Samantha Urbani: Die neue alte Madonna? 

Die Künstlerin mit dem wahrscheinlich coolsten Namen der Welt mit ihrem ersten Album: Samantha Urbani ist eine amerikanische Sängerin, Songwriterin, bildende Künstlerin, Filmemacherin, ein Model, eine Produzentin und eine äußerst charismatische Erscheinung. Sie gründet im Jahr 2010 die Band Friends, welche sie nach drei Jahren, einer Reihe von Singles und einem Album auflöst, um im Anschluss mit Dev Hynes (Blood Orange) an dessen bis dato wahrscheinlich bestem Album Cupid Deluxe zu arbeiten. Diese äußerst fruchtbare Kooperation führt sie auf großen Bühnen wie dem Lollapalooza, dem Coachella und in Jimmy Kimmels Show.

Weiterlesen

jupiter flynn: „Ich wollte die Erste sein, die ein Konzert im Weltraum spielt.“

Schon als Schülerin wurde jupiter flynn für ihr Debütalbum von Wintrup unter Vertrag genommen, ihre allererste Single „difficult times“ hat ihr inzwischen an die 900.000 Streams bei Spotify eingefahren. Zuletzt veröffentlichte sie mit „monsters and men“ eine neue Single. Zum Interview in einem Café im herbstlichen Kreuzberg kommt die Indie-Newcomerin beladen mit Gitarre, Ukulele und einem Koffer voll Equipment. Später wird sie um die Ecke noch für einen Support-Gig auf der Bühne stehen. Bevor sie zum Soundcheck muss, hat die Musikerin aber Zeit für einen Ingwertee und ein Gespräch über ihre Faszination für Wissenschaft, die Studio-Sessions mit dem Drummer von Wir sind Helden und ihren Umgang mit Druck im Musik-Business.

© jupiter flynn

Musik unterm Radar: Obwohl du kürzlich erst 20 Jahre alt geworden bist, hast du schon ein Album rausgebracht und eine EP in Arbeit. Wolltest immer schon Musikerin werden?

jupiter flynn: Ich schreibe Songs, seit ich 15 bin. Aber es war eigentlich gar nicht geplant, dass ich Musikerin werde. Ich wollte immer Wissenschaftlerin werden wie mein Dad. Ich habe vor zwei Jahren auch ein Chemiestudium angefangen, aber nach drei Monaten direkt wieder abgebrochen.

Wie kam’s?

Ich hatte nicht genug Zeit für Musik. Außerdem war wegen Corona alles online. Seitdem mache ich jetzt hauptsächlich Musik. Aber Naturwissenschaften mag ich immer noch: Psychologie, Biochemie, solche Sachen. Ich lese viele nerdy Bücher. Wenn ich viel Musik mache, brauche ich immer auch anderen Input als Ausgleich.

Vor allem für den Weltraum kannst du dich ja sehr begeistern.

Weiterlesen

Kings Elliot: Alt-Pop zwischen Softness und Power

Bei Kings Elliot geht’s verdientermaßen steil nach oben: Seit sie neun ist, komponiert und textet die Schweizerin, inzwischen ist sie bei Universal unter Vertrag, hat zwei EPs rausgebracht und war als Vorband mit Imagine Dragons und Macklemore auf deren US-Tour unterwegs.

Ein besonderes Faible hat Kings Elliot für Lyrics: „Ich bin irgendwie besessen von Songtexten und Strukturen. Das war schon immer so.“ Aus ihrer Kindheit erzählt sie: „Wenn ich einen Song hörte, ging ich an den Computer und suchte den Text, druckte ihn aus und legte ihn in einen Ordner, während ich Ärger bekam, weil ich die ganze Tinte und das Papier verbraucht hatte.“ Ihre eigenen Texte bringen oft auch eine gewisse Schwere mit sich, drehen sich um psychische Probleme, Einsamkeit oder unglückliches Verliebtsein.

Weiterlesen

Deer Anna: Allrounder in den Startlöchern

Wer die Hamburger Singer/Songwriterin Deer Anna noch nicht auf dem Schirm hat: Jetzt ist die Zeit, ihren Weg genau zu verfolgen. Denn obwohl sie von so Einigen aus der Musikbubble schon ziemlich gefeiert wird, steht Deer Anna noch recht am Anfang ihrer Laufbahn. Gerade Anfang September hat sie ihr Debütalbum herausgebracht.

