Aaron Frazer: Multitalent aus Brooklyn

Aaron Frazer zeigt wie’s geht: Sein Solodebut Introducing… ist rhythmisch, soulig und absolut fesselnd.

In Baltimore aufgewachsen, lebt Aaron Frazer inzwischen in Brooklyn. Bisher ist er vor allem als Schlagzeuger und Co-Sänger bei Durand Jones & the Indications in Erscheinung getreten. Sein erstes Soloalbum hat Frazer am 8. Januar veröffentlicht und sagen wir es so: Es wurde Zeit!
Aaron Frazer gelingt ein einzigartiger Spagat aus tollen Rhythmen, wie man sie von einem Drummer erwarten würde, markanten Bassläufen, Bläsersätzen und seiner besonderen, hohen Stimmlage. Ständig spürt man so einen spannungsbehafteten Gegensatz zwischen Höhen und Tiefen, gleichzeitig sind die Songs sehr gefühlvoll austariert.

Fazit: Aaron Frazer hat mit Introducing… ein bemerkenswertes Soloalbum hingelegt. Kein Wunder, dass so ein Musiker berühmte Fans anzieht: Immerhin kein geringerer als Dan Auerbach von den Black Keys hat das Album produziert.

Kleopetrol: Soul-Power mit Statement

Wie sähe eine Welt aus, in der jeder Mensch so sein darf, wie er möchte – in der wir Schubladen öffnen, unsere Vorurteile herausnehmen und in die nächste Mülltonne werfen? Die Band Kleopetrol aus Braunschweig stellt sich das in etwa so vor: verschiedenste Identitäten, Geschichten und Geschlechter kommen in einem Mix aus Soul und Funk zusammen, ein Austausch auf Augenhöhe entsteht – und mit ihm die politische Botschaft von „Einheit, Selbstbestimmung und Soul Power“, wie sie es selbst in Worte fassen. Über sieben Kunstschaffende, die Musik der 60er und 70er Jahre mit Gegenwart und immenser Überzeugungskraft füllen.

Frauen, die ihre Faust in die Höhe strecken: So beginnt das Video zur aktuellen Single „High Alert 2020“ der 2018 gegründeten, multikulturellen Gruppe Kleopetrol. Auf den ersten Schlag setzt die dreiköpfige Bläserbesetzung mit Trompete und Saxophonen ein, dazu gibt’s starken Rhythmus und energiegeladenen Background-Gesang. So entsteht Groove und Soul-Funk mit einer Prise R&B und tanzbaren Melodien. Spannend wird der Track auch durch die eingeflochtene Audiospur von Rede-Fragmenten der US-amerikanischen Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez auf dem Women’s March 2019 – übersetzt etwa: „Wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Schwarzen* Frauen zu reden, wenn Menschen aufhören wollen, über die Themen von Trans-Frauen, Migrantinnen zu reden, dann müssen wir diese Menschen fragen: Warum ist euch das unangenehm?“. Eine bessere Feature-Besetzung als US-Rapperin Cleva Thoughts hätte dabei nicht gewählt werden können. Ihre Lines verstärken die Botschaft von Empowerment, Authentizität und Solidarität: Im Musikvideo können Frauen nicht nur beim Skaten aus ihren Geschlechterrollen ausbrechen, Superheldinnen sein und ohne Scham in kurzen Röcken tanzen, sondern eben auch wütend rappen und dabei ernst genommen werden.

Weiterlesen

Busty and the Bass: bunte Klangfarben aus Kanada

Busty and the Bass fühlen sich im Jazz, Funk und Soul zuhause. Mit einem Gefühl für Stimmung bringen sie ihre Genres sanft auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach ihrem Start als Campus-Party-Band aus Montreal haben sich die acht Mitglieder von Busty and the Bass auf größere Bühnen und Festivals getraut. Auch mehrere Studio-Aufnahmen sind seitdem entstanden – das aktuelle Album Eddie ist im Sommer herausgekommen.
Softer Bass, funkige Gitarre, Soul-Gesang und jazzige Drums und Percussion sorgen bei Busty and the Bass für eine Mischung aus Gute-Laune-Sound und cleverer Musik. Das Sahnehäubchen ist die gefühlvolle Bläsersection, die die Songs mit ihren Fills unterstreicht.

Fazit: Busty and the Bass haben ein gutes Händchen was ihren Stil angeht. Schnell wippt der Fuß im Takt und die Musiker schwingen musikalisch wunderbar auf einer Wellenlänge.

The Everettes: erfrischender Soul aus der Hauptstadt

Schon auf ihrem allerersten Gig auf der Mersea Island Scooter Rally 2015 in Großbritannien war der Band die Freude an ihrer durch Soul geprägten Musik anzusehen. Wenn The Everettes auf der Bühne sind, sorgen inklusive der drei Frontfrauen mindestens neun MusikerInnen für eine Stimmung, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert und Lust auf Tanzen macht.

