Socha Beag: Alternative aus Frankfurt

Obwohl der Sound von Socha Beag recht eigen ist, hat man ihn schnell im Ohr. Grund dafür ist unter anderem eine ganz besondere Stimme.

Nachdem Socha (Gesang) und Wolle (Gitarre) 2014 den Grundstein für die Band legten, schlossen sich vor zwei Jahren schließlich Schlagzeuger Jens und Bassist Marc an. Frisch gibt es von den vieren gerade ein neues Album zu hören. Dessen Titel The Time of Unrest gibt auch schon einen Hinweis auf die Stimmung der Musik.
Auch wenn man Socha Beag bei ihrem eigenwilligen Sound nicht einfach als Rockband abstempeln kann, macht sich das eingespielte Team einer Band mit klassischer Rock-Instrumentation schnell bemerkbar. Gitarre, Bass und Schlagzeug wissen Spannung aufzubauen und sorgen fürs Setting, zwischendurch wird ein Solo eingestreut. Besonders charakteristisch für Socha Beag ist allerdings der ausdrucksstarke Gesang von Frontfrau Socha, die einen mit einer tiefen, rauen Stimme in ihren Bann zieht.

Fazit: Während man es bei anderen Bands vielleicht kritisch beäugen würde, ist es bei Socha Beag kein Problem, wenn ein Song mal die Sieben-Minuten-Marke knackt. Eine tolle Band, Texte mit Message und eine faszinierende Stimme machen die Musik zu einem spannenden Gesamtpaket.

Mika Jones: niederländischer Straßenkünstler

Auch ohne die großen Bühnen hat sich der Straßenmusiker Mika Jones ganz der Musik verschrieben. In seinen Worten: „I can’t exist without music… Yes, I am that passionate.“

Der Sänger und Produzent Mika Jones aus Leiden in den Niederlanden hat sich seine Fanbase vor allem mit Straßenmusik erspielt – inzwischen kann man aber auch Aufnahmen lauschen: Sein Album Different mit zwölf Tracks ist im vergangenen Jahr erschienen.
Die Songs von Mika Jones werden besonders von seiner gezupften Akustikgitarre ausgemacht. Klavier, E-Gitarre oder vorsichtige Beats ergänzen die Musik, wenn ein Song mal eine Portion Rock vertragen kann und auch den ein oder anderen Electro-Einfluss gibt es zu hören. Je nach Lied und Stimmung singt der Singer-Songwriter dazu kräftig und entschlossen oder auch mal mit zarter Kopfstimme.

Fazit: Mika Jones bietet den Soundtrack zum Abschweifen und Träumen. Seine Songs haben etwas Bodenständiges, das sicher auch von den Erfahrungen als Straßenmusiker herrührt.

Punch Drunk Poets: Poesie mal anders

Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poets beweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.

Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen.
Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.

Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Urban Project: Aachener Sound-Labor

Mit simplen Pop-Strukturen gibt sich beim Urban Project aus Aachen keiner zufrieden. Hier wird ausprobiert und an Klängen gewerkelt – die ein oder andere Dissonanz und eingebaute Stimmungswechsel bringen extra Pepp in die Songs.

Die Basis der Band bilden Gitarrist Urban Elsässer und die Sängerin, Komponistin und Texterin Yen Hwei Bella Anetzberger. Zu diesem Grundstock gesellten sich seit 2015 bereits verschiedene weitere Musiker, bis sich inzwischen eine feste vierköpfige Besetzung mit Bassist und Schlagzeuger eingependelt hat. Zwei Platten hat die Band schon auf Vorrat, die dritte ist in der Mache.
Beim Urban Project geht es rockig zu, die Tracks der Band sind nicht aber unbedingt Songs, die leicht ins Ohr gehen. Urban Project spielen mit dem Ungewohnten, kombinieren melodische Phrasen mit Brüchen. So entsteht eine besondere Spannung und die Musik bekommt eine eigene Note. Auch musikalisch wissen die vier fraglos, was sie machen.

Fazit: Für das Urban Project ist Langeweile ein Fremdwort. In ihrer Musik passiert ständig etwas und auch Genregrenzen legen die vier neu aus.

Emerson Prime: einmaliger Sound

Die Band Emerson Prime aus Hannover haben sich von Anfang an ihren eigenen Sound erspielt. Im Moment haben sie auch die ein oder andere neue Single im Gepäck.

