Metulski: Mit trockenem Humor durch den Alltag

Es beginnt mit einem Schmunzeln. Wer Metulski im Hintergrund hört, stolpert früher oder später über eine Textzeile und wird hellhörig. Dann wird es interessant.

Der Mannheimer Sänger hatte bereits einige Zeit Banderfahrung bevor er sein Solodasein startete. Seinen echten Namen hält der Metulski geheim. Lieber benennt er sich nach dem toten Clown aus dem Helge Schneider-Film. Auf bisher drei Alben hat der Liedermacher seine Songs schon zusammengetragen.
Die raue Stimme passt gut zu Geschichtenerzähler Metulski. Man hat schnell das Gefühlt, einem Menschen zuzuhören, der schon viel erlebt hat. Beim Singen begleitet er sich klassischerweise mit einer akustischen Gitarre. In seinen Liedern verarbeitet er Themen, die nicht immer für Lacher gemacht sind, in clever gereimten und lustigen Texten. Eine Putzfrau, die nie wiederkehrt, ein Junkie, der den Löffel abgibt und der Optiker, der seine Augen für immer schließt – perfekte Protagonisten für Metulski in seinem „Lied vom Sterben“.

Fazit: Mit guter Beobachtungsgabe und einer treffenden Art, Dinge in Worte zu fassen, singt sich Metulski auf sympathische Weise durch die Welt.

Adelle Nqeto: Folk trifft Indie

Schöne Stimme, melodiöse Musik und gezupfte E-Gitarre: Adelle Nqeto weiß ihr Publikum mit einfachen aber gekonnten Mitteln zu bezaubern.

Nach ersten musikalischen Erfahrungen als Teil eines Folk-Duos in ihrer südafrikanischen Heimat ist Adelle Nqeto seit 2015 solo unterwegs. Ihre Debüt-EP Make Something Beautiful kam ein Jahr später auf den Markt.

Mit ihren warmen Klängen und der gefühlvollen E-Gitarre bekommt die Musik ganz ohne Effekte eine besondere Atmosphäre. Singen kann Nqeto präzise und trotzdem mit Leichtigkeit. Ihren Songs verleiht sie mit Gitarren-Fills eine gewisse Entschleunigung und auch sonst wirkt Adelle Nqeto, als würde sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Covern kann die junge Musikerin übrigens auch – besonders zu empfehlen ist an dieser Stelle ihre Version von Bob Dylans „Hazel“.

Fazit: Adelle Nqeto besticht mit ihrer faszinierenden Art, mit eindrücklicher Musik und mit Gespür für Vibes und Harmonien.

Love Machine: Psych-Rock zum Abschweifen

Etwas Hall, schwebende Gitarrenmotive und zwischendurch ein wenig abgedrehtes Flötenspiel – so funktioniert die Musik der deutschen Psychedelic-Band Love Machine.

Nach fünf Jahren Bandgeschichte, drei Alben und etwas Besetzungskarussell kommt die Düsseldorfer Band nun mit neuen Projekten zurück. Gerade stehen Love Machine am Anfang einer ausgedehnten Tour. Insgesamt bis Ende November kann man die vier hierzulande live sehen, außerdem steht wohl schon eine neue EP in den Startlöchern.
Lange Haare, Voll- und Schnurrbärte prägen die Erscheinung der Psychadelic- und Garage-Rocker. Aber nicht nur das Auftreten des Quartetts ist auf den ersten Blick etwas skurril – auch die Musik von Love Machine hat Wiedererkennungswert: Die Sounds sind experimentell und verträumt, inhaltlich geht es auch mal um die Lieblingspizza und besonders die tiefe Stimme des Sängers ist charakteristisch und raumeinnehmend.

Fazit: Gerade die Kombination aus Musik und Erscheinungsbild macht Love Machine zu einer Besonderheit.

Skratchwork: lässige Indie-Rocker

Mit einer Mischung aus Garagen-Proberaum-Flair und professionell eingespieltem Team gehen die Jungs und Mädels von Skratchwork ihrer Leidenschaft, dem Indie-Rock, nach.

Skratchwork gibt es seit 2016, ihre erste EP ist seit 2018 auf dem Markt. Hinter Sängerin und Keyboarderin Tanja Lerchl stehen außerdem Andrej Prescher an der Gitarre, Allan Bober (Drums) und Luna Lidl (Bass). Seit Anfang Juni ist mit Newborn Orphan Puppy die zweite EP der Münchner erhältlich.
Typisch für Skratchwork ist ihre Musik abseits von klassischen Pop-Melodien. Stattdessen zeigt Sängerin Tanja mit ihrer intensiven Stimme schnell auf, wo es lang geht. Die anderen Bandmitglieder steuern einen rockigen Unterbau bei und haben innerhalb der Songs genug Raum, sich musikalisch auszuleben. So hört man die einzelnen Instrumente schön heraus und obwohl jeder sein eigenes Ding macht, passt alles einwandfrei zusammen und es entsteht ein besonders charakteristischer Klang.

