Velvet Two Stripes: Rock im Gepäck

Velvet Two Stripes lassen sich in keine Schachtel zwängen. Das Trio besteht aus den Schwestern Sophie und Sara Diggelmann (Gesang und Gitarre) sowie der Bassistin Franca Mock und bewegt sich zwischen Blues, Garage, Rock und Punk. Die drei Schweizerinnen machen ihr eigenes Ding, setzen sich als female Rockband durch – und bleiben dabei vor allem einer Sache treu: sich selbst.

2014 veröffentlichten Velvet Two Stripes ihr erstes Album VTS, zwei weitere folgten 2019 und 2021. Für Oktober 2023 ist das nächste Album angekündigt: No Spell For Moving Water. Wer ein bisschen in die Songs von Velvet Two Stripes reinhört, merkt schnell: Die drei haben es drauf. Gekonnt kombinieren sie rockigen Gesang, eine punkige Gitarre und fuzzige Sounds. Dabei schaffen sie es, etwas ganz Eigenes entstehen zu lassen. Sich für irgendetwas oder irgendwen (zum Beispiel die Musikindustrie) zu verbiegen, kommt für sie nicht infrage. Ihr Sound ist individuell, und trotzdem bleiben sie nicht stehen: Ihr Motto ist „always moving, never stopping“, und so entwickeln sie sich stetig weiter, ohne etwas von ihrer Individualität einzubüßen.

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Josh Island: Sommer-Pop in bittersüß

Josh Island kommt mit ausgefuchsten Songs um die Ecke. Insgesamt geht’s Richtung Pop, aber je nach Song lässt er mal mehr Singer/Songwriter, mal mehr Soul mit einfließen. Geboren wurde der Sänger in England, aufgewachsen ist er in Deutschland, und inzwischen wohnt er in Luxemburg. In die alte Heimat führt ihn von Mitte August bis Ende Oktober seine eigene Deutschlandtour. Vorher hatte er als Vorband unter anderem schon mit Größen wie Passenger zu tun. Das passt übrigens ganz wunderbar, denn die Stimmen der beiden haben durchaus eine gewisse Ähnlichkeit.

Trotz eher softer Melodien kriegt man selbst bei ruhigen Songs wie „Make It“ einen Groove geliefert, auf den man sich verlassen kann – und zwar gerade, weil Josh Island weiß, dass bloßes Draufhauen nicht in Frage kommt: Ausgeklügelte Schlagzeugbeats gehen Hand in Hand mit warmen, perlenden Bassläufen und ineinandergreifenden Gesangsspuren. Bei Synthesizer und Gitarre kommen oft auch Verzerrungen zum Einsatz, trotzdem entstehen da ganz feine, unaufdringliche Riffs und man merkt, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Ganz im Kontrast zu dem eher vorsichtigeren, verspielten Sound in „Make It“, klingt „Patio Blues“ mit seinen Tex-Mex-Gitarren härter, etwas düsterer und überhaupt ganz anders: kräftiger Gesang, Tonartwechsel zu Dramatik-Zwecken, viel Bass Drum.

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Portraits Of Tracy: Hip Hop und Pop in irrsinniger Allianz

Portraits Of Tracy ist das Künstlerprojekt des seit seinem fünfzehnten Lebensjahr musikalisch umtriebigen Couren Bowman aus Louisiana. Als Couren The Producer hat er unter anderem Releases von Tyler, the Creator neue Beats verpasst und diese neben eigenen Tracks auf Youtube veröffentlicht, womit er sich bereits an die 30.000 Follower erarbeitet hat. Im Mai brachte der inzwischen 18-jährige Rapper, Vocalist und Multiinstrumentalist sein bereits drittes Album heraus.

