Live-Report: Begeisterte Fans bei Kat Frankie

Bei Kat Frankies Konzert am Freitag in Berlin stimmt alles: die Band, der Sound, die Fans – und der Star des Abends sowieso. Kat Frankie lacht viel, interagiert mit dem Publikum und wirkt wie die Ruhe selbst, schließlich ist das Konzert im ausverkauften Festsaal Kreuzberg für die langjährige Wahlberlinerin ein absolutes Heimspiel.

© Katharina Köhler

Die Berliner*innen haben lange gewartet auf diesen Abend. Nach coronabedingter Verlegung um ein Jahr startet pünktlich um acht Opener-Duo Theyy (Kats Bassistin Shanice Ruby Bennett zusammen mit Sängerin Erika Emerson) mit seinem genialen modern-souligen Sound und smoothem Bass.

Theyy spielten als Vorband.
© Katharina Köhler

Nach ihrer Vorband lässt Kat Frankie ihre Fans noch eine Weile warten, bis sie kurz nach neun auf der Bühne erscheint. Dafür legt sie direkt los mit dem fantastischen Titeltrack ihres neuen Albums „Shiny Things“. Danach der sphärischere Song „Healer“, den die Keyboarderin der Band mit tollem Gesangspart unterstützt – der Saal jubelt. Kat wirkt zwischen den Songs oft selbst ganz berührt von dem derart begeisterten Publikum.

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Seed To Tree: Indie-Pop aus Luxemburg

Vor zehn Jahren gegründet, sind Seed To Tree in ihrer Heimat Luxemburg längst keine unbekannten Gesichter mehr. Die vier Musiker rund um den Sänger und Gitarristen Georges Goerens kommen ab dem Wochenende auch mal wieder für fünf Konzerte nach Deutschland.

Seed To Tree leben von Gitarren- und Synthie-Sounds. Ihr dreamy Indie-Pop ist durchsetzt von folkigen Einflüssen und Retro-Feeling. Die Texte drehen sich um Themen wie Selbstzweifel, Leistungsdruck oder Konsumkritik: „I can’t see the colors | Of our souls | Underneath of all of our layered, layered clothes„, singen sie in ihrer Single „Rip-Off Game“. Besonderen Wiedererkennungswert hat die kantige Stimme von Sänger Georges.

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Hayden Arp: Soundbastler und Weltenbummler

Langweilig darf es Hayden Arp nicht werden, sowohl musikalisch als auch was das Umfeld angeht: Der Musiker und Producer kommt ursprünglich aus Virginia, hat in Ohio elektronische Musik und Komposition studiert, wohnte zwischendurch in Los Angeles und lebt heute in Wien. Passend dazu lässt er sich für seine Songs gern von Roadtrips und Unterwegs-Romantik inspirieren. Sein Debütalbum With Eliza erscheint im November.

Insgesamt oft dreamy und sanft-poppig, ist Hayden Arp trotzdem ein Beispiel für einen recht wandelbaren Sound. In seiner Single „Black Hole“ lässt er Streicher und Akustikgitarre auf elektronische Effekte und eine Rap-Passage treffen, in der man im Hintergrund einen Auto-Blinker den Takt vorgeben hört. In „Passenger“ lässt er seine Melodie fließen und das gehauchte „Ruby in the Rearview“ verbreitet Schunkel-Rhythmus und sphärische Backing-Vocals.

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Frederik: zwischen hymnischer Euphorie und Melancholie

Seit 2018 bereichert das Projekt Frederik die Schweizer Indie-Szene und sticht durch komplexe Texte, einen lebendigen Einsatz von diversen stilistischen Einflüssen und vielseitige Emotionen hervor.

Nach ihrer Debüt-EP Tears (you know) folgt drei Jahre später die erste LP Portraits, die von Gründer Rolf Laureijs gemeinsam mit Laurin Huber (Drums) und Christoph Barmettler (Gitarre) eingespielt wurde. Auf der Bühne werden die drei von Bassistin Marie Popall und Caroline Schöbi an den Synthies zu einer vollen Bandbesetzung ergänzt. Portraits repräsentiert das Selbstverständnis des losen Kollektivs, denn die experimentellen Ansätze zwischen Pop- und Rockmusik klingen ebenso durch, wie auch jeder der acht Songs der Platte ein narratives Eigenleben entwickelt. Jedes Lied ist ein Portrait; das Album eine Abfolge davon. Und so schwankt der Sound textlich und instrumentell zwischen den Genres, immer getränkt in warmer Nostalgie und einem diffusen Gefühl des Verlorenseins. Die tiefe, monotone Stimme Laureijs‘ begleitet im Stil Lou Reeds das gediegene Gitarrenklimpern in ruhigeren Kompositionen wie „1999“ und unterfüttert in energetischen Songs wie „In the Fields“ die Synthesizer mit Rhythmus. Dabei verliert das knallgelbe Album nie an Spannung, obwohl sich die Platte dem Hörer erst geduldig offenbart.

