Frauen an der Front – die neue Ära des Pop 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Ich komme nicht mehr hinterher. Bevor ich von Olivia Deans Existenz erfahre, füllt sie längst weltweit Arenen. Bin ich noch dabei, die Faszination Sabrina Carpenter zumindest zu verstehen, spielt Olivia Rodrigo Konzerte mit meinen Jungs, Robert Smith und David Byrne. Die Bleachers sind toll, unterstützt durch Hayley Williams werden sie zum Orkan. Die Rückkehr von Phoebe Bridgers gleicht einer Epiphanie.

Punktum: Die Popwelt gehört den Frauen. Und auch jenseits der riesigen Bühnen tut sich einiges.

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Filiah: Indie-Folk fürs Loslassen, Neuanfangen und alles dazwischen

Manchmal braucht es einen Schritt zurück, bevor es vorwärtsgehen kann. Für die österreichische Sängerin Filiah bedeutete das, ihre Musik und sich selbst nach einer Krise wieder neu zu entdecken. „Ich möchte, dass sich meine Lieder wie ein kleines Zuhause anfühlen. Ein Ort, an dem man sich sicher, verstanden und geborgen fühlt, und sei es nur für einen Moment“, sagt sie selbst über ihre Musik. Ihren Stil beschreibt sie als „Indie-Folk mit einem glitzernden Funkeln von Pop“.

Von einer musikbegeisterten, alleinerziehenden Mutter großgezogen, bringt die Künstlerin, die bürgerlich Nina Schwarott heißt, sich selbst das Gitarrespielen bei und beginnt früh erste Songs zu schreiben. Heute verbindet sie akustische Folk-Elemente mit dezenten Pop-Einflüssen, ohne dabei die Intimität ihrer Songs zu verlieren. Warme Gitarren, atmosphärische Arrangements und einfühlsame Texte bilden das Fundament ihrer Musik.

2022 veröffentlichte sie in Eigenregie ihr erstes Debütalbum For Someone. Rückblickend sagt sie, sie habe damals gar nicht gewusst, wen sie um Hilfe hätte bitten können – und gleichzeitig wollte sie sich selbst beweisen, dass sie alles allein schaffen kann. Also schrieb sie die Songs allein, produzierte das Album selbst und managte nebenbei ihre Karriere.

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Vianne: Zwischen Tagebuchseiten und Großstadtlärm

Wer aus einem kleinen Ort wie Eitelsbach am Rand von Trier nach Berlin zieht, kann schnell auch mal mitten im Chaos landen. Bei Vianne klingt es aber so, als spaziere sie mitten in diesem Chaos gemütlich im Morgengrauen. Die 20-jährige Singer-Songwriterin schreibt Indie-Folk mit sanften Gitarrenklängen, ruhiger Atmosphäre und einer bemerkenswerten Stimme.

Schon früh wurde Musik für Vianne zu einer Möglichkeit, Gedanken und Situationen festzuhalten, die sich nicht so leicht aussprechen lassen. Mit gerade einmal elf Jahren fing sie an, eigene Songs zu schreiben, später brachte sie sich auch das Produzieren selbst bei.

Inhaltlich geht es bei ihr oft um die kleinen Momente im Dazwischen: Unsicherheiten, Veränderungen und das Gefühl, trotz Aufbruchstimmung auch noch irgendwo festzustecken.

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Lyyla: Selbstgespräche werden zu Popsongs

Wer Lyyla hört, landet schnell bei den Fragen, die man sonst oft mit sich allein ausmacht. Die Hamburger Musikerin schreibt Indie-Pop über die Suche nach Nähe und den Umgang mit den eigenen Gedanken. Ihre Texte bewegen sich nah an persönlichen Erfahrungen und geben Emotionen Raum.

Diese Offenheit prägt auch ihr Debütalbum closer kommt nichts ran, das sie größtenteils selbst produziert hat. Auf zwölf Songs beschäftigt sich Lyyla mit Nähe und den Erwartungen, die Menschen an Beziehungen stellen – zu anderen und zu sich selbst.

Musikalisch bewegt sie sich zwischen elektronischem Indie-Pop und reduzierten Arrangements am Klavier. Dadurch entsteht ein Sound, der den Perspektivwechseln ihrer Texte folgt und sowohl große Emotionen als auch kleine Alltagsbeobachtungen tragen kann.

