Dead Leaf Echo: mysteriöse Stimmung aus New York

Sie sind Meister der gruselig-düsteren Musik. Dead Leaf Echo ist ein Name, den man sich merken sollte.

Hinter Dead Leaf Echo stehen drei Musiker und eine Musikerin aus Brooklyn, die mit Gesang, Gitarren, Bass, Drums und Keyboard die Art Musik zum Besten geben, die man besser mit Stimmungen beschreiben kann als mit Akkordanalysen. Mit Thought & Language ist 2013 die erste LP der Gruppe erschienen und auch mindestens 200 Live-Auftritte haben Dead Leaf Echo schon vorzuweisen.
Noch ziemlich frisch aus der Presse gibt es das zweite Album der Band: Beyond.Desire, ein Musterbeispiel für die experimentelle Färbung ihrer Musik. Mit Effekten, verschwimmenden Klängen, entschleunigter Musik und Rhythmusgerüsten erreichen sie einen vagen, sphärischen Sound, klingen manchmal wie aus weiter Ferne. Die Stimme von Sänger und Gitarrist LG Galleon tut den Rest: Ruhig und unaufdringlich unterstreicht sie den etwas bizarren Klang der Band und erzeugt eine kaum zu durchdringende Atmosphäre.

Fazit: Die Songs von Dead Leaf Echo lassen einen abdriften. Durch den passend eingesetzten Hall und die Backingvocals von Sängerin Ana hat man tatsächlich das Gefühl, einen dreidimensionalen Raum herauszuhören.

The Staves: Folk-Pop, der unter die Haut geht

Drei tolle Stimmen, dezentes Gitarrenzupfen, schöne Harmonien. Die jungen Frauen von The Staves wissen, wie man Atmosphäre einsetzt.

Dass Geschwister in einer musikalischen Familie auch mal gemeinsam musizieren, kommt sicher nicht selten vor. Dass aber drei Schwestern gemeinsam eine Band gründen, Alben produzieren und durchstarten, ist da schon seltener. Emily, Jessica und Camilla Staveley-Taylor haben genau das gemacht.
Durch den dreistimmigen Satz erlangen sie trotz der klaren, makellosen Stimmen eine vielfältige Farbigkeit in ihren Liedern. „Mexico“ ist so ein Titel: schön harmonisch, träumerisch, ein bisschen mystisch. Auch an die Titel von den ganz Großen haben sie sich schon herangewagt. In ihrem Cover von Bruce Springsteens „I’m On Fire“ haben sie die Stimmung schön eingefangen, drücken ihm aber auch ihren eigenen Stempel auf, trauen sich, die Töne mal ein bisschen anzuschleifen, setzen ihre Mehrstimmigkeit gekonnt und nicht zu aufdringlich ein.

Fazit: The Staves ist eine Band für diejenigen, die einfach gern schöne Musik hören. Unaufgeregt aber mit Liebe zum Detail, fragile Sounds aber selbstbewusste Einzelstimmen.

The Big Moon: Lässig an der E-Gitarre

Kein Hardrock zwar, aber doch alles andere als „Softie-Pop“. The Big Moon, das ist ein preisgekröntes britisches Indie-Quartett, das schon mit Ezra Furmann und The Vaccines auf der Bühne stand und bei der BBC zu sehen war.

Sängerin Jules Jackson schreibt schon seit Ewigkeiten Songs. Seit sie in Soph Nathan (Gitarre), Celia Archer (Bass) und Fern Ford (Schlagzeug) die passenden Unterstützerinnen gefunden hat, sind daraus die EP The Road und im vergangenen Jahr schließlich das Debut Love In The 4th Dimension entstanden.
In einem Interview mit dem britischen Musikmagazin DIY erzählt Frontwoman Jackson von der Single „Formidable“, einem Song über die Wichtigkeit, einem vom Schicksal getroffenen Menschen beizustehen. Und wie stellt sie sich die vierte Dimension nun vor? „It’s about 3 miles above the surface of the earth (…) Everything up there is kind of square, and half plasticine, half CGI graphics. It looks weird. If you make a paper aeroplane, and throw it, it goes backwards instead of forward. It’s that kind of place.“1 Aha. Jetzt wissen wir Bescheid.

