Ist Berlin geiler als Bonn? (Spoiler: nein!)

Meine Stadt hatte die Wahl. Sie entschied sich, wenn auch nicht in meinem Sinne. Aber das ist Demokratie, langweilig wird sie nie. Der Rückenwind, der uns fünf Jahre eine grüne Oberbürgermeisterin bescherte, schlug um. Nun haben wir einen konservativen OB mit Namen Déus – Halleluja, das kann nur prima werden. 

In solchen Situationen wird mir gewahr, was für ein spießiges, rückwärtsgewandtes Kaff meine Stadt – Bonn – ist. Selbst meine Bubble (und wir sind bereits die Alternative!) siecht unter einer gewissen Wohlstandsverwahrlosung, gepaart mit Langeweile und dem Verdruss über die eigene Vergänglichkeit dahin. Mir wird es manchmal eng hier, die Wände kommen näher. Aber ist das Gras, wie man sagt, woanders grüner? 

Bemühen wir den ewig hinkenden Vergleich Bonn vs. Berlin, Bundesstadt (was immer das bedeuten mag) vs. Hauptstadt (was immer das bedeuten mag). 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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MYLLER: Stiller Held im Deutschpop

Die Musik von MYLLER bewegt sich im Spannungsfeld von Deutschpop, Singer-Songwriter und Indie. Die Songs sind geprägt von warmen Gitarren, dezenten Keys und klaren Vocals, die oft eher minimalistisch als groß produziert sind. Statt auf übertriebene Effekte setzt er auf eine intime Instrumentierung, die die Texte in den Vordergrund stellt und dabei sowohl ruhige Balladen als auch dynamischere Popsongs zulässt.

MYLLER heißt eigentlich Lukas Müller, ist Mitte 20 und stammt aus dem Raum Gießen. Schon als Teenager brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei. Seit 2020 veröffentlicht er unter seinem Künstlernamen eigene Songs, zunächst inmitten der Corona-Zeit, die für ihn zur Initialzündung wurde.

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Scott-Pilgrim-Comics, Batman-Träume und Dream Pop aus L.A.

Ich verbringe viel Zeit auf Bahnhöfen und warte auf Züge. So viel Zeit, dass es sich lohnen würde, dort ein Business zu starten. Drogen, Prostitution, Pfand sammeln, betteln, alles außerhalb meiner Kompetenzzonen oder bereits vergeben. Deshalb investiere ich die Wartezeit gern in etwas Heilsames: Weltflucht und Träumerei. Bevorzugt durch das Lesen von Comics. 

Comics lesen meine Kinder, sagen die Ahnungslosen. Comics sind ein Medium, kein Genre, entgegne ich. Das ist ähnlich dumm, wie zu sagen, meine Kinder schauen Filme… Ebenso schlimm: Ich lese keine Comics, ich lese Graphic Novels. Ja, klar!


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Neulich las ich Scott Pilgrim Band 3, sprach ein Fremder mich an, der wie Jesse Eisenberg aussah. Es wäre noch cooler, hätte er ausgesehen wie Michael Cera, der ja Scott Pilgrim in der Realverfilmung spielt, aber es war wie es war. Jesse wollte wissen, ob das ein neuer Pilgrim wäre, was ich wahrheitsgemäß verneinte. Wir versicherten uns gegenseitig, wie fantastisch dieses Comic ist, schwiegen verlegen, dann wünschte ich einen schönen Tag und ging. Das allerdings beschwingt und gut gelaunt, weil es mich erfreute, einen Gleichgesinnten getroffen zu haben. Der Mensch möchte gesehen und in seinem Tun bestätigt werden. Im Außen. Der Blick nach innen folgt anderen Gesetzen. 

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taal: brandneue Stimmen im deutschen Indie-Pop

Obwohl das queere FLINTA-Duo taal bisher erst drei Singles veröffentlicht hat, zeigen die beiden schon jetzt was für eine Vielseitigkeit in ihnen steckt.

Die allererste Single „alles/nichts“ deutet schon mit dem Titel auf ein eher trauriges Thema: Clara Kieser und Tari Hetzel schildern im Text die Gefühle einer Person direkt nach dem Ende einer Beziehung und erschaffen damit eine perfekte Heartbreak-Hymne. Der Sound erinnert an Lieder von Phoebe Bridgers oder Lucy Dacus.

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Hanniou: deutsches Pop-Phänomen mit Gänsehautfaktor

Die Fangemeinde von Hanniou in der deutschen Popszene wächst stetig. Und das zu recht: Sie überzeugt mit klaren Texten voll emotionaler Direktheit und einer tollen Stimme. Musikalisch bewegt sie sich zwischen reduzierten Klavierarrangements und eingängigen Pop-Momenten, in denen sie Themen wie Herzschmerz, Loslassen und Selbstfindung verarbeitet.

Im Juli erschien ihre EP you’re just a boy, die in fünf Songs diese Themen zusammenführt. Die Fokussingle „i gave you the world (but you didn’t want it)“ ist präzise und ohne Schnörkel erzählt. In „just a boy“ feiert sie Selbstliebe und das Ende romantischer Illusionen, während „i hate this city“ die Stadt zur Projektionsfläche unerwünschter Erinnerungen macht.