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Ydegirl: Pop, Barock und deepe Texte

Nordischer Barock trifft auf R&B, Pop, Folk – und eine Moorleiche. Die Musikerin Ydegirl verbindet historische Klänge mit modernen Einflüssen und erschafft so eine verträumte, fast mystische Klangwelt.

Die dänische Sängerin, Songwriterin und Produzentin, die mit bürgerlichem Namen Andrea Novel heißt, hat ihren Künstlernamen von dem sogenannten „Mädchen von Yde“ übernommen – ein junges Mädchen, dessen Körper 1897 in einem Moor in den Niederlanden gefunden wurde. Vom Moor konserviert blieb ihr Körper über Jahrtausende erhalten.

In einem Interview sagte sie, dass sie sich mit dem Mädchen von Yde identifizieren kann, weil sie das Gefühl habe, ihr Körper sei in der Vergangenheit gefangen. Die Symbolik des Moors, ein Ort, an dem Vergangenes konserviert wird, spiegelt sich auch in den zentralen Themen ihrer Musik wider.

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diggidaniel: Melancholie in tanzbar

„90bpm. Hip Hop. Beat.“ So hat diggidaniel noch seinen ersten Song beschrieben. Heute klingt seine Musik ein bisschen anders. Mit melancholischem Sound und den Zügen der 80er Synth-Pop und Wave-Sounds reiht sich diggidaniel neben Edwin Rosen, Nils Keppel, Temmis oder Streichelt unter den NNDW-Artists ein.

Seine Musik bleibt dabei zeitlos. diggidaniel lässt gerne die Genregrenzen verschwimmen und macht seine Musik tanzbar – die melancholische Grundstimmung bleibt aber bestehen. 

diggidaniel heißt eigentlich Daniel Pham und kommt aus Hannover. Seit Ende 2021 ist seine Musik auf den üblichen Plattformen zu hören. Mittlerweile hat er eine Reihe von Singles und eine EP veröffentlicht, darunter auch ein Feature mit Steintor Herrenchor im gemeinsamen Track „wollte nie“. 

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Das war das Kimiko-Festival 2026: Tausende Fans in Feierstimmung treffen auf neue Ohrwürmer und alte Bekannte

Aus dem Aachener Sommer ist das Kimiko inzwischen gar nicht mehr wegzudenken: Seit 2018 verwandelt die Festival-Crew den RWTH-Campus in eine Feierzone samt wissenschaftlichem Rahmenprogramm. „Celebrating the culture of tomorrow“ hat man sich als ambitioniertes Motto ausgesucht – wir waren am Start und haben euch paar Highlights rausgepickt.

Mit großen Namen wird beim Kimiko – Isle of Campus Festival natürlich nicht gespart: Mit dabei waren Acts wie OG Keemo, PA69, Raum27 und die Sportfreunde Stiller. Vor allem brachte das Festival aber auch zahlreiche spannende Newcomer auf den Campus. Drei Tage lang konnten täglich bis zu 6000 Besucher:innen unterschiedlichste Musikrichtungen entdecken und gemeinsam tanzen und feiern. Zwischen Konzerten, Streuselbrötchen und Getränken boten zudem zahlreiche Stände aus Wissenschaft, Politik und sozialen Projekten Raum für Austausch und neue Eindrücke.

Gerade abseits der größten Namen zeigte sich, wie viel musikalische Vielfalt das Kimiko zu bieten hat. Einige dieser Auftritte sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Yara

Die Indie-Rock-Band Yara bringt gefühlvolle, deutschsprachige Musik aus dem Raum Heidelberg-Mannheim auf die Bühne. Sänger Jakob Halamoda steht dabei gemeinsam mit Lisa, Jacque und Gio für einen Sound, der zwischen Melancholie und mitreißender Energie pendelt.

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Die Paradiesvögel des Harry Styles


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Keine fünf Minuten nach Fahrtantritt bricht meine ausgeklügelte Planung zusammen. Ihr Anschluss ist voraussichtlich nicht erreichbar. So lande ich in dem Zug, den ich unbedingt vermeiden wollte. Aber anders als befürchtet ist der ICE Richtung Amsterdam an diesem Pfingstwochenende nicht voller betrunkener Kegelbrüder und ‑schwestern. 

