Tiwayo: auf den Spuren von Soul und Blues

Er kommt aus den für ihre Armut bekannten Banlieues, den Vororten von Paris, und kam über die Blues- und Rock’n’Roll-Platten seiner Eltern auf den Geschmack alter amerikanischer Musik-Legenden. Nach ausgedehnte Reisen nach New Orleans, Chicago und Memphis steht Tiwayo nun mit beiden Beinen in der Musik.

Tiwayo hat in der Szene schon so große Wellen geschlagen, dass sogar Star-Produzent Tony Visconti (David Bowie, Morrissey, The Boomtown Rats) auf ihn aufmerksam geworden ist. Für sein erstes Album The Gypsy Soul of Tiwayo schickte der Musiker auf gut Glück Demos an Black Keys-Produzent Mark Neill, der sofort zur Zusammenarbeit bereit war. Weiter spielte er unter anderem für Sting, Seal und Norah Jones als Vorband.
Seine bluesige Stimme brachte Tiwayo seinen Spitznamen „The Young Old“ ein und ist ohne Frage sein Markenzeichen. Ebenfalls besonders ist sein markantes Gitarrenspiel. Die Songs auf seinem Album klingen alle passend zum Titel rastlos und nach der großen Suche. Trotzdem ist jedes Lied anders: mal geswingt, mal soulig, aber auch mal mit deutlichen Einflüssen aus dem Reggae. Durchgängig aber findet man eine simple Eleganz; ohne viel Werkzeug schafft Tiwayo zeitlos gute Musik, die im Ohr bleibt.

Tiwayo ist momentan eine der großen Entdeckungen. Seine „Gypsy Soul“ wird ihn sicherlich noch auf verschiedenste Bühnen bringen und ihm hoffentlich noch die ein oder andere Melodie eingeben.

Henny Herz: besonderes Stimmtalent

Power in der Stimme und Feeling fürs Detail: Henny Herz fesselt einen mit ihren Songs.

Henny Herz ist eine junge Sängerin aus München. Vergangene Woche hat sie nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne ihr erstes Album Back Into Space veröffentlicht.
Die Musikerin ist in mehrfacher Hinsicht eine Entdeckung. Ihre faszinierende Stimme macht den Anfang, dazu lässt sie sich entweder simpel von Gitarre oder Klavier begleiten, oder hat eine ganze Band hinter sich. Man kann sich gar nicht entscheiden: Ist ihre Stimme nun jazzig, soulig, rockig? Henny Herz singt auf Deutsch, Englisch und Französisch, hat eine bemerkenswerte Treffsicherheit und singt auch komplexe Melodieverläufe scheinbar mühelos.

Fazit: Bei Henny Herz handelt es sich um eine spannende aufstrebende Künstlerin, bei der es sich lohnen dürfte, sie in der nächsten Zeit weiter im Auge zu behalten.

  • Meisterwerk: „Walls Of Glass“
  • Meilensteine:
    • 2019 Debut Back Into Space
  • Umleitung:

Magnus: lässiger Blues

Merkmal des jungen Sängers Magnus sind seine fließenden Melodien, die raue Stimme und nachdenkliche Texte.

Der Singer/Songwriter heißt vollständig Magnus Ernst, kommt zwar aus Hessen, lebt in seiner Musik aber lieber in klassisch amerikanischen Breiten. Blues, Jazz, Soul, das sind seine Stärken – erst als Gitarrist, inzwischen auch als Solokünstler. In seinem Debut-Album Leaving, das Anfang Februar erschienen ist, tobt sich der junge Musiker nun richtig aus.
Wie zu erwarten, gibt es viel Gitarre zu hören mit interessanten Akkorden, mal rhythmisch, mal gezupft und melodieführend. Seine Stimme weiß Magnus ebenfalls einzusetzen. Die schöne Mischung aus Nachdruck und etwas sympathischer Verschlafenheit bleibt hängen, kratzig, soulig und ganz sicher mit Leidenschaft.

Fazit: Magnus‘ Musik liefert zeitgleich die richtige Portion Drive und Gelassenheit und ist nach dem Hören garantiert schwer wieder aus dem Kopf zu kriegen.

Rainbow Girls: Musik mit Charakter

Wer auf der Suche ist nach Songs mit Power und guter Laune, nach Lust an der Musik, Talent in Gesang und Instrumentalspiel und lässigem Auftreten, der ist ganz richtig bei den Rainbow Girls.

Wer die Musik von Vanessa May, Erin Chapin und Caitlin Gowdey hört, kann die Sonne Kaliforniens geradezu auf seiner Haut spüren. Folkig, soulig, starker Country-Einfluss und bluesige Töne – das ist amerikanische Musik vom Feinsten. Nach drei veröffentlichten Platten kann man sich nun auf das neueste Album der drei freuen: Give The People What They Want kommt am 22. Februar auf den Markt.
Musikalisch warten die Rainbow Girls mit ordentlich Können auf. Es gibt herrlich angeschliffene Noten im mehrstimmigen Gesang, tolle Soli, gute Vibes und sichtlich Spaß an der Sache. Ebenso viel Freude macht es, den Rainbow Girls dabei zuzusehen, wie sie ganz und gar ihr Ding machen, ganz gleich ob Cover oder eigener Song – die Band hat Ahnung von ihrem Metier.

Fazit: Die Rainbow Girls sind die Band, auf die wir alle schon lange gewartet haben: fetzig, authentisch, mit Harmonie und Energie.

Der Tipp zu den Rainbow Girls kam von der fantastischen thursdaynext vom Bücherblog Feiner reiner Buchstoff. Wer also zum Musikhören noch ein gutes Buch braucht, sollte unbedingt dort mal eine Runde drehen und sich Anregungen holen!

Theo Junior: R&B-Nachwuchs

Wenn die Musikfreunde bereit sind für eine neue Generation Soul, steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern: Theo Junior singt und tanzt sich durch das Genre.

Nachdem der Hamburger Theo Bestelmeyer vor drei Jahren in der Sendung „The Vioce Kids“ zu sehen war, hat er nun Anfang dieses Monats als Theo Junior seine erste Single mit dem Namen „Tanz“ veröffentlicht.
Wie auch Theo Junior selbst, ist die Single im R&B und Soul zu Hause, wenn auch mit einer Tendenz zum Elektronischen. Für seine gerade einmal 15 Jahre ist seine weiche, voluminöse Stimme schon erstaunlich gefestigt. Theo scheint eine klare Vorstellung davon zu haben, wie er klingen möchte und schreckt auch vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, Songs amerikanischer Genres mit deutschen Texten zu singen, nicht zurück. Neben seinem deutschsprachigen Titel „Tanz“ sind auf YouTube allerdings auch mehrere englische Cover von ihm zu finden, in denen er die Werke anderer namenhafter Künstler interpretiert.

Fazit: Obwohl Theo Junior noch am Anfang einer möglichen musikalischen Laufbahn steht, würde man ihm zutrauen, in den nächsten Jahren noch einiges zu reißen.

  • Meilensteine:
    • 2016 Halbfinale bei „The Voice Kids“
    • 2019 Single „Tanz“
  • Umleitung:

Die Lieferanten: frischer Wind aus Münster

Jazz-Riffs im Klavier, kabarettistische Texte, bisschen Rock’n’Roll-Feeling, funkige Gitarre, lässiger Gesang, smartes Schlagzeug. Für diese Fülle an Stilmitteln reichen die klassischen Genres gar nicht aus. Deshalb haben sich Die Lieferanten kurzerhand selbst eins überlegt: Schabernacksoul.

Zwei Jahre nach ihrer Gründung merkt man den Jungs an, dass sie ihren Stil gefunden haben und darin aufgehen. Einen besonderen Elan scheinen die vier Lehramtsstudenten aus Münster von Anfang an mitgebracht zu haben: Einen Monat nach der Gründung im Herbst 2016 standen sie schon gemeinsam im Studio, um die erste EP aufzunehmen – der Titel passenderweise Eine Frage der Begeisterung. Neben dem Unibetrieb wurde dann ordentlich Bühnen-Erfahrung gesammelt, Festivals gespielt, eine Nominierung zum Pop NRW Preis darf auch nicht fehlen. Und das wichtigste: Ganz bald gibt’s eine neue EP. Alles, was du hast kommt am 16. November raus, die Tour dazu steht Anfang 2019 an.
Wie die Bezeichnung Schabernacksoul verspricht, bringt auch diese Platte wieder eine schöne Bandbreite an musikalischen Kniffen mit. Sänger Moritz lässt seine coole, kratzige Stimme raushängen, die Mitglieder sind einwandfrei aufeinander abgestimmt. Überhaupt findet man in den Songs der Lieferanten alles, was man sich als MusikliebhaberIn so wünschen kann: Spannungsbögen, tanzbare Rhythmen, Melodien, die man mitsingen kann, ruhige und mitreißende Passagen und unverhoffte Wechsel, die von allen Mitgliedern super umgesetzt werden.

Fazit: Die Lieferanten machen ihrem Namen alle Ehre und liefern einfach klasse Musik ab. Besonders schön ist, dass von Klavier bis Drums jedes Instrument seinen Raum bekommt. Gerade der Bass, der bei vielen Indie-Bands etwas unter den Tisch gekehrt wird, gibt dem starken Sound der Lieferanten mit seiner starken Präsenz noch einmal einiges.

Fil Bo Riva: eine Stimme für Unwetter und Lagerfeuer

Eine ordentliche Portion Melancholie und Herzschmerz hat Singer-Songwritern noch nie geschadet. Fil Bo Riva bringt die besten Voraussetzungen mit.

