Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.

Seraleez: eingängiger HipHop-Soul-Mix

Moderne Elektroklänge und softe Beats treffen auf jazzige Akkorde und eine einzigartige Soulstimme. Die junge Band Seraleez aus Berlin hat viel zu bieten.

Die fünfköpfige Band besteht aus den vier jazz- und hiphopbegeisterten Musikern Jonathan Strauch (Saxophon), Phillip Oertel (Bass), Stephan Salewski (Schlagzeug) und Christian Keymer (Keyboard) und der amerikanischen Sängerin Christine Seraphin. Zwar liegen die Anfänge der Gruppe in Dresden, inzwischen nennt die Gruppe allerdings die Hauptstadt ihr Zuhause. Im Jahre 2016 kam schließlich ihr Debut Good Life unter ihrem Bandnamen Seraleez auf den Markt. Seitdem haben die Musiker reihenweise Shows gespielt und innerhalb Deutschlands wie international jede Menge Leute zum Tanzen gebracht.
Spannend an Seraleez’ Musik ist so einiges. Die coolen Jazz-Licks, der kraftvolle Gesang, die Art, mit der die jungen Musiker verschiedenste Stile unter ein Dach bringen. Klar ist außerdem: Die Songs bleiben im Kopf. Und das, obwohl die Band gerade auf simple Popstrukturen und -melodien verzichtet. Seraleez beweisen, dass komplexe Rhythmen und ein mutiger Umgang mit Genres keineswegs im Widerspruch zu eingängiger Musik stehen müssen. Auch die Songtexte aus der Feder von Sängerin Seraphin sind alles andere als simpel gestrickt und es lohnt, sich damit zu beschäftigen. In „The Only One“ (feat. Stimulus) geht es laut Seraphin beispielsweise darum, dass es zwar auf der Welt immer Menschen gibt, die gerade in ähnlich schwierigen Situationen stecken wie man selbst, und dass man sich dabei aber dennoch allein fühlen kann. Auch Generationenkonflikte, Kindheitsträume und die dunkle Seite der menschlichen Persönlichkeit finden durch Seraleez eine Stimme.

Fazit: Die Mitglieder von Seraleez machen musikalisch komplett ihr eigenes Ding. Dabei entsteht ein unverwechselbarer Sound, der richtig Lust auf mehr macht.

VenueConnection: feiner Funk

Mit rollenden Schlagzeug-Beats, Einwürfen von der Jazzorgel und abgerissenen Gitarrenakkorden spielen VenueConnenction funkigen Jazz und Soul.

Die Grundidee für die Combo VenueConnection entsteht 2002 in Spanien, es dauert allerdings bis 2007, bis der US-Amerikaner Karl Frierson zur Truppe dazustößt. Das erste Album Madrid Boogie wurde dafür aber auch gleich von Acid Jazz Hispano zum besten Album des Jahres 2008 gekürt.
Musikalisch sind die einzelnen Mitglieder alle fantastisch in Form und transportieren den Vibe genauso, wie es die Musikrichtung verdient. Auch gesanglich haben VenueConnection einiges zu bieten: nahezu gerappte Passagen gibt es genauso wie jazztypische Lautmalerei, ab und an wird mal ein Schrei eingeworfen. Sänger Frierson und seine Kollegin Ángeles Dorrio harmonieren gut und fangen die jeweiligen Stimmungen schön ein.

Fazit: VenueConnection machen technisch einwandfreie Musik und bringen außerdem das richtige Gefühl mit.

  • Meisterwerk: „Feel The Groove“
  • So klingt’s: Funk, Soul, Jazz
  • Getextet: „When you’re laughing, when you’re dancing, when you’re singing in the rain | take a chance cause it’s so amazing how your life will surely change“ (Singing In The Rain)
  • Umleitung: http://www.venuesite.com/en/

Sara Niemietz: Blue Notes und voller Sound

Sara Niemietz’ Stimme klingt wie auf alten Jazz-Platten: Sie beherrscht Dirty Tones, hat einen kräftigen Gesang, kommt in die Höhe und lässt insgesamt Hoffnung für die Welt der Vokalmusik aufkeimen.

