Der Sound der Sahara: Tinariwen in Berlin

Die Tuareg-Band Tinariwen kam am vergangenen Donnerstag für ein Konzert nach Berlin. Nischig? Auf keinen Fall. Huxley’s Neue Welt war ausverkauft, und die Atmosphäre im Saal ließ für anderthalb Stunden vergessen, dass sich vor der Tür die Hasenheide und nicht die Weite der Sahara befand.

Die Schlange vor dem Berliner Konzertort Huxley’s Neue Welt ist an diesem Abend besonders lang und etliche Menschen sind noch auf der Suche nach letzten Tickets für das Konzert der Band Tinariwen. Deren Mitglieder gehören dem Nomadenvolk der Tuareg aus der Sahara an und ihre Musik steht in der Tradition dieser seit Tausenden von Jahren bestehenden Kultur. Seit einiger Zeit schon ist das Konzert komplett ausverkauft – das letzte der Band in Berlin ist sieben Jahre her.

Schon während des Sets des Support-Acts Sulaf, einer sudanesischen Sängerin, die die Band auf dieser Tour begleitet, ist der Raum komplett gefüllt. Als die Sängerin das Publikum animiert, einen sudanesischen Gesang anzustimmen, ist die Menge ohne zu zögern am Start.

Das stimmt schon mal ein auf die Atmosphäre, die Tinariwen dann auf die Bühne bringen: Zu siebt stehen sie auf der Bühne, allesamt in traditioneller Kleidung inklusive Chèche, einer Kopfbedeckung die, anders als ein Turban, sowohl Kopf als auch Gesicht mit Ausnahme der Augen bedeckt. In der Mischung mehrerer Gitarren, Bässe, verschiedener Gesänge und eines stetigen Trommelrhythmus im Hintergrund entfaltet sich das ganze, gemeinschaftsbewegende Potential der Klänge.

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Unvergleichbar: Afrobeat-Legende Femi Kuti im Heimathafen Neukölln

Konzerte sind immer Orte kollektiven musikalischen Erlebens, aber selten sind sie so mitreißend wie bei Femi Kuti. Die Bühnenenergie, das Zusammenspiel der Band, und auch die politischen Inhalte seiner Tracks schaffen in der Kombination eine unvergleichbare Stimmung.

An diesem Mittwochabend ist es noch hell, als der Heimathafen in Berlin-Neukölln seine Türen öffnet: Femi Kuti und seine Band The Positive Force werden hier heute Abend zum Konzert im Rahmen von Kutis “Journey Through Life”-Tour erwartet. Vor der Venue mischen sich Menschen allen Alters und man hört unzählige unterschiedliche Sprachschnipsel im Eingangsbereich.

Als es im Raum dunkler wird, treten erst die Band und die Tänzerinnen (eine davon Kutis Ehefrau) auf die Bühne, bevor der 63-jährige schließlich gut gelaunt und mit erstaunlicher Ausstrahlung erscheint. Nachdem die Band zu spielen beginnt, überträgt sich Femi Kutis Energie innerhalb von Sekunden auf das Publikum. Der gemeinsame Groove der Menge bleibt das knapp zweistündige Set über durchweg bestehen.

Die enorme Kraft und energetische Atmosphäre, die Kutis Auftritt mit sich bringen, mögen auch am Genre liegen: Afrobeat ist eine Musik des Rhythmus, des Funk und des Grooves, die ihre Kraft auch aus den Inhalten zieht und zugleich politisches Zeitgeschehen und soziale Missstände kommentiert. Treffender könnte nicht sein, dass der Vater des Afrobeat, die nigerianische Musiklegende Fela Kuti, Femi Kutis Vater ist. Fela Kuti begründete durch seinen Musikstil, der Jazz und Funk mit westafrikanischen Rhythmen und Highlife-Elementen verbindet, und dabei sehr politisch ist, einen wesentlichen Teil des Afrobeat: Musik als Antreiber für sozialen Wandel.

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Ein Abend Leichtigkeit: Stella Donnelly im Mikropol

Es ist ein typisch grauer Berliner Wintertag aus Regen, Kälte, Wind – und das, obwohl eigentlich schon Frühling sein sollte. Entsprechend drückend ist die Stimmung in der Stadt, dann kommt noch der allgemeine Zustand der Welt dazu und schon hat man dieses Gefühl von Schwere und Bedrückung, das sich über die Stadt und ihre Bewohner*innen legt. 