Deer Anna ist ein künstlerischer Allrounder und ist, statt wie geplant Kunst zu studieren, einfach gleich eingetaucht ins Handfeste: Sie gestaltet ihre Cover-Art und Requisiten für Musikvideos selbst, für ihr Merch bestickt die Künstlerin eigenhändig Second-Hand-Shirts. Und dann ist da natürlich ihre Musik.

Weiterlesen

Starchild & The New Romantic: Songs, die Prince zu schreiben vergaß

Bryndon Cook ist ein Mann mit vielen Talenten. Mit dem Plan, Schauspielerei zu studieren, geht er nach New York, wird dort ein Akteur der Brooklyner Musikszene und kollaboriert unter anderem mit Dev Hynes (Blood Orange), Adam Bainbridge (Kindness), Chairlift, Solange Knowles und Maggie Rogers. Er modelt, steht für einige Serien vor der Kamera, und dann ist da noch sein liebenswertes Soloprojekt mit dem tollen Namen Starchild & The New Romantic.

Das klingt im Kern nach Eighties, R&B und Funk. „Champion Music for the Heartbroken“ nennt Cook es selbst und tatsächlich weht in all seinen Kompositionen ein Hauch von Schwermut mit, etwas sehnsüchtig Romantisches, wie wir es von Prince kennen, wenn es schneit im April oder wenn die Tauben schreien. Und selbst dann, wenn Cook uns zum Tanzen auffordert – und das macht er gern und mit Nachdruck – schwingt es mit, und wärmt oder bricht je nach Verfassung das Herz des geneigten Hörenden. Enter at your own risk.

Weiterlesen

Velvet Two Stripes: Rock im Gepäck

Velvet Two Stripes lassen sich in keine Schachtel zwängen. Das Trio besteht aus den Schwestern Sophie und Sara Diggelmann (Gesang und Gitarre) sowie der Bassistin Franca Mock und bewegt sich zwischen Blues, Garage, Rock und Punk. Die drei Schweizerinnen machen ihr eigenes Ding, setzen sich als female Rockband durch – und bleiben dabei vor allem einer Sache treu: sich selbst.

2014 veröffentlichten Velvet Two Stripes ihr erstes Album VTS, zwei weitere folgten 2019 und 2021. Für Oktober 2023 ist das nächste Album angekündigt: No Spell For Moving Water. Wer ein bisschen in die Songs von Velvet Two Stripes reinhört, merkt schnell: Die drei haben es drauf. Gekonnt kombinieren sie rockigen Gesang, eine punkige Gitarre und fuzzige Sounds. Dabei schaffen sie es, etwas ganz Eigenes entstehen zu lassen. Sich für irgendetwas oder irgendwen (zum Beispiel die Musikindustrie) zu verbiegen, kommt für sie nicht infrage. Ihr Sound ist individuell, und trotzdem bleiben sie nicht stehen: Ihr Motto ist „always moving, never stopping“, und so entwickeln sie sich stetig weiter, ohne etwas von ihrer Individualität einzubüßen.

Weiterlesen

Josh Island: Sommer-Pop in bittersüß

Josh Island kommt mit ausgefuchsten Songs um die Ecke. Insgesamt geht’s Richtung Pop, aber je nach Song lässt er mal mehr Singer/Songwriter, mal mehr Soul mit einfließen. Geboren wurde der Sänger in England, aufgewachsen ist er in Deutschland, und inzwischen wohnt er in Luxemburg. In die alte Heimat führt ihn von Mitte August bis Ende Oktober seine eigene Deutschlandtour. Vorher hatte er als Vorband unter anderem schon mit Größen wie Passenger zu tun. Das passt übrigens ganz wunderbar, denn die Stimmen der beiden haben durchaus eine gewisse Ähnlichkeit.