Fazit: The Big Moon komponieren auf eine frisch unkonventionelle Art und heben sich dadurch von den typischen Poprock-Bands ab. Außerdem haben sie mit Jules Jackson eine Sängerin mit cooler Austrahlung und einer Stimme, die ausdrucksstark und selbstbewusst in angenehm mittlerer Lage zuhause ist.

1 http://diymag.com/2016/11/16/the-big-moon-love-in-the-4th-dimension-announce-interview-formidable (von El Hunt am 16.11.2016, letztes Abrufdatum: 19.2.2018, 20:13)

The Sherlocks: jung und frei

Richtig feiner Indie-Rock wie er inzwischen selten geworden ist, dafür stehen die vier jungen Musiker unter dem eingängigen Bandnamen The Sherlocks.

In klassischer Rockerformation mit Gesang, Lead- und Rhythmusgitarre, Schlagzeug und Bass stehen hier tatsächlich zwei Brüderpaare auf der Bühne. Seitdem sich die Briten zusammengetan haben, sind mehrere EPs und im vergangenen Sommer schließlich ein Debutalbum entstanden. Außerdem finden sich Auftritte bei verschiedenen Shows von BBC Radio und dem Reading and Leeds Festival in ihrem Lebenslauf.
Typisch für The Sherlocks sind treibende Schlagzeugbeats, coole Riffs auf der Gitarre und selbstbewusster Gesang. Das Gesamtpaket strotzt vor jugendlicher Ausgelassenheit.

Fazit: Die Freude an der Musik sieht man den vier Sherlocks schon an. Was dabei an Tönen heraus kommt, reißt die ZuhörerInnen erst recht mit.

Links: https://www.theguardian.com/music/2017/sep/15/the-sherlocks-review-newcastle-university-live-for-the-moment

Sunrunners: echter Rock mit ein bisschen Elektronik

Indie-Rock, Pop und hier und da ein paar psychedelische Klänge, aber nicht ganz so viel, dass man schon wirre bunte Farben und abgedrehte Muster vor sich sieht. So klingen die Songs von den fünf Sunrunners.

Die in San Francisco beheimatete Band hat bereits 2012 eine EP und ein Album im Jahre 2014 auf den Markt gebracht. 2017 erschienen ist die Single Tokyo. Bei allen Titeln ist ein Faible der Gruppe für Gitarren- und Keyboardeinwürfe im hohen Tonbereich sowie für elektronisch erzeugte Sci-Fi-ähnliche Effekte erkennbar. Ganz fantastisch eingeflochten wird außerdem das Xylophon, das oft kaum merklich auftritt, dann aber enorm die Stimmung beeinflusst. Überhaupt strahlen die Songs von Sunrunners meist eine Art laid-back-Atmosphäre aus, für die neben der Gitarre vor allem die relaxten Rhythmen im Schlagzeug verantwortlich sind.

Fazit: Sunrunners treten durch verträumte Texte, rockige – obwohl manchmal etwas eigenartige – Musik aus der Masse hervor. Sänger und Texter Stephen Loase ergänzt die Konstellation perfekt.

Ich wünsche allen LeserInnen ein frohen und gesundes Jahr 2018!

Links: http://www.sunrunnersband.com/#music
https://www.last.fm/music/Sunrunners

 

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 1, Villagers)

Pünktlich zum ersten Advent schon die Nase voll von Last Christmas? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Los geht’s mit Teil Eins: {Awayland} von Villagers.

