Fewjar: grooviger Hauptstadt-Indie

An ihre Songs lassen die Mitglieder der Berliner Band Fewjar erst einmal niemanden ran. Stattdessen packt die Band von Songwriting bis Aufnehmen und Mischen alles selbst an. Und weil die drei ihr Handwerk nun mal verstehen, geht das Konzept wunderbar auf.

2013 bastelten Fewjar ihr Album noch vom WG-Zimmer aus, inzwischen entstehen die Songs im eigenen Studio in Berlin-Weißensee. Nach einer Reihe von Alben, EPs und Touren haben die Bandmitglieder Jakob Joiko, Felix Denzer und Andre Moghimi inzwischen ein neues Album und – wenn alles gut geht – für September/Oktober auch eine Deutschlandtour in Aussicht gestellt.
Die Band spielt mit Erwartungen; klassische Pop-Melodien sucht man vergeblich, dafür fühlt man sich gleich von der unverschämten Coolness der Musik angesteckt. Die Songs der drei leben von Vorwärtsdrang, eigenwilligen Ideen und der bodenständigen Art mit der die Band sich durch ihre Songs groovt.

Fazit: Grundsätzlich strahlen Fewjars Songs eine gewisse Ausgeglichenheit aus: Eingewebt werden verschiedene Einflüsse, etwas Nostalgie, dazu gibt’s markante Instrumentalmotive und clever eingesetzte Pausen – und schon brennt sich einem der klassische Fewjar-Sound ins Gehirn.

Estate im Interview: „Bei uns ist alles DIY.“

Kennengelernt haben sich Jim Kramer (Gitarre, Trompete, Bass) und Jasper Riessen (Drums, Saxophon) in der Band ihrer Musikschule in Tübingen. 2019 holten sie Janislav Brickwell aus Jaspers Parallelklasse als Sänger und Keyboarder mit ins Boot und gründeten ihre Indie-Pop-Band Estate. Zu dem Zeitpunkt waren die drei Bandmitglieder gerade 14, 15 und 17 Jahre alt. Mit ihrem ersten Song „Cigarette“ sahnten sie direkt mehr als 80.000 Streams ab und landeten in Spotifys Release-Radar. Inzwischen steuern alle drei dem Ende ihrer Schulzeit entgegen: Jim hat wenige Tage nach diesem Interview seine letzte Abiprüfung geschrieben, die anderen beiden sind in der elften Klasse. Nebenbei haben die drei kürzlich ihre neue Single „Wide Awake“ veröffentlicht.

Jim, Janislav und Jasper von Estate
© privat

Seit zwei Jahren spielt ihr neben der Schule gemeinsam in einer Band. Seit letztem Jahr kam auch noch Corona dazu. Wie funktioniert das überhaupt zeitlich?

Jasper: Vielleicht hatten wir gerade durch Corona so viel Zeit. Unseren ersten Song „Cigarette“ haben wir zum Beispiel in der Coronazeit aufgenommen. Im Lockdown haben wir erst die Zeit gefunden, das anzupacken. Eigentlich hat es uns also in die Karten gespielt – am Anfang jedenfalls. Jetzt geht’s uns langsam bisschen auf die Nerven, weil wir natürlich auch live spielen wollen.

„Cigarette“ ist ja gleich ziemlich erfolgreich geworden. Worum geht es in dem Song?

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FORWARD: funky Disco-Pop

Rein ins Leben, Neues wagen, mit Erwartungen kämpfen und Zweifel überstehen – mit ihrem Genre-Mix und einer detailverliebten Art liefern FORWARD aus Hannover einen Soundtrack für ihre Generation.

