Ultraschall im Interview: „Unser Ascheregen ist die Post vom Finanzamt“

Tim Eulenspiegel ist Lead-Gitarrist und zweiter Sänger der Koblenzer Band Ultraschall (hier geht’s zum originalen Beitrag). Ein Gespräch über Schaffensdrang, die neue Single und ein Bandleben trotz Alltagshürden.

Musik unterm Radar: Alternative Rock und deutscher Sprechgesang klingt erst einmal nach einer untypischen Kombination. Wie hat sich euer Stil entwickelt? Gibt es musikalische Vorbilder, auf die ihr euch alle einigen könnt?

Tim Eulenspiegel: Wir fühlen uns ein bisschen als das deutsche Baby von den Red Hot Chili Peppers und Rage Against The Machine. Die Koblenzer Musikszene ist eher klein, so haben wir uns schnell gefunden und der Stil stand dann auch recht bald fest. Überhaupt sind wir eine totale Jam-Band und basteln mit Melodie- und Textschnipseln im Proberaum so lange bis uns ein Thema gefällt.

Eure neue Single „Ascheregen“ ist ein ziemlich lauter, wütender Song. Ich höre junge Menschen, die um ihren Platz im Leben kämpfen. Trifft das zu?

Ja, schon. Der Ascheregen ist im Grunde all das, was im Leben so auf einen einprasselt. Im Hinterkopf hatten wir natürlich die junge Generation, aber eigentlich haben Menschen jeden Alters ihren Ascheregen. Es geht um dieses Gefühl, dass da ein „Ich“ auf der Suche ist und dass man nicht der einzige ist, dem das so geht. Das war eigentlich auch der Grundkonsens für die ganze EP.

Ihr vier seid mit Anfang 20 auch Teil dieser Generation. Was ist euer persönlicher Ascheregen als Band?

Zum Beispiel die Post vom Finanzamt. Dann muss man Steuern zahlen, hat kein Geld fürs Studio und auf dem Weg zum Konzert hat auch noch der Sprinter einen Platten.

Du hast schon angesprochen, dass man „Ascheregen“ auch auf eurer aktuellen EP Odyssee findet, die jetzt schon ein paar Monate draußen ist. Wie ist die Resonanz bisher?

Weiterlesen

In eigener Sache: Zwei Jahre Musik unterm Radar!

Es ist kaum zu glauben, dass Musik unterm Radar heute schon in die dritte Runde geht. Seit dem 22. Juli 2017 ist auf dieser Seite viel passiert: Über 100 Bands wurden vorgestellt, neue Rubriken sind entstanden und andere wurden wieder eingestampft. Die Seite wächst und wächst und wird mit viel Freude und Herzblut betrieben. Möglich ist all das nur mit den Menschen, die für einen Blog am wichtigsten sind: Den Leserinnen und Lesern.

Hiermit also endlich offiziell, und ganz wie es sich gehört: DANKE! Fürs Lesen, fürs Stöbern, für die Tipps, die nette Rückmeldung. Fürs Liken, fürs Teilen, fürs Weiterempfehlen. Und weil der Kontakt zu LeserInnen, Bands und BloggerkollegInnen so herzlich und schön ist, zu diesem Anlass noch einmal ein besonderer Aufruf: Über das Kontaktformular oder die Adresse musik-unterm-radar@gmx.de erreicht jede Nachricht die Redaktion. Jegliche Art von Feedback ist willkommen, wird gelesen und geschätzt. Von einem „Weiter so!“ über ein paar Zeilen bis zu ausführlicher Kritik wird sich über jede Nachricht aufrichtig gefreut.

Ein Jubiläum sollte immer auch ein Anlass sein, in die Zukunft zu blicken und Pläne zu schmieden. Musik unterm Radar soll Lust machen auf gute Musik, soll eine Fundgrube sein für jeden Geschmack. Dafür wäre es schön zu hören, was euch als Leserschaft interessiert und was ihr euch wünscht.

Auch Rückmeldung zum Angebot der Website ist deshalb mehr als gern gesehen. Denn an Klickzahlen lässt sich zwar ungefähr ablesen, was Menschen spannend finden und was nicht, ohne direkten Kontakt bleibt aber sehr viel offen. Deshalb teilt gern eure persönlichen Ideen mit, damit Musik unterm Radar sich weiterentwickeln kann. Welche Genres gefallen euch am besten und welche sind hier unterrepräsentiert? Wie gut ergänzen Rubriken wie Interviews, Live-Reports und Musik-News die klassischen Bandportraits? Wie seid ihr auf den Blog gestoßen? Was läuft gut an der Website und – noch wichtiger – was kann hier verbessert werden?

Vielen Dank im Voraus für den Input und für die nächsten Jahre Musik unterm Radar! Schickt die Grooves in die Welt!

Obere drei Fotos: © Katharina Köhler 2019
Alle Rechte vorbehalten

Unteres Foto: © Kaique Rocha
zur kostenlosen Verwendung

Julian Leucht & The Night Bus Strangers: Hamburger Blues

Mal verträumt, mal auf dem Boden der Tatsachen: Der Blues funktioniert in jeder Lebenslage – solang die Melancholie nicht zu kurz kommt. Julian Leucht & The Night Bus Strangers spielen sich durch seine Facetten.

Namensgeber und Frontmann Julian Leucht steuert neben seiner Stimme Gitarre und Mundharmonika bei. Bei den Night Bus Strangers handelt es sich um Bastian Grätz am Bass und Johannes Finter am Schlagzeug. Dieses Jahr hat das Hamburger Trio mit III sein neues Album herausgebracht, aufgenommen in drei Tagen und drei Nächten.
Zusammen stellen Julian Leucht & The Night Bus Strangers authentischen Folk- und Blues-Rock auf die Beine. Die raue Stimme von Frontmann Leucht klingt trotz seines jungen Alters wie vom Leben gezeichnet – oder wie er selbst sagt: nach „billigem Whiskey von der Tankstelle“. Und auch sonst machen die drei dem Genre alle Ehre: Bluesige Gitarrenakkorde legen sich in ihren Songs auf präsenten Bass, der Schlagzeuger fängt Feeling ein und setzt Akzente, dazu kommt natürlich die stilechte Blues Harp.

Fazit: Mit lässiger Art setzen Julian Leucht & The Night Bus Strangers den Blues in modernes Licht.

  • Meilensteine:
    • 2014 Debut Blue Motel
    • 2016 Depraved & Wonderful
    • 2019 III
  • Umleitung:

Metulski: Mit trockenem Humor durch den Alltag

Es beginnt mit einem Schmunzeln. Wer Metulski im Hintergrund hört, stolpert früher oder später über eine Textzeile und wird hellhörig. Dann wird es interessant.

Der Mannheimer Sänger hatte bereits einige Zeit Banderfahrung bevor er sein Solodasein startete. Seinen echten Namen hält der Metulski geheim. Lieber benennt er sich nach dem toten Clown aus dem Helge Schneider-Film. Auf bisher drei Alben hat der Liedermacher seine Songs schon zusammengetragen.
Die raue Stimme passt gut zu Geschichtenerzähler Metulski. Man hat schnell das Gefühlt, einem Menschen zuzuhören, der schon viel erlebt hat. Beim Singen begleitet er sich klassischerweise mit einer akustischen Gitarre. In seinen Liedern verarbeitet er Themen, die nicht immer für Lacher gemacht sind, in clever gereimten und lustigen Texten. Eine Putzfrau, die nie wiederkehrt, ein Junkie, der den Löffel abgibt und der Optiker, der seine Augen für immer schließt – perfekte Protagonisten für Metulski in seinem „Lied vom Sterben“.

Fazit: Mit guter Beobachtungsgabe und einer treffenden Art, Dinge in Worte zu fassen, singt sich Metulski auf sympathische Weise durch die Welt.

Adelle Nqeto: African Folk trifft Indie

Schöne Stimme, melodiöse Musik und gezupfte E-Gitarre: Adelle Nqeto weiß ihr Publikum mit einfachen aber gekonnten Mitteln zu bezaubern.

Nach ersten musikalischen Erfahrungen als Teil eines Folk-Duos in ihrer südafrikanischen Heimat ist Adelle Nqeto seit 2015 solo unterwegs. Ihre Debut-EP Make Something Beautiful kam ein Jahr später auf den Markt.
Mit ihren warmen Klängen und der gefühlvollen E-Gitarre bekommt die Musik ganz ohne Effekte eine besondere Atmosphäre. Singen kann Nqeto präzise und trotzdem mit Leichtigkeit. Ihren Songs verleiht sie mit Gitarren-Fills eine gewisse Entschleunigung und auch sonst wirkt Adelle Nqeto, als würde sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Covern kann die junge Musikerin übrigens auch – besonders zu empfehlen ist an dieser Stelle ihre Version von Bob Dylans „Hazel“.

Fazit: Adelle Nqeto besticht mit ihrer faszinierenden Art, mit eindrücklicher Musik und mit Gespür für Vibes und Harmonien.

  • Meilensteine:
    • 2016 Debut EP Make Something Beautiful
  • Umleitung: