Sympathischer Folk-Rocker mit einer Spur Pessimismus

Der Singer-Songwriter Mick Flannery macht die Art von Musik, die einen berührt und leicht melancholisch aber auch mit schönen Melodien im Kopf zurücklässt.

Flannery textet und komponiert alle Lieder seiner bisher vier Alben selbst; musikalisch geprägt werden die Titel vor allem von seiner wehmütigen, klagenden Stimme. Sowohl für die sanften Balladen als auch für die fetzigen Folk-Rock-Songs finden Flannery und seine Band im Regelfall eine außerordentlich passende Instrumentation aus Gitarre, Bass/Kontrabass, Schlagzeug, Klavier, Geige oder anderen Instrumenten.
In seiner Heimat Irland wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und gerade seine neuesten beiden Alben waren von größeren Verkaufserfolgen gekrönt. Sich selbst bezeichnet Mick Flannery als eher introvertierten Menschen mit starkem Lampenfieber vor Auftritten.

Fazit: Mick Flannerys Alben eignen sich für einen ruhigen Abend, sind schön anzuhören und verströmen immer auch ein wenig Seelenschmerz.

Links: https://www.independent.ie/entertainment/qanda-mick-flannery-26583867.html

http://www.mickflannery.com/

 

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 3, Carol Jarvis)

Nur noch eine Woche bis Heiligabend und trotz allgegenwärtiger Glühweinstände und kitschiger Beleuchtung keimt noch immer nicht genug Weihnachtsstimmung auf? Um nicht gezwungenermaßen doch zu „All I Want for Christams Is You“ oder gar zu Justin Biebers Weihnachtsalbum greifen zu müssen, werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um in Weihnachtsgefühlen zu schwelgen und dabei den typischen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Weiter geht’s mit Teil Drei: Smile von Carol Jarvis

Die Posaunistin Carol Jarvis ist 40 Jahre alt, Absolventin eines Studiums am britischen Royal Northern College of Music und inzwischen Dozentin am Trinity Laban Conservatoire of Music in London. Neben ihrem herausragenden Spiel auf der Posaune, spielt sie außerdem Keyboard, singt Backings, arrangiert und ist in verschiedenen anderen musikalischen Bereichen aktiv. Zusammengearbeitet hat Jarvis im Laufe ihrer Karriere unter anderem mit dem London Symphony Orchestra, Seal und Sting.
Auf ihrem Studioalbum Smile finden sich Interpretationen von Jazz-Klassikern wie „Night and Day“, „How High the Moon“ und „Caravan“, in denen Jarvis in beeindruckenden Höhen spielt und das jazzige Feeling besonders gut mit ihren weichen Tönen einzufangen vermag.
Der Erlös des Albums geht an die Organisation Macmillan Cancer Support. Bei Jarvis selbst wurde im Jahr 2004 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert und sie hat sich seitdem diversen Behandlungen unterzogen.

Fazit: Carol Jarvis spielt wunderschöne Töne auf ihrem Instrument und stellt im Jazz ebenso wie in der Klassik ihr Können unter Beweis.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.caroljarvis.com/

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 2, Lee Fields)

Nach elf Tagen Türchenöffnen mal wieder Lust auf etwas anderes als Händels Messias? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Hier kommt Teil Zwei: Special Night von Lee Fields & The Expressions

Seit über vierzig Jahren ist Lee Fields aus North Carolina auf amerikanischen Soul- und R&B-Bühnen zu sehen. Die ersten seiner vielen Alben hat Fields in den 60er und 70er Jahren mangels eines Plattenvertrags über ein selbstgegründetes Label herausgebracht. 2016 erschienen ist sein neuestes Album, Special Night. Es ist voller klassischem Soul aus tollen Musikern von seiner Band The Expressions, wehmütigen Texten und einer herzergreifenden Art zu singen. Oft verglichen wird Fields mit Soul-Legende James Brown, sein Spitzname Little JB ist also selbsterklärend.

Fazit: Lee Fields und seine Band machen so authentische Soul-Musik, dass sie einen in der Zeit zurückversetzen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.laut.de/Lee-Fields
https://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-lee-fields-102.html

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 1, Villagers)

Pünktlich zum ersten Advent schon die Nase voll von Last Christmas? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Los geht’s mit Teil Eins: {Awayland} von Villagers.

Singer-Songwriter Conor O’Brien gründete Villagers 2008 in Irland nachdem sich seine vorherige Band trotz der sie hochlobenden Medien aufgelöst hatte. Unterstützt wird Sänger und Gitarrist O’Brien aktuell von einem Bassisten, einem Keyboarder, einem Schlagzeuger und Flügelhornisten sowie einer Harfinistin. Merkmale von Villagers Musik sind vor allem die etwas melancholischen aber reibungslosen Harmonien, die sehr präsente Akustikgitarre und die unbeschwert anmutende hohe Stimme O’Briens, obwohl die Lyrics meist eher das Gegenteil einer heilen Welt suggerieren. In den Tracks kommt jeder Musiker zum Zug, und doch ist die Musik eher zurückhaltend ruhig.
Insgesamt vier Alben hat die Indie-Folk-Gruppe bis heute veröffentlicht, {Awayland} entstand 2013 und wurde prompt zum Irish Album of the Year gekürt. Auch die anderen Alben wurden mit Auszeichnungen versehen und erhielten mehrheitlich positive Kritiken.

Fazit: {Awayland} von Villagers ist eine Zusammenstellung milder, harmonierender Klänge, die sich sehr schön als Hintergrundmusik eignen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.wearevillagers.com/

William’s Orbit: Gitarrenrock mit Ohrwurmpotential

2012 kamen vier eingeschworene Rockfans in Weiden zusammen und gründeten eine Band mit dem spannenden Namen William’s Orbit. Im Eiltempo ging es über hunderte Konzerte, Tour mit Bluesman Jesper Munk, den ersten Platz beim Newcomer Contest Bayern und eine Crowdfunding-Kampagne fürs erste Album, deren Ziel innerhalb von sagenhaften zwei Tagen erreicht wurde, immer weiter nach oben – bis im März diesen Jahres leider, leider eine Bandpause auf unbestimmte Zeit bekanntgegeben wurde. Ihre Musik lässt sich aber natürlich trotzdem weiter aufdrehen.

Die Songs von William’s Orbit sind gitarrenlastig und gewinnen vor allem durch die raue Stimme des Sängers. Hört man bei der Debüt-EP Eurydice noch eine deutlichere Experimentierfreudigkeit mit hin und wieder sanften Klängen und Akustikgitarren, so merkt man bei Platte Nummer zwei ein selbstbewusstes Angekommensein in der alternativen Rockmusik. Once ist voll von Gitarrenriffs und lauten Akkorden.

Fazit: Dass in nächster Zeit eher keine neuen Aufnahmen von William’s Orbit zu erwarten sind, ist auf alle Fälle schade, schließlich ist die Musik vollgeladen mit griffigen Melodien, tollen Instrumentalparts und einer Stimme mit Wiedererkennungswert.

Links: https://www.br.de/puls/musik/bands/williams-orbit-vorgestellt-102.html
https://www.backstagepro.de/williamsorbit

Reggea auf französisch?!

Dass Reggea nicht nur auf englisch mit jamaikanischem Akzent möglich ist, beweisen die Mitglieder von Kana, einer überzeugten Reggeaband aus Frankreich.

Die Texte von Kana sind dabei hauptsächlich in ihrer Muttersprache geschrieben, nur vereinzelt finden sich auch Titel auf englisch, portugiesisch oder spanisch auf ihren vier veröffentlichten Alben. Der bekannte Off-beat-Rhythmus des Genres lässt auch bei Kanas Songs niemanden kalt und Sprache bewirkt, dass man mit einem akzeptablen Schulfranzösisch ungefähr ähnlich wenig versteht, wie mit fließenden Englischkenntnissen bei original jamaikanischen Sängern. Die Stimmung ist dabei trotz der untypischen Sprache ausgesprochen stilecht.
Interessant ist außerdem, dass sich die Band bereits zu Experimenten hinreißen ließ, wie dem Neuinterpretieren des Chansons „La Tendresse“ von Bourvil auf ihre eigene Art und Weise, was den ZuhörerInnen auch gut ein amüsiertes Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

Fazit: Kana machen Laune und versprühen das reggeatypische Gefühl von Freiheit und Unbekümmertheit.

