Noam Bar: Soulmix mit Power

Die Musik von Noam Bar bleibt nach dem ersten Hören im Gedächtnis. Kein Wunder, bei dieser Palette an Rhythmus und Ausstrahlung.

Benannt ist die Band nach Frontfrau Noam Bar. Die Sängerin und Gitarristin aus Israel hat es mit Stopps in Miami und Madrid nach Hannover verschlagen. Ein Glück, muss man sagen, denn dort scheinen schon vier weitere Musik-Profis nur auf sie gewartet zu haben. Seit 2018 ist die Sängerin nun also gemeinsam mit Tobias Reckfort an den Drums, Bassist Nic Knoll, David Gerlach am Klavier und Laurenz Wenk am Saxophon unterwegs.
Neben der bemerkenswerten Stimme der Sängerin schimmern bei Noam Bar verschiedenste musikalische Einflüsse durch, R&B und Soul treffen auf Hip-Hop und jazzigen Flair. Die fünfköpfige Band sorgt zuverlässig für packenden Rhythmus, stabilen Drive und hin und wieder bluesige Call-and-Response-Einlagen. Dazu gibt es englische Texte über menschliche Schwächen, Ex-Freunde und Kämpfergeist – von Noam Bar schlicht zusammengefasst als „angry woman music“.

Fazit: Noam Bar machen ordentlich Dampf. Die Songs sind dynamisch und reißen mit. Allen voran geht die fantastische Stimme der Sängerin.

Busty and the Bass: bunte Klangfarben aus Kanada

Busty and the Bass fühlen sich im Jazz, Funk und Soul zuhause. Mit einem Gefühl für Stimmung bringen sie ihre Genres sanft auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach ihrem Start als Campus-Party-Band aus Montreal haben sich die acht Mitglieder von Busty and the Bass auf größere Bühnen und Festivals getraut. Auch mehrere Studio-Aufnahmen sind seitdem entstanden – das aktuelle Album Eddie ist im Sommer herausgekommen.
Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik. Das Sahnehäubchen ist die gefühlvolle Bläsersection, die die Songs mit ihren Fills unterstreicht.

Fazit: Busty and the Bass haben ein gutes Händchen was ihren Stil angeht. Schnell wippt der Fuß im Takt und die Musiker schwingen musikalisch wunderbar auf einer Wellenlänge.

Maura & Fred Red: musikalischer Herbsteinbruch

Seit einem Jahr haben sie sich zurückgehalten, nun wollen sie wieder starten: Das Duo aus Maura und Fred Red meldet sich mit einer neuen Single und einem besonderen Gast zurück.

Nachdem das gemeinsame Projekt zwischenzeitlich auf Eis lag, da Sängerin Maura mit ihrer Band in Israel auf Tour war und Fred Red mal eben einen Produzenten-Wettbewerb gewinnen musste, lassen die beiden nun wieder von sich hören. Auf die erste neue Single „Lovelottery“ soll wohl in absehbarer Zeit auch ein Album folgen. Mit von der Partie ist außerdem der junge Multiinstrumentalist und Jazzförderpreisträger Malik Diao.
Mauras und Fred Reds Ideen zeigen sich in einem stimmungsvollen Gesamtpaket. Mauras voluminöse, tiefgängige Stimme leitet gefühlvoll durch die jazzige Musik. In „Lovelottery“ steuert Malik Diao neben Klavier und Kontrabass auch etwas Querflöte bei, was dem Song noch einmal eine besondere, sphärische Ebene verleiht.

Fazit: Die Kompositionen von Maura und Fred Red haben eine spannend schwebende Tiefe. Statt allzu verkomplizierter Jazz-Gedanken kommt die Musik trotz Melancholie mit einer gewissen Leichtigkeit um die Ecke.

B3: Berliner Fusion-Experten

Der Fusion-Jazz von B3 macht Laune, steuert auch mal in die rockige Ecke – und lässt einen staunen.

Die Köpfe hinter dem kryptischen Bandnamen B3 heißen Ron Spielman (Gesang, Gitarre), Andreas Hommelsheim (Hammond-Orgel, Keyboard, Klavier), Gérard Batrya (Bass) und Lutz Halfter (Schlagzeug). Pianist Hommelsheim hatte als Komponist und Produzent auch bei Stars wie Nina Hagen, Jan Delay oder Max Raabe schon seine Finger mit im Spiel. Seit 2014 hat er mit seinen Kollegen von B3 drei Alben herausgebracht, kürzlich haben sie mit ihren neuen Singles „Fake News“ und „So Tired“ wieder von sich hören lassen.
B3 haben Ahnung von ihrem Genre. Bei den Songs groovt man unwillkürlich mit und die Virtuosität der Musiker hat eine beneidenswerte Coolness. Die Band versteht sich auf markante musikalische Themen und die jazzigen Soli verleihen den Tracks auch mal einen ausgelassenen Jam-Charakter.