Gemeinsam Songs geschrieben haben Sänger Tim Knemeyer und Gitarrist Arne Dykierek schon, da gingen sie noch zur Grundschule. Später, mit dem Abi in der Tasche, ließen sie sich dann folgerichtig von ihren Interrail-Erlebnissen inspirieren. Mit der Zeit haben sich den beiden außerdem immer mehr Gleichgesinnte angeschlossen. Inzwischen ist FORWARD also achtköpfig und auch eine erste EP steht in den Startlöchern. Die beiden Singles „Overdrive“ und „Quarterlife Crisis“ gibt es vorab schon zu hören.
Die Band in Schubladen zu stecken, ist gar nicht einfach. FORWARD machen lieber ihr eigenes Ding. Flinke Bassläufe und ein Schlagzeug, nach dem man die Uhr stellen kann, sorgen für Drive. Dazu kommen funkig abgerissene Gitarrenchords und als Sahnehäubchen die kleine Bläsersection mit ihren fein abgestimmten Einwürfen. Trotz der vollen Besetzung erschlägt einen der Sound so nicht – jedes Instrument hat seinen Platz und der Gesamtklang ist sorgfältig austariert.

Fazit: FORWARD versprühen literweise Sommerfeeling. Ganz wie es der Bandname verspricht, zieht es die Truppe mit Präzision, einer Prise Melancholie und etwas Draufgängertum nach vorn.

Übrigens: Ausgewählte Musik-unterm-Radar-Geheimtipps gibt’s ab jetzt auf einen Klick in unserer Spotify-Playlist!

Good Morning Yesterday: Indie-Mischung aus Mainz

Das Fünfergespann Good Morning Yesterday aus Mainz steht knietief in Indie-Grooves und Klangatmosphäre.

Nach mehrjähriger Bandgeschichte und zwei frischen Neuzugängen sehen sich Good Morning Yesterday zurzeit in einer zweiten musikalischen Findungsphase. Vom klassischen Folk- und Singer/Songwriter-Stil geht es zu neuen Ufern: Mehr Elektronik und Mehrstimmigkeit haben sie sich für die Zukunft vorgenommen. Vorerst gibt’s von den fünfen aber erst einmal die neue Single „The Surf“, im Juni kommt der Folge-Track.
Musikalisch gibt’s bei Good Morning Yesterday feine Gitarrenbackings, Klavierharmonien und eine Reibeisenstimme für graue Regentage. Die Melancholie in den Songs steht den Musikern durchaus gut, schließlich lässt schon der Bandname einen gewissen nostalgischen Ansatz erahnen.

Fazit: Ganz entspannt und ohne große Aufregung grooven sich Good Morning Yesterday durch ihre Musik.

Mei River: gefühlvolle Texte und catchy Sounds

Eine tolle Stimme, ein interessanter Mix an Instrumenten und eine Bandbreite an Emotionen – Bühne frei für Mei River aus Schweden. 

Der Produzent, Sänger und Songwriter Fredrik Eriksson produzierte jahrelang Musik für andere Künstler, bis er vergangenes Jahr sein Solodebut als Mei River gab und seine erste EP Tall Trees That Never Fell herausbrachte. Nach der Veröffentlichung der Single „On My Own“ im Januar dieses Jahres, folgte kurz darauf der nächste Titel mit „Pixie In The Sky“. Beide Songs sind ein erster Vorgeschmack auf die neue EP. Diese wird wohl im Laufe des Jahres erscheinen und erzählt laut Mei River eine Liebesgeschichte zweier Menschen während einer Apokalypse.
Mei River vereint gefühlvolle Texte mit fröhlichen Klängen, die nicht nur bei Liebeskummer, sondern auch bei Sonnenschein im Park der perfekte Begleiter sind. Er schafft es, trotz der teils melancholischen Stimmung eine Leichtigkeit zu bewahren, die ansteckend ist. 

Fazit: Als einer der vielen Musiker, die während dieser Zeit auf Konzerte und Live-Musik verzichten müssen und sich deshalb mit dem Veröffentlichen von neuer Musik bei Laune halten, sieht sich Mei River nun auch der ungewohnten Situation gegenüber, dass seine Musik ausschließlich online bei der Hörerschaft ankommt. Die positive Resonanz dort freut nicht nur ihn, sondern auch uns, denn trotz seiner bislang noch kurzen Karriere, zielt Mei River ins Herz eines jeden Indie-Pop Fans – und trifft. 

Autor:

Julian Hubert

Old Sea Brigade: Roadtrip-Sound aus Nashville

Ursprünglich kommt der Musiker Ben Cramer aus Georgia, inzwischen lebt er in Nashville. Dort hat er 2015 sein Solomusikprojekt Old Sea Brigade auf die Beine gestellt. Nach mehreren EPs, einem Debut-Album und einer Kollaborations-EP mit Luke Sital-Singh hat der Musiker für Mitte Mai sein nächstes Album angekündigt.

Mit einer sanften Art und gleichzeitig verlässlichen Stetigkeit vermittelt die rauchige Stimme des Musikers den Eindruck, als sei dieser so schnell durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Viel Bewegung in der Begleitung und die Unterlegung mit Beats steigern Tempo und Drive der Songs. Bei Themen wie der Suche nach den eigenen Wurzeln und der Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen schimmert auch immer wieder eine vorsichtige Melancholie durch.

Fazit: Mit einem eigenen Stil kombiniert Old Sea Brigade eingängige Melodien mit mehrschichtiger Begleitung und einem Gefühl von innerer Ruhe.

Lennart Schilgen im Interview: „Frontmann zu sein, musste ich mir erst erarbeiten.“

Meist reicht Lennart Schilgen eine Liedzeile, um ein altbekanntes Wort so umzudeuten, dass man plötzlich vor ganz neue Tatsachen gestellt wird. Simple Kalauer kommen hier allerdings nicht heraus, stattdessen clever umgedrehte Wirklichkeiten und elegante Wortwitze. Ob solo oder bis 2018 noch in Bandformation hat Lennart Schilgen zahlreiche Preise abgestaubt und reihenweise Konzerte und abendfüllende Kleinkunstprogramme hinter sich gebracht. Mit seiner EP Populärmusik, die am 9. April erscheinen wird, zieht es den Berliner Liedermacher jetzt zu neuen Ufern: Mehr Richtung Pop soll es gehen, dafür etwas weniger Comedy-Charakter. Auf die ein oder andere textliche Wendung und ein musikalisches Augenzwinkern kann man sich zwischen Kapitalismuskritik, Stalker-Figuren und einem Paar, das sich nur mit geschlossenen Augen blind versteht, natürlich trotzdem verlassen.

© Marcel Brell

Musik unterm Radar: Lieber Lennart, bevor wir über deine EP reden, muss ich dir gestehen, dass ich dich schon einmal auf einer Bühne gesehen habe. Ich war 2017 mal auf einem Konzert deiner damaligen Band Tonträger in der Bar jeder Vernunft hier in Berlin. Und ein Highlight des Abends war für mich, wie du eine Art Chanson auf Französisch gesungen hast und im Laufe des Liedes plötzlich von der Bühne aus über die wackligen Tische der recht gut betuchten Gäste spaziert bist. Dabei hast du dann unter anderem das Glas Weißwein einer Zuschauerin ausgetrunken.

Lennart Schilgen: Oh Gott, da warst du dabei? (lacht) Es ist so absurd, dass dieser Moment mich jetzt wieder einholt. Das war das zweite Programm von Tonträger, ziemlich bald danach haben wir uns nach 15 Jahren aufgelöst. Aber das war tatsächlich einer der Momente, wo ich am meisten aus meiner Komfortzone rausmusste. Die anderen haben gesagt: „Komm, mach das! Das ist cool, das ist witzig.“ Als Zugabe war das dann auch in Ordnung und diese Art davon, sich mal etwas zu trauen, das kann man in der Bar auf jeden Fall machen.

Bisher gab es von dir ja nur Live-Aufnahmen zu hören, unter anderem auch aus der Bar jeder Vernunft. Populärmusik wird jetzt deine erste Solo-Studioveröffentlichung. Wie ist die EP entstanden und wie hast du die fünf Lieder ausgewählt?

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Jason Pollux: alternativer Electropop

Das Duo Jason Pollux bastelt durchdachte Electro-Songs – und das übrigens ganz ohne Sounds vom Laptop.

Sängerin und Keyboarderin SÆM und ihr Bandkollege Michael Burger, der sich bei Jason Pollux um Synthies und Beats kümmert, haben 2019 gemeinsam ihre erste EP Escape veröffentlicht. Nach verschiedenen Clubkonzerten, Festivals und Online-Gigs steht für dieses Jahr außerdem eine Nachfolge-EP auf dem Plan.
Jason Pollux schöpfen die atmosphärischen Möglichkeiten ihrer Soundspielereien voll aus. So entstehen Songs mit einerseits meditativen, sich wiederholenden Klangschnipseln und andererseits einer Vielzahl von eingestreuten Ideen. Die eindringliche Stimme von SÆM tut ihr Übriges und macht die Musik zu einer runden Sache.

Fazit: Wer genau hinhört, kann bei Jason Pollux viel entdecken. Wie ein Puzzle fügen sich die kleinteiligen Soundelemente mit der bestechenden Lead-Stimme zusammen.

Chris Mayer & The Rockets: Feelgood-Folk-Pop

Wie der Lieblings-Highschoolfilm aus den 90ern soll sich ihre Musik anfühlen, fassen Chris Mayer & The Rockets zusammen. Ein Genre haben sie sich dafür auch schon überlegt: Feelgood-Folk-Pop.

Für den vollen Bandsound lässt sich Frontmann Chris Mayer von seinen Musiker-Kollegen Daniel Jaud, Basti Pilous und Wolfi Müller unterstützen. Nach mehreren ersten Singles ist seit Februar auch schon das erste Album In One Room der Münchner zu haben.
Eigentlich kommen die vier aus ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Gemeinsam bringen sie nun ihre verschiedenen Einflüsse unter einen Hut. Ihr Anspruch: Britpop- und Bluesrock-Verrückte sollen genauso auf ihre Kosten kommen wie Singer/Songwriter-Fans. Dafür warten Chris Mayer & The Rockets mit markanten Drums, eingängigem Gesang, wohldosierten Instrumentalsoli und einer Ladung Aufbruchsstimmung auf.

Fazit: Chris Mayer & The Rockets halten ihr Versprechen und sorgen für gute Laune und unbeschwerte Stimmung.

Nobody’s Cult: Indie zum Eintauchen und Abdriften

Nobody’s Cult aus Frankreich gehen in die Vollen: Eine bombastische Leadstimme, fesselnder Spirit und die vielseitigen musikalischen Ideen sprechen für sich.

Dafür, dass sich die Truppe um die bemerkenswerte Sängerin Lena Woods bereits 2015 gegründet hat, haben es Nobody’s Cult in Sachen Recording bisher erstaunlich ruhig angehen lassen. 2017 haben sich die vier mal an einer EP versucht, zwischendurch gab’s hin und wieder eine Single. Mit einem größeren Album haben sie aber bisher auf sich warten lassen. Im Juni soll es nun aber so weit sein und ihr Debut Mood Disorder darf in die Welt.
Mit Nobody’s Cult lässt es sich wunderbar abtauchen. In „Feel Blue“, einer der ersten Singles aus Mood Disorder, lassen die vier ihre Gedanken schweifen, gehen zurück Richtung Kindheit, entdecken eine gewisse Nostalgie für sich – dass das zugehörige Musikvideo statt digital auf 16mm-Film gedreht werden musste, liegt nahe. Weiter finden wir bei Nobody’s Cult zwischendurch faszinierende Mehrstimmigkeiten, die wunderbar abseits der klassischen Harmonien funktionieren, dann wieder aufbrausende Songs voller Dynamik und Spannung. Und wer hat noch mal gesagt, dass Harfen in Rockbands nichts zu suchen haben?

Fazit: Manchmal kriegt man es bei Nobody’s Cult mit der Angst zu tun, die Band könnte jeden Moment auf der Bühne explodieren – so sehr können sich die vier in ihre Musik hineinsteigern. Dann wieder gibt einem die Band starke Momente zum Durchatmen und Abdriften.