Sängerin Erika Emerson ist die Tochter eines englischen Gesangsprofessors und einer schottischen Jazzdozentin. Ihr Kollegen bei Emerson Prime: Simon Lorenz (Bass), Joschka Merhof (Keyboard), Jan Beyer (Gitarre) und Tobias Lammers (Drums). 2015 trafen die fünf das erste Mal am Popinstitut in Hannover im Proberaum aufeinander. Eine EP, ein Album und drei Deutschlandtouren später wirken die Musikerinnen und Musiker, als hätten sie schon immer zusammen gespielt.
Emerson Prime lassen es krachen: Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und Wechsel und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation. Die Melodien sind alles andere als eintönig, musikalisch hat das Ganze Intensität, das Zuhören macht Spaß.

Fazit: So etwas wie Emerson Prime hört man so schnell wahrscheinlich kein zweites Mal. Die Band klingt eigen und charakterstark, in ihren kreativ-spannenden Melodien sprüht das Quintett vor Energie.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Baby It’s Fine
    • 2018 Debut Wonderseed
  • Umleitung:

Mykket Morton: Soundmix auf eigene Faust

Kassel, 2016, Kleinstadtromantik und mittendrin vier Jungs mit Cello, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das ist die Geschichte von Mykket Morton. Schon der schwedisch-englisch-deutsche Name („mycket-mor(e)-ton“ = sehr viel mehr Ton) lässt auf einen besonderen Soundmix schließen. Der möchte sich genremäßig in keine Schublade stecken lassen und lieber irgendwo zwischen Indie, Folk, Ska und Swing ein eigenes Ding machen.

Vor vier Jahren nahmen Claudio, Philipp, Julian und Marc ihr Debütalbum New World auf und gründeten für die Veröffentlichung kurzerhand das Label Viel Mehr Ton. Als „work in progress“ beschreiben sie ihre Musik: unperfekt, unpoliert, ehrlich, authentisch. Die stürmisch-wechselhafte Klangfarbe nimmt man den Jungs ab – auch mit Chorbegleitung beim Gig in der Waldorfschule.
Was als Projekt zweier Kindergartenfreunde begann, ist längst zu größeren Narrativen geworden. Die selbstgeschriebenen Texte erzählen vom Lieben, Scheitern und von Erfahrungen, in denen man auch immer wieder sich selbst finden kann. Das passiert manchmal rockig, manchmal traurig, aber immer tanzbar. Mykket Morton schaffen es, diese Geschichten auch audiovisuell künstlerisch zu verarbeiten. Der Clip zu „Stranger“ zieht den Betrachtenden etwa auf melancholisch-beschwingte Weise in ein kleines Nussschalenboot umgeben vom Wellengang. Wechsel in der Rhythmik bauen zusammen mit dem Fokus auf Gesang, Gitarre und Percussion eine Spannung auf, die unbeschwert daherkommt. In verschiedenen Tracks stellen die vier zugleich unter Beweis, wie gut sich Mehrstimmigkeit anhören kann. Die facettenreichen Klänge harmonieren und erzeugen Energie, Tiefe und Komplexität.

Fazit: Wer wissen will, wie sich Spontanität und Lebensfreude in Tönen anhört, der ist bei Mykket Morton mit ihrem neuen Lied „Where I Go“ an der richtigen Adresse. Sehr sympathisch auch Philipps Bericht, den er mit Nutellabrot im Mund abgibt: „Wir haben einen neuen Song gemacht, der war eigentlich schon ganz geil. Und dann haben wir den dann doch komplett umgeschmissen. Und jetzt ist er noch geiler. Und haben dann gestern wirklich sehr, sehr spät mal hemmungslos zu diesem Song getanzt. Wir mussten einfach mal tanzen.“ Der Platz außerhalb der Schubladen – so mühselig er manchmal ist, Spaß machen muss er auf jeden Fall.

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Miss Pirate: Bedroom-Pop zum Relaxen

Miss Pirate aus Karlsruhe ist noch ganz frisch in der Musikszene. Mitte März hat sie ihre erste Single veröffentlicht.

Die Künstlerin Miss Pirate schreibt und produziert ihre Musik in Eigenregie. Auch wenn die Musikerin auf der Bühne steht, reicht ihr eine Gitarre und ihre Stimme. In ihren Texten traut sich Miss Pirate auch an die schwierigen Themen, singt zum Beispiel über psychische Erkrankungen.
Auf der Basis von elektronischen Beats baut sich die Musik vorsichtig auf. Ihre Melodien ergänzt Miss Pirate streckenweise mit zarter Mehrstimmigkeit. Leicht melancholisch, aber doch entfernt von echter Traurigkeit bekommt ihre Musik einen eigenen Charakter.