Fazit: Bei B3 sind vier Profis am Werk, die noch dazu sichtlich Spaß an ihrer Musik haben.

  • Meilensteine:
    • 2014 Debut Back To My Roots
    • 2015 Memories in Melodies
    • 2017 Get up! Live at the A-Trane
  • Umleitung:

ClariNoir im Interview: „Sobald ich auf der Bühne bin, legt sich die Aufregung“

Sie sind sehr jung und schon absolute Profis: Die beiden Brüder Ivo und Ilja Ruf (*1999 und *2001) sind gemeinsam mit Nikolai Gast (*1999) als Trio ClariNoir bei Konzerten wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival zu sehen, gewannen den Bundeswettbewerb von Jugend Musiziert mit Höchstpunktzahl, sie sind Stipendiaten und Preisträger verschiedener Organisationen. Auf Initiative ihrer Väter hin sind die drei zu einem preisgekrönten Trio zusammengewachsen und ganz nebenbei auch zu Freunden geworden.

© Jan Baruschke

Musik unterm Radar: Euer Trio ClariNoir gibt es seit 2013. Wie alt wart ihr zu dem Zeitpunkt? Und war die Gründung eure eigene Idee?

Ivo: Ich glaube, Nikolai und ich waren 13 und Ilja wahrscheinlich 12.
Nikolai: Ursprünglich ging es über unsere Väter, die Kollegen an der Hochschule (Musikhochschule Lübeck, Anm. d. Red.) sind. Ivos und Iljas Vater ist Professor für Popularmusik, meiner Orgelprofessor. Dann haben wir quasi als Testlauf, ob wir uns verstehen, abends in der Kirche eine kleine Canzona gespielt. So haben wir zueinander gefunden. Dann haben wir bei Jugend Musiziert mitgemacht – das war dann die Motivation ein Programm einzustudieren. So hat sich das entwickelt.

Das heißt, ihr wurdet – überspitzt gesagt – von euren Vätern verkuppelt, ohne euch zu kennen?

Nikolai: Ja genau, kann man so sagen.
Ilja: Zufälligerweise haben wir uns dann aber recht schnell sehr gut verstanden und wollten weiter miteinander spielen.

Kommt es denn vor, dass einer eurer Väter sich einmischt und euch sagt, wie ihr etwas zu tun habt?

Ivo: Besonders unser Vater hat viel mit uns gearbeitet, vor allem am Anfang auch Probenarbeit mit uns gemacht und uns jetzt bei der Produktion der CD sehr geholfen. Aber wenn wir künstlerisch oder musikalisch irgendetwas machen wollen, wird da jetzt nicht reingegrätscht. Wenn, dann unterstützend und nicht: „Macht das aber so!“

Kriegt ihr euch in den Proben manchmal in die Haare, wenn ihr entscheiden müsst, wie ihr ein Stück interpretieren wollt?

Weiterlesen

Emerson Prime: einmaliger Sound

Die Band Emerson Prime aus Hannover haben sich von Anfang an ihren eigenen Sound erspielt. Im Moment haben sie auch die ein oder andere neue Single im Gepäck.

Sängerin Erika Emerson ist die Tochter eines englischen Gesangsprofessors und einer schottischen Jazzdozentin. Ihre Kollegen bei Emerson Prime: Simon Lorenz (Bass), Joschka Merhof (Keyboard), Jan Beyer (Gitarre) und Tobias Lammers (Drums). 2015 trafen die fünf das erste Mal am Popinstitut in Hannover im Proberaum aufeinander. Eine EP, ein Album und drei Deutschlandtouren später wirken die Musikerinnen und Musiker, als hätten sie schon immer zusammen gespielt.
Emerson Prime lassen es krachen: Gesang mit Power, massiger Sound, unerwartete Brüche und Wechsel und eine soulig-jazzige Stimmfärbung prallen aufeinander. Heraus kommt eine mitreißende Konstellation. Die Melodien sind alles andere als eintönig, musikalisch hat das Ganze Intensität, das Zuhören macht Spaß.

Fazit: So etwas wie Emerson Prime hört man so schnell wahrscheinlich kein zweites Mal. Die Band klingt eigen und charakterstark, in ihren kreativ-spannenden Melodien sprüht das Quintett vor Energie.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Baby It’s Fine
    • 2018 Debut Wonderseed
  • Umleitung:

Ferge X Fisherman: Smoother Hip Hop

Bei Ferge X Fisherman aus dem Frankenland treffen elektronisch produzierter Hip Hop auf Jazz-Band-Coolness.