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Masha The Rich Man: Folk-Pop-Melancholie

Maria „Mascha“ Raykhman führt schon früh ein bewegtes Leben. Als Vierjährige kommt sie 1999 mit ihrer Familie als jüdischer Kontingentflüchtling aus der Ukraine nach Deutschland. Nach ihrer Zeit in einer Unterkunft im Schwarzwald und mehreren Umzügen geht sie in München zur Schule und singt in einer Musical-Gruppe. Es folgt ein Auftritt bei der KiKa-Sendung Dein Song, später ein Studium an der Popakademie Mannheim, der German Songwriting Award und Arbeit als Synchronsprecherin. Inzwischen singt sie als Masha The Rich Man ihre eigenen Songs.

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Sinu: akustische Traumwelten

Das deutsch-türkische Indie-Pop-Duo Sinu erschafft mit klirrenden Gitarren und modernen Beats gesellschaftskritische Poesie.

Das neueste Produkt von Sinan Köylüs und Tim Zeimets vierjähriger Evolution als Duo ist die Single „Salzwasser“. Das Musikvideo landete direkt in den deutschen Youtube-Trends, Regie führte Content-Creatorin Annikazion. Auf Salzwasser könne man leichter schwimmen, wispert Köylü zur leisen Akustikgitarre und lässt das Bild einer unbeschwerten Sommerliebe entstehen. Dieses Bild kippt, als wir im Refrain mit türkischen Lyrics überrascht werden: Plötzlich ist von Tränen im Wasser die Rede – völlig glücklich scheint die Beziehung also nicht zu sein. Dieses ambivalente Spiel ist charakteristisch für das Duo. Hatte man gerade noch das Gefühl, einen Song zu kennen, muss man sich im nächsten Moment neu fallen lassen.
Der Stil ihrer Vorbilder Bon Iver, Milky Chance und Ry X schwingt klar mit in den Songs der Band. Doch Sinu entwickeln auch ihren eigenen Sound. Sie wollen aufrütteln, singen über Konsumkritik, Rassismus und auch ein bisschen über Liebe und Herzschmerz. Eine solch sensible Stimme mit derartig liebevoller Experimentierfreude hört man nicht oft in der deutschsprachigen Musikszene.

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The VOO: Alternatives Indie-Rock-Duo aus Hamburg

Dreamrocknroll ist nicht nur der Name des ersten Albums von The VOO, sondern beschreibt auch treffend den Musikstil der Band. 

Die Gründungsmitglieder von The VOO sind der Kontrabassist Andrew Krell und sein Ben Galliers, der für Gesang und Gitarre verantwortlich ist. Das Duo hat sich kurz vor der Pandemie in Hamburg kennengelernt und in ihrem ersten Jahr gleich ein Debüt-Album herausgebracht. Musikalisch ergänzten sich die beiden wunderbar auf spielerische Weise und der Sound ist alles andere als von der Stange. Beim Anhören taucht man ab auf eine Reise, die einen über 50er-Jahre-Surf bis Indie-Rock, von Psychedelic bis Alternative führt.
Seit dem plötzlichen Tod Andrew Krells Anfang des Jahres während der Aufnahmephase für das zweite Album führt Ben Galliers das Projekt nun allein fort und veröffentlicht im Oktober Brother VOO in Gedenken an seinen Band-Partner.

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SEDA: Diese Stimme bleibt im Kopf

somewhere in between heißt das Debüt-Album von SEDA – und der Name hält, was er verspricht: Das Album schwebt zwischen Indie, Pop und Soul und verwebt verschiedene Stimmungen und Ansätze in der Instrumentation.

Seda ist türkisch und heißt in etwa Stimme. Und auch hier ist der Name Programm, denn SEDA singt mit beeindruckender Tonspanne und Ausstrahlung. Die soulige Stimme bewegt sich in angenehmer Tiefe genauso natürlich wie in der Höhe. Unterlegt wird SEDAs Gesang von variabler Instrumentation: Bei „Home“ und „Can’t be bad“ liegt der Fokus etwa auf der Akustikgitarre, bei „Don’t Think I’m Doing Okay“ auf dem Klavier und „Loveable“ geht wieder in eine andere Richtung.

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Nordir: mystischer Indietronic-Sound

E-Drums, Looper, E-Gitarren und Synthesizer kommen zum Einsatz, wenn Viktor Nordir und Lars Maier ihr modernes Klanggeflecht ausklamüsern. Das Ergebnis ihres Duos Nordir ist ein verträumter Mix aus Indiepop, psychedelischen Retro-Einflüssen und einer hypnotischen Stimme.

Die beiden Mitte-dreißig-Jährigen engagieren sich mit ihrer Musik außerdem durch Auftritte auf Festivals gegen Fremdenfeindlichkeit – was ihnen vielleicht auch wegen ihrer eigenen Geschichte am Herzen liegt (Viktor wurde in Sibirien geboren, Lars in Malaysia). Heute werkeln die beiden in Ulm an ihrer Musik und haben dafür nicht nur den Deutschen Rock und Pop Preis abgesahnt, sondern auch schon mit Größen wie Get Well Soon auf einer Bühne gestanden.

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