Drive Home hat achtzehn Tracks, die zwischen Battle-Rap mit jugendlicher Attitüde (manchmal mutet Courens Stimme nahezu kindlich an) und Pop-Hymnen mit wabernden Synthesizer-Flächen, dann wieder Klangcollagen und Spoken-Word-Hörspielen umhergeistern, jedoch nie irren, weil die Produktion das Ganze zusammenhält. Die Beats sind so fett, dass meine Abspielgeräte verzerrend in die Knie gehen, was Absicht sein mag (nicht muss), dem Ganzen nicht schadet und vielleicht auch daher kommt, dass mein Hifi-Equipment Schrott ist. Denke ich kurz, ich habe alles gehört und Couren durchschaut, belehrt mich der Track “The Afterparty” eines Besseren: jazziges Klavier, massiges Arrangement, betörend schöne Vocals und ganz viel Pathos. Junie ist der Name des Protagonisten in den Tracks – macht man 2023 ernsthaft wieder Konzeptalben? Die Hörspiel-Passagen scheinen eine Rahmenhandlung vorzugeben, die in den Tracks weitererzählt wird. Bei Junie läuft es nicht rund, die Dialoge enden im Streit oder mit Schüssen. Besser ist, man fährt heim.

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David Caspar: sanfter Songwriter-Pop

Wie es sich für einen echten Songwriter gehört, hat David Caspar schon früh die Welt auskundschaftet: Geboren wurde er in den Emiraten und auch nach der Scheidung seiner Eltern reisten er und seine Zwillingsschwester viel mit je einem Elternteil umher. Nach mehreren Monaten in Südostasien fand die Familie schließlich in der Schweiz ihr Zuhause. Zu seiner musikalischen Leidenschaft kam David Caspar spätestens durch die vielen Busfahrten, die er mit seinem iPod überbrückte. Sein eigenes Debütalbum Among The Breakers erschien 2022.

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The Livelines: female-fronted Newcomer-Truppe

The Livelines bewegen sich zwischen klassischem Gitarren-Rock mit einschneidenden Soli, rotzigen Akkorden und stampfenden Drums auf der einen und melodischem Pop-Gesang auf der anderen Seite. Die Songs der Osnabrücker klingen massig, sind voller Power und kommen ohne große Schnörkel aus.

Gemeinsam mit Sängerin Maria Koltsov steuern Erik Halilaj an der Gitarre, Hannah Oberste-Wilms an Keyboard und Backing Vocals, Vincent Weiss am Bass und Marius Holkenbrink an den Drums ihren Rock-Dampfer durchs Fahrwasser. Gegründet als Schüler*innenband einer Musikschule mit einem Faible für Cover haben The Livelines sich in ihrer bisher sechsjährigen Bandgeschichte zu einer Truppe mit Charakter und eigenem Sound entwickelt. In ihrer niedersächsischen Heimat hat die junge Band schon den ein oder anderen Newcomer-Preis abgesahnt und außerdem eine erste EP veröffentlicht.

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Flavien Berger: Zeitlose Ohrwürmer aus Paris

Elektronische Musik ist auch im Mainstream auf dem Vormarsch, aber der Pariser Sound-Designer Flavien Berger ist schon seit einiger Zeit ein vielversprechender Protagonist der französischen Szene. Sein Stil lässt sich irgendwo zwischen Psychedelia, Elektro-Pop und Ambient verorten.

Diese Vielseitigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch seine Alben. Seine neueste Platte Dans cent ans (zu deutsch „in hundert Jahren“) ist im März erschienen und erforscht die Grenzen des Pop-Genres. Auf der einen Seite gibt es da den Track „D’ici là“, der unbeschwerten, elektronischen Ambient mit warmen Chören kombiniert. Dann gibt es da aber auch den Titel-Song des Albums, der nicht nur aufgrund der epischen Länge von 15 Minuten heraussticht, sondern auch durch die bedachte Komposition: Oboen und Flöten unterhalten sich mit dem unaufgeregten Gesang von Berger, dazwischen klingen stellenweise harte Synthesizer durch.