Einige der Bandmitglieder waren bereits schon in einer Vorgängerband zusammen unterwegs, deren Wellen bis nach Japan schlugen. Darunter waren Gitarrist Alexander Dommisch und die Sängerin Katharina Dommisch, die nun gemeinsam mit der Britin Jess Roberts und der Berliner Halbkubanerin Laura Niemeyer für ein abwechslungsreiches und harmonisches Gesangserlebnis sorgt. Nach einem Crowdfunding gibt’s nun auch das erste, selbstbetitelte Album auf Vinyl, CD und digital.
Das Bild dieser drei charismatischen Frontfrauen erinnert an das Konzept der souligen Girlgroups aus den 60ern. The Everettes übersetzen diese Idee ins 21. Jahrhundert, ohne sich an feste Vorschriften zu halten und kreieren mit bunter Vielseitigkeit und Unbekümmertheit einen bestechenden Charme. Der unter anderem durch Bläser und Streicher melodisch verzierte Klang unterstreicht die ehrlichen Texte, die vor allem von den Höhen und Tiefen der Liebe handeln.

Fazit: The Everettes machen Soul mit Power. Auch das Debut-Album lohnt sich: Vierzehn größtenteils live eingespielte Songs laden mit gefühlvollem Sound zum Mitgrooven ein.

Autorin:

Luise Asmussen für Musik unterm Radar

Wahnschaffe: Deutschpop geht auch anders

Wahnschaffe weiß, was sie will. Und das ist nicht weniger als das Genre Deutschpop einmal gehörig umzukrempeln.

Ihre erste Band hatte die Sängerin und Gitarristin Wahnschaffe aus Köln mit 14 Jahren. Statt nach dem Studium als Lehrerin zu arbeiten, entschied sie sich für den Weg in die Berufsmusik. Sowohl in verschiedenen Konstellationen als auch solo hat die Künstlerin über die Zeit einiges an Musik veröffentlicht. Mit der eigenen Band ist nun für September eine EP geplant.
Schon die bisherigen Singles faszinieren aber: Selbst in sanft gesungenen Passagen, merkt man sofort wie viel Volumen und Kraft in ihrer Stimme steckt. Auch was Melodien und Harmonien angeht, hat Wahnschaffe den ein oder anderen Twist parat. Allein deshalb schon tut man sich schwer, der Musik von Wahnschaffe das Label „Deutschpop“ aufzuerlegen. Denn in ihren Songs gibt es kaum klassische Pop-Harmonien, stattdessen wird es rockig, soulig, vielleicht sogar jazzig und etwa im Livevideo zu ihrem Song „Leuchten“ erwartet einen am Schluss eine Klangüberraschung, die an die Power von Gospel und Musical erinnert.

Fazit: Die Musik von Wahnschaffe begeistert zurecht – mehr als eine absolute Hörempfehlung kann man da nicht aussprechen.

Tiwayo: auf den Spuren von Soul und Blues

Er kommt aus den für ihre Armut bekannten Banlieues, den Vororten von Paris, und kam über die Blues- und Rock’n’Roll-Platten seiner Eltern auf den Geschmack alter amerikanischer Musik-Legenden. Nach ausgedehnte Reisen nach New Orleans, Chicago und Memphis steht Tiwayo nun mit beiden Beinen in der Musik.

Tiwayo hat in der Szene schon so große Wellen geschlagen, dass sogar Star-Produzent Tony Visconti (David Bowie, Morrissey, The Boomtown Rats) auf ihn aufmerksam geworden ist. Für sein erstes Album The Gypsy Soul of Tiwayo schickte der Musiker auf gut Glück Demos an Black Keys-Produzent Mark Neill, der sofort zur Zusammenarbeit bereit war. Weiter spielte er unter anderem für Sting, Seal und Norah Jones als Vorband.
Seine bluesige Stimme brachte Tiwayo seinen Spitznamen „The Young Old“ ein und ist ohne Frage sein Markenzeichen. Ebenfalls besonders ist sein markantes Gitarrenspiel. Die Songs auf seinem Album klingen alle passend zum Titel rastlos und nach der großen Suche. Trotzdem ist jedes Lied anders: mal geswingt, mal soulig, aber auch mal mit deutlichen Einflüssen aus dem Reggae. Durchgängig aber findet man eine simple Eleganz; ohne viel Werkzeug schafft Tiwayo zeitlos gute Musik, die im Ohr bleibt.

Tiwayo ist momentan eine der großen Entdeckungen. Seine „Gypsy Soul“ wird ihn sicherlich noch auf verschiedenste Bühnen bringen und ihm hoffentlich noch die ein oder andere Melodie eingeben.

Henny Herz: besonderes Stimmtalent

Power in der Stimme und Feeling fürs Detail: Henny Herz fesselt einen mit ihren Songs.

