Filiah: Indie-Folk fürs Loslassen, Neuanfangen und alles dazwischen

Manchmal braucht es einen Schritt zurück, bevor es vorwärtsgehen kann. Für die österreichische Sängerin Filiah bedeutete das, ihre Musik und sich selbst nach einer Krise wieder neu zu entdecken. „Ich möchte, dass sich meine Lieder wie ein kleines Zuhause anfühlen. Ein Ort, an dem man sich sicher, verstanden und geborgen fühlt, und sei es nur für einen Moment“, sagt sie selbst über ihre Musik. Ihren Stil beschreibt sie als „Indie-Folk mit einem glitzernden Funkeln von Pop“.

Von einer musikbegeisterten, alleinerziehenden Mutter großgezogen, bringt die Künstlerin, die bürgerlich Nina Schwarott heißt, sich selbst das Gitarrespielen bei und beginnt früh erste Songs zu schreiben. Heute verbindet sie akustische Folk-Elemente mit dezenten Pop-Einflüssen, ohne dabei die Intimität ihrer Songs zu verlieren. Warme Gitarren, atmosphärische Arrangements und einfühlsame Texte bilden das Fundament ihrer Musik.

2022 veröffentlichte sie in Eigenregie ihr erstes Debütalbum For Someone. Rückblickend sagt sie, sie habe damals gar nicht gewusst, wen sie um Hilfe hätte bitten können – und gleichzeitig wollte sie sich selbst beweisen, dass sie alles allein schaffen kann. Also schrieb sie die Songs allein, produzierte das Album selbst und managte nebenbei ihre Karriere.

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Vianne: Zwischen Tagebuchseiten und Großstadtlärm

Wer aus einem kleinen Ort wie Eitelsbach am Rand von Trier nach Berlin zieht, kann schnell auch mal mitten im Chaos landen. Bei Vianne klingt es aber so, als spaziere sie mitten in diesem Chaos gemütlich im Morgengrauen. Die 20-jährige Singer-Songwriterin schreibt Indie-Folk mit sanften Gitarrenklängen, ruhiger Atmosphäre und einer bemerkenswerten Stimme.

Schon früh wurde Musik für Vianne zu einer Möglichkeit, Gedanken und Situationen festzuhalten, die sich nicht so leicht aussprechen lassen. Mit gerade einmal elf Jahren fing sie an, eigene Songs zu schreiben, später brachte sie sich auch das Produzieren selbst bei.

Inhaltlich geht es bei ihr oft um die kleinen Momente im Dazwischen: Unsicherheiten, Veränderungen und das Gefühl, trotz Aufbruchstimmung auch noch irgendwo festzustecken.

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Lyyla: Selbstgespräche werden zu Popsongs

Wer Lyyla hört, landet schnell bei den Fragen, die man sonst oft mit sich allein ausmacht. Die Hamburger Musikerin schreibt Indie-Pop über die Suche nach Nähe und den Umgang mit den eigenen Gedanken. Ihre Texte bewegen sich nah an persönlichen Erfahrungen und geben Emotionen Raum.

Diese Offenheit prägt auch ihr Debütalbum closer kommt nichts ran, das sie größtenteils selbst produziert hat. Auf zwölf Songs beschäftigt sich Lyyla mit Nähe und den Erwartungen, die Menschen an Beziehungen stellen – zu anderen und zu sich selbst.

Musikalisch bewegt sie sich zwischen elektronischem Indie-Pop und reduzierten Arrangements am Klavier. Dadurch entsteht ein Sound, der den Perspektivwechseln ihrer Texte folgt und sowohl große Emotionen als auch kleine Alltagsbeobachtungen tragen kann.

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Ydegirl: Pop, Barock und deepe Texte

Nordischer Barock trifft auf R&B, Pop, Folk – und eine Moorleiche. Die Musikerin Ydegirl verbindet historische Klänge mit modernen Einflüssen und erschafft so eine verträumte, fast mystische Klangwelt.

Die dänische Sängerin, Songwriterin und Produzentin, die mit bürgerlichem Namen Andrea Novel heißt, hat ihren Künstlernamen von dem sogenannten „Mädchen von Yde“ übernommen – ein junges Mädchen, dessen Körper 1897 in einem Moor in den Niederlanden gefunden wurde. Vom Moor konserviert blieb ihr Körper über Jahrtausende erhalten.

In einem Interview sagte sie, dass sie sich mit dem Mädchen von Yde identifizieren kann, weil sie das Gefühl habe, ihr Körper sei in der Vergangenheit gefangen. Die Symbolik des Moors, ein Ort, an dem Vergangenes konserviert wird, spiegelt sich auch in den zentralen Themen ihrer Musik wider.

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Das war das Kimiko-Festival 2026: Tausende Fans in Feierstimmung treffen auf neue Ohrwürmer und alte Bekannte

Aus dem Aachener Sommer ist das Kimiko inzwischen gar nicht mehr wegzudenken: Seit 2018 verwandelt die Festival-Crew den RWTH-Campus in eine Feierzone samt wissenschaftlichem Rahmenprogramm. „Celebrating the culture of tomorrow“ hat man sich als ambitioniertes Motto ausgesucht – wir waren am Start und haben euch paar Highlights rausgepickt.

Mit großen Namen wird beim Kimiko – Isle of Campus Festival natürlich nicht gespart: Mit dabei waren Acts wie OG Keemo, PA69, Raum27 und die Sportfreunde Stiller. Vor allem brachte das Festival aber auch zahlreiche spannende Newcomer auf den Campus. Drei Tage lang konnten täglich bis zu 6000 Besucher:innen unterschiedlichste Musikrichtungen entdecken und gemeinsam tanzen und feiern. Zwischen Konzerten, Streuselbrötchen und Getränken boten zudem zahlreiche Stände aus Wissenschaft, Politik und sozialen Projekten Raum für Austausch und neue Eindrücke.

Gerade abseits der größten Namen zeigte sich, wie viel musikalische Vielfalt das Kimiko zu bieten hat. Einige dieser Auftritte sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Yara

Die Indie-Rock-Band Yara bringt gefühlvolle, deutschsprachige Musik aus dem Raum Heidelberg-Mannheim auf die Bühne. Sänger Jakob Halamoda steht dabei gemeinsam mit Lisa, Jacque und Gio für einen Sound, der zwischen Melancholie und mitreißender Energie pendelt.

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To Athena: Ihre Magie war nie weg

„Have I Lost My Magic?”, fragt sich To Athena in ihrem letzten Album. Die Antwort darauf ist einfach, denn beim Hören der Tracks wird man tatsächlich auf magische Weise in den Bann gezogen.

Hinter To Athena stecken die 30-jährige Tiffany Limacher aus der Schweiz und ihr neunköpfiges Poporchester aus Streichern und Harfe. Ihre Kammerpopsongs singt sie auf Schweizerdeutsch und Englisch.

Ihr bekanntester Song, „Angscht“, berührt durch einen ergreifenden Text, den Tiffany Limacher mit ihrer klaren Stimme singt. Während sich Künstler*innen mit österreichischem Dialekt in Deutschland schon etabliert haben, transportiert die Schweizerin mit ihrer Musik einen neuen Vibe.

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MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Gefühle zeigen – geht das überhaupt noch in 2026? MAIIJA antwortet auf diese Frage mit einem ganz klaren Ja! In ihren Songs dürfen Wehmut und Schwere genauso sein wie Geborgenheit und Leichtigkeit. Und anders als andere driftet sie dabei nicht in Kitsch ab.

Marilies Jagsch ist schon seit über zehn Jahren musikalisch in Wien unterwegs; bereits in ihren ersten Songs sticht vor allem ihr gefühlvoller Gesang hervor. Wenn man ihre Stimme hört, hat man das Gefühl, etwas ganz Empfindlichem, vielleicht sogar Zerbrechlichem zuzuhören. Dabei sind ihre Songs genauso wie ihre Ausstrahlung alles andere als schwach.

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ORA BLU: Blaue Stunde in Songform

Manche Bands klingen, als hätten sie einen ganz eigenen Ort geschaffen, irgendwo zwischen dem letzten Licht des Tages und dem ersten Dunkel der Nacht. Einen Ort, an dem man kurz innehalten kann, bevor alles weiterläuft. ORA BLU aus Berlin sind so eine Band.

Seit ihrer Gründung 2016 haben Henrik (Schlagzeug/Produktion), Marlene (Gesang/Bass) und Kai (Gesang/Gitarre) einen Sound entwickelt, der sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt, und das ist eindeutig Absicht. Funky Basslines, sphärische Gitarren, Vocals, die sich ineinander verschlingen: Wer ORA BLU hört, denkt vielleicht an Khruangbin oder Men I Trust, spürt aber schnell, dass da noch etwas anderes mitschwingt. Etwas Eigenes. Ihr Name ist Programm: Die „blaue Stunde“ ist dieser flüchtige Moment bei Sonnenauf- oder -untergang, in dem die Welt kurz so wirkt, als würde sie den Atem anhalten.

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Mega City Four rettete mein Teenager-Ich

1989 steckte mein Teenager-Ich in der Klemme. Gefangen in der dörflichen Provinz, mit Erziehungsberechtigten, die sich nicht die Mühe machten, mich zu verstehen, ahnte ich bereits, dass jenseits von Schützenfest und Fußballverein mehr als das existierte. Aber wo hielt sie sich versteckt, die Subkultur?

Wirst du für das, was du bist, nicht akzeptiert, bleibt dir Resignation oder Rebellion. Ich entschied mich für Letzteres. Meine Freunde hörten Metal. Ich schaute mir gern die Plattencover an, aber die Musik?

The Cure und Bauhaus waren toll, aber von gestern. Bowie und Prince hörte jeder. Ich suchte nach meinem Soundtrack, der sich anfühlte wie ein Geheimnis. Ich suchte Musik, die nur mir gehörte – und fand sie in Mega City Four.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Im Tele-5-Musikformat Offbeat berichtete die bezaubernde Susanne Reimann von vier jungen Briten, die ihr Debüt Tranzophobia betitelten, weil sie auf unendlicher Tour in der Enge ihres Ford Transit durchgedreht waren. Ein kurzes Interview, ein Einspieler des Songs “Occupation”, schon war alles klar. Ich war nicht mehr allein.

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