Dorfterror: Drei Akkorde gegen den Faschismus

Das Dorf Oberbillig an der deutsch-luxemburgischen Grenze, irgendwo hinter Trier, klingt auf den ersten Blick nicht nach einem Ort, an dem die subkulturelle Szene groß vertreten ist. Es klingt nach Kirchplatz, Sitzbänken unter Bäumen, älteren Herrschaften und einer günstigen Dorfkneipe. Fakt ist aber: Hier sind vier junge Musiker*innen zusammengekommen, die aus der besonnenen Stille des Ortes volle Punk-Kreativität schöpfen. Seit 2018 pflügen sie mit klarer Haltung und ihrer Drei-Akkorde-Vollgas-Punk-Musik durch die Szene. Dorfterror nennen sie sich und repräsentieren die junge Generation Z, die viel zu sagen hat.

Powerchords, punkige Melodien, schnelle Drums mit peitschendem Bass – Dorfterror spiegeln in ihrem Sound den klassischen Deutsch-Punk wider. Dazu laute, teilweise grölende und rotzige Vocals, damit auch bloß keine Missverständnisse entstehen, was die Botschaften angeht.

Ihre Texte handeln von der ignorierten jungen Generation, von den privilegierten Eliten, die die Zukunft verbrennen, und von der anhaltenden Umweltzerstörung, die kommende Generationen ungebremst treffen wird – während die heutigen Entscheidungsträger sich weigern, Verantwortung für deren Zukunft zu übernehmen. Und klar, als Punkband verstecken sich Dorfterror nicht davor, den Rechtsextremismus anzuklagen. Hier treffen sie eine Art Krankheit, die sich im Land immer weiter verbreitet und bei der Menschenhass mittlerweile in sogenannten Volksparteien salonfähig gemacht wird.

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ORA BLU: Blaue Stunde in Songform

Manche Bands klingen, als hätten sie einen ganz eigenen Ort geschaffen, irgendwo zwischen dem letzten Licht des Tages und dem ersten Dunkel der Nacht. Einen Ort, an dem man kurz innehalten kann, bevor alles weiterläuft. ORA BLU aus Berlin sind so eine Band.

Seit ihrer Gründung 2016 haben Henrik (Schlagzeug/Produktion), Marlene (Gesang/Bass) und Kai (Gesang/Gitarre) einen Sound entwickelt, der sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt, und das ist eindeutig Absicht. Funky Basslines, sphärische Gitarren, Vocals, die sich ineinander verschlingen: Wer ORA BLU hört, denkt vielleicht an Khruangbin oder Men I Trust, spürt aber schnell, dass da noch etwas anderes mitschwingt. Etwas Eigenes. Ihr Name ist Programm: Die „blaue Stunde“ ist dieser flüchtige Moment bei Sonnenauf- oder -untergang, in dem die Welt kurz so wirkt, als würde sie den Atem anhalten.

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Behind The Scenes: a-Musik ist einer der besten Plattenläden in Deutschland

Schon mal überlegt ’ne Vinyl zu kaufen? Der Kölner Plattenladen a-Musik ist eine Möglichkeit dafür. Sogar eine ausgezeichnete. Der Laden gewann 2025 den EMIL_ – den deutschen Preis für Schallplattenfachgeschäfte – und profitiert vom Hype um das Kultmedium. 

© Ratfink1973

Wir treffen Georg vor Ladenöffnung im a-Musik. Mit seinem langjährigen Freund Frank betreibt er das Schallplattengeschäft im Kölner Cäcilien-Viertel unweit vom Neumarkt. Viel Holz, viele Platten, viel Gemütlichkeit. Der Laden lädt zum Verweilen und Stöbern ein. Neben den vielen Vinyls stehen auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Bei a-Musik geht es um mehr als das Medium: „Es geht um die Musik“, sagen die beiden Freunde aus Schulzeiten.

Und davon haben sie eine große Vielfalt zur Auswahl. Neben Jazz, Klassik, Avantgarde-Rock und Pop gibt es Töne aus verschiedensten Ecken Welt im Angebot. Ihre Spezialisierung liegt jedoch woanders: „Experimentell-elektronische Musik ist unser Background“, erzählen uns die Ladenbetreiber, die auch selbst gerne mal an den Turntables stehen. Zum Beispiel bei regelmäßig veranstalteten DJ-Abenden. Vor allem eingeladene Musiker*innen laden dann themengebunden zum Zuhören ein. Denn genau darum soll es hier gehen: ums Hören ohne Ablenkung.

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Mega City Four rettete mein Teenager-Ich

1989 steckte mein Teenager-Ich in der Klemme. Gefangen in der dörflichen Provinz, mit Erziehungsberechtigten, die sich nicht die Mühe machten, mich zu verstehen, ahnte ich bereits, dass jenseits von Schützenfest und Fußballverein mehr als das existierte. Aber wo hielt sie sich versteckt, die Subkultur?

Wirst du für das, was du bist, nicht akzeptiert, bleibt dir Resignation oder Rebellion. Ich entschied mich für Letzteres. Meine Freunde hörten Metal. Ich schaute mir gern die Plattencover an, aber die Musik?

The Cure und Bauhaus waren toll, aber von gestern. Bowie und Prince hörte jeder. Ich suchte nach meinem Soundtrack, der sich anfühlte wie ein Geheimnis. Ich suchte Musik, die nur mir gehörte – und fand sie in Mega City Four.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Im Tele-5-Musikformat Offbeat berichtete die bezaubernde Susanne Reimann von vier jungen Briten, die ihr Debüt Tranzophobia betitelten, weil sie auf unendlicher Tour in der Enge ihres Ford Transit durchgedreht waren. Ein kurzes Interview, ein Einspieler des Songs “Occupation”, schon war alles klar. Ich war nicht mehr allein.

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Marathon: Post-Punk auf mehreren Etagen

Schon mal unbekannte Wege durch einen Wald oder neue Hinterhöfe bei einem Stadtspaziergang entdeckt? Kennt ihr diese Neugier, die einen nicht loslässt und dazu antreibt, immer weiter das Gefühl der positiven Spannung aufrecht zu erhalten?

Genau dieser Effekt setzt ein, wenn man sich in die musikalische Welt der Band Marathon hineinfallen lässt. Das Post-Punk-Quintett aus Amsterdam baut mit seinen Songs Räume, die sich wie ein Gebilde zusammensetzen, in dem man hinter jeder Tür schauen möchte.

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Die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

Stefanie B., 37, Journalistin, sitzt um 10:15 Uhr im Café. Es ist ihr dritter Chai Latte (mit Hafermilch, natürlich, wegen der Achtsamkeit). Vor ihr leuchtet das MacBook Pro – ein Geschenk aus besseren Tagen, als der Ex noch Hardware und Seelenheil finanzierte. Der Cursor auf dem weißen Bildschirm blinkt im Takt ihres Herzschlags: nichts, nichts, wieder nichts. 

Sie seufzt und verbirgt die Hände in den Ärmeln ihres Kuschelpullis. 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


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Tötet Steve Harrington

Das habe ich mir anders vorgestellt. Ein riesiges Ensemble über die Jahre liebgewonnener Protagonisten zieht in die finale Schlacht gegen einen übermächtigen Feind, siegt und – geht heim. Das war’s?

Was stand das Internet Kopf. Die Sorge um Fanliebling Steve Harrington aka Joe Keery trieb wilde Blüten. So auch bei mir. Die in Staffel eins als Vollidiot mit Scheißfrisur eingeführte Figur „King Steve“ wandelt sich im Folgenden zum Hüter der Verlorenen, Babysitter mit Herz und Baseballschläger.


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Die Szene, in der Steve die Leiter hinaufsteigt und die Schmierereien über Nancy an der Kinoreklame wegputzt, die er dort in einem Moment der Kränkung hinterließ, ist auch die, in der er Verantwortung übernimmt und damit gleichzeitig zu einer neuen, aufrichtigen Version seiner selbst emporsteigt. 

Das ist Erzählkunst. 

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Ho99o9: Dieses Hiphop-Punk-Gewitter lässt Trommelfell und Hirn wackeln

Punk, Metal, Hiphop und Dubstep in einem? Da klingelt doch was?! Ein amerikanisches Duo lässt an revolutionäre The-Prodigy-Zeiten erinnern: Ho99o9 ist da! Und das lauter denn je.

Seit 2012 vermischen sie alles, was ihnen an Musik in die Finger gerät: theOGM und Eaddy nennen sich die beiden, die ihre Gedanken musikalisch in die Welt schreien. Gegründet in New Jersey erobern sie die Herzen der Liebhaber*innen lauter Musik im Sturm. Mit dem Auftritt beim Afropunk-Festival 2014 bekamen Ho99o9 (gesprochen: Horror) einen Platz in der Newcomer-Liste „10 New Artists you need to know“ des Rolling Stone und sind seitdem weder in ihrer Kreativität noch auf der Bühne zu stoppen.

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