Hinter Ferge X Fisherman stehen Rapper Fritz Fisherman und Produzent Ferge. Die beiden Nürnberger kennen sich aus ihrer Jugend – 2009 entstand ihr erster gemeinsamer Track. Ende Mai erscheint schließlich das in den Staaten aufgenommene Debut-Album Blinded By The Neon. Ganz frisch gibt es mit „Backstage“ und „Role“ auch schon zwei Album-Vorboten. Live wird es schön jazzig mit ihrer Band Lakesideboys als Backup-Truppe, die Tour steht für diesen Herbst auf der Agenda.
Ferge X Fisherman bewegen sich zwischen Jazz, Soul und Hip Hop. Rapper Fishermans coole Art funktioniert wunderbar mit der laid-back-Stimmung der Musik. Sanfte Beats und elektronische Produktion legen die Basis für smoothe Fills, die neue Single wartet mit souligen Backing-Vocals auf.

Fazit: Ferge X Fisherman machen Hip Hop ohne viel Aufregung. Durch ihre Songs zieht sich eine besondere Schwingung – manchmal fast minimalistisch setzen sie Effekte gekonnt und besonnen ein.

Wodu: jazziger Indie mit Großstadt-Flair

Bei der Musik von Wodu wird man schnell hellhörig. Eine tolle Band mit einer tollen Sängerin an der Spitze jazzt und groovt sich durch Berlin und den Rest der Republik.

Hinter dem Namen Wodu verbergen sich Sängerin Natalie, Bassist Gabriel, Gitarrist Rizzi, Hendrik an den Drums und Hannah am Cello. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 haben die fünf einiges an Banderfahrung gesammelt: Zwei EPs sind entstanden, live waren sie neben Konzerten in ihrer Homebase Berlin auf verschiedenen deutschen Festivals zu sehen und auch europaweit waren sie schon auf Tour. Am 5. März veröffentlichen sie ihr erstes Album Wo sind wir denn? und feiern die Release gleich noch mit einem abendlichen Konzert in der Berliner Junction Bar.
Die Mitglieder von Wodu sind jeder für sich bemerkenswerte junge Musikerinnen und Musiker. Stimmlich überzeugt Sängerin Natalie mit viel Volumen und Power, die Gitarre stellt eine funkige Basis bereit, der Schlagzeuger fängt Atmosphäre ein und sorgt gemeinsam mit dem Bassisten für stabilen Drive. Besonders das Cello ist eine tolle Ergänzung der Jazz-Besetzung und bietet mit schönem Streich-Hintergrund einen entspannenden Gegenpol zu den kräftigen Sounds der Bandkollegen. Zwischendurch lässt sich die Combo außerdem von Bläsern Akzente setzen und in instrumentalen Phasen ohne Gesang kommen alle Instrumente zum Zug.

Fazit: Wo sind wir denn? ist eine absolute Empfehlung. Softer Jazz, funkige Akkorde, etwas junger Indie-Spirit – alles aber sehr eingängig, abwechslungsreich und alles andere als jazz-typisch verkopft.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Wodu
    • 2020 Debut-Album Wo sind wir denn? (VÖ 5.3.)
  • Umleitung:

Wir möchten wissen, ob euch Musik unterm Radar gefällt und was noch besser werden soll. Deshalb bitten wir um euer Feedback. (Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Ragtime Rumours: Multiinstrumentalisten aus Holland

Mehrstimmiger Gesang, Akustikgitarre, Banjo, Kontrabass, Flöte, Baritonsaxophon, Schlagzeug, Kazoo, Waschbrett – die Liste könnte noch weiter gehen, wenn man alle Instrumente aufzählen würde, die man in den Liedern der Ragtime Rumous heraushört.

Die Ragtime Rumours sind zwar nur zu viert, bringen aber Instrumente für ein halbes Orchester mit. Angefangen haben Tom Janssen, Niki Van Der Schuren, Thimo Gijezen und Sjaak Korsten mit Gigs in kleinen Bars und als Straßenmusiker. Inzwischen gewinnen sie namenhafte Preise, beispielsweise bei der European Blues Challenge – und auch bei deren internationalen Pendant in Memphis, Tennessee waren sie schon dabei und repräsentierten ihre niederländische Heimat.
Die Musik der Band ist genretypisch rhythmisch und flink. Gespickt sind die packenden Songs mit Call-and-Response-Passagen und Soli. Die raue Stimme von Lead-Sänger Janssen passt wunderbar zur Begleitung (ganz besonders zum weichen Klang des Baritonsax), der Drummer steuert mal treibende Rhythmen und mal zurückhaltende Untermalung bei.