Singer-Songwriter Conor O’Brien gründete Villagers 2008 in Irland nachdem sich seine vorherige Band trotz der sie hochlobenden Medien aufgelöst hatte. Unterstützt wird Sänger und Gitarrist O’Brien aktuell von einem Bassisten, einem Keyboarder, einem Schlagzeuger und Flügelhornisten sowie einer Harfinistin. Merkmale von Villagers Musik sind vor allem die etwas melancholischen aber reibungslosen Harmonien, die sehr präsente Akustikgitarre und die unbeschwert anmutende hohe Stimme O’Briens, obwohl die Lyrics meist eher das Gegenteil einer heilen Welt suggerieren. In den Tracks kommt jeder Musiker zum Zug, und doch ist die Musik eher zurückhaltend ruhig.
Insgesamt vier Alben hat die Indie-Folk-Gruppe bis heute veröffentlicht, {Awayland} entstand 2013 und wurde prompt zum Irish Album of the Year gekürt. Auch die anderen Alben wurden mit Auszeichnungen versehen und erhielten mehrheitlich positive Kritiken.

Fazit: {Awayland} von Villagers ist eine Zusammenstellung milder, harmonierender Klänge, die sich sehr schön als Hintergrundmusik eignen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.wearevillagers.com/

William’s Orbit: Gitarrenrock mit Ohrwurmpotential

2012 kamen vier eingeschworene Rockfans in Weiden zusammen und gründeten eine Band mit dem spannenden Namen William’s Orbit. Im Eiltempo ging es über hunderte Konzerte, Tour mit Bluesman Jesper Munk, den ersten Platz beim Newcomer Contest Bayern und eine Crowdfunding-Kampagne fürs erste Album, deren Ziel innerhalb von sagenhaften zwei Tagen erreicht wurde, immer weiter nach oben – bis im März diesen Jahres leider, leider eine Bandpause auf unbestimmte Zeit bekanntgegeben wurde. Ihre Musik lässt sich aber natürlich trotzdem weiter aufdrehen.

Die Songs von William’s Orbit sind gitarrenlastig und gewinnen vor allem durch die raue Stimme des Sängers. Hört man bei der Debüt-EP Eurydice noch eine deutlichere Experimentierfreudigkeit mit hin und wieder sanften Klängen und Akustikgitarren, so merkt man bei Platte Nummer zwei ein selbstbewusstes Angekommensein in der alternativen Rockmusik. Once ist voll von Gitarrenriffs und lauten Akkorden.

Fazit: Dass in nächster Zeit eher keine neuen Aufnahmen von William’s Orbit zu erwarten sind, ist auf alle Fälle schade, schließlich ist die Musik vollgeladen mit griffigen Melodien, tollen Instrumentalparts und einer Stimme mit Wiedererkennungswert.

Links: https://www.br.de/puls/musik/bands/williams-orbit-vorgestellt-102.html
https://www.backstagepro.de/williamsorbit

Assaf Tuvia: Wie auf wogenden Wellen

Sanfter Elektropop, verspielt wehmütige Akkorde, dazu eine halb verträumte und doch irgendwie bodenständige Stimme. Bühne frei für einen Newcomer mit Potential.

Assaf Tuvia ist ohne Frage vielseitig begabt. Nach seiner Ausbildung als Toningenieur in seinem Heimatland Israel kam er vor wenigen Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in Berlin. Der Musiker spielt Gitarre, E-Bass und Synthesizer, er ist Sänger, Komponist, Texter und Produzent. Nachdem er lange in verschiedenen Bands gespielt hat, bringt er nun bald sein erstes Album Sad but Happy in Eigenregie heraus.
Besonders charakteristisch für Tuvias Kompositionen sind wohl die beinahe tranceartigen Gitarrenklänge sowie der schwerwiegende, geruhsame Beat, durch den das Ganze aber erfreulicherweise dennoch nicht getragen wirkt. Seine Musik fühlt sich eher an, als würde in einer eigens erschaffenen Welt die Zeit verlangsamt. So liegt in Songs wie „Three Ways“ eine besondere Energie, die die Hörerschaft entspannen und in die Ferne träumen lässt.