Fazit: Skratchwork machen zwar keine typischen Ohrwurmsongs, dafür strahlen sie eine gehörige Portion Coolness aus.

  • Meilensteine:
    • 2018 EP Fear-Minded Euphoria
    • 2019 EP Newborn Orphan Puppy
  • Umleitung:

Atole Loco: Erfrischungsdrink aus Lateinamerika

Benannt nach dem südamerikanischen Getränk „Atole“ aus Mais grooven sich Atole Loco durch Ska, Cumbia und Latin.

Auch wenn es ihre Genrewahl nicht unbedingt vermuten lässt, sind Atole Loco in Freiburg zuhause. Mit Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Saxophon, Trompete, Keyboard und Akkordeon bringt die Band außerdem eine ordentliche Manpower auf die Bühne. Das erste Werk der Truppe heißt Radio Caravana und ist seit April erhältlich.
Gesungen wird – was auch sonst – auf Spanisch. Zusammen mit den tanzbaren Rhythmen und der großen Besetzung wird die Musik von Atole Loco gleich zu einem lateinamerikanischen Rundumerlebnis. Ursprünglich haben die Musiker und Musikerinnen ihre Wurzeln in Deutschland, Spanien, Kolumbien, Peru und Mexiko – und diese Vielfalt spürt man: In ihren Songs entlädt sich eine ganze Menge an Energie, die Titel haben Tempo, es gibt einprägsame Fills und die Bandmitglieder harmonieren schön miteinander.

Fazit: Atole Loco liefern einen eins a Soundtrack für den Sommer.

JaaRi im Interview: „Wir haben so viele Songideen, dass uns die Titel ausgehen.“

Lauschiger Abend, Vögelgezwitscher, immer noch kräftige Sonnenstrahlen. Für ein Treffen mit dem Sänger einer Grunge-Noise-Punkrock-Band stellt man sich eigentlich eher Sturm und düstere Wolken vor, aber Patrick hat einen Park am Berliner Ostkreuz vorgeschlagen und das Wetter zeigt sich von seiner ungrungigsten Seite.

Musik unterm Radar: Patrick, mit deinen beiden Bandkollegen Maik und Robert spielst du in der Band JaaRi. Samstagabend steht der Release-Gig für euer Debutalbum an. Habt ihr Bock?

Patrick Bäthge: Ja, total! Wir haben wahnsinnig viel Arbeit in die Band gesteckt und sind jetzt super dankbar für alle, die uns unterstützt haben, von den Crowdfundern bis zum Fotografen. Nach mehreren EPs war die Crowdfunding-Kampagne eine sehr spontane Idee und wir waren total überrascht, dass nach wenigen Tagen schon 1000 Euro zusammengekommen waren.

Euer Albumtitel verspricht „The Full Range“, also die volle Bandbreite. Was genau erwartet einen auf eurem Debutalbum?

Sehr viel verschiedenes. Wir haben mit einem Saxophonisten und einem Trompeter zusammengearbeitet, einen befreundeten Texaner haben wir den Text für Opening und Ending einsprechen lassen. Für manche Songs habe ich direkt nach dem Aufwachen meine Träume aufgeschrieben – das kann ich übrigens sehr empfehlen! Und mit „Cpt Missgunst“ ist auch ein deutscher Song dabei, da haben wir die besten Passagen von einem unfertigen alten Text genommen und einfach reingeschrien.

Als ich das erste Mal eure Tracklist gesehen habe, bin ich gleich stutzig geworden: Warum steht hinter eurem Songtitel „Herbert“ der Zusatz „sung by Michael Stipe“, also dem Sänger der Rock-Band R.E.M?

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MØRYZ: Rap-Newcomer

Rappen über das Leben: MØRYZ lässt seinen Gedankengängen freien Lauf. Von Liebe bis zu nervigen Formularen wird in seiner Musik alles verarbeitet.

Hinter MØRYZ verbirgt sich eigentlich der Sounddesigner, Komponist und Producer Moritz Drath. Schon als Kind schrieb der Tübinger erste Songs, nach dem Studium ging es für ihn in verschiedenen Konstellationen auf die Bühne. Als Vorband von Rapper Cro und mit einem Auftritt als „Schrankband“ in der Joko-und-Klaas-Show Circus Halligalli hatte er sich mit seiner Band Konvoy schon szeneübergreifend einen Namen gemacht, seit einiger Zeit ist er nun solo unterwegs. Zu hören sind bisher erst zwei Singels, mehr soll allerdings auf dem Weg sein.
Laptop zu, Smartphone aus: „Timeout“ heißt die neueste Single des Rappers. Ein Song über eine gesunde Portion Abstand zu allen Verpflichtungen, zu Stress, zu Digitalität. Mit seiner tiefen Stimme rappt und singt MØRYZ über seine selbst gebastelten Beats – denn als Allrounder macht er von Text über Vocals bis zu Mix und Mastering alles selbst, sogar das Editing zum Musikvideo hat er selbst in die Hand genommen.