Kurzfristig befreit von diesem Gemütszustand wurden am Dienstag die Besucher*innen des Konzerts der australisch-walisischen Singer-Songwriterin Stella Donnelly. Sie und ihre beiden ebenfalls australischen Support Acts, Nikodimos und Jack Gaby sind im Rahmen von Donnellys Love and Fortune Tour – das gleichnamige Album erschien im November 2025 – für ein einziges Konzert nach Berlin gekommen und haben jede Menge gute Laune und Good Vibes dabei. 

Das kleine Mikropol am Nollendorfplatz füllt sich also nach und nach während Nikodimos und Jack Gaby spielen – noch ist das Berliner Feierabendpublikum etwas verschlafen, was sich allerdings schnell ändert, als Jack Gaby aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie er seinen Partner kennengelernt hat. Auch Stella Donnelly spricht gern mit ihrem Publikum, das merkt man, als sie wenige Minuten später auf die Bühne tritt. Und gerade live performt haben ihre Songs etwas ganz Persönliches und Erzählerisches. 

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Live-Report: Ein experimenteller Abend mit Sudan Archives

Sudan Archives live zu erleben ist in keinster Weise eine gängige Konzerterfahrung – das liegt zum einen an ihrem experimentellen musikalischen Stil, zum anderen aber auch ihrer stage persona. Wir waren für euch am 27. November in Berlin dabei.

Schon die Location des heutigen Sudan Archives Konzertes lässt ein wenig Extravaganza vermuten: Als die Schlange am silent green in Berlin-Wedding kürzer wird (das Konzert ist ausverkauft), kann man einen langen, offenen Raum hinunterblicken – es ist der Eingang zur Betonhalle. An dessen Ende gelangt man nach einem kleinen Zickzack und noch ein wenig weiter unter der Erde schließlich zu einer großen Halle mit Bühne.

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Die Live-Band der Stunde: Panic Shack reißt Berlin ab

Als die Scheinwerfer angehen, wird der ganze Raum in ein helles Lila getaucht. Die Stimmung im Lark in der Berliner Holzmarktstraße ist heiter, locker, und wie man es von Punkkonzerten kennt, ist die Mischung an Menschen besonders bunt. Erwartet werden Panic Shack, deren Name Programm ist.

Als die vier schließlich auftreten, und dabei locker mit dem Publikum ins Gespräch kommen, knallt einem ihre Bühnenpräsenz bereits entgegen. Es wird das erste Lied angestimmt: „Gok Wan“ vom im Juli erschienenen Debütalbum, das ebenfalls Panic Shack heißt.

Sängerin Sarah Harvey setzt ein „I squat for two hours a day / Not enough to keep the red ring of shame away” während ihre Bandkolleginnen Meg Fretwell, Emily Smith und Romi Lawrence mit dem Rücken zum Publikum stehend Kniebeugen machen. Drummer Nick Boherty-Williams bringt das Tempo. Der Song rechnet auf ironische Art mit Erwartungen an weibliche Körperbilder ab und entfaltet seine Message durch die energiegeladene Performance der Interpretinnen, die vieles zu sagen haben, und alles auf den Punkt bringen.

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Panic Shack: Girlband-Starter-Pack in laut!

Sexy, stunnin‘, talented and gorgeous. There’s nothing we can‘t do“ – so die Beschreibung der Band Panic Shack auf ihrem Spotify-Profil. Und das stimmt: Die vier Frauen aus Cardiff in Wales bringen eine starke Mischung aus Punk, Rock und Pop mit und nehmen dazu kein Blatt vor den Mund. All das macht ihre Songs einfach relatable.

Gegründet haben sich Panic Shack 2018. Nach gemeinsamen Konzertbesuchen entschieden sich Sängerin Sarah Harvey, Bassistin Emily Smith und die beiden Gitarristinnen Meg Fretwell und Romi Lawrence dazu, selbst Musik zu machen und eine Band zu gründen. Seit ihren ersten Singleveröffentlichungen im Jahr 2020 ging es für Panic Shack relativ steil nach oben: 2022 veröffentlichten sie ihre erste EP, wurden 2023 vom New Musical Express zu den 100 aufstrebenden Künstler*innen 2023 gezählt und veröffentlichten im Juli 2025 schließlich ihr Debütalbum Panic Shack, das mit viel Begeisterung aufgenommen wurde.

