Kalabrese: authentischer Klang mit starken Rhythmen

Mit musikalischer Leichtfüßigkeit und einem kantigen Klang steuert Kalabrese auf sein neues Album zu.

In der Schweizer Musikszene ist Sacha Winkler längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach verschiedensten Projekten ist der Künstler 2007 mit seinem Soloalbum „Rumpelzirkus“ schließlich erstmals als Kalabrese in Erscheinung getreten. Das zweite Album folgte ein paar Jahre später und inzwischen steht das auch dritte an: Let Love Rumpel – Part 1 wird Anfang Oktober Release feiern. Wie der Name verspricht, ist ein zweiter Albumteil auch gleich mit eingeplant.
Feine Rhythmik, meditative Wiederholungen, stetiger Groove, etwas Mundart und markante Einwürfe verschiedener Instrumente bleiben bei den Songs von Kalabrese im Kopf. Seine Musik ist weder besonders minimalistisch noch überladen. Für den größeren Bandsound bekommt Kalabrese Rückenwind von seinen Weggefährten vom Rumpelorchester und anderen musikalischen KollegInnen.

Fazit: Auf entschleunigende Art ist Kalabrese gleichzeitig modern und retro, experimentell und bodenständig.

Bye Beneco: schillernder Dreampop aus Südafrika auf dem Weg nach Berlin

Die seit 2012 aktive Band Bye Beneco sprudelt vor ständiger, scheinbar müheloser Vielfältigkeit nur so über. Mit spielerischer Leidenschaft und innovativem Einsatz diverser Instrumente kreieren die Johannesburger Künstler*innen ihren ganz eigenen Sound.

So verwundert es nicht, dass sie bereits für die South African Music Awards in der Kategorie „Best Alternative Album“ nominiert wurden und seit 2016 drei Tourneen durch Europa hinter sich gebracht haben. Und auch in ihren einzigartigen Musikvideos lässt die Band ihrer Kreativität und Liebe zum Detail freien Lauf. So fällt es zum Beispiel bei „It‘s Not True Love“ (2019) schon schwer die eigenen Füße still zu halten und die emotionale Energie des Clips bleibt lange im Gedächtnis zurück.
Auch die zuletzt erschienene Single „Red Dress“ kann sich sehen lassen. Mit Hilfe der ausdrucksstarken Performance der französischen Choreografin Cecile Lassonde und gesanglicher Unterstützung von Gastmusikerin Lucy Kruger kommt die mystische Kraft des Songs in zum Teil psychedelisch anmutender Atmosphäre hervorragend zur Geltung.

Fazit: Mit einem Umzug nach Berlin soll es nun noch weiter hinaus gehen. Wir dürfen uns also hoffentlich bald auf farbenfrohe, faszinierenden Live-Auftritte gefasst machen und noch mehr in den glitzernden Bann des Neo-Disco-Pops ziehen lassen. Frontsängerin Lenny-Dee Doucha fasst es mit ihrer Beschreibung zu „Red Dress“ mit den Worten „this song is dedicated to dancing hard when we can do that again“ ziemlich gut zusammen – genau darauf freuen wir uns jetzt schon!

Autorin:

Luise Asmussen

glu: Pop on fire

Bei glu: basteln vier Leipziger Musik-Fans mit Pop-Einflüssen und Sommerfeeling.

Vergangenes Jahr formierte sich die Band aus Sängerin Charlotte Vogel, Bassist Tim Schönherr, Max Schäfer an Gitarre und Synthies und Schlagzeuger Philipp Berger. Der Bandname leitet sich ab vom englischen Wort für Kleister (glue), in der Lautschrift wird das Ganze schließlich zu glu:. Die erste EP heißt Fireflies und ist Ende Juli erschienen.
In den Songs hören wir viel Klangteppich, softe Melodien und zaghafte Melancholie. Die glasklare Singstimme von Frontfrau Charlotte verträgt sich wunderbar mit der poppigen Stimmung, die ihre Bandkollegen aufsetzen. Das Quartett lässt sich unterwegs auch mal Zeit für Breaks und gibt ihrem Drummer Gelegenheit mit dezenter Begleitung oder galoppierenden Beats maßgeblich über den Sound mitzuentscheiden.

Fazit: Bei glu: wird die ein oder andere musikalische Idee zusammengeleimt, bis eine bunte Pop-Collage entsteht.

Future Radio: Punk-Rock aus Südafrika

Bei Future Radio haben sich zwei gefunden, die künstlerisch auf einer Wellenlänge sind. Musikalisch holen sie alles raus, was ein Rock-Duo so hergeben kann und probieren sich in ihren Videos gleichzeitig mit visueller Kunst aus.

Hinter Future Radio stecken Johnny Future und Drikus Roets aus Südafrika. Ihr erstes Album Freedom erschien 2020, das nächste soll kommendes Jahr folgen. Neben ihren eigenen Songs sind sie auch mit Covern wie ihrer Version von Zombie von den Cranberries erfolgreich.
Gitarrenriffs mit Power werden bei Future Radio eingebettet in monumentalen Gesamtklang. Essenziell sind auch die mitsingtauglichen Melodien und die ungeschliffene Stimme von Sänger Johnny. Gleichzeitig leben sich die beiden nicht nur musikalisch, sondern auch künstlerisch aus, wenn es um ihre Videos geht. Zusätzlich zum Debüt-Album veröffentlichten sie etwa einen von Drikus eigens animierten Kurzfilm. Die einzelnen Tracks ihres Albums brachten sie außerdem mit Musikvideos als Episoden einer ersten Staffel heraus. Die zweite Staffel ist mit einer ersten Single des neuen Albums auch schon angelaufen.

Fazit: Future Radio mit ihrer klanggewaltigen Art lassen sich kaum auf niedriger Lautstärke hören. Denn wie es sich für zukunftsgewandten Rock gehört, rasen die beiden ungebremst nach vorn.

Moe: Folk-Pop für laue Sommerabende

Der Singer-Songwriter Moe aus Bielefeld verbreitet mit seiner nachdenklichen Stimme und der verspielten Gitarre eine angenehm warme Atmosphäre.

Seit 2015 lässt sich Musiker Moritz Herrmann alias Moe bereits regelmäßig auf den Bühnen des Landes blicken. Drei Jahre später entstand sein Debüt-Album Folding Cranes, letztes Jahr kam die EP Melancholy’s Lovely hinterher. Für diesen Herbst ist außerdem ein zweites Album angekündigt.
Die Songs von Moe leben von dem ästhetischen Unterbau seiner Akustik-Gitarre. Während der Singer-Songwriter live häufig solo unterwegs ist, gibt’s auf den Aufnahmen zusätzlich auch dezente Band-Unterstützung. Die Gesangsmelodien haben Pop-Charakter, die Stimme des Musikers klingt etwas dreamy, behält aber ihre Bodenhaftung.

Fazit: So ganz kann man sich nicht entscheiden, ob die Songs eher melancholisch oder doch ausgelassen klingen. So oder so spürt man beim Hören schon die Sonne im Nacken.

YUNUS: erfrischend kontrastreich

Berufsmusiker*in zu sein und bei dem heutigen musikalischen Überangebot herauszustechen, ist gewiss eine Herausforderung. YUNUS schafft es, mit Kopf und Witz neuen Schwung in den deutschen Rap zu bringen.

Bürgerlich heißt der Musiker Johannes Berger, in Sachen Künstlername fiel die Wahl schließlich auf seinen Zweitnamen Yunus. Die Faszination für Rap und Hip Hop hat der Künstler nach eigener Aussage schon früh entwickelt. Nebenbei spielt er außerdem Bratsche und hat sein Faible für gute Texte auch immer wieder erfolgreich als Poetry Slammer unter Beweis gestellt. 2019 veröffentlichte YUNUS seine erste EP Es ist nicht das, wonach es aussieht, Mutter. Im Juni dieses Jahres folgte jetzt die zweite EP Fun Fun Fun.
Darauf finden sich fünf Tracks, die unterschiedlicher nicht sein könnten. „Seh kein Himmel mehr, willkommen in meinem Hong Kong“, heißt es in „Scusi, aber nö“. Der letzte Song der EP „Am Schluss“ ist eine Zeitreise durch Vergangenheit und Zukunft. Die Vocals und der disco-trap-artige Beat wecken Nachdenklichkeit und machen dennoch Laune, während YUNUS in „Bleibst du“ todernst und mit krasser Souveränität tiefe Gefühle auf einem Beat on point von Produzent beatmensch5000 serviert.

Fazit: Durch originelle Lyrics und ein gesundes Maß daran, sich selbst nicht allzu ernst nehmen, catcht YUNUS seine Zuhörer*innen, versorgt sie mit coolem Sprechgesang jenseits des Ego-Trippin’ und glänzt zudem nicht nur wegen seiner weiß-blonden Haare durch absolute Realness.

Autorin:

Hutham Hussein