Links: http://www.reggae.fr/lire-article/2642_Kana-Internacional.html

Sanfte Klänge aus Westafrika

Eine Kora ist ein harfenähnliches afrikanisches Saiteninstrument. Traditionellerweise ist das Erlernen der Kora nur in speziellen Musikerfamilien üblich und wird dort von der älteren Generation an die männlichen Nachkommen weitergegeben. Eine der wenigen professionellen weiblichen Kora-Spielerinnen ist Sona Jobarteh, eine Künstlerin aus London mit Wurzeln in einer solchen Musikerfamilie.

Jobartehs Spiel auf dem großen, klobigen Instrument ist gekonnt und der Klang ist angenehm und voller Wärme. Eine tolle Atmosphäre entsteht in Jobartehs Liedern auch durch den vielfachen Einsatz von verschiedenen Trommeln, Schlagzeug und Percussion.
Die studierte Musikerin besticht außerdem mit ihrer klaren, sanften Stimme, die den spannenden Instrumenten aber nicht die Show stiehlt. Als Gegenpol zu der sonst oft gehörten Hektik in Musikstücken lösen Jobartehs Lieder eher ein Gefühl innerer Ruhe aus.

Fazit: Jobarteh beherrscht ein interessantes Instrument, singt herausragend und ihre Musik wird durch eine tolle Band vervollständigt.

Links: http://www.sonajobarteh.com/

 

Mit der Jazz-Gitarre mal ohne Sting unterwegs

Eigentlich stellt dieser Künstler im Konzept von unterm Radar eine gewaltige Ausnahme dar. Er ist nämlich alles andere als unbekannt. Dominic Miller hat schon mit verschiedensten Größen zusammengearbeitet und ist seit zwei Jahrzehnten auch solistisch unterwegs, am besten kennt man ihn jedoch als Gitarristen des großartigen Musikers Sting. Mainstream allerdings ist Miller auf keinen Fall und so ist es wohl ein vertretbarer Tabubruch, hier über ihn zu schreiben. Soviel also als Vorwort.

Dominic Miller, in Argentinien geboren und in den USA und Großbritannien aufgewachsen, kam zwar erst mit 15 Jahren zur Gitarre, mit seinem Talent war das späte Einstiegsalter aber anscheinend kein Problem. Seit 1991 ist er an Stings Seite auf der Bühne zu sehen und ist für bekannte Gitarrenmelodien bei Klassikern wie dem fantastischen „Shape Of My Heart“ verantwortlich.
Abgesehen davon hat Miller inzwischen auch ein Dutzend Soloalben herausgebracht, auf denen er sich in verschiedenen Stilen ausprobiert. Dieses Jahr erschienen ist seine neueste CD Silent Light. Schon der Titel lässt einen aufhorchen und erzeugt so eine wunderbare Mischung aus Bekanntem und Rätselhaftem. Miller bewegt sich hier hauptsächlich im Jazz, teilweise auch im Latin und besticht mit gleichermaßen ruhigen wie virtuosen Kompositionen. Besonders ist an dieser Aufnahme, dass die einzelnen Tracks tatsächlich nur mit Miller an der Akustikgitarre und einem Percussionisten eingespielt wurden und so trotz der Komplexität einiger Melodien mit den vielen wiederkehrenden Bausteinen fast minimalistisch anmuten.

Fazit: Dominic Miller gehört zu den absoluten Großmeistern der heutigen Zeit. Silent Light beweist technische Fähigkeiten, musikalisches Einfühlvermögen und einen besonderen Sinn für einfache Schönheit.

Links: https://www.ndr.de/ndrkultur/Dominic-Miller-Silent-Light,audio326476.html

Mit rhythmischen Drums in die Discos

In Großbritannien spielen sie schon bei den ganz Großen mit: The Guardian’s „Single of the week“, BBC Radio 1, Reading-Festival, Nominierungen für diverse Preise. In Deutschland sind sie dagegen noch nicht bei der breiten Masse angekommen, ihr Mix aus Electro, Pop, Shoegazing- und Indie-Rock macht aber einiges her. Die Rede ist von dem Trio Friendly Fires aus England, seit 2006 auf britischen Bühnen unterwegs.

