Musik-News: Killerpilze bringen vorerst letztes Album heraus

Die Fakten:

Band: Die Killerpilze
Genres: Deutschrock, Punk
Das steht an: Vorerst letztes Album Nichts ist für immer… (VÖ 06.09.19)

Die Analyse:

Zugegeben, so ganz unter dem Radar spielen die Killerpilze nun nicht, eher im Gegenteil: Schon seit ihrer Teenagerzeit haben die drei Jungs bei den Großen mitgespielt, jetzt sind sie alle um die 30 und starten noch ein letztes großes Ding zusammen. Nichts ist für immer… kommt am Freitag auf den Markt und ist ein Album, wie man es von den Killerpilzen kennt: harte, treibende Schlagzeugrhythmen, Overdrive, spannungsgeladene Melodien, Powerchords, Refrains zum Mitgrölen. Das Trio spielt mit Stimmung – und ab und an hört man doch auch ein wenig Wehmut heraus, immerhin sind seit ihrer Gründung als Schülerband nicht weniger als 18 Jahre vergangen. Insgesamt ist Nichts ist für immer… ein abwechslungsreiches Punkrock-Album, wie gewohnt mit deutschen Texten und viel Energie. Kurz gesagt: Ein gelungener Abschluss.

He Told Me To: Grooviger Indie-Pop

He Told Me To aus Coburg ist vielleicht ein Paradebeispiel für den Indie-Musiker: Mit Elan und unabhängig macht er auf eigene Faust die Musik, die ihm gefällt.

Hinter dem Pseudonym He Told Me To steht der Solo-Künstler und Singer-Songwriter Sandro Weich. Zwei Alben hat der Musiker schon herausgebracht, Mitte Oktober soll das dritte folgen. Verschrieben hat er sich seinem Dasein als Indie-Musiker – und zwar so indie, dass er das erste Album noch in seinem Kleiderschrank aufgenommen hat.
Obwohl er sich selbst gern als „Schmusesänger“ bezeichnet und meist ein melancholisches Feeling im Vordergrund steht, sind die Songs von He Told Me To bei weitem nicht nur Softpop, sondern warten genauso mit härteren Rhythmen und rockigem Drive auf. Die Gitarrenriffs sind catchy, schön ist auch der deutlich zu hörende E-Bass. Zwischendurch gibt es leicht experimentelle Passagen, insgesamt gehen die Songs aber leicht ins Ohr und lassen sich mitsingen. Mit seiner Stimme weiß He Told Me To zu spielen: Je nach Song gibt es nachdrückliche und weichere Phasen, Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und Schwung durch starke Melodien.

Fazit: Mit He Told Me To ist Musiker Sandro Weich ausgesprochen vielseitig unterwegs. Ob akustische oder elektrische Gitarre, allein oder mit Band, zum lauten Aufdrehen oder als Hintergrundmusik: Seine Songs machen Spaß, sind clever gemacht und eine echte Leidenschaft klingt durch.

  • Meilensteine:
    • 2015 Debut While Elephants Sleep
    • 2017 Hurricane Roleplay
  • Umleitung:

Die Sauna: Rock-Reise auf deutsch

Wer auf der Suche nach kernigen Bandnamen ist, der wird schnell feststellen, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis nicht unbedingt einfach zu finden ist. Eine Band aus dem Süden der Republik hatte eine eher ungewöhnliche, wenn auch sicherlich einprägsame Idee: Gemeinsam sind die sechs jungen Männer nämlich als Die Sauna unterwegs.

Nach einer ersten EP 2017 spielte Die Sauna unter anderem als Vorband für Tocotronic. In Vorbereitung auf ihr Debut-Album, das am 30. August erscheinen wird, hat die Band vor kurzem mit „Das Ende“ bereits eine erste Single herausgebracht, die Tour durch den deutschsprachigen Raum ist für Oktober geplant.
Musikalisch bewegen sich Die Sauna zwischen Deutschpop, Punk und Shoegaze-Rock. Das Musikvideo wirkt auch optisch, als hätten sich die sechs via Zeitmaschine das ein oder andere Jahrzehnt zurückgebeamt. Statt auf klassische Bandhierarchien zu setzen, legen Die Sauna in ihrer Musik Wert darauf, dass die Stimme von Sänger Matthias Berg gleichwertig neben den Instrumenten der Bandkollegen an Drums, Gitarren, Bass und Keyboard steht, ohne die Songs allzu sehr zu dominieren. Der Klang wird dadurch dicht und stimmungsreich, der Fokus liegt gleichmäßig verteilt.

Fazit: Die Sauna sind nicht nur vom Namen her unkonventionell. Mit So schön wie jetzt war es noch nie darf man sich auf ein energiegeladenes Konzeptalbum freuen.

Ultraschall im Interview: „Unser Ascheregen ist die Post vom Finanzamt“

Tim Eulenspiegel ist Lead-Gitarrist und zweiter Sänger der Koblenzer Band Ultraschall (hier geht’s zum originalen Beitrag). Ein Gespräch über Schaffensdrang, die neue Single und ein Bandleben trotz Alltagshürden.

Musik unterm Radar: Alternative Rock und deutscher Sprechgesang klingt erst einmal nach einer untypischen Kombination. Wie hat sich euer Stil entwickelt? Gibt es musikalische Vorbilder, auf die ihr euch alle einigen könnt?

Tim Eulenspiegel: Wir fühlen uns ein bisschen als das deutsche Baby von den Red Hot Chili Peppers und Rage Against The Machine. Die Koblenzer Musikszene ist eher klein, so haben wir uns schnell gefunden und der Stil stand dann auch recht bald fest. Überhaupt sind wir eine totale Jam-Band und basteln mit Melodie- und Textschnipseln im Proberaum so lange bis uns ein Thema gefällt.

Eure neue Single „Ascheregen“ ist ein ziemlich lauter, wütender Song. Ich höre junge Menschen, die um ihren Platz im Leben kämpfen. Trifft das zu?

Ja, schon. Der Ascheregen ist im Grunde all das, was im Leben so auf einen einprasselt. Im Hinterkopf hatten wir natürlich die junge Generation, aber eigentlich haben Menschen jeden Alters ihren Ascheregen. Es geht um dieses Gefühl, dass da ein „Ich“ auf der Suche ist und dass man nicht der einzige ist, dem das so geht. Das war eigentlich auch der Grundkonsens für die ganze EP.

Ihr vier seid mit Anfang 20 auch Teil dieser Generation. Was ist euer persönlicher Ascheregen als Band?

Zum Beispiel die Post vom Finanzamt. Dann muss man Steuern zahlen, hat kein Geld fürs Studio und auf dem Weg zum Konzert hat auch noch der Sprinter einen Platten.

Du hast schon angesprochen, dass man „Ascheregen“ auch auf eurer aktuellen EP Odyssee findet, die jetzt schon ein paar Monate draußen ist. Wie ist die Resonanz bisher?

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Julian Leucht & The Night Bus Strangers: Hamburger Blues

Mal verträumt, mal auf dem Boden der Tatsachen: Der Blues funktioniert in jeder Lebenslage – solang die Melancholie nicht zu kurz kommt. Julian Leucht & The Night Bus Strangers spielen sich durch seine Facetten.

Namensgeber und Frontmann Julian Leucht steuert neben seiner Stimme Gitarre und Mundharmonika bei. Bei den Night Bus Strangers handelt es sich um Bastian Grätz am Bass und Johannes Finter am Schlagzeug. Dieses Jahr hat das Hamburger Trio mit III sein neues Album herausgebracht, aufgenommen in drei Tagen und drei Nächten.
Zusammen stellen Julian Leucht & The Night Bus Strangers authentischen Folk- und Blues-Rock auf die Beine. Die raue Stimme von Frontmann Leucht klingt trotz seines jungen Alters wie vom Leben gezeichnet – oder wie er selbst sagt: nach „billigem Whiskey von der Tankstelle“. Und auch sonst machen die drei dem Genre alle Ehre: Bluesige Gitarrenakkorde legen sich in ihren Songs auf präsenten Bass, der Schlagzeuger fängt Feeling ein und setzt Akzente, dazu kommt natürlich die stilechte Blues Harp.

Fazit: Mit lässiger Art setzen Julian Leucht & The Night Bus Strangers den Blues in modernes Licht.

  • Meilensteine:
    • 2014 Debut Blue Motel
    • 2016 Depraved & Wonderful
    • 2019 III
  • Umleitung:

Love Machine: Psych-Rock zum Abschweifen

Etwas Hall, schwebende Gitarrenmotive und zwischendurch ein wenig abgedrehtes Flötenspiel – so funktioniert die Musik der deutschen Psychedelic-Band Love Machine.

Nach fünf Jahren Bandgeschichte, drei Alben und etwas Besetzungskarussell kommt die Düsseldorfer Band nun mit neuen Projekten zurück. Gerade stehen Love Machine am Anfang einer ausgedehnten Tour. Insgesamt bis Ende November kann man die vier hierzulande live sehen, außerdem steht wohl schon eine neue EP in den Startlöchern.
Lange Haare, Voll- und Schnurrbärte prägen die Erscheinung der Psychadelic- und Garage-Rocker. Aber nicht nur das Auftreten des Quartetts ist auf den ersten Blick etwas skurril – auch die Musik von Love Machine hat Wiedererkennungswert: Die Sounds sind experimentell und verträumt, inhaltlich geht es auch mal um die Lieblingspizza und besonders die tiefe Stimme des Sängers ist charakteristisch und raumeinnehmend.

Fazit: Gerade die Kombination aus Musik und Erscheinungsbild macht Love Machine zu einer Besonderheit.

Skratchwork: lässige Indie-Rocker

Mit einer Mischung aus Garagen-Proberaum-Flair und professionell eingespieltem Team gehen die Jungs und Mädels von Skratchwork ihrer Leidenschaft, dem Indie-Rock, nach.

Skratchwork gibt es seit 2016, ihre erste EP ist seit 2018 auf dem Markt. Hinter Sängerin und Keyboarderin Tanja Lerchl stehen außerdem Andrej Prescher an der Gitarre, Allan Bober (Drums) und Luna Lidl (Bass). Seit Anfang Juni ist mit Newborn Orphan Puppy die zweite EP der Münchner erhältlich.
Typisch für Skratchwork ist ihre Musik abseits von klassischen Pop-Melodien. Stattdessen zeigt Sängerin Tanja mit ihrer intensiven Stimme schnell auf, wo es lang geht. Die anderen Bandmitglieder steuern einen rockigen Unterbau bei und haben innerhalb der Songs genug Raum, sich musikalisch auszuleben. So hört man die einzelnen Instrumente schön heraus und obwohl jeder sein eigenes Ding macht, passt alles einwandfrei zusammen und es entsteht ein besonders charakteristischer Klang.

Fazit: Skratchwork machen zwar keine typischen Ohrwurmsongs, dafür strahlen sie eine gehörige Portion Coolness aus.

  • Meilensteine:
    • 2018 EP Fear-Minded Euphoria
    • 2019 EP Newborn Orphan Puppy
  • Umleitung:

JaaRi im Interview: „Wir haben so viele Songideen, dass uns die Titel ausgehen.“

Lauschiger Abend, Vögelgezwitscher, immer noch kräftige Sonnenstrahlen. Für ein Treffen mit dem Sänger einer Grunge-Noise-Punkrock-Band stellt man sich eigentlich eher Sturm und düstere Wolken vor, aber Patrick hat einen Park am Berliner Ostkreuz vorgeschlagen und das Wetter zeigt sich von seiner ungrungigsten Seite.

Musik unterm Radar: Patrick, mit deinen beiden Bandkollegen Maik und Robert spielst du in der Band JaaRi. Samstagabend steht der Release-Gig für euer Debutalbum an. Habt ihr Bock?

Patrick Bäthge: Ja, total! Wir haben wahnsinnig viel Arbeit in die Band gesteckt und sind jetzt super dankbar für alle, die uns unterstützt haben, von den Crowdfundern bis zum Fotografen. Nach mehreren EPs war die Crowdfunding-Kampagne eine sehr spontane Idee und wir waren total überrascht, dass nach wenigen Tagen schon 1000 Euro zusammengekommen waren.