Trotz eher softer Melodien kriegt man selbst bei ruhigen Songs wie „Make It“ einen Groove geliefert, auf den man sich verlassen kann – und zwar gerade, weil Josh Island weiß, dass bloßes Draufhauen nicht in Frage kommt: Ausgeklügelte Schlagzeugbeats gehen Hand in Hand mit warmen, perlenden Bassläufen und ineinandergreifenden Gesangsspuren. Bei Synthesizer und Gitarre kommen oft auch Verzerrungen zum Einsatz, trotzdem entstehen da ganz feine, unaufdringliche Riffs und man merkt, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Ganz im Kontrast zu dem eher vorsichtigeren, verspielten Sound in „Make It“, klingt „Patio Blues“ mit seinen Tex-Mex-Gitarren härter, etwas düsterer und überhaupt ganz anders: kräftiger Gesang, Tonartwechsel zu Dramatik-Zwecken, viel Bass Drum.

Weiterlesen

Portraits Of Tracy: Hip Hop und Pop in irrsinniger Allianz

Portraits Of Tracy ist das Künstlerprojekt des seit seinem fünfzehnten Lebensjahr musikalisch umtriebigen Couren Bowman aus Louisiana. Als Couren The Producer hat er unter anderem Releases von Tyler, the Creator neue Beats verpasst und diese neben eigenen Tracks auf Youtube veröffentlicht, womit er sich bereits an die 30.000 Follower erarbeitet hat. Im Mai brachte der inzwischen 18-jährige Rapper, Vocalist und Multiinstrumentalist sein bereits drittes Album heraus.

Drive Home hat achtzehn Tracks, die zwischen Battle-Rap mit jugendlicher Attitüde (manchmal mutet Courens Stimme nahezu kindlich an) und Pop-Hymnen mit wabernden Synthesizer-Flächen, dann wieder Klangcollagen und Spoken-Word-Hörspielen umhergeistern, jedoch nie irren, weil die Produktion das Ganze zusammenhält. Die Beats sind so fett, dass meine Abspielgeräte verzerrend in die Knie gehen, was Absicht sein mag (nicht muss), dem Ganzen nicht schadet und vielleicht auch daher kommt, dass mein Hifi-Equipment Schrott ist. Denke ich kurz, ich habe alles gehört und Couren durchschaut, belehrt mich der Track “The Afterparty” eines Besseren: jazziges Klavier, massiges Arrangement, betörend schöne Vocals und ganz viel Pathos. Junie ist der Name des Protagonisten in den Tracks – macht man 2023 ernsthaft wieder Konzeptalben? Die Hörspiel-Passagen scheinen eine Rahmenhandlung vorzugeben, die in den Tracks weitererzählt wird. Bei Junie läuft es nicht rund, die Dialoge enden im Streit oder mit Schüssen. Besser ist, man fährt heim.

Weiterlesen

David Caspar: sanfter Songwriter-Pop

Wie es sich für einen echten Songwriter gehört, hat David Caspar schon früh die Welt auskundschaftet: Geboren wurde er in den Emiraten und auch nach der Scheidung seiner Eltern reisten er und seine Zwillingsschwester viel mit je einem Elternteil umher. Nach mehreren Monaten in Südostasien fand die Familie schließlich in der Schweiz ihr Zuhause. Zu seiner musikalischen Leidenschaft kam David Caspar spätestens durch die vielen Busfahrten, die er mit seinem iPod überbrückte. Sein eigenes Debütalbum Among The Breakers erschien 2022.

Weiterlesen

The Livelines: female-fronted Newcomer-Truppe

The Livelines bewegen sich zwischen klassischem Gitarren-Rock mit einschneidenden Soli, rotzigen Akkorden und stampfenden Drums auf der einen und melodischem Pop-Gesang auf der anderen Seite. Die Songs der Osnabrücker klingen massig, sind voller Power und kommen ohne große Schnörkel aus.

Gemeinsam mit Sängerin Maria Koltsov steuern Erik Halilaj an der Gitarre, Hannah Oberste-Wilms an Keyboard und Backing Vocals, Vincent Weiss am Bass und Marius Holkenbrink an den Drums ihren Rock-Dampfer durchs Fahrwasser. Gegründet als Schüler*innenband einer Musikschule mit einem Faible für Cover haben The Livelines sich in ihrer bisher sechsjährigen Bandgeschichte zu einer Truppe mit Charakter und eigenem Sound entwickelt. In ihrer niedersächsischen Heimat hat die junge Band schon den ein oder anderen Newcomer-Preis abgesahnt und außerdem eine erste EP veröffentlicht.

Weiterlesen