vega vi: Electronic-Traumwelt

vega vi ist das Soloprojekt einer deutsch-dänischen Newcomer-Künstlerin, die inzwischen in Berlin lebt und ist hier hobbymäßig auch als DJ unterwegs. Recht frisch hat sie ihre erste EP Love Letter veröffentlicht.

Wer bei Love Letter allerdings eine weichgespülte Pop-Platte erwartet, täuscht sich. Die erste EP der Musikerin ist ein musikalisches Statement. Als stetige Konstante leitet uns vega vis Stimme durch die verwaschenen Fahrwasser der sechs Songs. Die Beats dazu sind originell, der Sound ist mal düster, mal melancholisch und voller sphärischer Ideen, auch eine schlichte Klavierbegleitung kommt mal zum Zug – oder wie die Künstlerin ihre Musik selbst beschreibt: „Kings of Convenience go Woodstock underwater on dark acid.

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Frederik: zwischen hymnischer Euphorie und Melancholie

Seit 2018 bereichert das Projekt Frederik die Schweizer Indie-Szene und sticht durch komplexe Texte, einen lebendigen Einsatz von diversen stilistischen Einflüssen und vielseitige Emotionen hervor.

Nach ihrer Debüt-EP Tears (you know) folgt drei Jahre später die erste LP Portraits, die von Gründer Rolf Laureijs gemeinsam mit Laurin Huber (Drums) und Christoph Barmettler (Gitarre) eingespielt wurde. Auf der Bühne werden die drei von Bassistin Marie Popall und Caroline Schöbi an den Synthies zu einer vollen Bandbesetzung ergänzt. Portraits repräsentiert das Selbstverständnis des losen Kollektivs, denn die experimentellen Ansätze zwischen Pop- und Rockmusik klingen ebenso durch, wie auch jeder der acht Songs der Platte ein narratives Eigenleben entwickelt. Jedes Lied ist ein Portrait; das Album eine Abfolge davon. Und so schwankt der Sound textlich und instrumentell zwischen den Genres, immer getränkt in warmer Nostalgie und einem diffusen Gefühl des Verlorenseins. Die tiefe, monotone Stimme Laureijs‘ begleitet im Stil Lou Reeds das gediegene Gitarrenklimpern in ruhigeren Kompositionen wie „1999“ und unterfüttert in energetischen Songs wie „In the Fields“ die Synthesizer mit Rhythmus. Dabei verliert das knallgelbe Album nie an Spannung, obwohl sich die Platte dem Hörer erst geduldig offenbart.

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Masha The Rich Man: Folk-Pop-Melancholie

Maria „Mascha“ Raykhman führt schon früh ein bewegtes Leben. Als Vierjährige kommt sie 1999 mit ihrer Familie als jüdischer Kontingentflüchtling aus der Ukraine nach Deutschland. Nach ihrer Zeit in einer Unterkunft im Schwarzwald und mehreren Umzügen geht sie in München zur Schule und singt in einer Musical-Gruppe. Es folgt ein Auftritt bei der KiKa-Sendung Dein Song, später ein Studium an der Popakademie Mannheim, der German Songwriting Award und Arbeit als Synchronsprecherin. Inzwischen singt sie als Masha The Rich Man ihre eigenen Songs.

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Sinu: akustische Traumwelten

Das deutsch-türkische Indie-Pop-Duo Sinu erschafft mit klirrenden Gitarren und modernen Beats gesellschaftskritische Poesie.

Das neueste Produkt von Sinan Köylüs und Tim Zeimets vierjähriger Evolution als Duo ist die Single „Salzwasser“. Das Musikvideo landete direkt in den deutschen Youtube-Trends, Regie führte Content-Creatorin Annikazion. Auf Salzwasser könne man leichter schwimmen, wispert Köylü zur leisen Akustikgitarre und lässt das Bild einer unbeschwerten Sommerliebe entstehen. Dieses Bild kippt, als wir im Refrain mit türkischen Lyrics überrascht werden: Plötzlich ist von Tränen im Wasser die Rede – völlig glücklich scheint die Beziehung also nicht zu sein. Dieses ambivalente Spiel ist charakteristisch für das Duo. Hatte man gerade noch das Gefühl, einen Song zu kennen, muss man sich im nächsten Moment neu fallen lassen.
Der Stil ihrer Vorbilder Bon Iver, Milky Chance und Ry X schwingt klar mit in den Songs der Band. Doch Sinu entwickeln auch ihren eigenen Sound. Sie wollen aufrütteln, singen über Konsumkritik, Rassismus und auch ein bisschen über Liebe und Herzschmerz. Eine solch sensible Stimme mit derartig liebevoller Experimentierfreude hört man nicht oft in der deutschsprachigen Musikszene.

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The VOO: Alternatives Indie-Rock-Duo aus Hamburg

Dreamrocknroll ist nicht nur der Name des ersten Albums von The VOO, sondern beschreibt auch treffend den Musikstil der Band. 

Die Gründungsmitglieder von The VOO sind der Kontrabassist Andrew Krell und sein Ben Galliers, der für Gesang und Gitarre verantwortlich ist. Das Duo hat sich kurz vor der Pandemie in Hamburg kennengelernt und in ihrem ersten Jahr gleich ein Debüt-Album herausgebracht. Musikalisch ergänzten sich die beiden wunderbar auf spielerische Weise und der Sound ist alles andere als von der Stange. Beim Anhören taucht man ab auf eine Reise, die einen über 50er-Jahre-Surf bis Indie-Rock, von Psychedelic bis Alternative führt.
Seit dem plötzlichen Tod Andrew Krells Anfang des Jahres während der Aufnahmephase für das zweite Album führt Ben Galliers das Projekt nun allein fort und veröffentlicht im Oktober Brother VOO in Gedenken an seinen Band-Partner.

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SEDA: Diese Stimme bleibt im Kopf

somewhere in between heißt das Debüt-Album von SEDA – und der Name hält, was er verspricht: Das Album schwebt zwischen Indie, Pop und Soul und verwebt verschiedene Stimmungen und Ansätze in der Instrumentation.

Seda ist türkisch und heißt in etwa Stimme. Und auch hier ist der Name Programm, denn SEDA singt mit beeindruckender Tonspanne und Ausstrahlung. Die soulige Stimme bewegt sich in angenehmer Tiefe genauso natürlich wie in der Höhe. Unterlegt wird SEDAs Gesang von variabler Instrumentation: Bei „Home“ und „Can’t be bad“ liegt der Fokus etwa auf der Akustikgitarre, bei „Don’t Think I’m Doing Okay“ auf dem Klavier und „Loveable“ geht wieder in eine andere Richtung.

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Nordir: mystischer Indietronic-Sound

E-Drums, Looper, E-Gitarren und Synthesizer kommen zum Einsatz, wenn Viktor Nordir und Lars Maier ihr modernes Klanggeflecht ausklamüsern. Das Ergebnis ihres Duos Nordir ist ein verträumter Mix aus Indiepop, psychedelischen Retro-Einflüssen und einer hypnotischen Stimme.

Die beiden Mitte-dreißig-Jährigen engagieren sich mit ihrer Musik außerdem durch Auftritte auf Festivals gegen Fremdenfeindlichkeit – was ihnen vielleicht auch wegen ihrer eigenen Geschichte am Herzen liegt (Viktor wurde in Sibirien geboren, Lars in Malaysia). Heute werkeln die beiden in Ulm an ihrer Musik und haben dafür nicht nur den Deutschen Rock und Pop Preis abgesahnt, sondern auch schon mit Größen wie Get Well Soon auf einer Bühne gestanden.

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Jacob Fortyhands: Soundtrack für Sommernächte

Ursprünglich war Jacob Fortyhands nur als Projekt-Band geplant – das Ganze scheint dann allerdings doch mehr Spaß gemacht zu haben, sodass die Band nun schon seit mehreren Jahren feinsten Indie-Pop fabriziert.

Jacob Fortyhands besteht aus Sänger Lukas, Schlagzeuger Carsten, Gitarrist Hendrik und Bassist Jakob aus dem beschaulichen Lohne in Niedersachsen. Ihre Debüt-EP A Life On The Chase For Gold erschien 2020.
Jacob Fortyhands klingen nachdenklich und träumerisch. Dabei verlieren sie sich nicht in einer melancholischen Schwere, sondern strahlen auch eine gewisse Grundgelassenheit aus. Die einzelnen Instrumente bekommen viel Raum und die Songs wirken angenehm entschleunigt und doch tanzbar.

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Dandelion: Salzburger Indie-Pop

Ihren Stil verorten Dandelion aus Österreich irgendwo „zwischen Tatendrang und Überforderung“, was den übermütigen, jungen Sound der Truppe wunderbar einfängt.

Frontmann Benedikt Uitz, Gitarrist Vincent Ostertag, Bassist Benedikt Wolfsberger und Drummer Robert Winkler verstehen ihre Band Dandelion als kleines DIY-Kollektiv. Im eigenen Homestudio wird aufgenommen und gemischt, ihr Artwork machen sie selbst und die Musik natürlich sowieso. Die Band hat bisher zwei EPs in petto und plant, im Laufe der nächsten Monate die ein oder andere neue Single aus dem Hut zu zaubern.
Dandelion fühlen sich in ihrer Indie-Pop-Schiene pudelwohl. Sänger Benedikts hohe Stimme trifft auf markante Basslines, verspielte Gitarrenmotive und forderndes Schlagzeug. Die erste der für dieses Jahr geplanten Singles „Pompidou“ zieht nach vorn und ist ein waschechter Gute-Laune-Song.

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