Henny Herz ist eine junge Sängerin aus München. Vergangene Woche hat sie nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne ihr erstes Album Back Into Space veröffentlicht.
Die Musikerin ist in mehrfacher Hinsicht eine Entdeckung. Ihre faszinierende Stimme macht den Anfang, dazu lässt sie sich entweder simpel von Gitarre oder Klavier begleiten, oder hat eine ganze Band hinter sich. Man kann sich gar nicht entscheiden: Ist ihre Stimme nun jazzig, soulig, rockig? Henny Herz singt auf Deutsch, Englisch und Französisch, hat eine bemerkenswerte Treffsicherheit und singt auch komplexe Melodieverläufe scheinbar mühelos.

Fazit: Bei Henny Herz handelt es sich um eine spannende aufstrebende Künstlerin, bei der es sich lohnen dürfte, sie in der nächsten Zeit weiter im Auge zu behalten.

  • Meisterwerk: „Walls Of Glass“
  • Meilensteine:
    • 2019 Debut Back Into Space
  • Umleitung:

Magnus: lässiger Blues

Merkmal des jungen Sängers Magnus sind seine fließenden Melodien, die raue Stimme und nachdenkliche Texte.

Der Singer/Songwriter heißt vollständig Magnus Ernst, kommt zwar aus Hessen, lebt in seiner Musik aber lieber in klassisch amerikanischen Breiten. Blues, Jazz, Soul, das sind seine Stärken – erst als Gitarrist, inzwischen auch als Solokünstler. In seinem Debut-Album Leaving, das Anfang Februar erschienen ist, tobt sich der junge Musiker nun richtig aus.
Wie zu erwarten, gibt es viel Gitarre zu hören mit interessanten Akkorden, mal rhythmisch, mal gezupft und melodieführend. Seine Stimme weiß Magnus ebenfalls einzusetzen. Die schöne Mischung aus Nachdruck und etwas sympathischer Verschlafenheit bleibt hängen, kratzig, soulig und ganz sicher mit Leidenschaft.

Fazit: Magnus‘ Musik liefert zeitgleich die richtige Portion Drive und Gelassenheit und ist nach dem Hören garantiert schwer wieder aus dem Kopf zu kriegen.

Rainbow Girls: Musik mit Charakter

Wer auf der Suche ist nach Songs mit Power und guter Laune, nach Lust an der Musik, Talent in Gesang und Instrumentalspiel und lässigem Auftreten, der ist ganz richtig bei den Rainbow Girls.

Wer die Musik von Vanessa May, Erin Chapin und Caitlin Gowdey hört, kann die Sonne Kaliforniens geradezu auf seiner Haut spüren. Folkig, soulig, starker Country-Einfluss und bluesige Töne – das ist amerikanische Musik vom Feinsten. Nach drei veröffentlichten Platten kann man sich nun auf das neueste Album der drei freuen: Give The People What They Want kommt am 22. Februar auf den Markt.
Musikalisch warten die Rainbow Girls mit ordentlich Können auf. Es gibt herrlich angeschliffene Noten im mehrstimmigen Gesang, tolle Soli, gute Vibes und sichtlich Spaß an der Sache. Ebenso viel Freude macht es, den Rainbow Girls dabei zuzusehen, wie sie ganz und gar ihr Ding machen, ganz gleich ob Cover oder eigener Song – die Band hat Ahnung von ihrem Metier.

Fazit: Die Rainbow Girls sind die Band, auf die wir alle schon lange gewartet haben: fetzig, authentisch, mit Harmonie und Energie.

Der Tipp zu den Rainbow Girls kam von der fantastischen thursdaynext vom Bücherblog Feiner reiner Buchstoff. Wer also zum Musikhören noch ein gutes Buch braucht, sollte unbedingt dort mal eine Runde drehen und sich Anregungen holen!

Theo Junior: R&B-Nachwuchs

Wenn die Musikfreunde bereit sind für eine neue Generation Soul, steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern: Theo Junior singt und tanzt sich durch das Genre.

Nachdem der Hamburger Theo Bestelmeyer vor drei Jahren in der Sendung „The Vioce Kids“ zu sehen war, hat er nun Anfang dieses Monats als Theo Junior seine erste Single mit dem Namen „Tanz“ veröffentlicht.
Wie auch Theo Junior selbst, ist die Single im R&B und Soul zu Hause, wenn auch mit einer Tendenz zum Elektronischen. Für seine gerade einmal 15 Jahre ist seine weiche, voluminöse Stimme schon erstaunlich gefestigt. Theo scheint eine klare Vorstellung davon zu haben, wie er klingen möchte und schreckt auch vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, Songs amerikanischer Genres mit deutschen Texten zu singen, nicht zurück. Neben seinem deutschsprachigen Titel „Tanz“ sind auf YouTube allerdings auch mehrere englische Cover von ihm zu finden, in denen er die Werke anderer namenhafter Künstler interpretiert.

Fazit: Obwohl Theo Junior noch am Anfang einer möglichen musikalischen Laufbahn steht, würde man ihm zutrauen, in den nächsten Jahren noch einiges zu reißen.

  • Meilensteine:
    • 2016 Halbfinale bei „The Voice Kids“
    • 2019 Single „Tanz“
  • Umleitung: