Sudan Archives live zu erleben ist in keinster Weise eine gängige Konzerterfahrung – das liegt zum einen an ihrem experimentellen musikalischen Stil, zum anderen aber auch ihrer stage persona. Wir waren für euch am 27. November in Berlin dabei.

© Felicitas Richter
Schon die Location des heutigen Sudan Archives Konzertes lässt ein wenig Extravaganza vermuten: Als die Schlange am silent green in Berlin-Wedding kürzer wird (das Konzert ist ausverkauft), kann man einen langen, offenen Raum hinunterblicken – es ist der Eingang zur Betonhalle. An dessen Ende gelangt man nach einem kleinen Zickzack und noch ein wenig weiter unter der Erde schließlich zu einer großen Halle mit Bühne.
Anmuten lässt der Ort eher wie ein Technoclub als eine Konzertlocation, aber mit dem Auftritt von Sudan Archives ein paar Momente später wird man denken, dass der Ort allein für dieses Konzert konzipiert wurde.
Sudan Archives, die eigentlich Brittney Denise Park heißt, ist ein Soloprojekt. Ursprünglich zur Musik gekommen ist sie über die Violine, und bis heute begleitet das Instrument ihre Kunst – über die Jahre hat sich die Rolle der Violine in ihrer Musik zwar verändert, aber nicht verloren. Das spürt und hört man besonders auf dem neuesten Album BPM (das auch der aktuellen Tour ihren Namen gibt).
One-Woman-Show der anderen Art
Inmitten von Licht und Nebel tritt Sudan Archives schließlich auf die Bühne. Sie trägt einen roten Body, an dem eine elektrische Violine befestigt ist; ihren Bogen hat sie in einem Köcher auf dem Rücken, was ihrem Auftritt einen fast wilden Touch verleiht. Und dann startet sie ihre One-Woman-Show, die eine Mischung aus elektronischer Musik, Beats, experimentellen Geigenklängen und präzisen Lyrics ist.
Als sie ihr Set mit dem Song „DEAD“, dem ersten Song auf der Platte, startet, lässt sich die Menge sowohl vom Tempo und den Beats, als auch von Sudan Archives‘ einnehmender Bühnenpräsenz mitreißen – man will nicht weggucken und ist in jedem Moment gespannt, was als nächstes auf der Bühne passieren wird. Diese Spannung zu halten, ist nicht einfach, vor allen Dingen nicht als Solokünstlerin. Im Set gibt es immer wieder Momente, in denen man deshalb ein wenig „rausgenommen“ wird, gerade bei längeren, weniger schnellen Songs.

© Felicitas Richter
Vergleichbar ist die Musik und damit auch die Show mit wenig anderem; vielleicht hat man deshalb das Gefühl, dass die Hälfte der Menge mitgerissen wird und die andere Hälfte der unbestreitbaren, aber doch experimentellen Kunst von Sudan Archives eher skeptisch gegenübersteht.
Was Sudan Archives macht, ist neu. Es gibt (noch) wenig Vergleichbares, geradezu futuristisch ist ihre Musik und vor allem auch ihr Auftreten. Elektrisierend ist vielleicht das Wort, das am ehesten passt, und auch das passt von allen Alben am besten zu BPM. Vorangegangen waren bereits Natural Brown Prom Queen (2022) und Athena (2019).
Immer wieder schafft die Künstlerin es beim Konzert in der Betonhalle, das Publikum zu animieren und ganz für sich einzunehmen. So wird man von Klangexperimenten und einer überraschenden Show durch den Abend getragen.
Autorin:
Felicitas Richter
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