Fazit: Die Ragtime Rumours sind vier Profis. Die Multiinstrumentalisten beherrschen ihr Metier und scheinen trotzdem nicht den Spaß am Musikmachen vergessen zu haben.

Der Tipp zu dieser Band kam von Thursdaynext vom Buchblog Feiner reiner Buchstoff. Vielen Dank dafür!
Du hast auch einen Musiktipp? Hier geht’s zum Kontaktformular.

Katie Mahan im Interview: „Ich wusste mit vier, dass ich Pianistin werde“

Schon von weitem hört man das Klavier aus dem Übungsraum des Steinway & Sons in Berlin, wo die amerikanische Pianistin Katie Mahan ihr Interview gibt. Sechs Stunden übt sie am Tag, schon als Kind spielte sie erste Konzerte, gerade tourt sie mit dem Programm zu ihrer CD Classical Gershwin. In den letzten Jahren hat Katie Mahan unter anderem die Klavierwerke von Leonard Bernstein für die Deutsche Grammophon aufgenommen und ein Album mit Stücken von Debussy. Auf ihrer neuen CD spielt sie eigene Bearbeitungen von Klassikern wie „Fascinating Rhythm“, „I Got Rhythm“ oder „Rhapsody In Blue“. Auf ihrem Zwischenstopp in Berlin gab die Künstlerin Musik unterm Radar einen Einblick in ihre Arbeit.

Musik unterm Radar: Liebe Katie, lass uns über deine neue CD sprechen. Was macht die Musik von George Gershwin so besonders für dich, dass du ihm jetzt ein ganzes Album widmest?

Katie Mahan: Ich wusste, dass ich Pianistin werden wollte, seit ich mit vier in einem Konzert von Katia und Marielle Labèque saß. Die beiden haben an dem Abend auch Gershwin gespielt, so war seine Musik von Anfang an wichtig für mich. In Konzerten habe ich aber vor allem Debussy und die Wiener Klassiker gespielt. In Europa wurde ich dann oft gefragt, warum ich nicht mehr amerikanische Musik spiele, also habe ich bei Konzerten dann auch mal Gershwin gespielt. Inzwischen kann ich kaum ein Konzert ganz ohne Gershwin spielen, weil die Leute jetzt sagen: „Du kannst gern alles spielen, was du möchtest, aber am Ende bitte, bitte Gershwin!“

Würdest du sagen, dass du dich als Amerikanerin anders in Gershwins Musik wiederfindest, als jemand, der nicht aus den USA kommt?

Das kann sein. Die „Rhapsody In Blue“ zum Beispiel ist absolut New York: Man sieht die Lichter, „Glitz and Glamour“ und das Interkulturelle. Und auch die Entstehungsgeschichte muss man kennen: 1923 hat der Bandleader Paul Whiteman Gershwin gefragt, ob er für ein besonderes Konzert etwas komponieren würde. Gershwin sagte zu und hörte dann aber bis zum nächsten Jahr nichts mehr davon. Vier Wochen vor dem Konzert stand dann in der Zeitung, dass Gershwin ein Klavierkonzert komponiert hätte. Er hatte bis dahin noch nicht einmal damit angefangen und schrieb die ganze „Rhapsody In Blue“ auf einer Zugfahrt von New York nach Boston. Wenn man diese Geschichte kennt, hört man das alles: den Zug, die Menschenmassen von New York, das Verkehrschaos, die kleinen Straßen in Brooklyn. Beim Spielen sehe ich alles vor mir und ich möchte erreichen, dass mein Publikum es auch sehen kann. Deshalb freue ich mich auch, dass ich neben der CD auch ein Video dazu gemacht habe, das war schon länger ein Wunsch von mir.

George Gershwin hat vor etwa 100 Jahren gelebt. Seitdem hat sich viel getan. Inwiefern passen seine Kompositionen auch noch in das moderne Leben?

Die meisten Menschen haben diese Songs irgendwann schon einmal gehört. Stücke wie „I Got Rhythm“ und auch die „Rhapsody In Blue“ sind so bekannt, dass sie echte Jazz-Standards geworden sind. Und seine Musik macht die Leute einfach glücklich, glaube ich.

Die „Rhapsody In Blue“ ist ursprünglich ein Werk für Klavier und Orchester, auf deiner CD spielst du sie allein auf dem Klavier. Worauf muss man achten, wenn man ein so Werk für ein einziges Instrument bearbeitet? Wie gehst du beim Arrangieren vor?

Weiterlesen