WellCooked.Audio im Interview: So entsteht Filmmusik

Spätestens seit Star Wars und Harry Potter weiß man: Gute Musik kann für einen Film so charakteristisch sein wie talentierte SchauspielerInnen. Jonas Gewald und Dejan Dukovski sind Filmmusikkomponisten und kennen sich aus im Geschäft. Weil sie sich im Studium beim gemeinsamen Kochen immer schon gern über Musik unterhalten haben, heißt ihre Firma passenderweise WellCooked.Audio. Zuletzt schrieben die beiden den Soundtrack zu You Bet I Dance! / Und Ob ich Tanze!, einem preisgekrönten Dokumentarfilm über einen Tanzworkshop für Kinder mit körperlicher Behinderung am Staatsballett Berlin. Im Interview erklären sie, mit welchen Tricks man eine Verfolgungsjagd musikalisch unterlegt und wie sie damit umgehen, wenn ein Regisseur eine andere musikalische Vorstellung hat als sie.

Dejan Dukovski (links) und Jonas Gewald gründeten nach dem Studium ihre Filmmusikfirma WellCooked.Audio.
© privat

Musik unterm Radar: Dejan und Jonas, bei WellCooked.Audio komponiert ihr Musik für Filme und Werbung. Wie fühlt es sich an, wenn man einen Film anguckt und darin die eigene Musik hört?

Dejan: Sehr, sehr toll. Wegen Corona wurde zwar You Bet I Dance! jetzt schon für eine Woche online veröffentlicht und ist im Moment auf Filmfestivals unterwegs. Da haben wir den Moment also noch nicht richtig auskosten können. Bei einem anderen Film im letzten Jahr haben wir uns aber zum Beispiel mit allen Beteiligten in Hamburg zur Filmpremiere im Kino getroffen, das war echt ein unbeschreibliches Gefühl. Man ist dann auch total gespannt, wie die Leute reagieren. Genauso wie der Regisseur wahrscheinlich guckt: Lachen sie jetzt, weinen sie jetzt?
Jonas: Man merkt halt in dem Moment erst so richtig, ob das, was wir uns bei der Komposition überlegt haben, auch funktioniert. Das ist schon sehr spannend.

Sagen wir mal, es trifft eine Anfrage bei euch ein, die ihr interessant findet. Wie geht es dann weiter?

Dejan: Am Anfang stellen wir uns immer erst einmal vor, damit die Leute wissen, wer wir zwei Jungs eigentlich sind. Dann schnacken wir erst einmal über das Projekt und gar nicht so groß über Musik. Wir wollen wissen, worum es geht und was der Regisseur oder Filmemacher ausdrücken will. Die Musik soll ja dann eine bestimmte Wirkung auf das Publikum haben.

…und wenn es dann ums Komponieren geht? Bekommt ihr vorab das fertige Filmmaterial zugeschickt oder wie läuft das ab?

Dejan: Das kommt immer drauf an. Bei Kurzfilmen ist meistens schon viel abgedreht, aber wenn du einen längeren Film hast, dann kriegst du öfters auch erst mal nur das Drehbuch.
Jonas: Bei You Bet I Dance waren wir zum Beispiel schon sehr früh im Prozess mit dabei – es wurde noch gar nicht gedreht, da haben wir schon die ersten Motive geschrieben. Später haben wir diese Motive dann ans Bild angepasst und uns bis zum Endprodukt quasi immer weiter aneinander angenähert.

Wie oft kommt es vor, dass Filmemacher bei euren Kompositionen noch etwas anders haben wollen?

Dejan: Dass man noch mal etwas neu macht oder umwirft, kommt ständig vor. Auch wenn die Richtung schon mal stimmt, kann es sein, dass der Regisseur beispielsweise etwas anderes ausdrücken will, als das, was man als erstes sieht – zum Beispiel auf der Gefühlsebene eines Charakters.
Jonas: Die Regisseure haben oft schon eine sehr genaue Vorstellung, was sie hören wollen oder welche Emotion sie verstärkt haben wollen. Da muss man sich dann gegenseitig einspielen. Auch damit wir genau verstehen, was der Regisseur von uns will und damit er weiß, in welche Richtung wir gern mit dem Soundtrack gehen wollen. Das ist dann immer ein Hin und Her, bis es am Ende passt.

Wie lang dauert es denn, bis ihr die Musik für einen kompletten Film fertig habt?

Dejan: Das ist sehr unterschiedlich, aber wenn man jetzt einen normalen 90-Minuten-Film hat, kann man schon so zwei bis drei Monate Arbeit einplanen.

Wie genau fängt man überhaupt die Stimmung von Bildern mit Musik ein und welche musikalischen Mittel kann man da einsetzen? Vielleicht könnt ihr mal am Beispiel einer spannenden Filmszene erklären, wie ihr an die Komposition rangehen würdet?

Jonas: Eine spannende Stelle wäre dann natürlich eher schnell, meistens ist dann Percussion dabei und Staccato-Streicher, die ganz viele kurze Töne spielen, wodurch dann so eine Hektik entsteht. Man baut die Atmosphäre immer mit verschiedenen Ebenen auf: Rhythmik, Instrumente, Harmonien.
Dejan: Wir arbeiten auch gern mit Motiven oder Themen, die zum Teil auch einzelnen Protagonisten zugeordnet sind. Die Melodie eines Themas kann man dann auch in hektische Phasen verstricken und weiterverarbeiten. Bei spannenden Szenen – sagen wir mal, es ist jetzt eine Chase Scene, in der jemand verfolgt wird – dann sieht man, auch wenn man den Ton ausmacht, einen bestimmten Impuls oder Takt. Mit ein bisschen Erfahrung weiß man dann schnell, in welcher Geschwindigkeit der Track dazu dann sein sollte. Harmonisch kann man dann natürlich zusätzlich Spannung aufbauen, wenn sich zum Beispiel Töne reiben.

Jonas und Dejan, ich danke euch für das Gespräch!

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