Euer Albumtitel verspricht „The Full Range“, also die volle Bandbreite. Was genau erwartet einen auf eurem Debutalbum?

Sehr viel verschiedenes. Wir haben mit einem Saxophonisten und einem Trompeter zusammengearbeitet, einen befreundeten Texaner haben wir den Text für Opening und Ending einsprechen lassen. Für manche Songs habe ich direkt nach dem Aufwachen meine Träume aufgeschrieben – das kann ich übrigens sehr empfehlen! Und mit „Cpt Missgunst“ ist auch ein deutscher Song dabei, da haben wir die besten Passagen von einem unfertigen alten Text genommen und einfach reingeschrien.

Als ich das erste Mal eure Tracklist gesehen habe, bin ich gleich stutzig geworden: Warum steht hinter eurem Songtitel „Herbert“ der Zusatz „sung by Michael Stipe“, also dem Sänger der Rock-Band R.E.M?

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Annie’s Style: EP für die Freiheit

Kraftvolle Grooves und fetzige Songs sind im Anmarsch – und sie kommen aus Münster. Hier nämlich hat die Indie-Band Annie’s Style ihren Heimathafen.

Die fünfköpfige Gruppe Annie’s Style besteht aus Sängerin Helen Stegemann, Gitarrist Simon Jöken, Julius Furth (Keyboard), Stephan Schiller (Bass) und Benny Doedt am Schlagzeug. Gemeinsam haben die fünf 2017 und 2019 je eine EP herausgebracht, weiter haben sie schon eine Vielzahl von Konzerten gespielt – unter anderem auf einer Gala für Udo Lindenberg – und sind mit ihrer zweiten EP Libre ganz aktuell noch bis Mitte Juni auf Tour durch die Bundesrepublik.
Annie’s Style gehen ganz im Rock und Pop auf, sind aber alles andere als Mainstream. In ihrer Musik klingen verschiedenste andere Genres durch, man findet hier funkige Akkorde in der Gitarre, Bluesrock-ähnliches Klavier, groovig-lässigen Bass und die beeindruckende Stimme von Sängerin Helen tut ihr übriges. Drummer Benny kann sowohl richtig Gas geben als auch etwas ruhiger treten und Stimmung einfangen, wodurch die ganze Truppe wunderbar zusammenpasst.

Fazit: Der Sound von Annie’s Style ist unverwechselbar. Jugendliche Energie und fünf selbstbewusste und unterschiedliche musikalische Charaktere treffen bei ihnen auf Professionalität, die Grenzen von Genres werden ausgetestet und neu definiert.

Musik-News: Neues Album von ESKALATION

Die Fakten:

Band: ESKALATION
Genre: Deutschrock
Das ist neu: Album Hunger (Release 17.5.2019)
Das steht an: Hunger Deutschland-Tour (18.5.-30.8.)

Die Analyse:

ESKALATION (hier geht’s zum Beitrag über die Band) haben mit ihrem neuen Album ein ausgereiftes Werk hingelegt. Wie man es von ESKALATION gewohnt ist, gibt es auch dieses Mal wieder deutsche Texte und ordentliche Bläser-Power. Und auch der Rest der Truppe hat bei den neuen Songs gut zu tun: Die Motive in Keyboard und Klavier haben Wiedererkennungswert, der Bass ist markant und liefert einen stabilen Unterbau, der Schlagzeuger haut ordentlich rein, zwischendurch experimentieren die Musikerinnen und Musiker mit etwas Elektronik.
Was die Themen angeht, hat die Band ebenfalls einiges im Repertoire, von Gesellschaftskritik und „Problemen für die guten Zeiten“ in ihrem Titel „Iss auf!“, über Partysongs wie „Kinder vom Zaun“ bis hin zu Katzencafés und Champagner im Whirlpool. Die sieben Mitglieder haben außerdem ein Händchen dafür, auch in schnellen Songs zwischendurch mal zu entschleunigen. Insgesamt ist Hunger eine starke Veröffentlichung und trifft sicherlich den Nerv des ein oder anderen Indie-Punk-Rock-Fans.

Vorbestellen kann man das Album hier.