Ed Macfarlane, Jack Savidge und Edd Gibson machen zusammen Musik, seitdem sie 13 Jahre alt sind. Über diese Zeit hat die Band sich und ihre Musik stark entwickelt bis sie inzwischen mit zwei Alben, mehreren Singleauskopplungen und großen internationalen Touren die Musikwelt bereichert haben.
Die Friendly Fires füllen kleine Clubs genauso wie riesige Festivalgelände, und das, obwohl ihre Musik einen doch recht eigenwilligen Charakter hat. Viel Elektronik, verfremdene Effekte und Einflüsse aus dem Techno auf der einen Seite. Auf der anderen Seite kommt neben der typischen Club-Mucke auch die „echte“ Musik mit Gesang und Instrumenten nicht zu kurz. Es wird viel getrommelt, auch unüblichere Rhythmen, was für einen gewaltigen Schwung und eine von vergleichbaren Electro-Gruppen ungekannte Komplexität sorgt. Ed Macfarlanes hohe Stimme passt genau in diese Art von Musik, in der alles passieren kann und nichts passieren muss.

Fazit: Das Hangeln durch die verschiedenen Genres machen die Friendly Fires mit links. Dadurch, dass sich die Jungs eben nicht an vorgegebene Wege halten, sondern sich auch trauen, nicht nur die für Electro typischen Merkmale immer weiter durchzukauen, gewinnt die Musik in jeder Hinsicht. Das Ganze wirkt dadurch so, als hätten sich einfach drei Freunde zusammengesetzt und gemacht, worauf immer sie Lust hatten, ohne sich von außen reinreden zu lassen.

Links: http://www.laut.de/Friendly-Fires

Von Albträumen und goldenen Buchstaben

Das Nürnberger Akustik-Trio mit dem untypischen Namen The Rose And Crown lässt sich musikalisch schwer in Schubladen stecken. Gut, auch die Besetzung ist alles andere als alltäglich: eine Sängerin, eine (ebenfalls singende) Pianistin und ein Schlagzeuger als Unterstützung. Die Band bewegt sich durch verschiedene Genres, von Pop- und Folkmelodien über verträumt langsame Balladen bis hin zu Jazzriffs und fetzigen Rhythmen.

Das Album Golden Letter der Band ist eine Kollektion von abwechslungsreichen Songs, trotz der stets gleichen Besetzung jeder anders als der andere. Der gleichnamige Track auf dem Album klingt jazzig-cool und ist doch spannungsgeladen. Das Klavierintro ist ein vielversprechender Einstieg, und auch der Einsatz der Sängerin enttäuscht nicht: Gleichermaßen ausdrucksstark und kräftig nimmt sich Mercan Kumbolu stellenweise aber auch zurück und baut Spannung auf. Das Piano spielt die Melodie partiell mit, ohne für eine nervige Dopplung zu sorgen und lässt immer wieder kurze Jazzeinlagen hören.
Ganz anders klingt da schon „Scary Nightmares“: Angefangen mit düsteren und sich wiederholenden Rhythmen im Klavier wird in den Strophen von gruseligen Albträumen, wie dem Nachbarn, der mit Pistole und blutigem Messer traktiert wurde, berichtet.
Insgesamt beweisen The Rose And Crown, dass sie in mehreren musikalischen Richtungen zuhause sind; geboten werden der Hörerschaft außerdem eine Fülle von verschiedenen Stimmungen und eine spannende textliche Variabilität.

Fazit: The Rose And Crown sind drei sympathische Musiker, die mit guten Ideen dabei sind und ihr Handwerk verstehen. Interessant werden ihre Titel durch vielseitigen Einsatz zweier Instrumente und zwei tolle Stimmen. Positiv fallen außerdem die charakteristischen Klaviersoli und -fills sowie die rhythmische Ergänzung durch das Schlagzeug auf.

Links: http://theroseandcrown.de/