Nach Kindheit und Jugend in Rom und Dublin ist Fil Bo Riva inzwischen in der deutschen Hauptstadt angesiedelt. Neben einzelnen Singles sind seine Songs außerdem auf seiner vor zwei Jahren erschienenen EP If You’re Right, It’s Alright zu hören. Die Zeiten der Straßenmusik wurden für Riva damit von Solo-Tourneen und Begleitauftritten abgelöst.
Typisch Folk-Pop lässt er bei „Like Eye Did“ (If You’re Right, It’s Alright EP) die Akustikgitarre den Anfang machen, sanftes Zupfen, ein paar Slides, dazu ein bisschen Gesumme – und letzteres macht einen schon stutzig. Wenn Fil Bo Riva dann mit dem Gesang einsetzt, kann man tatsächlich nur noch staunen, was für eine wahnsinnige Stimme aus diesem jungen Lockenkopf herauskommt. Voll, tief und vor allem eins: rau wie Schmirgelpapier. Wo auch immer man über ihn stolpert – der Vergleich mit Henning May von AnnenMayKantereit lässt nie lang auf sich warten. Kein Wunder, dass er auf der Tour der Kölner 2015 als Vorband mit dabei war, und auch einen Milky Chance-Support nennt er schon als Referenz.

Fazit: Fil Bo Riva könnte eine der großen musikalischen Entdeckungen der nächsten Zeit sein. Die EP ist auch vielversprechend, fehlt also nur noch ein Debut-Longplayer, dann kann durchgestartet werden.

#zweiraumsilke: HipHop-Kollektiv mit Wumms

Jung, voller Energie und mutig genug, sich an neue Ideen heranzutrauen: #zweiraumsilke beweisen, dass man mit einer gehörigen Portion HipHop-Coolness, sympathischem Auftreten und nicht zuletzt einer tollen Band eine ganze Menge anstellen kann.

Für so einen starken Sound, wie ihn #zweiraumsilke fabrizieren, braucht es eine große Band. Hinter dem Frontduo aus Rapper und Sängerin stehen also auch noch eine Bläserfraktion, Schlagzeug und Saiteninstrumente von der E-Gitarre bis zum Cello. In ihrer fränkischen Heimat haben sie sich längst einen Namen gemacht, mit Crowdfunding-Unterstützung wurde sogar der Traum von der ersten eigenen Platte (sie trägt den schönen Titel Zielstrebig Planlos) wahr.
#zweiraumsilke toben sich quer durch die Stile – neben Rap und HipHop wagen sie sich zum Beispiel an Jazz und lateinamerikanische Musik – und wenn es darum geht, trotz einer großen Gruppe ein ausgereiftes musikalisches Zusammenspiel zu beweisen, legen sie ein ähnlich gutes Gespür an den Tag wie die Brass-HipHop-Profis von Moop Mama. In spannenden Fills zeigen die Musiker, dass sie es verstehen, das richtige Maß an Lautstärke und Akzenten zu finden und dass sie mit ihrer vielseitigen Besetzung und vor allem durch gut abgestimmtes Spiel tolle Atmosphären erzeugen können.

Fazit: Mit der Musik von #zweiraumsilke kann man ruhig mal die Leistung der Boxen ausreizen. Noch besser ist nur noch der Besuch beim Konzert. Man kann der Truppe nur wünschen, dass sie bald so richtig durch die Decke gehen.

Albin Lee Meldau: Soul-Pop mit Gefühl

Der schwedische Sänger Albin Lee Meldau, Jahrgang 1988, hat zwar erst vor zwei Jahren seine erste EP veröffentlicht, ist aber schon international unterwegs und hat vermutlich noch einen bedeutenden Weg vor sich.

Nach seiner Debut-EP Lovers 2016 hat der Musiker mehrere Singles, eine zweite EP und vor nicht einmal einem Monat sein erstes vollständiges Album herausgebracht. In der nächsten Zeit tourt er in seinem Heimatland und in Großbritannien, ab Ende Oktober ist er in Deutschland zu sehen.
Albin Lee Meldau schreibt Poptitel ohne viel Aufregung, hat dabei eine soulig Stimme und zeigt viel Emotion. Die Songs sind melancholisch, teilweise fast düster und trotzdem melodiös. Meldau wartet mit einem Spektrum auf, das von klassischem Gitarrenpop bis zu elektronisch-moderner Musik reicht. Seine Raum einnehmende Stimme verleiht dem Ganzen dabei seinen Wiedererkennungswert.

Fazit: Albin Lee Meldau ist ein spannender Künstler, der gerade erst am Anfang seiner Musikerkarriere steht. Wenn er das Tempo beibehält, mit dem er zur Zeit neue Musik fabriziert, dürfte er bald auch in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erhalten.

Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.