Fazit: MØRYZ tut sicher gerade denen gut, die ab und an einfach mal mit reinem Gewissen ein „Ist mir doch egal“ in die Welt hinaus schreien würden.

Sons of Isy: Laid-Back Stories

Die Sons of Isy sehen sich selbst als Geschichtenerzähler. Zu dritt singen sie von Leben und Liebe und liefern dazu einen vielversprechend unaufgeregten musikalischen Unterbau.

Die Münchner Jonas (Gitarre & Gesang), Tomek (Bass) und Claudius (Drums) gründeten ihre Band Sons of Isy im Jahr 2017 und sind seitdem nicht gerade untätig gewesen. Am heutigen 31. Mai steht nun der Release-Gig für ihre EP 3/4 im Münchner Treibhaus an.
Die Sons of Isy haben sich den Indie-Pop auf die Fahne geschrieben. Das Trio baut mit seiner Beschränkung auf eine starke Rhythm Section Tanzstimmung auf, verbindet diese mit Gute-Laune-Sound, dazu zieht sich ein schönes Laid-Back-Feeling durch die EP. Gesungen wird auf Englisch und Deutsch. Mit einer coolen Ausstrahlung lassen sie gerade Rythmen gegen Off-Beat laufen, ohne dass das Ganze verkopft klingt, sie setzen auf Bass-Läufe als Basis und spielen mit unterschiedlichen Stimmungen.

Fazit: Obwohl es bei den Sons of Isy wenig simple, Pop-typische Ohrwurmmelodien gibt, bleiben die Songs hängen. Zuhören am besten mit Cocktail und Sonnenbrille im Liegestuhl…

  • Meisterwerk: „Redamancy“
  • Meilensteine:
    • 2019 EP 3/4
  • Umleitung:

Annie’s Style: EP für die Freiheit

Kraftvolle Grooves und fetzige Songs sind im Anmarsch – und sie kommen aus Münster. Hier nämlich hat die Indie-Band Annie’s Style ihren Heimathafen.

Die fünfköpfige Gruppe Annie’s Style besteht aus Sängerin Helen Stegemann, Gitarrist Simon Jöken, Julius Furth (Keyboard), Stephan Schiller (Bass) und Benny Doedt am Schlagzeug. Gemeinsam haben die fünf 2017 und 2019 je eine EP herausgebracht, weiter haben sie schon eine Vielzahl von Konzerten gespielt – unter anderem auf einer Gala für Udo Lindenberg – und sind mit ihrer zweiten EP Libre ganz aktuell noch bis Mitte Juni auf Tour durch die Bundesrepublik.
Annie’s Style gehen ganz im Rock und Pop auf, sind aber alles andere als Mainstream. In ihrer Musik klingen verschiedenste andere Genres durch, man findet hier funkige Akkorde in der Gitarre, Bluesrock-ähnliches Klavier, groovig-lässigen Bass und die beeindruckende Stimme von Sängerin Helen tut ihr übriges. Drummer Benny kann sowohl richtig Gas geben als auch etwas ruhiger treten und Stimmung einfangen, wodurch die ganze Truppe wunderbar zusammenpasst.

Fazit: Der Sound von Annie’s Style ist unverwechselbar. Jugendliche Energie und fünf selbstbewusste und unterschiedliche musikalische Charaktere treffen bei ihnen auf Professionalität, die Grenzen von Genres werden ausgetestet und neu definiert.

Blue Saloon: Ein Stück amerikanische Prärie in Berlin

Bei Blue Saloon haben sich zwei Freunde mit einem Faible für Folk und Singer-Songwriter gefunden. Zum Glück, muss man sagen, denn sonst wäre uns wohl etwas entgangen.

Alexander und Moritz haben sich ursprünglich über ihr Psychologiestudium kennengelernt. Als Singer-Songwriter-Duo Blue Saloon spielen die beiden inzwischen nicht nur in ihrer Heimatstadt Berlin, sondern ab und an auch bundesweit. Mit How We Get By haben Blue Saloon auch schon eine angenehm folkige CD veröffentlicht.
Blues Harp, Banjo, zweistimmiger Gesang und melancholische Melodien und Texte – weite Prärie und lange, staubige Straßen kommen einem in den Sinn und man fühlt sich schon gleich ein kleines bisschen amerikanischer. Blue Saloons Songs bauen sich auf, werden nachdrücklich und leben von den beiden unterschiedlichen Stimmfärbungen der Musiker. Auf der CD finden sich sieben wirklich schöne und unterschiedliche Titel, viel Gitarre, bluesige Mundharmonika, etwas Call and Response und eine Stimmung, in der nicht zuletzt auch aufrichtiger Spaß an der Musik durchklingt.

Fazit: Obwohl die beiden von Blue Saloon ihre eigenen Songs spielen, könnte man ihnen beim ersten Hören fast unterstellen, sie würden covern. So authentisch amerikanisch klingen ihre Titel, die dennoch eine Portion Eigenwillen und eine charakteristische Art mitbringen.

  • Meisterwerk: „Finest Grey“
  • Umleitung: