Elda: Träumen am Lagerfeuer

Elda sind vier Musikerinnen aus Frankfurt, die sich mit reifem Gesang und viel Gitarre dem Indie-Dream-Pop verschrieben haben.

Gegründet wurde Elda nach eigener Aussage von den Freundinnen Leila Antary und Alessa Stupka am Lagerfeuer auf einer Gartenparty. Zu den beiden an Bass und Gitarre sind inzwischen außerdem Annelie Schwarz (Drums) und Sunny Hoffman (Gitarre) als Verstärkung gestoßen. Nach ihrer Debut-EP Trees & Birds darf man sich nun auf die zweite Veröffentlichung von Elda freuen: Die Release der EP Hideout ist für den 26. April geplant. Einen Vorgeschmack gibt es bereits seit heute mit dem Musikvideo zur Single „Intro/Brain“.
Eldas Musik zeichnet sich besonders durch einen melodischen, aber kräftigen Gesang aus. Ergänzt wird der außerdem durch schöne mehrstimmige Passagen und markant gezupften E-Gitarren-Unterbau. Auch die neue EP bleibt diesem verträumten Stil treu, die Melodien sind ähnlich schwebend und es kommt zusätzlich zum abwechslungsreichen Schlagzeug mehr rhythmische Percussion dazu. Die Songs der Band bauen sich auf, entwickeln sich aus ihrem Klangteppich zu schärferen Konturen, bleiben aber trotzdem in den etwas verschwommenen Sphären des Dream-Pop.

Fazit: Schönes Zusammenspiel, fließende Melodien und eine gewisse Portion mysteriöse Undurchsichtigkeit – die Musikerinnen von Elda gehen ganz in ihrem Genre auf.

  • Meileinsteine:
    • 2018 Debut-EP Trees & Birds
  • Umleitung:
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ESKALATION: Rockmusik ohne Morgen

ESKALATION gehen auf den ersten Blick recht mutig an das Genre Rock. Deutsche Texte, dazu eine Mischung aus Melodie- und Sprechgesang und Blasinstrumente in der festen Besetzung. Aber: Das funktioniert. Und zwar wirklich gut.

Die Nürnberger ESKALATION haben sich in den vergangen zwei Jahren mit um die 70 Gigs schon eine Fanbase erspielt. Mitte Mai soll es dann mit einem neuen Album weitergehen. Hinter dem Bandnamen verbergen sich gleich sieben Menschen: Frontmann und Gitarrist, Basist, Keyboarderin, Drummer, Posaunist, Trompeter und Saxophonistin. Dass der Sound massig wird, ist also keine Überraschung.
Energiegeladen und mit Karacho nach vorn – so funktionieren die Songs der Truppe. Die Fills und Akzente der Bläser passen erstaunlich gut in das Indie-Punk-Rock-Konzept, während die klassische Rockband-Besetzung für den stabilen Unterbau und ordentlich Drive sorgt. Auch die deutschen Texte sind eine erfrischende Abwechslung zu den im Rock meist englischen Lyrics. Mit ihrer Musik sorgen Eskalation für Partystimmung und den Kram laut aufzudrehen, ist das mindeste, was man tun kann.

Fazit: ESKALATION sind eine Rockband wie sie sein sollte: unkonventionell, mit Spaß an der Sache und einem Sound ohne Rücksicht auf Verluste.

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Stray Colors im Interview: „Ein guter Song muss den Moment einfangen“

Erst die Süddeutsche Zeitung, dann PULS vom Bayerischen Rundfunk: Im Süden des Landes werden die Münchner Stray Colors schon in höchsten Tönen gelobt. Musik unterm Radar hat mit Zlatko Pasalic, dem Sänger und Gitarristen der Band, gesprochen. Im Sommer 2018 hat Pasalic gemeinsam mit Rüdiger Sinn (ebenfalls Vocals, Gitarre), Christian Buchberger (E-Bass), Nathan Carruthers (Drums) und Sebastian „Schoko“ Kölbl (Trompete) die zweite Stray Colors-CD Atomic Bombs & Pirouetts veröffentlicht. Noch ganz taufrisch ist das Musikvideo zu ihrer Single „Whiskey Sour“.

Musik unterm Radar: Wie viel Whiskey Sour wird denn so getrunken bei euch?

Zlatko Pasalic: (lacht) Seit das Video draußen ist, mehr als normal. Wir haben natürlich zur Release mit Whiskey Sour angestoßen. Sonst sind wir aber eher die Bierfraktion, da wissen wir unser süddeutsches Zuhause zu schätzen. 

Das Musikvideo zu „Whiskey Sour“ ist am 22. Februar veröffentlicht worden. Beim Zuhören klingt die Suche nach der großen Liebe durch. Worum geht es genau?

Die Geschichte fängt damit an, dass jemand etwas Neues, Unbekanntes sucht – was genau, bleibt erst mal offen. Im Chorus wird dann klar, dass das gar nicht so einfach ist, und am Ende landet man metaphorisch im Whiskey-Glas. Wir singen auf dem Album aber auch über ganz andere Themen. „Spaceman Cemetery“ zum Beispiel ist über einen Astronauten, „The Things We Love“ ist über die Freude, Musik mit anderen zu teilen, und wie schön es ist, dass wir als Band zusammengefunden haben.

Wie läuft denn so ein Musikvideo-Dreh ab?

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Whitehall: Indie durch und durch

Menschen, die Spaß an der Musik haben, hört man immer gern zu. Wenn das Ganze dann noch Hand und Fuß hat, mit guten Musikern und spannenden musikalischen Ideen, braucht man sich überhaupt nicht mehr zu beschweren.

Whitehall ist eine junge Band aus Charleston, South Carolina. Die Jungs sind zu fünft unterwegs, ein erstes Album mit dem Titel Ocean Fiction gibt es schon und getourt wird ebenfalls – momentan allerdings nur zu Hause in den Staaten.
Der Sound von Whitehall ist durch viele Faktoren einigermaßen unverwechselbar. So setzt die Band zusätzlich zu der tyischen Rockband-Besetzung aus zwei Gitarren, Bass, Drums und Gesang noch ein Saxophon ein. Dadurch entstehen unter anderem ausgesprochen eindrückliche Solopassagen und starke Wechsel zwischen Sax und Leadgitarre. Charakteristisch sind außerdem besonders die Kopfstimme des Sängers und die starke Rhythmik in den Songs. Zuweilen geht die Musik dann schon eher in die funkige Richtung.

Fazit: Es gibt Dinge, von denen weiß man erst, dass sie einem gefehlt haben, wenn man sie dann hört. Ein Saxophonist in einer festen Indie-Rock-Besetzung gehört sicherlich dazu. Whitehall sind mit diesem besonderen Stil eine Band, in der sicher noch einiges an Potential steckt.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Ocean Friction
  • Meisterwerk: „Vacation Home“
  • Umleitung:

Namu: atmosphärische Electro-Sounds

Als Bandproberaum der Keller einer ehemaligen Kirche, auf deren Friedhof auch noch die Mutter von Goethe begraben wurde, so eine Location verlangt wohl auch nach einer besonderen Band. Namu aus Frankfurt sind zwar selbst sicher nicht so gruselig wie sich ihr Proberaum anhört, haben aber durchaus ein gewisses Feeling fürs Mysteriöse und sphärische Klänge.

Die Wurzeln von Namu reichen bis nach Korea und Spanien. Daniel Kim, Sebastian Rodriguez und Raphael Reichert-Lübbert kennen sich aber schon aus der Schulzeit und machen seitdem zusammen Musik. Jetzt ist eine erste professionelle Single entstanden, deren Video letzte Woche Premiere gefeiert hat.
„Past Life“ ist ganz klar eine starke Debut-Veröffentlichung, die einen guten ersten Eindruck davon gibt, in welcher Richtung sich das Trio musikalisch positionieren möchte. Die Single ist elektronisch geprägt, dazu gibt es einen hiphop-inspirierten schnellen und beckenlastigen Schlagzeug-Beat und die E-Gitarre sorgt für einen passenden Gegenpol. Der eher hohe Gesang und die Melodie – nach Aussage der Band beim Summen auf einer Bahnfahrt entstanden – erzeugt Spannung und stützt die sphärische Stimmung des Songs.

Fazit: Namus Musik ist alles andere als eintönig: Die drei experimentieren mit Klängen und Effekten, entwickeln Spannungsbögen, spielen mit ihrer Melodie und setzten gekonnt unverhoffte Brüche ein.

Tom Rosenthal: echte Gänsehaut-Songs

Wo immer seine Musik gespielt wird, dorthin zaubert Tom Rosenthal mit einfachen Mitteln in seinen Liedern eine wunderschön gefühlvolle Stimmung, die ansteckt und berührt.

Tom Rosenthal ist zweifacher Vater, seit über zehn Jahren Solokünstler, hat über Youtube Berühmtheit erreicht, ohne dass er je ein Schwergewicht von Plattenfirma im Rücken hatte, und insgesamt schon fünf Alben und eine weitere Handvoll EPs herausgebracht. Die neueste Veröffentlichung ist gerade mal einen Monat alt und trägt den Namen Z-Sides, ein Album voller ruhiger Melodien, auf dem Rosenthal einige seiner älteren Titel als akustische Versionen sehr gelungen neu interpretiert hat.
Es ist diese Kombination aus seiner eindrücklichen, rauchigen Singweise, sanfter Klavieruntermalung und schöner Melodien, die der Guardian als „gentle epic ballads“ bezeichnet und die man wie von selbst und ganz in Gedanken versunken mit summt. Dazu kommen tiefgreifende, berührende Texte, die einen höchst selbstreflektierten Menschen vermuten lassen.

Fazit: Nicht nur, aber gerade jetzt in der anbrechenden dunklen Jahreszeit kann man die Titel von Tom Rosenthal nur jedem ans Herz legen. Sei es für eine Tasse Tee vorm Kamin, gemeinsame besinnliche Stunden oder einfach um einer angenehmen Hintergrundmusik zu lauschen.

  • Meisterwerk: „Go Solo“
  • Meilensteine:
    2011 Debut Keep a Private Room Behind the Shop
    2018 Z-Sides
  • Umleitung: http://tomrosenthal.co.uk

Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra: Surfer-Dudes für den Folk

In Frontmann Julian Braun scheinen seit jeher zwei Herzen zu schlagen. Einerseits der Ozean (der ist für einen Surflehrer ja auch existentiell) und andererseits seine Leidenschaft zur Musik; beides vereint er in seinen Songs. Mit Band heißt er dann Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra.

Nachdem ihm im Surfurlaub in Frankreich die spontane Erkenntnis getroffen hatte, dass das Studentenleben doch nichts für ihn sei, fasste Julian Braun alias Jules Ahoi den Entschluss, von nun an einen VW-Bus sein Zuhause zu nennen. Seine Erlebnisse verpackte er in Songtexte und war nach ersten Veröffentlichungen regelmäßig mit seinem Deepsea Orchestra in Europa unterwegs. Der Begriff des Orchesters ist hier übrigens gar nicht unbedingt fehl am Platz, schließlich wird Jules Ahoi mit Pianistin, Gitarrist, Bassist, gleich zwei Drummern und Cellistin von einer recht großen Band unterstützt.
Wenn man Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra und ihre rhythmischen, kraftvollen Songs hört, schmeckt man schon fast das Meersalz auf der Zunge. Jules Ahois Stimme hört man an, dass er viele Geschichten zu erzählen hat, seine Musikerkollegen übernehmen den atmosphärischen Sound. Wie man sich musikalische Wellen vorstellt, bauen sie Spannung auf und lassen sie wieder abflauen, treibende Trommelrhythmen, gut dosierter Hall und Gitarrenmotive mit etwas Off-Beat-Feeling verstärken den Effekt.

Fazit: Ob Surfer oder Nicht-Surfer, ein bisschen Lust auf Wellen und Brandung hat noch keinem geschadet. Jules Ahoi & The Deepsea Orchestra liefern den besten Soundtrack um in die Ferne zu starren und vom Meer zu träumen. Oder natürlich den nächsten Atlantikurlaub zu planen.

Yusuf Sahili: Brücke zwischen zwei Kulturen

What are we really doing on this planet? Where are we going? What will remain of us when we leave? And what are we running on before that will happen? – Yusuf Sahili stellt sich die ganz großen Fragen.

Sahili ist ein in Berlin beheimateter Indie-Musiker. Es ist noch gar nicht so lang her, da hat er nach zwei EPs mit seiner Single „No Way Out“ eine neue Veröffentlichung auf den Markt geworfen.
Zugegeben, seine Melodien sind nicht immer eingängig, manche Tonfolgen kommen unerwartet, trotzdem hört man gern und fasziniert zu und lässt sich von seiner relativ hohen Stimme, den stilvoll eingesetzten Begleitungen und Texten forttragen. Die Gitarrensoli sind oft eine aufregende Mischung aus rocktypischem Overdrive und orientalischen Skalen. Von sanfter Mehrstimmigkeit und unbeschwerten Melodien über folkige Guitarbackings bis zu echter Power ist Yusuf Sahili gut aufgestellt.

Fazit: Es gibt keine Schublade, in die dieser Musiker so einfach passt. Indie, etwas Rock, Folk, ein bisschen Reise um die Welt, Aufbruchsstimmung und Yusuf Sahilis feines musikalisches Gefühl machen den ganz einzigartigen Charakter seiner Musik aus.

Luc Stargazer: epischer Shoegaze

Das Rock-Quartett Luc Stargazer legt einen fetten Sound an den Tag.

Obwohl die Band sich bereits 2010 gegründet hatte, war sie bis vor kurzem abgesehen von einer EP recht zurückhaltend, was Studioaufnahmen angeht. Ende August kam dafür endlich ein komplettes Album auf den Markt. Und das Warten hat sich gelohnt: Lunascape ist eine starke Platte geworden.
Dass Luc Stargazer seit ihrer Gründung vor fast einem Jahrzehnt einiges an Banderfahrung sammeln konnten, spiegelt sich nämlich auch in Lunascape wieder. Das Album ist angenehm ausgereift, die Band wirkt selbstsicher und routiniert. Die Tracks klingen im Allgemeinen sphärisch, aber dennoch bodenständig und nicht überzogen. Wirklich Spaß machen die saftigen Rock-Riffs der Gitarre und das wuchtige Schlagzeug. Zusammen mit der intensiven Stimme des Sängers und dem gut dosierten Hall werden die Songs richtig episch. Sehr schön auch, wie diese aufgeladene Atmosphäre immer wieder von ruhigen, rein instrumentalen Interludes durchbrochen wird. Tracks wie „4 A.M.“ oder „Saturn“ holen die Hörerschaft wieder auf den Boden zurück, verbreiten Melancholie und scheinen eine ganz eigene geheime Geschichte zu erzählen.

Fazit: Zwei Pole in der Musik zu verbinden, ist keine leichte Sache. Luc Stargazer bringen es fertig, auf einen Song voller Power einen zweiten mit fast zerbrechlichen Tönen folgen zu lassen, ohne dass es unpassend klingt.


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Go!Zilla: vielversprechender Rock aus Florenz

Vier Italiener haben sich 2011 zusammengetan, um als Go!Zilla gemeinsam ihrer Leidenschaft für psychedelischen Garage-Rock nachzugehen.

Die beiden Sänger und Gitarristen von Go!Zilla Luca Landi und Mattia Biagiotti werden ergänzt durch Fabio Ricciolo am Schlagzeug und Niccolò Odori, der den Synthesizer und die Perkussion übernimmt. Seit ihrer Gründung 2011 haben die vier praktisch jede Chance zum Auftreten genutzt, waren auf Tour in Europa und den Vereinigten Staaten und haben den ein oder anderen Record herausgebracht.
Für Ende September ist nun ein neues Album angekündigt. Hört man dessen Titel Modern Jungle’s Prisoners zum ersten Mal, hofft man schon heimlich auf eine eine gesellschaftskritische Richtung und tatsächlich soll die neue Platte ein Konzeptalbum mit klarem Thema werden: psychische Struggles in Großstadtdschungel und Betonwüste. Da hat man schnell expressionistische Gemälde im Kopf. Die vorabveröffentlichte Single „Demons Are Closer“ ist zum überwiegenden Teil instrumental gehalten. Die Band startet mit mächtigen Gitarrenriffs und Schlagzeug, wechselt dann aber in einen weniger beladenen, mysteriösen Part – die perfekte Basis für spärliche Liedzeilen wie „demons are rising in my head all the time“. Immer wieder springt die Band zwischen aufgewühlten Riffs und leisen, sich anpirschenden Tönen hin und her. Diese teils recht abrupten Wechsel passen klar in die bedrohliche Grundstimmung des Songs und sorgen trotz wenig Vocals für Abwechslung.

Fazit: Die Welt braucht gute Konzeptalben und Go!Zilla können sich hören lassen. Mal sehen, wohin die Reise noch geht.

  • So klingt’s: sehr unterschiedlich. Mal gruselig-düster mal peppig und schlagfertig
  • Meilensteine:
    2013 Debut Grabbing A Crocodile
    2015 Sinking In Your Sea
    September 2018 Modern Jungle’s Prisoners
  • Getextet: „Demons are rising in my head all the time“ (Demons Are Closer)
  • Umleitung: https://tideselekta.com/de/promo/24/gozilla

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