GiGi Girls: Nostalgia done right


VHS-Looks, analoge Synths und Drumcomputer-Beats sind nur ein Bruchteil dessen, was die Popkultur der 80er Jahre geprägt hat. Das Jahrzehnt, in dem Italo-Disco und -Pop ihre Hochzeit hatten, könnte mit den GiGi Girls ihr Comeback feiern. Ihre Musik wirkt dabei wie eine Zeitmaschine – wobei sie sich da nicht zu sehr auf Nostalgie verlassen, sondern die Musik auch durchaus neu interpretieren.

Das Trio aus Köln besteht aus den talentierten Musiker*innen Laura Mancini, Janosch Pugnaghi und Hannah Berle. Während eines Aufenthalts bei Mancinis Familie in Italien entstanden eine Hand voll energetischer Songs ihres frisch erschienenen Debütalbums Greatest Hits. Was hier eigentlich ein Widerspruch in sich ist, gibt einen guten Hinweis darauf, was von den GiGi Girls zu erwarten ist: Catchy Hooks, stoische Drums und eine gesunde Portion Selbstironie, die für eine ordentlich Energie auf der Tanzfläche sorgen.

Genau diese Energie bekommen wir in ihren Songs zu spüren. „Amore Per Sempre“ handelt von der ewigen Liebe und lädt auch hier mit einem Four-to-the-floor-Beat wieder auf die Tanzfläche ein. Besonders hervorzuheben ist die Ästhetik ihres Musikvideos, die den Retro-Look von Italo-Pop aus den 80s perfekt einfangen. Es wird schnell klar, dass die visuelle Arbeit der GiGi Girls einen ähnlich hohen Stellenwert hat wie ihre Musik.


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Maria Taylor fährt mich nach Hause.

Wo bist du zu Hause?

Ist es dort, wo deine Wurzeln tief in den Boden des Landstrichs reichen, wo du dich als Kind in den Büschen versteckt hast? Am Meer, wo das Rauschen der Wellen und der endlose Horizont dich in den Bann schlagen? Vielleicht an Plätzen, wo man dich wiedererkennt, wo deine Lieben sind und dich lächelnde Augen begrüßen, sobald du den Raum betrittst und die Tasche von der Schulter gleiten lässt? Wo du weißt, in welche Richtung das Toilettenpapier rollt?


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


2005 konnte ich diese Fragen nach dem Zuhause nicht zuverlässig beantworten. An einem Punkt der Stagnation angekommen, wusste ich einzig, dass Köln – die Stadt, in der ich zu jener Zeit lebte und arbeitete – es nicht war und niemals werden würde. Ich war gefangen zwischen meiner provinziellen Herkunft, die ich hinter mir lassen wollte, und einer neuen Identität, aber als was und vor allem wo?

An einem unaufgeregten Scheißtag im Juni ’05 fragte mich mein Kumpel Dominik, ob wir Maria Taylor im Blue Shell live ansehen. Auf mein Schulterzucken erläuterte er, dass sie aus dem Saddle-Creek-Umfeld stammt, was ich vermutlich mit einem verächtlichen Raunen beantwortete.

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FILLY: Hyperpop mit Gefühl und Confidence

Hyperpop aus Wien. Das allein reicht eigentlich schon, um mich neugierig zu machen. FILLY verbindet diesen Stil aber zusätzlich mit eingängigen Popmelodien, Electrobeats und Texten, die sowohl selbstbewusst als auch verletzlich wirken. Sprich: Ich bin komplett sold. In ihren neuen Singles „Chemical Love“ und „Over and Over“ spaziert sie ihren Weg durch die Genres weiter.

Kleine Anekdote gleich zu Beginn: Ich habe FILLY für mich entdeckt, als ich sie letztes Jahr als Voract der Band Zimmer90 erleben durfte. Erst danach erfuhr ich, dass sie an „BEZAHLEN“ von Ski Aggu nicht nur als Künstlerin mitgewirkt, sondern diesen auch mitproduziert hat. Da möge sich noch einmal jemand über Voracts auf Konzerten aufregen! Der erste Song, der mich direkt abgeholt hat, war „Cowgirl“. FILLY bringt hier die Eurodance-Beats der 2000er in die Gegenwart und liefert gleichzeitig, so effortless wie es nur geht, einen dreiminütigen Confidence Boost. „I know I’m ten times better than you“. Period.