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Bon Jour: weicher Alternative-Pop mit Grips

Vom DIY-Trio Bon Jour gibt’s bisher zwar erst drei Singles zu hören, dafür hat die Band gleich schon erste Erfolge gefeiert, unter anderem als Vorband für alt-J gespielt und schon so einige Klicks eingefahren. Neben der Musik haben die Österreicher vor allem auch Spaß an technischen Spielereien: Das Musikvideo zu ihrer zweiten Single haben sie von einer KI basteln lassen, auf ihren Pressefotos sind ihre eigenen Gesichter durch Avatare ausgetauscht und sie nennen sich konsequenterweise eine „3D-köpfige Band“.

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Jessie Monk: Australische Genre-Wandlerin

Geboren in Kanada und aufgewachsen in Australien fing Jessie Monk früh an, sich für die Musik und fürs Tanzen zu begeistern. In Melbourne hat sie unter anderem in David Bowies Musical „Lazarus“ mitgespielt, jetzt hat es sie mit Berlin dauerhaft in eine der Bowie-Städte gezogen. 2021 hat sie dort ihre Debüt-EP veröffentlicht.

Folk, Gypsy-Jazz und Indie mit einer Prise Dolly Parton – so beschreibt Jessie Monk ihre Musik und das passt tatsächlich sehr gut. Die Musikerin probiert sich aus mit komplexen Melodieeskapaden im Gesang, der ohnehin einiges an Stimmgewalt erahnen lässt. Dazu kommen derbe Geigenklänge und rhythmische Gitarre und Percussion. Der countryhafte Refrain in „Mistook You For A Man“ mit den mehrstimmigen Backings und der eher geradlinigen Rhythmik kommt da halb überraschend. Jessie traut sich außerdem auch an anspruchsvolle Cover wie „Kathy’s Song“ von Simon & Garfunkel, bei dem die Latte hoch hängt und man dementsprechend abliefern muss – auch das kein Problem für die Allrounderin.

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Mikk: Songwriter-Pop mit Tiefgang

Die Psyche des Menschen fasziniert Mikk besonders, ob in der Psychologie – ihrer ursprünglichen Schiene – oder in letzter Zeit vor allem als Songwriterin: Shadow Selves wird ihre erste EP heißen. Angelehnt ist der Titel an das psychologische Konzept des „Schattens“ von C. G. Jung.

Aufgewachsen ist die Britin in Österreich. Nach einer Londoner Phase zwischendurch lebt Mikk heute in Wien. Bisher gibt es von ihr drei erste Singles zu hören, bevor im Herbst ihre EP erscheinen soll. Im April und Mai ist sie auch live in Deutschland und Österreich unterwegs.

Mikks Wiedererkennungsmerkmal ist ihre glasklare Singstimme. Die wirkt in ihren Songs auf eine gewisse Weise jugendlich und gefestigt gleichzeitig. Mikk hat außerdem ein Händchen für minimalistische Begleitung. Eine gezupfte Akustikgitarre liefert den prägenden Unterbau zu ihrem Gesang, dazu kommen ab und an zurückhaltende Drums, Streicher, Klavier oder auch Elektronik.

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iluma: Indie-Pop mit Sound-Facetten

iluma aus Regensburg und Köln stehen für wohlaustarierten Indie-Pop mit einer jazzy Note. Im Kern der Band stehen die beiden Frontfrauen Lucca Linke und Corinna Böhm an Gitarre, Synthies und Gesang. Beide sind ausgebildete Musikerinnen und machen schon seit 2013 in verschiedenen Projekten gemeinsam Musik. Mit Luke Scheuermeyer an den Drums sind sie inzwischen als iluma unterwegs und haben Ende 2022 ihre erste EP veröffentlicht.

Die Songs leben vom zweistimmigen Gesang der beiden Sängerinnen, von origineller Rhythmik und interessant eingefärbten Gitarrenchords. Wie in einem Prisma brechen sich bei iluma die verschiedenen Klänge und Stimmen in ihre Facetten. Alles ist dabei eingebettet in einen weichen Sound ohne klare Lead-Stimme.

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