Anna Buchegger zeigt, wie man vermeintlich Verstaubtes abputzen und in neues Gewand packen kann. In ihrer Musik kombiniert sie Salzburger Dialekt, Heimatgefühle, Jodeln und volkstümliche Klänge mit modernem Pop – und bevor ihr jetzt wegklickt: Ja, das geht! Und ihr solltet es euch anhören.
Buchegger ist in einem, wie sie es selbst nennt, „Provinzkaff“ aufgewachsen. Hier spielte sie bereits als Kind Instrumente wie das Hackbrett und ließ keine Gelegenheit aus, zu singen. Früh zog es sie nach Salzburg, anschließend nach Wien. Aufs traditionelle Musizieren in der Heimat folgten Jazz, Soul und R’n’B.
In Österreich haben viele ihren Namen wahrscheinlich 2021 das erste Mal gehört, als sie die Castingshow „Starmania“ gewann. Dass sie mittlerweile aber mit viel mehr als einer teuer produzierten Hauptabend-Sendung in Verbindung gebracht wird, ist ihrem eigenen Stil zu verdanken.
Schon auf ihrem ersten Album Windschatten (2024) war ihr wichtig, Musik zu produzieren, die all ihre Welten verbindet. Pop und Heimatklänge. Jazz und Jodeln. Tradition und auch die Kritik daran. Besonders auf den Punkt bringt das direkt der erste Song auf dem Album: „Kim Vorbei“ (hochdeutsch: Komm vorbei) mit Hackbrett, Gejodel und Salzburger Dialekt. Im Text besingt sie den Prozess, sich als Kind langsam von der Heimat abzunabeln und eigene Weg einzuschlagen. Und genau das tut sie ja selbst musikalisch. Traditionelle Klänge holt sie in die Jetzt-Zeit.
Dass im Aufrechterhalten von Traditionen aber überschwänglicher Patriotismus nichts zu suchen hat, besingt Anna Buchegger in „Vaterland“. Auf ihrer Website schreibt sie: „Vaterland ist die unzensierte Kritik am Patriotismus, an zu wenig aufgearbeiteter Geschichte und dem Festhalten an veralteten Strukturen.“ Mich auf alle Fälle hat dieser Song sofort abgeholt.
Den Weg, den sich Buchegger mit Windschatten selbst freigeschaufelt hat, verfolgt sie mit ihrem zweiten Album Soiz (hochdeutsch: Salz) weiter. Das Album ist eine Ode an das „weiße Gold Salzburgs“, das sowohl Würze ins Leben als auch Schmerz in offene Wunden bringen kann.
Der Song, der mich am schnellsten bekommen hat, war „Maria“. Sie besingt hier Maria von Trapp, deren Lebensgeschichte als Vorlage für den Filmklassiker „The Sound of Music“ fungierte. Sprich: Typisch österreichisch, typisch salzburgerisch. Die Brücke zwischen Kult und Gegenwart schlägt sie auch hier. In „Maria“ beweist Anna Buchegger außerdem, was für eine starke Sängerin sie ist, denn mehr Attitude kann man in einer Stimme kaum bündeln. Gerade die letzte Minute verbringt sie damit, einen kräftigen Ton, nach dem anderen herauszubrettern.
Scharfe Kritik kommt von Buchegger auch in „Es liegt an dir“, in dem sie Gewalt an Frauen und den gesellschaftlichen Umgang mit dieser anprangert. „Das Umkehren der Täter-Opfer-Rolle macht mich wütend“, schreibt sie auf ihrem Blog. Ein Song, der Bucheggers Facetten aber wahrscheinlich am besten zusammenfasst, ist der Titelsong: „Soiz“. Über einen einprägsamen Electro-Beat singt sie in ihrem gewohnten Dialekt, jodelt und zieht die Hörerschaft fast schon mit sich durch den ganzen Song. Mir auf alle Fälle hat Buchegger damit nicht das Hörerlebnis versalzen. Ihre Prise war genau richtig.
Besonders empfehlenswert ist Anna Bucheggers eigene Website. Dort finden sich zu jedem Song ein kurzer Text, was genau die Sängerin vermitteln möchte. Dieses Jahr tourt Buchegger ebenfalls durch Österreich. Ich würde sagen: „Kim Vorbei!“
- Meilensteine:
- 2021 Castingshow „Starmania“ gewonnen
- 2024 Debüt Windschatten
- 2025 Soiz
- Links:
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