Entspannen mit der versteinerten Gemeinschaft

Einen verregneten Nachmittag sollte man am besten auf einem bequemen Sofa mit einer Tasse Tee, einem guten Buch und dem Album Tell Where I Lie von Fossil Collective (= versteinerte bzw. fossile Gemeinschaft) verbringen.

Durch das gut abgestimmte Zusammspiel der Begleitinstrumente, das unaufdringliche Schlagzeug und den Verzicht auf allzu großen Spannungsaufbau entwickelt sich beim Hören schnell eine gewisse Tiefenentspanntheit. Die fließenden, oft noch lange ausklingenden Lieder mit ihren mehrstimmigen Passagen im Gesang nehmen spürbar die Hektik aus dem Alltag und sorgen für ein leichtes Zuhören.
Der Sänger überzeugt mit seiner sanften, klaren Stimme, die trotz eher hoch angesiedelten Melodien nicht zu sehr dominiert, sondern für einen angenehmen Klang sorgt. Die Akustikgitarre, die den wichtigsten Part der Instrumentation übernimmt, besticht währenddessen mit zur Melodie passender Einfachheit und beschränkt sich im Regelfall auf ein durchgehendes Schlag- oder Zupfmuster bei der Akkordbegleitung.
Auch andere Instrumente wie beispielsweise eine E-Gitarre treten ab und an auf und verleihen den ruhigen Melodien mit charakteristischen Intros oder Zwischeneinlagen einen besonderen Charme.

Fazit: Fossil Collective schaffen es jedes Mal aufs Neue, eine einzigartige Gelassenheit in ihrer Musik zu transportieren, indem die Musiker Instrumente wie Gesang gleichermaßen bescheiden wie pointiert einsetzen und den Fokus auf einen intensiven Gesamtklang statt auf Soloeinlagen oder einzelne Melodieführung legen.

Fossil Collective auf Soundcloud: https://soundcloud.com/fossilcollective

Der Zauber bleibt scheu, nur dem Staunenden treu

Ein nuschelnder Singer/Songwriter mit Gitarre und Mundharmonika – der Vergleich mit Bob Dylan ließ naturgemäß nicht lange auf sich warten.

Max Prosa singt auf inzwischen drei im Folk beheimateten Alben über Liebe und Leben und schreckt auch vor politischen Texten nicht zurück. Während Prosa mit Die Phantasie wird siegen ein sehr breit aufgestelltes Debutalbum gelungen ist, sind auf dem zweiten Album Rangoon eher schwermütig-aufgewühlte aber auch sehr melodiöse Titel und mit Hallelujah eine Übertragung des Cohen-Klassikers ins Deutsche zu hören.
Dieses Jahr erschienen ist Keiner kämpft für mehr, das schon eher in Richtung Pop zu verorten ist. Die Stimme des jungen Künstlers klingt dort noch einmal deutlich selbstbewusster, die Klänge sind massiver und etwas experimenteller, die Texte nicht mehr so verträumt.
Mit „Chaossohn“, einem Track mit deutlich gesellschafts- und kapitalismuskritischen Anklängen aus Rangoon, gibt Prosa uns zum Schluss einen schönen Satz mit auf den Weg, den ein jeder sich ab und zu einmal durch den Kopf gehen lassen sollte: „Doch der Zauber bleibt scheu, nur dem Staunenden treu.“

Fazit: Max Prosa gelingt es, mit ausagekräftiger Musik und sensiblen Texten lebhafte Gefühle freizusetzen. Die drei bisher erschienenen Alben sind insgesamt recht unterschiedlich, aber alle auf ihre Art mehr als hörenswert.

Waschechter Blues aus München

Würde man Jesper Munk beim Singen nicht sehen, man würde meinen, diese Stimme gehöre einem über fünfzig jährigen Amerikaner, der sein Leben vornehmlich mit Rauchen und dem Trinken von Whisky verbracht haben. Stattdessen rockt und bluest dort auf der Bühne ein blonder, blauäugiger, deutsch-dänischer Mitte-zwanzig-Jähriger aus München.

Unterstützt von Schlagzeug und Bass spielt Munk virtuose Gitarrensoli und zarte Klavierakkorde. Gleichzeitig singt er mit solch einer kratzigen, von Gefühlen strotzenden Stimme, dass einem die Haare zu Berge stehen.
Schon zu Schulzeiten entdeckte Munk seine Liebe zum Blues, das erste Album For In My Way It Lies entstand nach dem Abi, damals noch mit väterlicher Unterstützung am Bass. Inzwischen ist mit Claim ein großartiges Nachfolgewerk entstanden. Aufgenommen wurde dieses Mal unter anderem mit renommierten Größen aus dem Business in den USA.
Lieder wie „Guilty“, „I Love You“ oder „Morning Coffee“ bestechen mit ihrem ruhigen Klangteppich, der den Gesang unangefochten im Vordergrund stehen lässt. „Hungry For Love“ oder „Smalltalk Gentlemen“ gehen dafür mit einprägsamen Gitarrenriffs und mehr Schlagzeug eher in Richtung Rock. Beides liegt Munk und Band hörbar.

Fazit: Jesper Munk verfügt über großes musikalisches Talent und eine einzigartige Stimme. Herausgekommen sind dabei zwei ausgezeichnete Alben mit einer hohen musikalischen und textlichen Variabilität.

Links: http://www.br.de/puls/musik/bands/jesper-munk-band-der-woche-100.html