigen Themen, singt zum Beispiel über psychische Erkrankungen.
Auf der Basis von elektronischen Beats baut sich die Musik vorsichtig auf. Ihre Melodien ergänzt Miss Pirate streckenweise mit zarter Mehrstimmigkeit. Leicht melancholisch, aber doch entfernt von echter Traurigkeit bekommt ihre Musik einen eigenen Charakter.

Fazit: Ohne gewollt nachdrücklich zu singen, erzeugt Miss Pirate eine besondere Atmosphäre. Ihre Melodien sind angenehm und leicht zu hören, obwohl sie sich in ihren Texten durchaus nicht nur mit leichter Kost auseinandersetzt.

Lina Button: moderner Synth-Pop

Am Pop-Himmel schimmert etwas: Lina Button aus der Schweiz ist auf dem Weg, die Musikszene zu verzaubern. Und das auf lässig-verspielte Weise und trotzdem mit Tiefgang.

Drei Alben hat Lina Button schon veröffentlicht und auf das vierte muss man auch nicht mehr lange warten: Anfang April erscheint Who’ll Be There? und bis dahin kann man sie in der Schweiz noch auf einer Handvoll Konzerten live sehen. Zweimal war die Musikerin schon für den Swiss Music Award nominiert, der Radiosender SRF 3 ernannte sie zum „Best Talent“.
Lina Button macht Gute-Laune-Pop. Aber nicht die oberflächliche Variante, die man gleich im Kopf hat. Button schleift Töne soulig an, sie kann durchdringende oder akustisch-sanftere Töne anschlagen, singt aber immer mit einem kräftigen Selbstbewusstsein, das sie durchaus zu Recht hat. Ihre Texte schreibt sie selbst und sie treffen sicher den Nerv ihrer Generation: Nachtwanderungen durch die Großstadt, Sehnsucht nach Freiheit, problematische Beziehungen.

Fazit: Ob akustisch oder elektronisch – Lina Button überzeugt auf ganzer Linie mit einer tollen Stimme.