Swirlpool: Dream Pop frisch aus der Plattenpresse

Wer auf der Suche nach starker alternativer Musik ist, ist bei Swirlpool richtig. Mit viel Gitarre und Drums fabriziert die Gruppe schön austarierte und variantenreiche Titel.

Nach ihrer Gründung im Jahre 2016 hat die Regensburger Band mit „Camomile“ und „Tired Eyes“ bereits zwei Singles herausgebracht. Die Debut-EP heißt ebenfalls Camomile und ist seit dem 25. Mai als Download, CD oder für Tape-Liebhaber auf Kassette erhältlich. Stilistisch macht die Gruppe feinsten Shoegaze und Dream Pop.
Die Mitglieder von Swirlpool toben sich auf ihrer Platte richtig aus. Sie spielen mit Hall, starken Betonungen und plötzlicher Entschleunigung und lassen den Gesang über einem sonst vollen Klangteppich schweben. Dieser Teppich artet dennoch nicht in einen undurchdringlichen Klangbrei aus, wie man es manchmal aus dem Genre kennt. Stattdessen nutzen Swirlpool die unterschiedlichen Möglichkeiten, die ihnen die Instrumente bieten, für ihre Zwecke und lassen alle gebührend zu Wort kommen. Die vier Titel sind abwechslungsreich und die beiden zusätzlichen Remixe zweier Songs eröffnen den Hörern außerdem noch einmal eine neue Ebene.

Fazit: Swirlpool haben schon mit ihrer ersten zusammenhängenden Veröffentlichung ihren eigenen Klang etabliert. Man darf gespannt sein, was noch kommt.

Lauren Napier: Acoustic-Folk voller Gefühl

Eine junge Musikerin, die mit Leidenschaft dabei ist, gute Texte hervorzaubert und eine bestechende Stimme besitzt: Lauren Napier ist eine besondere Künstlerin.

Lauren Napier ist schon viel rumgekommen. Einerseits geographisch gesprochen, schließlich hat sie bereits in verschiedensten Ländern auf dem Globus gelebt. Aber auch beruflich war sie schon gut unterwegs. Neben ihrem Musikerdasein hat Napier einige kreative Berufe ausprobiert: So hat sie bereits als Musikjournalistin für verschiedene Magazine gearbeitet, Tourmanagerin war sie schon und als Schriftstellerin gibt es auch das ein oder andere Buch von ihr zu kaufen.
In ihren Songs schwingt meist eine gewisse Melancholie, manchmal sogar echte Tragik mit. Mit der schlichten Gitarrenbegleitung ist dabei trotz der klagenden Stimme eine außerordentliche Sanftheit zu hören.

Fazit: Lauren Napiers akustische Titel berühren einen schnell durch deren oft minimalistische Besetzung und die melancholischen Melodien.

  • Meisterwerk: „There’s No Honour Among Thieves“
  • Meilensteine:
    2015 Void of Course EP
    2017 Bedroom Recordings
  • Getextet: „Sure the standards are high but what do you value?“ (There’s No Honour Among Thieves)
  • Umleitung: http://www.punkrockdoll.com

 

VenueConnection: feiner Funk

Mit rollenden Schlagzeug-Beats, Einwürfen von der Jazzorgel und abgerissenen Gitarrenakkorden spielen VenueConnenction funkigen Jazz und Soul.

Die Grundidee für die Combo VenueConnection entsteht 2002 in Spanien, es dauert allerdings bis 2007, bis der US-Amerikaner Karl Frierson zur Truppe dazustößt. Das erste Album Madrid Boogie wurde dafür aber auch gleich von Acid Jazz Hispano zum besten Album des Jahres 2008 gekürt.
Musikalisch sind die einzelnen Mitglieder alle fantastisch in Form und transportieren den Vibe genauso, wie es die Musikrichtung verdient. Auch gesanglich haben VenueConnection einiges zu bieten: nahezu gerappte Passagen gibt es genauso wie jazztypische Lautmalerei, ab und an wird mal ein Schrei eingeworfen. Sänger Frierson und seine Kollegin Ángeles Dorrio harmonieren gut und fangen die jeweiligen Stimmungen schön ein.

Fazit: VenueConnection machen technisch einwandfreie Musik und bringen außerdem das richtige Gefühl mit.

