Es gibt da diese neue Art von „Kunst“, an der man bald vielleicht kaum mehr vorbei kommt. Die Künstliche Intelligenz ist drauf und dran die Musikszene ganz schön umzukrempeln. Täglich werden tausende neue KI-Songs auf den Streamingplattformen hochgeladen. Auswirkungen sind bereits jetzt zu spüren und die Sorge ist: Jeder neue künstliche Song könnte die wirtschaftliche Grundlage realer Künstler bedrohen, die angesichts der Masse an generierten Tracks schlichtweg im Algorithmus untergehen.
Wem das alles gar kein gutes Gefühl bereitet und wer sich für das echte musikalische Handwerk begeistert, der ist bei Anna Katarina bestens aufgehoben, die sich mit Akustik-Indie und menschlicher Wärme dem Trend entgegenstellt.
In Interviews betont die kanadische Künstlerin etwas, das im Gegensatz zur generierten Musik steht: Für sie zählt, in ihren Songs die Realität festzuhalten. Kleine Patzer gehören dazu, denn das Produkt ist Musik, die von Menschen gemacht wurde. Und die sind schließlich auch nicht perfekt.
So authentisch und menschlich wie ihre Einstellung ist auch Anna Katarinas Sound. Während ihre neuesten Songs auf meinen In-Ear-Kopfhörern laufen, habe ich das Gefühl, live im Studio mit dabei zu sein. Nichts klingt hier künstlich. Akustikinstrumente erzeugen einen reinen, warmen Sound, in dem man sich einfach wohlfühlen muss. Da erklingen immer gleich mehrere Gitarren – oft lässt sich schwer sagen, wie viele es wirklich sind.
Schicht für Schicht legen sich Anna Katarinas Vocals über diesen erstklassigen Sound. Gemeinsam mit Bass und Schlagzeug verschmilzt alles zu einem großartigen Indie-Pop-Rock.
Ihre Texte erzählen vielfältige Geschichten: Häufig handeln sie von schwierigen Lebensphasen, in denen sich Liebe und Schmerz miteinander verweben. Songs wie „29 Problems“ oder „Riptide“ beschreiben zwar immer auch schöne Seiten der Liebe, jedoch immer vor dem Hintergrund einer kniffligen Lebenssituation. Das ist es, was Anna Katarinas Songs am Ende besonders macht. Nicht nur ihr musikalischer Stil wirkt menschlich und handgemacht, auch ihre Texte sind direkt aus dem Leben gegriffen. Man spürt, dass diese Songs von einem Menschen stammen, der etwas erlebt hat – und uns hier an etwas ganz Persönlichem teilhaben lässt.
Fazit: Für mich wäre der schlimmste Verlust für jede Form der Musik, wenn sie ihren menschlichen Urheber verliert. Ich brauche keine KI, die mir Binsenweisheiten oder austauschbare Melodien in generierten Songs auftischen möchte, sondern echte, menschengemachte Sounds und Lyrics. Oder, um es mit den Worten von Anna Katarinas Text zu sagen: Feels good to be human.
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