Fazit: Ohne gewollt nachdrücklich zu singen, erzeugt Miss Pirate eine besondere Atmosphäre. Ihre Melodien sind angenehm und leicht zu hören, obwohl sie sich in ihren Texten durchaus nicht nur mit leichter Kost auseinandersetzt.

Wodu: jazziger Indie mit Großstadt-Flair

Bei der Musik von Wodu wird man schnell hellhörig. Eine tolle Band mit einer tollen Sängerin an der Spitze jazzt und groovt sich durch Berlin und den Rest der Republik.

Hinter dem Namen Wodu verbergen sich Sängerin Natalie, Bassist Gabriel, Gitarrist Rizzi, Hendrik an den Drums und Hannah am Cello. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 haben die fünf einiges an Banderfahrung gesammelt: Zwei EPs sind entstanden, live waren sie neben Konzerten in ihrer Homebase Berlin auf verschiedenen deutschen Festivals zu sehen und auch europaweit waren sie schon auf Tour. Am 5. März veröffentlichen sie ihr erstes Album Wo sind wir denn? und feiern die Release gleich noch mit einem abendlichen Konzert in der Berliner Junction Bar.
Die Mitglieder von Wodu sind jeder für sich bemerkenswerte junge Musikerinnen und Musiker. Stimmlich überzeugt Sängerin Natalie mit viel Volumen und Power, die Gitarre stellt eine funkige Basis bereit, der Schlagzeuger fängt Atmosphäre ein und sorgt gemeinsam mit dem Bassisten für stabilen Drive. Besonders das Cello ist eine tolle Ergänzung der Jazz-Besetzung und bietet mit schönem Streich-Hintergrund einen entspannenden Gegenpol zu den kräftigen Sounds der Bandkollegen. Zwischendurch lässt sich die Combo außerdem von Bläsern Akzente setzen und in instrumentalen Phasen ohne Gesang kommen alle Instrumente zum Zug.

Fazit: Wo sind wir denn? ist eine absolute Empfehlung. Softer Jazz, funkige Akkorde, etwas junger Indie-Spirit – alles aber sehr eingängig, abwechslungsreich und alles andere als jazz-typisch verkopft.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Wodu
    • 2020 Debut-Album Wo sind wir denn? (VÖ 5.3.)
  • Umleitung:

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Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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Fullax: Indie-Pop auf eigene Faust

Fullax – so nennt man in Nordhessen einen Faulpelz. Auch wenn eine gewisse Gemütlichkeit herauszuhören ist, sind die zwei Musiker aus Kassel im Gegensatz zu ihrem Namen aber ziemlich aktiv.

„Do It Yourself“ ist das Motto von Julian Giese an Gitarre, Synthesizer und Gesang und seinem Bandkollegen und Drummer Jonas Hoppe. Im eigenen Studio wird aufgenommen, auch produziert und gemischt werden ihre Songs in Eigenregie. 2017 gab es eine erste EP, neulich haben die zwei mit einem einzelnen Song mal wieder von sich hören lassen.
Fullax machen ihre Musik auf sympathische Weise frei nach Schnauze. Da treffen deutsche Texte auf rhythmische Pop-Melodien, lässiger Indie-Vibe und gerade in den Videos auch Retro-Anklänge auf einen modernen Stil. Funkig abgerissene Gitarren-Chords machen den Weg frei für verträumte Synthies und ein bisschen episches Lebensgefühl darf auch mal sein.

Fazit: Mit Fullax kommt frischer Wind ins Haus: mit gutem Gespür für Sounds und Drive machen die beiden Indie-Pop im Elektro-Gewand.

Mit diesem Beitrag startet die Umfrageserie „Wie wünscht ihr euch Musik unterm Radar?“ Wir versuchen euch eine möglichst große inhaltliche und musikalische Bandbreite zu bieten und möchten deshalb gern wissen, was euch am meisten anspricht. Um eure Interessen besser einschätzen zu können und um herauszufinden, was bei uns vielleicht noch unterrepräsentiert ist, würden wir von euch gern wissen, welche Genres ihr am liebsten hört. Ihr könnt maximal sieben Antworten geben. Vielen Dank für euer Feedback!
(Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)