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Popkultur lebt vom Fake: Wenn die Welt dich abhängt

Neulich fiel mir auf meinem Weg durch die Stadt ein älteres Paar ins Auge. Er adrett mit Weste und Schiebermütze, eleganter Gehstock, sie im langen Kleid mit ausladendem Blumenmuster, Brigitte-Macron-Frisur. Sie standen vor einem Schild an einem altehrwürdigen Stadthaus, auf dem bis neulich noch irgendeine Anwaltskanzlei ausgewiesen war. Nun stand dort „Coworking Space”, und wenn ich die Szene und die aufgeschnappten Gesprächsfetzen richtig interpretiere, wussten die beiden nicht, was das bedeutet. 

Wie fühlt es sich an, wenn die Welt dich abhängt? 

Wenn Schilder in Sprachen auftauchen, die du nicht sprichst? Wenn Menschen einen Slang bevorzugen, der dich ausschließt? Wenn die “Sitten” verschoben werden? Besuchte mich mein Vater seinerzeit in der großen Stadt, fielen ihm die Augen aus dem Kopf, begegneten wir einem gleichgeschlechtlichen Paar. Ich weiß, mein Vater war für Liebe, er war einfach nur erstaunt und das ließ ich ihm. Die Zeiten ändern sich. 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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Dressed Like Boys: Pop kann auch Rebellion

Zum 56. Jahrestag der Stonewall Riots veröffentlichte Dressed Like Boys im Juni mit „Stonewall Riots Forever“ ein queeres Statement. Der belgische Musiker Jelle Denturck schafft mit zartem Art-Pop und tiefgreifender Lyrik ein musikalisches Denkmal. Er ist gleichzeitig persönlich und politisch – und beweist damit zwar Haltung, braucht aber keinen Pathos.

Dressed Like Boys ist das Soloprojekt von Jelle Denturck, bekannt als Sänger der belgischen Indie-Rock-Band DIRK. Während bei DIRK. auf kantigen Gitarren gebaut wird, klingt Dressed Like Boys wie ein melancholischer Sonntagmorgen mit David Bowie und Nina Simone im Ohr. Statt lautem Protest ein Piano, ein Cello und ein flammender Text.

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Carla Ahad: Die Stimme des jungen Hauptstadt-Indie-Pop

Mit mehr als acht Millionen Spotify-Streams zählt Carla Ahad jetzt schon zu den spannendsten jungen Stimmen der deutschen Musikszene. Seit 2021 hat sie über 20 Singles veröffentlicht und liefert konstant neue Musik.

Der Festival-Sommer 2025 hat für Carla Ahad längst begonnen – doch bevor es in die sommerliche Release-Pause geht, hat die Musikerin mit „Ich könnt ans Meer“ ihren ganz eigenen Sommerhit herausgebracht. Ein musikalisches Polaroid zwischen Stadtleben und Sehnsucht. Her mit den lauen Abenden, offenen Fenstern, und einfach mal die kleinen Dinge feiern! Mit einer Mischung aus urbaner Leichtigkeit und Melancholie singt Carla von Wetter, Wolkenbildern und Momenten, die wie Zitrusfrüchte prickeln.

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Bedroom June: wie eine Erinnerung, die nicht gehen will

Manchmal reicht ein einziger Satz, um all das zu sagen, was zu spät gesagt wurde. Bedroom June schafft das mit ihrer Single „How Much I Wanted You“ von ihrer Debüt-EP auf ganz besondere Weise. Der Song hat ein bisschen was von einem Tagebucheintrag, den man eigentlich nie veröffentlichen wollte.

„How Much I Wanted You“ ist ein Eingeständnis über den Schmerz, jemanden erst wirklich zu vermissen, wenn er nicht mehr da ist. Mit verletzlicher Stimme fängt Bedroom June eine Mischung aus Sehnsucht, Reue und dem Ringen um Selbstverständnis ein. Der Track beginnt sanft und zurückhaltend, bevor verzerrte Gitarren und treibende Drums die innere Zerrissenheit und Überforderung hörbar machen. Vokale Harmonien im Refrain schaffen einen Moment der Ruhe, ehe die Intensität des Songs in einem emotionalen Ausbruch endet.

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Kleines Licht beats große Dunkelheit

Neulich, am vermutlich heißesten Tag dieses Jahres lief ich vom Bahnhof durch die City, vorbei an dem neuen Bibliotheksgebäude, vor dem die Stadt unbequeme Bänke installiert hat, auf denen niemand sitzen kann, dessen Körper nicht durch eine Laune der Natur oder widrige Umstände die Form eines Geodreiecks hat. Oder du machst es wie der junge Mann, der mir auffiel, oberkörperfrei in der Gluthitze, schlägst der amtlich verordneten Unbequemlichkeit mit Körperspannung ein Schnippchen und wirst zur Hypotenuse. 

Der Typ, lass ihn sechzehn bis achtzehn Jahre jung gewesen sein, war smart, blond, drahtig, Boyband-hübsch, trug eine wirklich ausgefallene Schlaghose und – ein Fleck auf einem schönen Gemälde, ein Makel in der jugendlichen Reinheit – er rauchte einen Joint. 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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