Beim Betreten wehen mir im Luftstrom der Klimaanlage bunte Federn entgegen, als hätte jemand eine Kolonie exotischer Vögel geschreddert. Junge Menschen mit Federboas sitzen in den Gängen. Ich reihe mich ein, und es gelingt uns dermaßen, im Weg zu sein, dass der Schaffner ein Abteil öffnet, das für Reisende mit Kindern designt ist. Überall Schäfchen und Regenbögen. Hübsch. Finden auch die beiden jungen Frauen, um die sechzehn, die mir gegenüber Platz nehmen. 

„Fahren Sie auch zum Harry-Styles-Konzert?“, fragt mich die eine nach ein paar Kilometern.
„Nein“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Ich will ans Meer. Aber ich mag Harry Styles.“
„Welche Songs denn?“, fragt sie kritisch nach, und wie um mich zu akkreditieren, zücke ich mein Handy. „’Late Night Talking‘, ‚Matilda‘ und ‚Sign of the Times‘ sind in meiner Favoriten-Playlist. Letzterer, es gibt einen Prince-Song, der heißt beinahe gleich, den mag ich noch lieber.“
„Meine Mutter hört Prince“, sagt die andere. „Kiss!“

Ich lächle und nicke.

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Ein Abend mit Zolani Mahola zwischen Freshlyground, „Waka Waka“ und neuen Geschichten

Die großartige Zolani Mahola hat den Berlinerinnen und Berlinern als erstem Publikum überhaupt am Freitag ihr neues Album People Power in einer Listening Session plus Live-Performance vorgestellt. Mit dabei waren in der persönlichen Atmosphäre des Berliner Holzmarkts die Grammy-nominierte Produzentin Hannah V und der Produzent Aron, ehemalige Bandkollege Maholas. Dass das Album eine Herzensangelegenheit der Beteiligten ist, war in jedem Wort und jedem Song zu spüren.

Es ist wieder Fußball-WM, und als zyklisches Ereignis wie die Jahreszeiten bringt sie Erinnerungen mit sich. Zwar ist die Weltmeisterschaft in Südafrika nun schon sehr lange her, sechzehn Jahre sind es; ihr Sound ist aber weiterhin allgemein bekannt: „Tsamina mina eh eh…“. Damals sang Shakira den Hit „Waka Waka“ auf großer Bühne in Johannesburg bei der Eröffnungsfeier. Mit ihr auf der Bühne: eine der bekanntesten südafrikanischen Bands – Freshlyground – mit ihrer einzigartigen Sängerin Zolani Mahola.

So stellt der ehemalige Bandkollege und Keyboarder Zolani Maholas, Aron, die Sängerin am Freitagabend im Holzmarkt vor. Die beiden kennen sich schon lange, ihre Band Freshlyground gründete sich in Kapstadt Anfang der 2000er Jahre. Damals, so Aron, habe er Maholas Stimme während der Arbeit an einem Theaterstück gehört und wollte sie unbedingt für seine Band gewinnen. Daraus wurden lange Jahre gemeinsamer künstlerischer Arbeit und, wie man an diesem Abend unschwer erkennen kann, eine enge Freundschaft.

Ihren Durchbruch hatten Freshlyground 2004 mit dem Album Nomvula, auf dem besonders bekannte Tracks wie „Doo Be Doo“ oder der gleichnamige Titelsong zu finden sind. Internationale Bekanntheit erlangten sie durch Co-Writing und -Performing des WM-Songs „Waka Waka“, der übrigens auf einem alten kamerunischen Song beruht, mit dem kolumbianischen Weltstar Shakira.

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To Athena: Ihre Magie war nie weg

„Have I Lost My Magic?”, fragt sich To Athena in ihrem letzten Album. Die Antwort darauf ist einfach, denn beim Hören der Tracks wird man tatsächlich auf magische Weise in den Bann gezogen.

Hinter To Athena stecken die 30-jährige Tiffany Limacher aus der Schweiz und ihr neunköpfiges Poporchester aus Streichern und Harfe. Ihre Kammerpopsongs singt sie auf Schweizerdeutsch und Englisch.

Ihr bekanntester Song, „Angscht“, berührt durch einen ergreifenden Text, den Tiffany Limacher mit ihrer klaren Stimme singt. Während sich Künstler*innen mit österreichischem Dialekt in Deutschland schon etabliert haben, transportiert die Schweizerin mit ihrer Musik einen neuen Vibe.

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