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The Stamps: Indie-Pop von ziemlich besten Freundinnen

Die australische Band The Stamps leben einen Traum: Als beste Freundinnen schreiben sie Musik, nehmen Songs auch, gehen auf Europa-Tour. Grund genug, euch das Trio und ihre energetischen Indie-Pop-Songs näher vorzustellen.

The Stamps bestehen aus den 22-jährigen Freundinnen Scarlett, Sofia und Rubina. Kennengelernt haben sie sich während ihrer Highschool-Zeit in der Nähe von Perth, wo sie sich schnell zu einer Band formierten. Das erste Lied, das ich von ihnen gehört habe, war ein Cover von „She Bangs The Drums“ – einem Song der britischen Band The Stone Roses, der sofort zeigt, wie ein Song voller Charme und Harmonie mit Indie-Pop neu interpretiert werden kann. Der Song ist Teil ihrer gleichnamigen EP, auf dem sich unter anderem Cover von Nirvana oder Iggy Pop ganz im Stil der Stamps finden.

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MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Gefühle zeigen – geht das überhaupt noch in 2026? MAIIJA antwortet auf diese Frage mit einem ganz klaren Ja! In ihren Songs dürfen Wehmut und Schwere genauso sein wie Geborgenheit und Leichtigkeit. Und anders als andere driftet sie dabei nicht in Kitsch ab.

Marilies Jagsch ist schon seit über zehn Jahren musikalisch in Wien unterwegs; bereits in ihren ersten Songs sticht vor allem ihr gefühlvoller Gesang hervor. Wenn man ihre Stimme hört, hat man das Gefühl, etwas ganz Empfindlichem, vielleicht sogar Zerbrechlichem zuzuhören. Dabei sind ihre Songs genauso wie ihre Ausstrahlung alles andere als schwach.

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Mega City Four rettete mein Teenager-Ich

1989 steckte mein Teenager-Ich in der Klemme. Gefangen in der dörflichen Provinz, mit Erziehungsberechtigten, die sich nicht die Mühe machten, mich zu verstehen, ahnte ich bereits, dass jenseits von Schützenfest und Fußballverein mehr als das existierte. Aber wo hielt sie sich versteckt, die Subkultur?

Wirst du für das, was du bist, nicht akzeptiert, bleibt dir Resignation oder Rebellion. Ich entschied mich für Letzteres. Meine Freunde hörten Metal. Ich schaute mir gern die Plattencover an, aber die Musik?

The Cure und Bauhaus waren toll, aber von gestern. Bowie und Prince hörte jeder. Ich suchte nach meinem Soundtrack, der sich anfühlte wie ein Geheimnis. Ich suchte Musik, die nur mir gehörte – und fand sie in Mega City Four.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Im Tele-5-Musikformat Offbeat berichtete die bezaubernde Susanne Reimann von vier jungen Briten, die ihr Debüt Tranzophobia betitelten, weil sie auf unendlicher Tour in der Enge ihres Ford Transit durchgedreht waren. Ein kurzes Interview, ein Einspieler des Songs “Occupation”, schon war alles klar. Ich war nicht mehr allein.

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Neues Jahr, neuer Migräneanfall

Silvester steht vor der Tür und wie in jedem Jahr möchte der Durchschnittsbürger vor Schlag zwölf am 31. alles erledigt wissen. Das kommende Jahr als symbolischer Neubeginn – ich habe meine Zweifel. Du kannst auch am 2. Februar das Rauchen anfangen oder am 10. April zur überfälligen Vorsorgeuntersuchung gehen. 

Und was wird geseufzt: Ich bin so froh, wenn dieses Jahr vorbei ist. Nächstes Jahr wird es anders, da passe ich besser auf mich auf. Lass hinter dir, was du nicht mehr benötigst – was auch immer die Kalendersprüche sagen, du wirst am 1. Januar exakt dieselbe Pappnase im Spiegel erblicken, bis du dich veränderst.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Alle Jahre haben Licht und Schatten. Leben und Tod. Verlust und Gewinn. Freue dich, dass dir ein weiteres Jahr geschenkt wurde. Das bedeutet, du hast vieles richtig gemacht, sonst wärst du vermutlich tot.

Nonstop passiert Wundervolles. Kleine Menschen werden geboren. Ich durfte eben erst ein wenige Wochen altes Baby auf den Arm nehmen. Wie leicht die sind – trotzdem alles drin. Ein Wunder. 

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