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Mereba: Vielfalt hat einen Namen

Als Mereba im Jahr 2013 zum ersten Mal auf den Plan trat, konnte noch niemand voraussehen, was für eine vielfältige musikalische und kreative Entwicklung sie in den kommenden Jahren hinlegen würde. Scheinbar anstrengungslos erkundet und verknüpft Mereba Elemente aus Folk, R&B und Rap. Der rote Faden ist Mereba selbst – ihre eigene Geschichte mit allen Veränderungen ist gleichzeitig Inhalt und Form ihrer Musik.

Marian Azeb Mereba alias Mereba wurde in Montgomery, Alabama geboren und wuchs größtenteils in Pennsylvania auf. Sie hat seitens ihrer Mutter afro-amerikanische und seitens ihres Vaters äthiopische Wurzeln, und weil ihre beiden Eltern Professor*innen sind, zog sie in Kindheit und Jugend häufig um. In North Carolina lernte sie Gitarre zu spielen und die Musikszene der Großstadt Atlanta, Georgia formte ihre musikalische Ausrichtung schließlich besonders. Die musikalische Vielfalt, der sie zuerst in der Underground-Szene Atlantas begegnete – ob Folk, Rap, Reggae oder R&B – zieht sich durch Merebas musikalisches Werk und sorgt dafür, dass ihre Musik immer wieder Überraschungen bereithält, ohne an Zusammenhang zu verlieren.

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betina quest: Nina Simone neu gedacht

betina quest ist eine Geschichtenerzählerin – und zwar eine besonders gute, und wer ihren Songs aufmerksam zuhört, weiß auch, warum. Die in Deutschland geborene Sängerin mit burundischen Wurzeln setzt sich in ihren Songs mit vielfältigen Themen auseinander: Sie schreibt und singt über die Komplexität des Lebens afrikanischer Frauen, über Resilienz und über die sich immer wieder stellende Frage nach Identität.

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Punk‘s not dead: Kate Clover live im Kulturhaus Insel

Es gibt sie doch noch, die originalen Underground-Konzerte, die von der Kommerzialisierung der Musikindustrie bisher verschont geblieben sind – Kate Clover ist der beste Beweis. Am Donnerstagabend konnte man die kalifornische Punk-Sängerin live im Kulturhaus Insel in Berlin erleben.

Spätestens als die Gitarren einsetzen und das Publikum in Bewegung kommt, ist klar: Kate Clover macht keine halben Sachen. Elektrisierend ist ihre Bühnenpräsenz, bemerkenswert ihre Energie. Es ist nicht verwunderlich, dass man es Sekunden nach Showbeginn aus dem Publikum schreien hört: „Punk’s not dead!“ Ein paar mehr Zuhörer*innen hätte man der Künsterlin zwar gewünscht – dennnoch entlädt sich in der kleinen Location in Berlin-Treptow eine ausgelassene Stimmung und man spürt, wie die Energie der Sängerin sich auf das Publikum ausbreitet.

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Pink, Punk und klare Haltung: TYNA in Berlin

Die Hamburger Band TYNA ist vor einiger Zeit auf den Plan getreten und mischt die deutsche Punkszene ordentlich auf. Mit viel Energie, Farbe und Texten mit klarer Botschaft haben TYNA am Freitag das Cassiopeia in Berlin mit Leben gefüllt.

Fotos: © Musik unterm Radar

Die rosa dekorierten Mikrofonständer verraten es eigentlich schon, bevor die Band auftritt: PNK, das neue Album der Hamburger Band TYNA, ist das Herzstück ihrer Tour. Und wie es sich für eine Punkband gehört, treten die fünf Bandmitglieder mit einem ordentlichen Knall auf die Bühne. Den Abend über mischen sich laute Songs mit klaren politischen Botschaften und durch die schöne Verbindung zwischen den Künstler*innen und ihrem Publikum entsteht eine besondere Stimmung.

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