Fazit: Assaf Tuvia experimentiert viel mit Stimmung und Atmosphäre. Seine Tracks laden ein, die Gedanken schweifen zu lassen und sein musikalisches Können scheint mühelos und anmutig. Die Tatsache, dass die Songs vom Künstler selbst produziert und größtenteils auch selbst eingespielt werden, lassen außerdem eine einzigartige Möglichkeit zur Selbstentfaltung zu.

Links: https://www.facebook.com/TUVIA-846662932149641/

Autofahrmusik vom Feinsten

Mitsingen, auf dem Lenkrad trommeln, Rhythmus spüren. Das Album Lunatic von den KONGOS ist genau der richtige Soundtrack für eine Fahrt auf einer freien Autobahn.

Die Band spielt alternativen Rock voller Energie. Die Melodien sind zwar eingängig, aber alles andere als banal, und jedes einzelne Lied ist anders. Dazu kommt noch: Die KONGOS haben neben Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug auch ein Akkordeon als gleichwertiges Instrument in ihre Rockband integriert. Erstaunlicherweise funktioniert das so gut, dass einem dieser Umstand nach kurzer Zeit gar nicht weiter auffält, der Klang der Band dadurch aber umso mehr Wiedererkennungswert erlangt.
Gegründet wurde die Band 2007 von den Brüdern Daniel, Dylan, Jesse und Johnny Kongos in Südafrika. Die Einflüsse des dort populären Kwaito – eines afrikanischen Genres in der Nähe des House – sind bei manchen Liedern zu erahnen. Inzwischen spielen die KONGOS vor allem in den USA, sind aber hin und wieder auch in anderen Teilen der Welt unterwegs.

Fazit: Die KONGOS machen mit ihren Titeln eine gute Mischung und haben einen unverwechselbaren Sound.

Links: http://www.kongos.com/about/

Hippies mit Charisma

Mit einem Instrumentenpool aus Flügelhorn, Gitarre, Saxophon, Schlagzeug, Klarinette, Cello, Klavier, Sousaphon, Bass und Gesang lässt sich so einiges anstellen. Erst recht wenn jeder Musiker neben einem herausragenden Talent auch noch eine unglaubliche Freude am Leben, Lachen und Musizieren mitbringt.

2013 hat sich in den Niederlanden um Sänger und Flügelhornist Paul Istance das internationale Musikerkollektiv The Magic Mumble Jumble gebildet und wächst seitdem stetig weiter. Verschrieben haben sich die Künstler dem Hippiedasein. Ihre Botschaften wie „Home is where my heart is, and my heart is among my friends“, „Please take off your shoes before you step into my mind“ oder „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ tragen sie durch ihre Lieder auf Touren und Festivals in die Welt und sorgen auf ihren Konzerten für eine ganz besondere Verbindung zum Publikum.
Mit einer Mischung aus Folk, Pop und Jazz, markantem Gesang und immer wieder auch Instrumentalsoli bieten die jungen Frauen und Männer ein sehr abwechslungsreiches Programm.

Fazit: The Magic Mumble Jumble stehen für gute Laune und Lebensfreude pur. Das Zuhören macht Spaß, die Texte werden durch eingeworfene „Heys“ und andere Silben noch überschwänglicher und die sympathischen Musiker beherrschen ihre Instrumente.

  • Meisterwerk: „Brightest Colour Blue“
  • So klingt’s: bunte Mischung! Elemente aus dem New Orleans Jazz, Mehrstimmigkeit, Takt- und Tempowechsel, ausgelassene Stimmung
  • Getextet: „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ (Mr Scientist)
    „Please take off your shoes before you step into my mind“ (Change)
  • Umleitung: http://themagicmumblejumble.com/
    http://www.milla-club.de/the-magic-mumble-jumble/