  • Meisterwerk: „Feel The Groove“
  • So klingt’s: Funk, Soul, Jazz
  • Getextet: „When you’re laughing, when you’re dancing, when you’re singing in the rain | take a chance cause it’s so amazing how your life will surely change“ (Singing In The Rain)
  • Umleitung: http://www.venuesite.com/en/

Indianizer: Acid Rock für gute Laune

Gitarren, E-Bass, Flöte, Banjo, Gesang, Schlagzeug, Synthesizer, Percussion, Orgel und Kaoss Pad. All das brauchen die Mitglieder der Band Indianizer aus Turin für ihre Songs. In denen prallt Vieles aufeinander, das Zuhören macht aber gerade deshalb einen Heidenspaß.

Die vier Italiener Riccardo Salvini, Matteio Givone, Salvatore Marano und Gabriele Maggiorotto haben als Indianizer seit 2013 zwei EPs in Eigenregie veröffentlicht. Darauf folgte das erste Album Neon Hawaii. Seit Ende März gibt es nun das neueste Produkt der kreativen Köpfe zu kaufen: Zenith heißt es, acht Tracks sind drauf und das Cover sagt schon einiges. Sehr bunt, sehr spacig.
Der vorwärtstreibende Song „Hypnosis“ macht richtig Laune. Es ist die Mischung aus coolen Rhythmen, Ohrwurmmelodien und einer Fülle von Percussion, Walking Bass, Flöte und jeder Menge unidentifizierbaren Geräuschen, die den Song zu solch einem Erlebnis macht. Der Track „Mazel Tov II“ klingt noch eine Spur abgedrehter. Aufgewühlte Rythmen und eine fette Palette an Sounds prägen auch hier den Höreindruck.

Fazit: Die Musik von Inidanizer ist schon ein wenig skurril und manche Songs sind doch auch etwas gewöhnungsbedürftig. Das macht aber nichts, denn das Gesamtpaket stimmt.

Sara Niemietz: Blue Notes und voller Sound

Sara Niemietz’ Stimme klingt wie auf alten Jazz-Platten: Sie beherrscht Dirty Tones, hat einen kräftigen Gesang, kommt in die Höhe und lässt insgesamt Hoffnung für die Welt der Vokalmusik aufkeimen.

Niemietz, Jahrgang 92, hat bereits als Kind erste Auftritte in Film, Fernsehen und Theater. Sie wächst in Chicago auf, spielt Gitarre, Bass und Klavier, singt, schreibt Musik. Später arbeitet sie mit verschiedenen Musikern und Komponisten zusammen, bringt Records auf den Markt, Ellen DeGeneres wird auf sie aufmerksam und lässt sie in ihrer Show auftreten, das Time Magazine schreibt über ihre Dixieland-Interpretation von Justin Biebers „Love Youself“.
Mit ihrer fantastisch voluminösen und ausdrucksstarken Stimme covert Sara Niemietz Titel aus allen möglichen Genres, nicht selten klingt ihre Version dabei besser als das Original. Abgesehen von ihrer YouTube-Präsenz ist die Künstlerin auch ganz aktuell in Deutschland mit mehreren Shows zu sehen.

Fazit: Tolle Stimme, tolle Technik, tolle Titel. Bleibt zu hoffen, dass Sara Niemietz noch sehr lang im Musikbusiness unterwegs sein wird und die Jazzlandschaft mit weiteren Interpretationen bereichert.

Frank Powers: smarte Musik erfrischend anders

Der Schweizer Musiker Frank Powers und seine Band machen einzigartige Musik. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, etwas Weltmusik, hauptsächlich aber ein ganz eigener, charakteristischer Sound.

Als Lokalprominenter hatte sich Dino Brandao unter seinem Künstlernamen Frank Powers bereits mit seinen Straßenmusikauftritten im schweizerischen Baden einen Namen gemacht. Inzwischen kann man ihn und seine Band auch auf Touren in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Großbritannien bewundern. Das Album Laisser Faire ist genauso wie die kürzlich erschienene EP Flohzirkus eine Mischung aus Titeln, bei denen keiner ist wie der andere.
Besonders an Frank Powers Art zu Singen ist sein Spiel mit verschiedenen Stimmtechniken: mal hört man reinen Klang und klare Höhen, mal singt er kratzig und akzentuiert, mal laut und intensiv. So variabel wie Frank Powers’ Stimme sind auch seine Lieder. Auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch singt er mit guten Texten über Leben und Leute.

Fazit: Die Songs von Frank Powers sind alle miteinander zu empfehlen, so unterschiedlich sie doch sind: die vor Leichtigkeit und Lebenslust strotzende Single „Free Moves“, das eher ruhige „Time And Travelling“, das ernste „Angels And Demons“.