Niemietz, Jahrgang 92, hat bereits als Kind erste Auftritte in Film, Fernsehen und Theater. Sie wächst in Chicago auf, spielt Gitarre, Bass und Klavier, singt, schreibt Musik. Später arbeitet sie mit verschiedenen Musikern und Komponisten zusammen, bringt Records auf den Markt, Ellen DeGeneres wird auf sie aufmerksam und lässt sie in ihrer Show auftreten, das Time Magazine schreibt über ihre Dixieland-Interpretation von Justin Biebers „Love Youself“.
Mit ihrer fantastisch voluminösen und ausdrucksstarken Stimme covert Sara Niemietz Titel aus allen möglichen Genres, nicht selten klingt ihre Version dabei besser als das Original. Abgesehen von ihrer YouTube-Präsenz ist die Künstlerin auch ganz aktuell in Deutschland mit mehreren Shows zu sehen.

Fazit: Tolle Stimme, tolle Technik, tolle Titel. Bleibt zu hoffen, dass Sara Niemietz noch sehr lang im Musikbusiness unterwegs sein wird und die Jazzlandschaft mit weiteren Interpretationen bereichert.

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 2, Lee Fields)

Nach elf Tagen Türchenöffnen mal wieder Lust auf etwas anderes als Händels Messias? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Hier kommt Teil Zwei: Special Night von Lee Fields & The Expressions

Seit über vierzig Jahren ist Lee Fields aus North Carolina auf amerikanischen Soul- und R&B-Bühnen zu sehen. Die ersten seiner vielen Alben hat Fields in den 60er und 70er Jahren mangels eines Plattenvertrags über ein selbstgegründetes Label herausgebracht. 2016 erschienen ist sein neuestes Album, Special Night. Es ist voller klassischem Soul aus tollen Musikern von seiner Band The Expressions, wehmütigen Texten und einer herzergreifenden Art zu singen. Oft verglichen wird Fields mit Soul-Legende James Brown, sein Spitzname Little JB ist also selbsterklärend.

Fazit: Lee Fields und seine Band machen so authentische Soul-Musik, dass sie einen in der Zeit zurückversetzen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.laut.de/Lee-Fields
https://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-lee-fields-102.html

Diese Frau hat den Groove gefunden

Ester Rada macht Musik, die man buchstäblich fühlen kann. Ohne großen Aufwand schafft es die Musikerin, mit ihrer Band dafür zu sorgen, dass ein jeder den Rhythmus in sich aufnimmt und sich unwillkürlich im Takt wiegt.

Die Israelin mit äthiopischen Wurzeln ist in ihrem Heimatland vor allem als Schauspielerin bekannt. Obwohl sie in ihrer Jugend bereits Zugang zur Musik gefunden hatte, dauerte es nach eigenen Angaben ein Zeit, bis sie sich nun wieder auf ihre Liebe zur Musik zurückbesinnt. Zum großen Glück für die Menschheit. Denn Rada hat eine fantastische Soul-Stimme, voll und weich, in angenehmer Lage ohne störende Höhen und mit einer einzigartigen Färbung.
Besonders bei ihrem Titel „Out“ klingt der Ethno-Jazz in ihrer Soul-Funk-Mischung mit ein: das triolische Swing-Feeling im Schlagzeug, die Einwürfe von Saxophon, Trompete und Posaune, die jazzigen Akkorde in E-Gitarre und Piano verhelfen dem Lied zu einer fantastischen Klangfülle.

Fazit: Ester Rada ist ohne Zweifel eine besondere Musikerin. Wer ihr zuhört, wird vom Groove gepackt und von der Stimme begeistert sein und noch dazu einen Ohrwurm für die nächsten zwei Tage haben.

Links: http://www.deutschlandfunkkultur.de/saengerin-ester-rada-eigener-glaube-eigener-sound.2177.de.html?dram:article_id=330712